16.1.01 Gedanken zu einem bekannten "Street-Fighting Man"

Die Bilder vom Straßenkämpfer Joschka Fischer haben mich auch empört und enttäuscht. Doch wenn ihn eine Leserbriefschreiberin mit feigen Neonazis, die in der Horde Gewalt gegen Ausländer verüben oder ihnen nachts das Haus anzünden, in einen Topf wirft, dann ist das arge Demagogie. Das eine ist heimtückische Gewalt gegen Schwache, das andere ein offensives Widerstehen gegen die Staatsmacht, die man als Instrument des internationalen Kapitals begriff und von der man sich und die Welt bedroht sah. Das Aufbegehren ab 1968 war ein verzweifeltes Ringen um Frieden und mehr Demokratie, ohnmächtiger Zorn über den Völkermord in Indochina durch unsere Verbündeten, der Rüstungswahnsinn mit der Drohung der Vernichtung allen Lebens, die Kungelei unserer Regierungen mit Diktatoren und Verbrechern wie den Schah, Franko, Pinochet, südafrikanischen Rassisten usw. Und die Staatsgewalt tötete: Ohnesorg, Weissbecker, von Rauch. Ich lebte damals in Berlin-Kreuzberg und bekam die Geschehnisse vor der Haustür mit. Doch mein Zorn richtete sich ebenso auf die politischen Fanatiker, -Marxisten, Leninisten, Maoisten, Anarchisten usw. - die den allgemeinen Unmut für ihre Sache zu nutzen versuchten. In jedem vermummten Demonstranten vermutete ich einen Provokateur der Staatsmacht, nur da, um demokratischen Widerstand in Mißkredit zu bringen.

Joschka Fischer gehörte wohl kaum zu dieser Sorte, er war ein vom (katholischen) Gewissen Getriebener, der sich insgeheim wohl als kleiner Robin Hood fühlte. Was ich ihm vorhalte ist, daß er nichts dazugelernt hat und auch noch als Aussenminister Gewalt als Mittel der Politik akzeptierte und den Kosowokrieg maßgeblich mittrug.