21.3.97 Falsche Richtung

20.4.2001 Müllgebühren schon beim Kauf bezahlen

Minister Trittin will auf alle Getränkedosen 50 Pfennig Pfand einführen, nicht nur auf Bierdosen, was ja auch ziemlich unverständlich wäre. Und die Verpackungs- und Getränkeindustrie läuft Sturm dagegen und legt mit einem Male Konzepte vor, wie sie die Müllproblematik auf andere Weise lösen will. Doch warum haben sie diese Dinge nicht bereits die letzten Jahre ausprobiert, als sie bereits in der Pflicht waren und auch Abhilfe versprochen hatten? Das Dosenpfand ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, nur über den Geldbeutel lassen sich manche Bürger steuern. Doch es mussen unbedingt weitere Schritte folgen: Schon bei der Anschaffung von Waren sollten bereits die Kosten für die spätere Entsorgung bezahlt werden, ähnlich wie es bei den Kraftfahrzeugen ja nun eingeführt werden soll. Nur dann werden sich die Anbieter um umweltfreundliche Grundstoffe bemühen und überflüssige Verpackungen zurückfahren. Falls eine derartige Regelung einmal kommen sollte fielen auch die Müllgebühren weg, und niemand hätte mehr einen Anreiz die Landschaft vollzumüllen und Müllfeuer abzubrennen. Letzteres passiert heute in einem erschreckenden Umfang.

 

Leserbrief an BB-Regen

Die beabsichtigte Heraufsetzung der Leerung der Restmülltonnen auf einen 4-Wocherhythmus, würde die Leistung gegenüber 1996 um 75 Prozent reduzieren, bei gleichem Preis, wohlgemerkt. Doch es geht noch weiter. Ab 1.4. ist für jedes Sperrmüllstück extra zu bezahlen und die Landwirte müssen nun für ihre Altfolien blechen. Nun sind wir soweit, daß man für jedes Ding zweimal bezahlen muß, bei der Anschaffung und bei der "Entsorgung". Ehrlicher wäre es aber, wenn der wirkliche Preis einer Sache beim Neukauf erkennbar wäre und so die Kaufentscheidung beeinflussen könnte. Dies würde die Wirtschaft unmittelbar anregen, günstig zu entsorgende Produkte und wenig Verpackungsmüll zu verwenden, um die Preise niedrig zu halten. Die jetzige "Entsorgungsbezahlung" werden die Menschen zu vermeiden suchen und die umweltschädlichen heimlichen "Entsorgungen" sind ja bereits wieder Realität und durch keine Überwachung und Strafandrohung zu vermeiden.

Mittlerweile wird wohl jeder erkennen, daß uns die Zentralisierung und Monopolisierung der Müllwirtschaft teuer zu stehen kommt. Wobei man der ZAW oder AWG (wegen ihres schlechten Images müssen die drei Buchstaben offenbar öfter gewechselt werden...) im Ernst keine Vorwürfe machen kann, denn sie tut nur, was jedes Unternehmen tut - sehen, wie man für möglichst geringen Einsatz ein Optimum an Gewinn erzielt.

Statt seinerzeit die Müllproplematik ursächlich anzugehen (Müllvermeidung an der Quelle) und die Bürger in den Gemeinden zur Kreislaufwirtschaft zu erziehen, übergab man alles an den großen Bruder ZAW, der sogar die Kompostwirtschaft zentralisierte, was eine energie- und verkehrspolitische Verrücktheit sondergleichen ist, wenn man die Biomasse aus mehreren Landkreisen zusammenkarrt. (Vom belasteten Endprodukt, das kaum zu vermarkten sein wird, gar nicht zu reden). Der nächste Schildbürgerstreich, der Müllofen für eine halbe Milliarde Mark, wird schon vorbereitet. Auch hier wird es uns gehen wie heute beim Wasser: Sparsamkeit steigert den Preis. Um die teuere Investition abzubezahlen und den Müllofen zu füttern, wird Müllvermeidung mit Sicherheit durch Kostenerhöhung bestraft werden. Ich glaube, unsere Müllpolitik läuft in die total verkehrte Richtung!

 

5.7.96 Alles Fudschi?

Leserbrief an BB zur Berichterstattung über die umstrittene ZAW- Reise der Verbandsräte nach Japan und über die größte Baustelle im Landkreis.

Einen Müllofen für 450 Millionen, ein Kompostierwerk für 36 Millionen - da sind die 40000 Mark für die Japantour ja wirklich nur Peanuts! Klar ist, wer dies alles bezahlen muß und ebenso klar, daß sich die Müllfirma etwas davon verspricht, wenn sie ihren politischen Kontrolleuren den Fudschijama zeigt... Doch das ist nicht mein Thema, ebensowenig, daß der Blick in einen japanischen Müllofen keine Erleuchtung bringen wird. Um zu erkennen, ob die Großprojekte der ZAW sinnvoll sind, muß man nicht reisen, denn an den fünf Fingern kann man sich abzählen, daß da einiges in die falsche Richtung läuft.

Was soll eigentlich noch brennen am Restmüll, nachdem die Wertstoffe ordnungsgemäß getrennt und recycelt wurden? Reichen die giftigen Möbel, Wand- und Bodenbeläge, die PCB-getränkten Holzdecken, Fenster und Balkone zum Betrieb des Ofens wirklich aus? Ja und darf dieses Zeug überhaupt verbrannt werden? Oder verbrennt man dann ehrlicherweise das gesammelte Plastik und Papier bei uns und nicht mehr in Osteuropa? Und was soll erst in Zukunft noch brennen, wenn die Politik einmal ernst macht mit der Müllvermeidung?

Doch wenn erst einmal ein Müllofen für eine halbe Milliarde Mark gebaut ist, dann werden wir ihn auch füttern müssen, Müllvermeidung ade. Und wenn wir keinen Müll haben? Dann müssen wir für die leere Mülltonne Gebühren zahlen, denn es besteht Anschlußzwang. Mit so einem Monopol läßt es sich leben - als Müllfirma...