23.02.05 Nährboden für Untoleranz

Der Papst geht noch immer davon aus, dass die Menschen ohne Christentum Raubtiere wären, grad so als wenn die letzten eineinhalb Jahrtausende christlich bestimmter Herrschaft im Abendland nicht das Gegenteil bewiesen hätten. Ich sehe keine Beispiele, dass Religionen Menschen besser gemacht haben, vielmehr waren und sind sie der Nährboden für Untoleranz und Fanatismus aller Art. Und wie oft treten sie in engster Verflechtung mit Nationalismus auf, unmöglich zu sagen, wer da wen für sich einspannt.

Oder glaubt jemand ernsthaft, dass es im Nahen Osten, auf dem Balkan oder im Kaukasus je Frieden geben kann, solange die Religionen dort die gegenwärtige Bedeutung haben? Die Religionen fordern immer Toleranz für sich, was ihnen selber aber völlig fremd ist. Sie wollen nur missionieren und mit der Zahl ihrer Mitglieder ihren Einfluß erhöhen. Dass sich die Menschheit in hundert Jahren versechsfacht hat und sich anschickt diesen Planeten kahlzufressen und Milliarden dennoch in größtem Elend leben, hält den Papst nicht ab noch immer Geburtenkontrolle zu verteufeln. Gut möglich, dass die Geschichte dies einmal in der Rangordnung der Menschheitsverbrechen weit oben einordnen wird.    

 

2.2.05 Verbieten nützt nichts

Mit dem Radikalismus und der Arbeitslosigkeit ist es wie mit dem Flüssigkeitspegel in verbundenen Röhren - er ist gleich hoch. Wenn die Menschen ihr Auskommen und das Gefühl von Gerechtigkeit haben, dann brauchen sie sich nicht an braune oder rote Illusionen klammern. Dass, lt. Frau Schwan, 40 Prozent der Deutschen keine Demokraten sind, heißt nur, dass sie sich von den regierenden Parteien nicht vertreten fühlen. Doch die meisten Menschen hätten gerne mehr Demokratie und nicht weniger, sie würden in Sachthemen gerne selber mitentscheiden. Mehr direkte Demokratie ist gefragt und weniger Lobbykratie, die Parteien müssen sich zurücknehmen und der Staat muß für die Menschen da sein, er muß die Familien fördern und die Schwachen schützen. Und die Menschen müssen ihr Auskommen haben und ihren Platz in der Gesellschaft finden können. Nur dann getrauen sie sich wieder Familien zu gründen und Kinder in die Welt zu setzen. Und das Zusammenwachsen der Völker muß sich den Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen anpassen! Das heutige Tempo der Globalisierung züchtet geradezu überall den Nationalismus.

 

21.1.05 Schwindel-Freiheit!

Präsident Bush hat bei seiner zweiten Amtseinführung viel von „Freiheit“ gesprochen, mit der er die Welt beglücken möchte. Doch diese hat in den letzten Jahren davon schon genug blutige Kostproben bekommen. Bush hat die Welt belogen, einen völkerrechtswidrigen Krieg geführt, zigtausend Tote und Verwundete und Folterexzesse auf dem Gewissen und das überfallene Land ist verwüstet und versinkt immer mehr im Chaos. Die Welt wäre schon mit etwas Ehrlichkeit, also „Schwindel-Freiheit“ zufrieden.

Und statt um weitere Truppenstationierung in Deutschland zu betteln, sollten unsere Politiker Herrn Bush einmal fragen, ob heuer, 60 Jahre nach Kriegsende nicht langsam das Ende der amerikanischen Besatzungszeit gekommen sein sollte, so dass Angriffskriege nicht mehr von unserem Boden aus geführt werden können, wie es unser Grundgesetz vorschreibt.

 

13.1.05 "Kuckuckskinder "und Bürgerbespitzelung

Jeder Mensch hat das Recht zu wissen, wer seine Eltern sind und umgekehrt haben diese das Recht zu wissen, ob sie dies auch wirklich sind. Bei den Müttern war dies ja nie ein Problem, bei den Vätern sehr wohl. In den USA spricht man von etwa 30 % "Kuckuckskindern“, bei uns werden es vermutlich nicht viel weniger sein. Diesen Trend kann man wohl nur stoppen, wenn schon nach der Geburt obligatorische Gentest gemacht werden, die tatsächlichen Väter werden dann in die Verantwortung genommen und die Mütter werden sich mehr vor Seitensprüngen hüten. Doch Justizministerin Cypries will zukünftig Männer, die heimliche Gentests machen, ein Jahr einsperren. Sie gibt zwar vor, das "Persönlichkeitsrecht der Kinder“ schützen zu wollen, tatsächlich schützt sie aber die untreuen Frauen.

Im übrigen, wo bleibt das Persönlichkeitsrecht der Bürger? Mit Harz 4 sind wir vollends in den Überwachungsstaat geschlittert, Arbeitslose, Studenten und ihre Angehörigen werden heute in einem Maß bespitzelt, wie es dies noch niemals gegeben hat. Und ab 1. April 2005 löst sich das Bankgeheimnis vollends in Luft auf. Fiskus, Sozialbehörden und Arbeitsämter dürfen dann die finanziellen Verhältnisse jedes Bürgers ausschnüffeln - ohne Anfangsverdacht, ohne richterliche Erlaubnis und ohne dass die Betroffenen je davon erfahren. Vielleicht sollte die Ministerin sich auch hier einmal engagieren.“

 

 

Nachschlag/ Ab 1. April 2005 das Bankgeheimnis endgültig beseitigt

Das Gesetz, mit dem ab 1. April 2005 das Bankgeheimnis endgültig beseitigt wird, heißt übrigens `Gesetz zur Förderung der Steuergerechtigkeit`... Solche Schönrednerei erinnert wieder einmal an George Orwell.

