Übers Häuserbauen und über Gesetze

Die folgenden Kommentare wurden in BR-Online veröffentlicht.

 

Es ging um eine „Quer-Sendung“des Bayerischen Fernsehens, in der ein reicher Mann am Starnberger See  (ich kenne ihn nicht, weiß also nichts über ihn) verschiedene Gebäude, u. a. einen mittelalterlich wirkenden Turm aus Natursteinen errichtet hat, in dem er eine seine Sammlung von Mörsern aus der ganzen Welt untergebracht hat, die er auch der Öffentlichkeit zugänglich macht. Er wurde als „Schwarzbauer“ angeprangert und gefordert, dass der Turm abgerissen würde. Nachdem ich die Kommentare dazu las und ein Teilnehmer names „skeptiker“ wiederholt ziemlich extrem für Recht und Ordnung plädierte, habe ich mich auch eingemischt… Der „skeptiker“ antwortete mir und anderen auf die immer gleiche Weise, die ganze Abfolge der Kommentare sind unter ( http://blog.br-online.de/quer/seltene-audienz-das-reich-des-schwarzbaukoenigs-von-berg-29062011.html#comments) nachzulesen. Hier habe ich nur meine Kommentare zusammengefasst.

 

4. Juli 2011 um 00:13

Quer ist eine meiner Lieblingssendungen, dass darin nun aber Privatleute an den Pranger gestellt werden, finde ich abstossend. Wenn ich sehe, was mit öffentlichen Genehmigungen in Bayern an Baumaßnahmen so verbrochen wurde und wird, dann könnten alle zukünftigen Quer-Sendungen damit gefüllt werden. Ich rede nicht nur von den öffentlichen und Gewerbebauten, sondern auch von der unsagbaren Uniformität und Hässlichkeit der Wohnbauten, die durch amtliche Vorschriften verbrochen werden. Der “Mörserturm” ist dagegen direkt eine Augenweide. Im übrigen finde ich die Reglementierungen privaten Bauens bei uns völlig überzogen.

 

hgeiss sagt:

6. Juli 2011 um 01:53

Nein, ich bin kein Denkmalschutzgeschädigter, da haben Sie meine Zeilen völlig mißverstanden. Ich habe gegen die Uniformiertheit des modernen Bauens, seine Kommerzialiserung, seine Gesichtslosigkeit seine Austauschbarkeit geschrieben. Alte Häuser sind das Gegenteil davon, nicht nur in Rothenburg- jedes ist einmalig, sie sind wie Individuen und es wäre mein Wunsch, wenn auch die neuen Bauten ein wenig davon hätten. Die Baubehörden und die teilweise haarsträubenden Vorgaben bis ins Detail haben die Bürger zwar gegängelt, den Einheitsbrei an Bebauung haben sie damit aber nicht verhindert, im Gegenteil, sie haben ihn noch befördert. Dass eine Freigabe des Bauens Geschmacksverirrungen nicht automatisch beenden würden, weiß auch ich, denn die Gewöhnung an den Kommerz ist eine schlechte Schule für eigenständigen Geschmack.
Aber hier könnten Vorgaben, wie die obligatorische Verwendung von Baumaterialien der jeweiligen Gegend schon die ärgsten Bausünden verhindern, ebenso die verpflichtende Teilnahme von Bauwilligen an einschlägigen Kursen.
Aber – um zum eigentlichen Thema zu kommen – der öffentlichen Anprangerung eines reichen „Schwarzbauers“: wer daraus eine Sache des Prinzipes und der Gerechtigkeit macht, der bedient zwar damit Spießer und Neider, er betätigt sich aber auf einem eher geschmäcklerischen Nebenkriegschauplatz, denn die Verteilung von Reichtum und der gängige Ablasshandel bei Wirtschaftsverbrechen hat in diesem Land extreme Dimensionen angenommen. Hier würde sich ein weites Betätigungsfeld für kritischen Journalismus bieten.

 

10.7.11

Lieber Skeptiker,

deinem hohen Lied auf die Gesetze täte etwas Skepsis gut. Ich meine, die Gesetze sind gut, wenn sie einem Schutz gewähren oder zum Recht verhelfen, nicht aber, wenn sie aus Prinzip, Neid oder Gleichmacherei angewendet werden. Beim Bauen sollte es nur eine Regel geben, dass damit niemandem Schaden zugefüht wird, also, Baumaßnahmen müssen mit den betroffenen Nachbarn abgestimmt werden. Ansonsten gilt, dass die Menschen verschieden sind und man ihnen Unrecht tut, wenn man sie gleich behandelt. Ich glaube, dieser Satz ist von mir und ist übrigens eine Erkenntnis von jahrzehntelanger pädagogischer Arbeit, in der ich alle Stufen von Prinzipientreue und Pochen auf Regeln durchlaufen habe.  (---)

Am besten lässt sich leben, wo es Gesetze gibt, die aber nur im Notfall angewendet werden. Ansonsten: Leben und leben lassen!

 

11.7.11

Punkt! Punkt! Basta! Lieber Skeptiker, - mit Verlaub – ich hoffe, dass du nicht als mächtiger Bürokrat in einem Amt sitzt, denn dann hätten Bauwillige nichts zu lachen…

Ich begreife nicht, wie ein offensichtlich moralischer Mensch im Juli 2011, in der gerade der Bundespräsident die widerrechtliche Genehmigung von Panzern in ein Spannungsgebiet durch die Regierung verteidigt hat, - in der ein Häftling keine Hilfe vom Verfassungsgericht bekam, obwohl er eine Woche nackt in eine Einzelzelle gesperrt worden war und erst der Europäische Menschengerichtshof das Ganze als Folter einstufte - und – und -, wie einer ein so vergleichsweise unbedeutendes, geschmäcklerisches Gesetz, wie das Baugesetz - das 99,99 Prozent der Menschheitsgeschichte nicht existiert hat – so vehement durchsetzen will, noch dazu in einem Fall, wo niemand zu Schaden kam. Dazu fällt mir nur noch Nietzsches Satz aus dem Zarathustra ein - vom Staat, als dem kältesten aller kalten Ungeheuer… Schlimm, wenn sich von ihm auch noch Journalisten einspannen lassen, Journalisten, die bislang immer wie ein Lichtlein waren, in diesen verkommenen Zeiten…

 

 

 

 

 

 

 

 

PS: