1991 Der „Innen“-Wahn

Es zieht mir den Bauch zusammen, wenn ich sehe, wie in der "alternativen" und linken Kulturszene - um den Feministinen zu gefallen - von BürgerInnen, SchülerInnen, ArztInnen usw. geschrieben wird. Ein medizinisches Buch eines einschlägigen Verlages mußte ich entnervt weglegen, weil mich diese sprachzerstörenden Floskeln vom Lesen des Inhaltes abhielten. Seit einiger Zeit gibt es derartige Sprachvergewaltigungen auch in einem ostbayrischen Magazin, das ich seinerzeit mitinitiiert hatte. Nun könnte man sagen, daß wäre halt das Problem eines Matschos und diese Art von Männern werde sich zukünftig noch an manches gewöhnen müssen. Es ist aber in keiner Weise so, daß ich Frauen in meiner Weltsicht auch nur im Geringsten hintenanstelle. Im Gegenteil gefallen mir viele als typisch weiblich geltende Eigenschaften so, daß ich sie mir auch bei Männern wünsche. Im übrigen habe ich die Gesellschaft von Frauen derer von Männern meist vorgezogen, eben weil den Frauen die typischen Matscho-Eigenschaften meist fehlen. Als Erzieher hatte ich beinahe nur weibliche Kollegen, als Internatsleiter betreute ich tausende Mädchen und junge Frauen und ich glaube, nicht eine wird mir auch nur die geringste Diskriminierung nachsagen können. Man wird es albern finden, daß ich derartige Zeugnisse überhaupt anführe, doch die Erfahrung mit manchen sogenannten "Emanzipierten" sagt mir aber, daß mein Votum ohne diese Referenzen sofort in eine Ecke geschoben würde.-

Ich möchte auch betonen, daß ich sehr wohl weiß, wie sehr Sprache und Denken verbunden ist und daß sich in unserer heutigen Sprache auch alte Macht- und Denkverhältnisse widerspiegeln. Dennoch ist dieses Herunterleiern von "er und innen" usw. eine gräßliche Sache und dient dem beabsichtigten Zwecke wohl in keiner Weise. Mich erinnert dieses formelhafte Geratsche immer an das Wortgeratter von der "Deutsche Demokratische Republik" die in den politischen Reden von Ulbricht und Honecker die Menschen so ermüdet hat. Mit formellen Geleier kann man zwar die Menschen ärgern und einschläfern, Denkänderungen werden damit aber wohl eher verhindert. Nicht umsonst sind diese "er-und innen-Formeln" in gesprochener Form auch zuerst bei Politikern aufgetaucht, die den weiblichen Wählern schmeicheln wollten um ihre Stimmen zu kriegen. Was ich vorschlage? Erst habe ich gegrübelt, ob man für einschlägige Begriffe durch Anhängen einer neutralen Endung oder durch Einführen eines neuen, gemeinsamen Geschlechts o. ä. die Sache lösen könnte. Ich glaube aber, das wäre noch alberner und ich würde mir dann die Ohren verstopfen und die Augen verbinden müssen, um nicht noch mehr leiden zu müssen. Ich bitte euch deswegen, ihr Frauen, laßt unsere Sprache wie sie ist und unterbrecht die süßen Redner, wenn sie mit dem "innen" zu sülzen beginnen. Freut euch darüber, daß die alten, auf Männer bezogenen Ausdrücke nun auch für euch gelten, denn daß sie für euch gelten ist doch das Wesentliche. Und tröstet euch damit, das Sprache sowieso immer nur eine Krücke bleibt, um das auszutauschen was man meint. Vielleicht fällt uns aber auch noch irgendwann etwas besseres ein..!