Nun könnte man sagen, das Gesetz diene ja wirklich der Gerechtigkeit, da es alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen betreffen könne. Doch wie sieht es in der Wirklichkeit aus? Die besserverdienenden Unternehmer bringen ihre Gewinne entweder ins Ausland oder investieren es wieder und haben ihre Finanz- und Steuerberater, die sie schon so arm rechnen, dass sie sich vor zu viel Steuern drücken können. Andere Gewinne fließen in Immobilien und vermehren den Grundbesitz, da können die Spitzel lange danach suchen. Nur die "kleinen Leute" können nichts abschreiben und jeder verdiente Euro ist auf Konten nachzuprüfen, es sei denn, sie vergraben ihre sauer erworbenen Ersparnisse und verzichten auf Zinsen. Diese Gefahr spüren auch die Banken, weswegen sie auch schon Verfassungsbeschwerden eingereicht haben.

Aber selbst wenn Arme und Reiche gleichermaßen von dem Spitzelgesetz betroffen wären und das Finanzministerium zukünftig wirklich alle Steuern abkassieren und Sozialleistungen verweigern könnte, wäre dann Gerechtigkeit erreicht, so wie es das Gesetz suggeriert? Dann wäre zu klären, für was die Gelder ausgegeben werden und das bestimmt die breite Bevölkerung am allerwenigsten. Wer die jüngsten Korruptionsskandale der Politiker betrachtet, die neben ihrem Abgeordnetenjob noch von Großunternehmen bezahlt werden, was die industriefreundliche Politik der letzten Jahrzehnte wieder einmal erklärt, kann wohl kaum darauf hoffen, dass die Einnahmen der Bevölkerung zu gute kommen....

 

12.1.05 Absurde Hasspredigt

Kardinal Meissner verglich den Kindermörder Herodes und die Massenmörder Hitler und Stalin mit Frauen, die sich – in der Regel aus einer Notlage - für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Auch wenn ich selber Abtreibungen kritisch gegenüber stehe, den Vergleich des Kardinals empfinde ich als absurde Hasspredigt, natürlich auch weil er – absichtlich oder auch nicht - die zig Millionen Toten vom Weltkrieg, Holocaust und Gulag verspottet.

Nebenbei - mit König Herodes setzt der Kardinal die Liste der "Kindermorde“ ein wenig spät an, was ist mit der Sintflut und mit Sodom und Gomorrha? Die Priester vermarkteten diese Katastrophen als "göttliche Strafaktionen“ und leben bis heute davon, dass sie die Menschen mit Gott einschüchtern und diesem das Etikett eines rasenden Menschenvernichters anheften. Der Tsunami wird ja von Fanatikern auch schon wieder in dieser Weise instrumentalisiert.

 

26.11.04 Kardinal Lehmann will neue Länder missionieren

 

Die katholische Kirche will wieder einmal die Heiden bekehren! Es reicht ihr nicht, dass sie ihre Mitglieder durch die Säuglingstaufe zwangsrekrutiert, was in einer aufgeklärten Welt ja schon Anachronismus genug ist. Die Religionen fordern zwar für sich Toleranz, waren und sind selber alles andere. Wir empören uns zurecht über den türkischen Hassprediger in der Berliner Mevlana Moschee, der den ungläubigen Deutschen das ewige Höllenfeuer versprach, aber nichts anderes steht im Evangelium (z.B. MT 13,42), die halbe "Frohe Botschaft“ ist Einschüchterung. Wer empört sich bei uns gegen den Pfarrer, der einem Verstorbenen das ewige Leben verheißt, weil er durch die Taufe ein Kind Gottes geworden ist? Was ist mit den Milliarden Ungetauften? Wartet auf sie das Höllenfeuer? Was für schreckliche Religionen, die noch immer bestens als Tarnung für Fanatiker aller Art taugen. Wie soll mit ihnen die Welt jemals zusammenwachsen und friedlich werden können?

 

20.11. 2004 Von Hasspredigern und anderen Fanatikern

 oder vom vordemokratischen Charakter der Religionen

   

  Ein islamischer "Hassprediger“ soll in einer Berliner Moschee gesagt haben, dass den ungläubigen Deutschen, anders als den rechtgläubigen Muslimen,   nach ihrem Tod die Verdamnis drohe. Es entstand darüber Empörung   in allen politischen Lagern. Doch wo ist der Unterschied, wenn ein katholischer   Pfarrer bei einer Beerdigung sagt, der Verstorbene sei durch die Taufe ein Kind Gottes geworden und Gott werde ihn deswegen zu sich nehmen? Was ist   mit den Milliarden Ungetauften? Wartet auf sie das ewige Höllenfeuer?  Das Christentum wird gerne mit einigen menschenfreundlichen Stellen aus der Bergpredigt gleichgesetzt und verklärt, etwa der Forderung nach Feindesliebe. Das sind gewiss wichtige Eckpfeiler für unseren heutigen Humanismus, doch es ist nur die eine Seite der Medaille. Denn das Christentum ist auch eine Religion der Angst, "des Heulen und Zähneklapperns“, denn wer es an der geforderten Ehrfurcht gegenüber Gott und der Religion fehlen lässt, ("Ehrfurcht kommt von ehren und fürchten“) der wird   als schwarzes Schaf dem ewigen Höllenfeuer übergeben… Islamismus und Christentum treffen sich in ihrer Menschenverachtung in diesem Punkt, und nicht nur in diesem. Sie sind Religionen der Verängstigung und   Disziplinierung und man reibt sich die Augen, wenn ausgerechnet sie heute für sich Toleranz fordern, etwas, das ihnen vom Wesen her völlig fremd ist. Bei ihrer Mitgliedergewinnung werden nach wie vor Säuglinge zwangrekrutiert und der nachfolgenden Gehirnwäsche durch den Religionsunterweisung unterzogen. Die Kindertaufe ist nichts weniger als eine Vergewaltigung und widerspricht aller moderner humanistischer Ethik. Die Steigerung dieses Treibens ist die Verstümmelung der männlichen Geschlechtsteile durch Moslems und Juden, mit dem sie ihren Totalitätsanspruch und Zugehörigkeit zu einem "von Gott   ausgewählten Volk" auch als körperliches Mal festschreiben und sich so von den "Ungläubigen“ absondern. Das dieses sinnlose Quälen von Kindern heute in demokratischen Ländern geduldet wird, ja sogar geschützt wird, ist ein himmelschreiender Anachronismus und nichts weniger als Barbarei. (Dass die Beschneidung von gewissen ärztlichen Kreisen noch pseudomedizinisch verbrähmt wird, zeigt wieder einmal, dass manche Leute, wenns um Geld geht ,zu allem bereit sind).

