24.1.2001 Schäbige Partei-Possen

Was die Union seit einiger Zeit an Unkultur aufführt, empfinde ich geradezu als abstoßend. Das jüngste Plakat, mit dem der Bundeskanzler als Verbrecher abgekanzelt wird, ist ein neuer Gipfel der Geschmacklosigkeit. Aber in diesem Stil geht es nun schon bald ein Jahr. Um aus ihrem selbstgegrabenen Loch des Spendensumpfes herauszukommen, schrecken Merkl, Merz und Mayer vor keiner Plattheit, keiner Polemik und keiner Beleidigung des politischen Gegners zurück. Generalsekretär Ruprecht Polenz wurde abgesetzt, weil er diese Linie nicht mittragen wollte und von seiner Persönlichkeit her wohl auch nicht konnte. Ob mit ausländerfeindlichen Parolen und Unterschriftensammlungen, mit denen an die niedrigsten Empfindungen appelliert wird, ob mit schäbigen Attacken gegen Minister, die schon inquisitorische Züge haben und den Gegner nur klein machen und in schlechtes Licht rücken wollen - es ist genug! Vieles davon erinnert mich auch an die trivialen Strickmuster von schlechten Comix oder Groschenromanen. Kein Zweifel - die derzeitige CDU-Spitze hält die Bürger für verführbar und blöd. (Über Frau Merkel bin ich sehr enttäuscht, es gab im letzten Jahr mal eine kurze Zeit, da war sie mir sogar sympathisch). Nun kenne ich aber auch viele "schwarze" Politiker, in Bayern zwar nur, die vernünftige und bürgernahe Politik machen, vor allem im kommunalen Bereich. Deswegen will ich mich hüten dieses unwürdige Possenspiel in den oberen Chargen alleine an den Schwarzen festzumachen. In jedem Fall steigert man auf diese Weise die Politik- und vor allem Parteienverdrossenheit der Bürger weiter, wenn überhaupt noch eine Steigerung möglich ist... Die Regierung macht ja wahrlich genug Dinge,  die zu kritisieren sind. Genug Gelegenheit also, bessere Sachargumente anzubringen und auf diese anständige Weise beim Wähler um Mehrheiten zu ringen. Doch auch im Maximillianeum übt sich die rot-grüne Opposition oft in Gegnerschaft aus Prinzip, wenn auch in anständigerer Form. Egal- für mein Verständnis ist die Zeit wirklich überreif, diesen Parteienspuk und dieses unselige Fraktions- und Korpsdenken durch mehr direkte Demokratie in die Schranken zu weisen