25.9.01 Russlands Präsident Wladimir Putin spricht im Bundestag

Zum ersten Mal sprach ein amtierender russischer Präsident im Bundestag und Putin hielt eine bemerkenswerte Rede, noch dazu in deutsch, was als besondere Geste verstanden werden darf. Zuvor hatte sich Parlamentspräsident Thierse für den deutschen Überfall und das unsägliche Leid entschuldigt, das Nazideutschland Russland angetan hat. Und er bedankte sich für die Unterstützung von Gorbatschoff bei der deutschen Wiedervereinigung.

Putins erinnerte an die langen Zeiten guten Zusammenlebens zwischen Russen und Deutschen. Der kalte Krieg ist vorbei, sagte Putin, doch viele hätten das noch immer nicht begriffen. Er forderte eine Forcierung der Wirtschaftsbeziehungen und gemeinsame Sicherheitsstrukturen mit Westeuropa und der NATO. Er erinnerte, daß Deutschland Russlands größter Handelpartner sei (Jahresumsatz 41 Milliarden Mark) und rief auch die geografische Zusammengehörigkeit in Erinnerung. Er forderte, daß mit dem heutigen Tag eine neue Seite in den bilateralen Beziehungen aufgeschlagen werde und unterstrich, daß Russland ein Teil des "Europäisches Hauses" sein wolle und auch sein müsse.

Putin machte auch klar, daß Russland klar zu einem Schulterschluß mit der NATO beim Kampf gegen  den Terrorismus stehe und deutete an, daß der Westen nun vielleicht langsam verstehe, weswegen Russland in Afghanistan und Tschetschenien Krieg führte.

Seine Unzufriedenheit sprach Putin über den Umstand aus, daß man vom Westen, er meinte klar die USA, auch wenn er sie nicht nannte, aber in aller Regel nicht oder viel zu spät konsultiert werde, was wohl keine Art unter Partnern sei.

 

Mein Kommentar: 

Putins Werbung für Russland kann sich wirklich sehen lassen, doch es steht zu befürchten, daß die USA dieses Werben um die Deutschen vermutlich skeptisch sehen werden, zumindest war es in der Vergangenheit immer so. Doch das sollte uns nicht kümmern, denn die Beziehungen zu den USA sind in Jahrzehnten gewachsen und tragfähig und machtpolitische Eifersüchteleien von amerikanischen Politiker, die, wie es schien, zumindest bis vor kurzem den klaren Fronten des kalten Krieges nachtrauerten, sollte der Terror von New York nun gelehrt haben, daß die Welt ganz andere Probleme zu lösen hat.

Eine Versöhnung zwischen Russen und Deutschen und eine endgültige Überwindung des Kalten Krieges wäre ein Geschenk, für uns, für Europa und für die Welt.

 

 

29.9.01 In der NATO ist kein Platz für Russland

Die Union hat es offenbar noch nicht gemerkt, daß der kalte Krieg vorbei ist. Ihre Abneigung gegen Russland hat , so scheint es, etwas wahnhaftes. Es wird Zeit sie daran zu erinnern, daß ihre Altvorderen jahrzehntelang die deutsche Vereinigung verhindert, in ihren Sonntagsreden aber ständig gefordert haben, die Russland einem neutralen Deutschland in den fünfziger Jahren angeboten hatte. Die Folgen dieser Politik waren kalter Krieg und Mauerbau und die Bedrohung der ganzen Schöpung durch den atomaren Overkill. Nun stehen wir wieder an einem Wegkreuz und haben die vielleicht einmalige Chance den Weltfrieden zu stabilisieren, in dem man den früheren Gegner mit ins Boot holt. Doch die Union will Russland nicht in die NATO aufnehmen. Ist das nun wieder vorauseilender Gehorsam gegenüber den USA oder einfach nur ideologisch bedingte Kurzsichtigkeit? Heh, Union: Aufwachen!