Ich stelle fest, dass auch ein paar hundert Jahre nach der Aufklärung die Religionen noch immer die Köpfe der Menschen vergiften und mit ihren Dogmen einschüchtern dürfen, geschützt vom demokratischen Staat. Zumindest erlaubt uns die Religionsfreiheit heute ab einem gewissen Alter sich der religiösen Abrichtung in den Schulen zu entziehen und aus der Kirche auszutreten, was aber durch sozialen Druck in ländlichen Gebieten aber praktisch immer noch kaum möglich ist. Der Islam ist hier sogar noch voll dem dunkelsten Mittelalter verhaftet und abtrünnige Gläubige dürfen in machen Ländern sogar getötet werden.

Und in diesen Tagen hat der CSU-Generalsekretär Söder gefordert,   das Schulgebet an bayerischen Schulen zur Pflicht zu machen! (Vielleicht   will er als nächsten Schritt – wie wir es kürzlich beim einem Fußballspiel von im Mullah beherrschten Iran erleben konnten –   , auch bei uns vor Sportveranstaltungen allgemein zum Gebet aufrufen…?)

Doch in einem Land, in dem Staat und Religion von der Verfassung getrennt sind, dürfen Religionen nur Privatsache sein und jede Art von Indoktrination und Missionierung gehören strikt sanktioniert. Söder und Co zeigen mit ihrem Gschwätz das Ausmaß ihrer Geschichtslosigkeit und das sie geistig noch einer finsteren Zeit angehören. Oder frömmelnde   Populisten oder gekaufte Provokateure sind). 

Globales friedliches und tolerantes Zusammenleben wird vermutlich solange ein frommer Wunsch bleiben, solange fanatische Religionen die Menschen trennen.  

        

Fußnote, religiöse Begründung für die Beschneidung der Männer

Im Koran findet sich kein Gebot, das eine Beschneidung fordert. Im Alten   Testament - auf das sich Moslems und Juden stützen - wird der   neunundneunzigjährige Abraham (Ismael) von Gott zur Beschneidung   aufgeordert, um ein unveränderliches Zeichen für seinen Bund mit   ihm zu setzen. (wörtlich: "... und wo ein Mannsbild nicht wird beschnitten   an seiner Vorhaut, dessen Seele soll ausgerottet werden aus seinem Volk..."   (1.Mose 17, 11-14)

 Ferner las ich in einer Islamischen Quelle, dass die wichtigen Protagonisten   des AT von Adam bis Noah usw. bereits beschnitten auf die Welt gekommen   seinen....     

 

8.11.04 „Zurück in die soziale Steinzeit“

Dass Industriepräsident Rogowski in die soziale Steinzeit zurückwill, ist aus allen seinen Äußerungen abzulesen. Dass ihm aber Renate Schmidt dabei die rosaroten Steigbügel hält, ist nur aus ideologischer Verblendung zu erklären. Kinder brauchen die ersten Jahre eine feste Bezugsperson, um ein „Urvertrauen“ und damit eine Bindungsfähigkeit aufzubauen. Wenn nun aber schon einjährige Kinder in fremde Hände gegeben werden sollen, dann werden damit auf keinen Fall die Interessen der Kinder vertreten und auch nicht die der Gesellschaft, die heute schon durch die wachsende Bindungsunfähigkeit und den Egoismus ihrer Mitglieder immer mehr zerbricht. Auch Frau Schmids Absicht, das Erziehungsgeld dem letzten Lohn anzupassen, ist Lobbyarbeit und absolut ungerecht, denn die Lebenshaltungskosten sind für Arme und Reiche gleich. Aber da macht sie es wie die Gewerkschaften, die auch immer noch prozentuale Lohnerhöhungen aushandeln und so dafür sorgen, dass die Verdienste immer weiter auseinandergehen.

 

Gedanken zur Globalisierung 1

Die Idee einer Welt, einer friedlich zusammenlebenden Menschheit, von Völkern, die ihr buntes Andersein bewahren und sich doch allesamt den gleichen Grundwerten nd Menschenrechten verbunden fühlen, - von einer sich gleichzeitig vermischenden, multikulturellen Gesellschaft, in der einer den anderen toleriert und sich an der Verschiedenheit erfreut, in der es keine Fremdenfeindlichkeit  mehr gibt – das ist die Welt, von der viele von uns träumen und der wir uns annähern sollten.

Doch die Welt ist anders. Die Menschen sind bequem und sie leben gerne möglichst angenehm. Wenn sie die Wahl haben, wählen sie die bequemere Arbeit, den milderen Landstrich, den größeren Konsum, das gesichertere Leben. Und weil die Welt warme und kalte Zonen hat, steinige und fruchtbare, weil in den Städten die größere Fülle möglich ist, das  interessantere Leben- suchen die Menschen das Unerfreuliche zu vermeiden und streben nach dem Erfreulicheren. Sie denken dabei nicht an Übermorgen und nicht an ihre Enkel, ja oft nicht einmal an Morgen, sie sind froh, wenn sie die Gegenwart bewältigen.

Der imperialistische Freihandel, man spricht heute von Globalisierung, braucht offene Grenzen, offenen Waren und Menschenfluss. In der Praxis ergeben sich dadurch massive Probleme. Das Geld geht dorthin, wo es sich am günstigsten produzieren lässt, mit niedrigen Löhnen, wenig sozialer Absicherung, wenig Umweltschutzauflagen. Die Menschen dagegen haben den Drang sich dort ansiedeln, wo es sich augenscheinlich am leichtesten leben lässt – wo man  am meisten verdient, sie wandern also in die gemäßigteren Breiten  und dort wiederum in die Städte der reichen Industrieländer. Geld und Menschen haben also genau gegensätzliche Interessen, was sich auf Dauer nicht vereinbaren lässt.    

Die beschriebene Wanderungsbewegung wäre allein aus ökologischen Gründen eine Katastrophe. Auch aus sozialer Sicht sind Zusammenballungen von Menschen Brutstätten von Konflikten. Völkerverständigung entsteht so auf jeden Fall nicht. Doch auch schon die Angleichung des Konsumverhaltens des volksreichen Südens an die Verschwendungswirtschaft des Nordens, könnte die Biosphäre nicht lange verkraften. Man stelle sich nur vor die 6 Milliarden Menschen würden den gleichen Lebensstil praktizieren wie – nehmen wir das extremste Beispiel – die US-Amerikaner, sie würden soviel Energie vergeuden, sie wollten alle fliegen usw. Das würde die Resourcen in kürzester Zeit aufbrauchen und die Atmosphäre zerstören. Da man diesen Lebensstil, der alles andere als vernünftig und erstrebenswert ist, aber nicht einfach der Mehrheit   der Menschen verweigern kann, müssen wir uns alle einem Lebensstil annähern, den die Erde verkraften kann. Vermutlich würden wir uns da nicht einmal in der Mitte treffen können, sondern viel näher am Verbrauch der heute Armen.

Doch der heute dominierende Freihandel zerstört die alten Kulturen und sozialen Systeme und ersetzt sie durch Kommerz und Orientierungslosigkeit. Sein  größter Pferdefuß ist aber sein Grundprinzip der Gewinnmaximierung. Nicht die Versorgung und die Wohlfahrt der Menschen hat er zum Ziel, also nicht Essen, Wohnung und Arbeitsplätze, sondern nur das Erzielen von Profit für diejenigen, denen die Produktionsmittel gehören. So wird der Freihandel zu einer schweren Krankheit, an der die Völker zu Grunde gehen müssen. Anders ausgedrückt: Nicht die Menschen sind das Ziel des Wirtschaftens, sondern sie sind nur ein Mittel zu fremdem Zweck.

 

22.10.04 Konzertierte Aktion gegen Wohnmobile durch Bürgermeister und Campingplatzbetreiber in Zwiesel

Wohnmobile, die sie nicht abkassieren können, sind den Campingplätzen ein Dorn im Auge. Am liebsten hätten sie es, die Polizei müßte ihnen Zwangskunden zutreiben. Der Zwieseler Bürgermeister will – wie es scheint – diesen Weg nun beschreiten. Motto: „Zur Zwangsabgabe oder schleichts euch!“ Der Bürgermeister und der Vorsitzende des Tourismusvereins (der den Campingplatz betreibt) in konzertierter Aktion gegen einen Zweig des Tourismus, der wirklich funktioniert und bei dem sich Zwiesel, Dank seiner bisherigen liberalen Praxis, einen guten Ruf erworben hat? Es scheint da Zielkonflikte zu geben, die Zwiesel nicht nützen können. Dennoch sehe ich die neuen Stellplätze am Azur-Platz als Angebotsbereicherung, für den, der den Service will. Wer dazu aber gezwungen wird, wird Zwiesel zukünftig meiden und Camper haben ein feines Gespür dafür, wo man sie reglementieren und abzocken will. Und ihr Haus hat Räder und die Welt viele schöne Plätze... Nebenbei- nicht Beschilderungen über längere Wege (zum Arber über Zwiesel) bringen Gäste, die öfter als einmal kommen, sondern nur die Erfahrung, dass man irgendwo willkommen ist und sich wohl fühlen kann.

 

3.10.04 Verhöhnung/ Leserbrief zur Seligsprechung des letzten Habsburgischen Kaisers Karl I.

Erst erschien mir die Meldung wie ein geschmackloser Scherz gegen den Vatikan – doch der Papst, der immer den Frieden beschwört, hat nun tatsächlich den obersten Kriegsherrn der K u. K-Monarchie während der 1. Weltkrieges auf die Vorstufe der Heiligen gehoben. Dass die Kirchen seinerzeit die Vernichtungswaffen und die Armeen segneten und den „Hurra-Patriotismus“ mitschürten, ist oft kritisiert worden. Doch mit der Seligsprechung von Kaiser Karl I. werden die 30 Millonen Toten, Vermissten und Verwundeten noch einmal verhöhnt. Da hat ja auch der frömmelnde US-Präsident beste Chancen auf Seligsprechung, zumal er erst für 11 000 Tote verantwortlich ist! Die Wirklichkeit schlägt wieder einmal jede Satire...

 

 

6.9.04 Energie sparen

Der Kommentator der PNP behauptet, dass unser Land sich einzig mit Atomenergie selbst mit Energie versorgen kann, der Ausstieg daraus sei grob fahrlässig. Ist dem Leitartikler der PNP nicht bekannt, dass wir bei Uran auch vom Ausland abhängig sind und die Vorräte nicht länger reichen als das Erdöl? Dass bei Berücksichtigung des Wärmeenergieverbrauchs die Atomkraft nur etwa fünf Prozent des Gesamternergieverbrauchs beträgt und hier der Verkehr noch gar nicht eingerechnet ist? Dazu kommt, dass Grosskraftwerke - also auch alle AKWs - etwa 70 Prozent der Primärenergie als "Wärmeabfall" verschleudern. (Der große Kühlturm in Ohu ist kein überdimensionaler Maßkrug sondern ein Symbol für Verschwendung!) Von Tschernobyl und der Belastung zukünftiger Generationen durch die strahlenden Abfälle will ich gar nicht reden. Nach wie vor ist Sparen unsere beste Energiequelle, eindrucksvolle Beispiele wurden unlängst im Bayernteil der PNP genannt. (Etwa dass alleine die StandBy-Schaltungen den Strom von zwei Atommeilern verbrauchen). Würde zudem mehr regionaler gewirtschaftet, entfiele viel sinnloses Herumkarren von Gütern. Würde gar auf die Herstellung schädlicher oder überflüssiger Dinge verzichtet, würde sich unser Energiebedarf vermutlich sogar halbieren. Aber solche Überlegungen nach sinnvoller Produktion gelten heute noch als völlig illusorisch. So bleiben halt nur : sparsamere Autos (doch die deutschen Hersteller bauen fast ausschliech protzige Nobelkarossen mit manchmal abartigen PS-Zahlen unter der Haube), Geschwindigkeitsbeschränkung, Fahrgemeinschaften, Wärmedämmung, bedarfsgerechtes Heizen, Kraftwärmekopplung, Nutzung von Prozesswärme, Gas aus Gülle - und irgendwann darf es kein Haus mehr ohne Solarmodule, Warmwasser- und Luftkollektoren (Wintergärten) geben.                                                                                                     

 

8.3.04 Nichts dazugelernt

Wer zu Unrecht schweigt, macht sich mitschuldig. Und Unrecht ist es, wenn Starke über einen Schwachen herfallen. Wenn gar Volksvertreter einen Bürger mundtot zu machen versuchen, in dem sie ihn als Sittenstrolch verleumden, weil er die „Amigo-Bad-Affäre“ aufdeckte, dann ist das einfach unerträglich und eine Schande, nicht nur für die betroffene Gemeinde. 

 

Wochenlang habe ich vergebens auf eine einheimische Stimme gewartet, die zur Besonnenheit aufruft. Und dieses Schweigen ermunterte dazu, im Faschingszug noch eine Gemeinheit draufzulegen. 

Dass Auerer gerne eine „odauan“, ist bekannt und deshalb lieben wir sie auch. Doch beim Verspotten im Fasching oder bei der Satire, darf man sich nur mit den „Starken“ anlegen, nicht mit machtlosen Mitbürgern. Es ist höchste Zeit, die peinliche Sache aus der Welt zu schaffen und sich bei dem Betroffenen zu entschuldigen. Unsachliche Leserbriefe, wie der von Herrn Sitzberger, nützen niemandem. Dem Herrn sei auch gesagt, dass er sich irrt, wenn er meint, dass man etwa für meinen letzten Leserbrief keinen „Mumm“ bräuchte und nur in den Ratsversammlungen und Parteien die „Mutigen“ versammelt sind. Das Auerer Beispiel beweist ja wohl das Gegenteil.

 

 

4.3.04 Mobbing in der Au?

Was ist da nur los in der sonst so weltoffenen Au? (...) Im Gemeinderat wird offen darüber schwadroniert, wie man einen nervenden Neubürger auflaufen lassen kann und streut Gerüchte aus, die ihn in die Nähe der Pädophilie rücken. Dann trägt man dem zugezogenen "Querulanten“ im Faschingszug auch noch eine Fahrkarte ohne Rückfahrt von Frauenau nach Hamburg an, was kein Faschingsscherz ist sondern übelstes Mobbing. Und die Heimatzeitung findet keine mahnenden Worte zu diesen Vorfällen sondern gießt noch Öl ins Feuer und verbreitet die Bosheiten einseitig. Findet vielleicht als nächstes ein Haberfeldtreiben statt? Mit unserer vielbeschworenen bayerischen Lebensart und Toleranz hat das wenig zu tun. Statt unzufriedene Bürger einzuschüchtern und zu verspotten sollte man sie zur Meinungsäußerung ermuntern, weil sich ja eh selten genug einer zu Wort meldet. Und dass Zugezogene nicht automatisch recht haben und sich auch anpassen müssen, versteht sich wohl von selbst."

 

 

11.2.04 „Stoiber setzt sich bei Rumsfeld für den Erhalt der US-Stützpunkte ein“

Nächstes Jahr ist das 60. Befreiungs- und Besatzungs- Jubiläum. Das wäre doch ein guter Termin, den Deutschen durch Truppenabzug das Vertrauen auszusprechen und das ganze nukleare Horrorarsenal endlich über den Atlantik zu schaffen. Doch Stoiber will die US-Armee auf Dauer hier behalten. Ist das nun Unterwürfigkeit und vorauseilender Gehorsam oder soll Deutschland doch noch zum amerikanischen Bundesstaat werden?

Und stört es Stoiber gar nicht, dass die USA vom „Flugzeugträger Deutschland“ aus, mittlerweile doch einem souveränen Land,  noch immer einen völkerrechtswidrigen Krieg führen?

Vielleicht sollte man – bei aller Dankbarkeit – auch nicht immer totschweigen, dass die USA mit Hilfe ihrer Vasallen Adenauer und Strauß die Vereinigung der deutschen Besatzungszonen zu einem neutralen Staat verhindert haben und die europäischen Länder im Kalten Krieg jahrzehntelang gegeneinander hetzten und sogar bereit waren Mitteleuropa aus ideologischen Gründen atomar zu verbrennen, und diese Doktrin noch immer gilt.

Es wird langsam Zeit für normale Beziehungen mit den USA. Doch dazu müssen wir endlich den Schneid haben zu sagen, dass uns Amerikaner als Gäste herzlich willkommen sind, sie ihre Massenvernichtungswaffen aber doch zu Hause lassen sollten.

 

9.2.04 Neuer Autobahnzubringer?

Obwohl wir bereits eines der dichtesten Straßennetze auf der Welt haben, fand sich im Zwiesler Stadtrat nur eine Gegenstimme gegen die Forderung eine weitere Autobahnanbindung durch das wunderbare Tal der Rinchnach und durch das Kirchberger Bauernland zu bauen. Eine neue Straße durch eine solche verletzliche Landschaft zu brechen – mit allen zerstörerischen Folgewirkungen – ist in meinen Augen ein Verbrechen, wenn auch nicht aus Bosheit, so doch aus Verblendung! Trotzdem schon soviel Heimat zerstört wurde und man die großen Betriebe mit Fördergelder und Abschreibungsmöglichkeiten zuschüttete - sie sahnen ab, solange es geht, und dann verschwinden sie. Zuerst nach Tschechien oder Ungarn und wenn die Löhne dort einmal steigen und die EU-Millionen ausbleiben, werden sie noch weiter weggehen. Vielleicht bauen sie zu diesem Zweck bald rollende Fabriken, einen fahrbaren Glasöfen hat Schott für Ungarn ja schon bauen lassen, nach den Erfahrungen in Tschechien... 

Dieser Wettlauf ist nicht zu gewinnen, liebe Politiker begreift das doch endlich! Was uns am Ende bleibt sind betonierte Strukturen, in denen auch niemand mehr seinen Urlaub verbringen mag, denn Uniformität und Unwirtlichkeit haben die Urlauber ja auch zu Hause. Wer sich die Hässlichkeit unserer Gewerbegebiete und die Gesichtslosigkeit vieler Orte in Niederbayern ansieht, der kann doch mit Händen greifen, was wir verloren haben. Und was haben wir gewonnen?

Neue Straßen ziehen den Verkehr weiter an und wer den Transitverkehr derart fördert, fördert auch die Abwanderung der Betriebe nach dem Osten, denn jede gewonnene Minute macht die Produktionsverlagerung lukrativer. Und am Ende werden wir auch den Schwerverkehr in unseren Tälern haben. Wir hätten ihn längst, wenn sich bisher die Tschechen nicht verweigert hätten.

 

 

14.1. 04 „Wer zahlt schafft an!“

Zum Artikel "Politiker sollen Auskunft über Kirch-Honorare geben" vom 2. Januar:
"Zu Recht wurden in jüngster Zeit in der PNP die Selbstbedienungsmentalität instinktloser Politiker angeprangert. Und doch sind das alles nur Peanuts gegen die 600 000 DM die Kanzler Kohl und viele seiner Minister jährlich vom Medienzar Kirch erhielten - neben ihrem Gehalt und den Abgeordnetendiäten. Genauso unerträglich sind auch die hohen Einkommen aus Aufsichtsratsposten in Großunternehmen für Politiker, die nur dem Volk verpflichtet sein sollten. Wenn man dann noch an die illegalen Parteispenden denkt, wirkt es schon lachhaft, wenn die gierigen Volksvertreter eine Einflussnahme der Geldgeber auf die Politik ableugnen.
Die sichtbarsten Beweise dafür sind die gigantische Staatsverschuldung, die nicht unwesentlich durch die hemmungslose Subventionierung der Wirtschaft entstanden ist und der Umstand, dass auch bei uns die Reichen immer reicher werden. Dafür beginnt die Armut und die Demütigung zukünftig schon nach einem Jahr Arbeitslosigkeit, egal wie lange einer zuvor in die - von der Kohlregierung geplünderten - Sozialkassen eingezahlt hat.
Nachdem die sozialistische Konkurrenz weg ist, braucht man offenbar auch in Deutschland keine soziale Larve mehr. Die zunehmenden Wahlenthaltungen, weil man nicht mehr nur zwischen zwei Übeln entscheiden mag, sind ein schlimmes Alarmzeichen für unsere Demokratie."

Nov. 03, Adenauer der "größte Deutsche?"

Es gibt bei uns ja wirklich eine große Auswahl von bedeutenden Persönlicheiten, dass aber ausgerechnet Adenauer den Spitzenplatz erreichte, ist entweder auf Abstimmungstricks zurückzuführen oder es spiegelt in beschämender Weise das geschichtliche Wissen der Bevölkerung. Adenauer - dieser fanatische Antikommunist und diese Marionette der USA, der unser Land in den kalten Krieg führte und der die deutsche Teilung auf Jahrzehnte zementierte, denn einen von den Sowjets angebotenen gemeinsamen deutschen Staat lehnte er ab, weil er die verlangte Neutralität nicht akzeptierte. Lieber ließ er Westdeutschland als Speerspitze für einen Konflikt mißbrauchen, in dem die kapitalistische Ideologie bereit war, die ganze Welt atomar zu verbrennen. Er war ein strukturkonservativer Machtpolitiker, der ehemalige Nazis in seine Regierung aufnahm, der unliebsame linke Parteien verbot und kritische Journalisten einsperren ließ (Spiegelaffäre) und mit der Hallsteindoktrin den alleinigenVetretungsanspruch für Gesamtdeutschland beanspruchte und mit allen Ländern, die die DDR anerkannten die diplomatischen Beziehungen abbrach und ihnen die Wirtschaftshilfe strich. Mit dem Schulterschluß mit den Amerikanern und die Unterstützung der NATO und die die deutsche Wiederbewaffnung, erreichte er wirtschaftliche Vorteile (Marshallplan) und erreichte, dass die Bundesrepublik als Schaufenster gegen den Osten und als ökonomisch starker Frontstaat aufgepäppelt wurde. Doch der wirtschaftliche Überfluss und die hochgelobten sozialen Leistungen wurden - nach dem sie das Volk der DDR erfolgreich geblendet hatten und diese ihren sozialistischen Versuch aufgaben - laufend abgebaut, weil diese Mogelpackung und das Blendwerk nicht mehr benötigt werden.

Auch dazu passt Adenauers berühmter Satz "Was gehen mich meine Dummheiten von gestern an". Und dieser Mann soll der "größte" Deutsche sein?

 

Nov. 03 Heizwerk, LB 2

Die Fragen, die ich in meinem Leserbrief zum Heizwerk gestellt habe, werden nicht beantwortet, weder von der Stadt noch von der lokalen Presse. Es ist sicher kein Zufall, dass sich oft jahrelang niemand zu städtischen Themen äußert, was sicher ein Indiz für Politikverdrossenheit ist. Oder können die gewählten Räte meine Fragen gar nicht beantworten, weil sie auch mit den näheren Umständen des Projektes nicht vertraut sind? Eine meiner Fragen wurde von Herrn Lukaschek aus Regen beantwortet, der jüngst berichtete, dass eine Heizleitung in der Kreisstadt, die gerade verlegt wird, 350 000 € kostet, ohne Teerung der aufgerissenen Straße. Bei Zwiesels beabsichtigten Heizleitungsstrecken kommt dann vermutlich ein Betrag zusammen, der wohl an die Kosten für die geplante Stadthalle herankommt. Und da wir ja bekanntlich kein Geld haben, sollte schon einmal gesagt werden, wer das zahlt. Und auch welche Straßen aufgerissen werden müssen. Wenn ich nicht irre, könnten für ein Drittel der Leitungskosten in alle städtischen Gebäude die umweltfreundlichsten dezentralen Blockheizkraftwerke eingebaut werden, die durch Kraft-Wärmekopplung auch noch Strom erzeugen würden.

Aber Hackschnitzel verbrennen ist doch auch umweltfreundlich! Klar, wenn sie trocken sind und nicht wie in der Lohmannmühle im Freien gelagert werden und eher an Mulchmaterial erinnern. Brennholz für den Herd soll ja mindestens zwei Jahre trocknen, aber Hackschnitzel dürfen duschnass in den Ofen wandern? Und dann gibt es da ja auch noch die anderen Unzulänglichkeiten, auf die ich bereits hingewiesen habe. In jedem Fall dürfte die Geschwindigkeit, in der das Landratsamt den Bau des Heizwerkes genehmigt hat und in der die Baugrube ausgehoben wurde, ein Fall für das Guinessbuch der Rekorde sein... Ich will nicht annehmen, dass mein Leserbrief damit irgendwas zu tun hat? Das wäre zuviel der Ehre...

 

 

12.9.03 Notwendige Fragen zum Heizwerk in Zwiesel

Der Standort eines Heizwerkes an einem der schönsten Plätze der Stadt, am Eifelturm, ist sicher alles andere als optimal. Dass aber nun das Sammellager für das Heizmaterial in etwa sieben Kilometer Entfernung davon liegen soll, am verkehrsmäßig schwer zugänglichsten Platz der ganzen Stadt, das kann man kaum glauben, wie kann so was betriebswirtschaftlich und ökologisch sinnvoll sein? Als Bürger haben wir über das ganze Projekt bislang nicht allzu viel erfahren, ein paar wichtige Fragen sollten schon auch öffentlich beantwortet werden, etwa ob das Holz einmal verbindlich von unseren Waldbauern kommen wird, oder ob letztlich die günstigsten Lieferanten zum Zug kommen werden und zum Schluß Holz aus Tschechien, Polen oder gar China verbrannt werden wird (siehe Pflastersteindebatte in Deggendorf). Und wer kann – bei unterschiedlichen und am Gewinn orientierten Lieferanten schon gewährleisten, dass wir uns nicht zuletzt eine Müllverbrennungsanlage für belastete Hölzer ins Nest setzen. Die Bürger sollten auch wissen, wie und von wem die Holztransporte durch den überlasteten engen Anger in die Lohmannmühle geschafft werden sollen, ob das Holz bereits gehäckselt angeliefert oder ob es zentral zerkleinert wird und ob und wie viel Lärm dabei wo entsteht.

Nur dass etwa 300 Lastwagen voll Holzschnitzel jährlich in den Hof des alten Augustinerklosters gefahren werden und an der wunderbaren Stelle von Bruder Georgs Gewächshaus ein Kraftwerk gebaut werden soll, das war zu lesen. Auch dass die Route durch die Lohmannmühlstraße, den  Anger und dann über die Umgehungsstraße und an der Realschule vorbei führt. Interessant wäre auch noch zu wissen, zu welchen Bedingungen die Energie von der Stadt gekauft werden muß, ob neben der Heizwärme auch Strom erzeugt wird, welche Straßen für die Leitungen aufgerissen werden müssen und durch wie viel felsigen Grund man sich wird kämpfen müssen und wer die Kosten für das aufwändige Leitungsnetz trägt, welcher Aufwand für die Isolierung der Heizwasserleitungen getrieben werden muss und mit welchen Leitungsverlusten über die langen Strecken (etwa bis zum Rathaus) zu rechnen sind, wie die Energie- und Umweltbilanz aussieht, wenn man das Holz mit dieselgetriebenen Maschinen erntet und zerkleinert, was mit den alten Erdgas-Heizungen passiert und ob kleine dezentrale Heizkraftwerke nicht sinnvoller wären. Ich werde das Gefühl nicht los, da will man wieder einmal eine Sache gut machen und macht nebenbei fünf weitere Sachen schlecht.

 

 

November 03/ Amerikanische Verhältnisse

Bei der letzten Europawahl hat nicht einmal jeder zweite Wähler gewählt, nun passierte dasselbe bei der bayerischen Landtagswahl: etwa die Hälfte der Bürger stimmte mit den Füssen ab und blieb den Wahlurnen fern.

Das heißt auch die Zweidrittelmehrheit der CSU im Parlament bedeutet tatsächlich, dass sie auf dem Votum von nur etwa 30% der Bürger fußt.

Nun wird zwar von der CSU gerne behauptet, die Leute seien so sehr mit der schwarzen Herrschaft zufrieden, dass sie deswegen die Stimmabgabe unterließen. Wahrscheinlicher ist aber ein unausgesprochener Wahlboykott. Man fühlt sich durch die Parteien nicht vertreten und empfindet die ganze Politik als Veranstaltung von einflussreichen Interessengruppen – zu denen ganz offensichtlich das einfache Volk nicht gehört. Mit der Stimmabgabe würde man sich also selber verarschen und bleibt den Wahlurnen fern.

Wer kann das Parteingezänk noch hören? Wer kann die armen Politiker die auf jedem Fest sich anbiedernd herumgurken ernst nehmen, wo doch jeder weiß, dass die wichtigen Entscheidungen in den Vorstandsetagen der großen Konzerne getroffen werden, die sich immer öfter nicht einmal im Lande befinden. Nein, die reine Parteiendemokratie kann nicht die Zukunft sein, wir brauchen eine direkte Demokratie, in der die Bürger über wichtige Sachthemen selber abstimmen. Nun wird man einwenden, das sei ja gerade bei der letzten Landtagswahl ja schon ein wenig möglich gewesen. Doch auch die vier Punkte, über die abgestimmt werden durfte, wurden von der CSU in unzulässiger Weise gebündelt, so dass kein differenziertes Votum möglich war.

 

Zwischenruf Oktober 03

Der Kapitalismus zeigt - weil er keine sozialistische Konkurrenz mehr hat heute wieder offen seine menschenverachtende Fratze. Sozialabbau und Freibeuterei in allen Teile der Welt gelten manchen Leuten heute wieder als  akzeptabel und zeitgemäß.

Ich will vorausschicken, dass ich nicht zu denen gehöre, die nicht wüßten, dass ein guter Teil unseres Wohlstandes auf der ganzen Welt zusammengeramscht ist - auch wenn die zu Grunde liegende Kaufmannslogik und das Wuchersystem allgemein nicht als unanständig empfinden wird und wir auf Kosten der Armen leben und die vielen Waren durch Ausbeutung anderswo so günstig in unsere Märkte kommen. Ich weiß auch, dass wir, würden wir nur von unserer Hände Arbeit leben müssen,  nicht den fünften Teil unseres Einkommens hätten. Ich habe diese Dinge immer angeprangert und bin nicht zuletzt bei Gewerkschaftlern auf taube Ohren gestossen.

Und doch will ich den gegenwärtig betriebenen Abbau sozialer Leistungen in unserem Lande anprangern, weil er uns nicht nur wieder auf mittlere Sicht in Klassenkämpfe führen wird, vielleicht sogar in eine Diktatur,  und das vermutlich in keine Linke. Die arbeitende Bevölkerung fühlt sich heute als betrogen, denn die Sozialkassen wurden und werden für  versicherungsfremde Leistungen in schamloser Weise von der Politik geplündert, Millionen von Leistungsempfängern, die nie eine Mark in die Kassen einbezahlt haben, erhalten heute oft höhere Leistungen, als die langjährigen Einzahler. Diese empfinden dies zurecht als Ungerechtigkeit, ja als Diebstahl. Dazu kommt, dass die Einführung des Euro als Geldentwertung empfunden wird, denn trotz aller Dementis von Statistikern und einzelnen Verbilligungen, jeder kann in seinem Geldbeutel das teurere Leben ablesen. Dann wird die EU schon lange als Monster begriffen, dass sich als bürokratischer Wasserkopf in alle Lebensbereiche reglementierend einmischt und nicht nur durch die anstehende Erweiterung durch Billiglohnländer Arbeitsplätze abwandern und so neben dem  selben Prozess durch die Globalisierung  alle mühsam erkämpften Rechte und Privilegien beschnitten werden, ja oft nicht mehr existent sind.

Wenn wir auf die deutsche Problematik eingehen, hat man den Eindruck die  etablierten Parteien spielen nur das aus Krimis bekannte Spiel "Guter Bulle, böser Bulle", wo man durch Zuckerbrot und Peitsche Menschen gefügig machen oder austricksen will. Es scheint, die CDU zeigt nur noch grässlichere Folterinstrumente, damit die etwas weniger grässlichen der SPD von der Bevölkerung akzeptiert werden.

Obwohl die wirtschaftlichen Zahlen besser werden, war in diesen Tagen zu  lesen, dass viele große Firmen in der nächsten Zeit weiter tausende von Arbeitsplätzen abbauen wollen. Wir sind also wieder beim Thema meiner  letzten Zwischenrufe: Jobloses Wachstum - nicht nur in den USA sondern auch bei uns. Es müßte doch langsam dem blindesten Politiker klar werden, dass heute durch Wachstum nicht automatisch Arbeitsplätze entstehen und damit auch die soziale Versorgung der Bevölkerung nicht mehr voll von den Beschäftigten getragen werden kann, sondern die Sozialabgaben in steigendem Maß auch an die Produktion, also an die Wertschöpfung, gekoppelt werden müssen. Und diese ist nicht gesunken, im Gegenteil steigt sie noch immer leicht. Wenn heute eben immer mehr ohne Menschen, dafür mit Maschinen produziert wird, dann muß dieser technische Fortschritt und der Ertrag daraus den Menschen zugute kommen. Nicht nur den Besitzern der Maschinen, sondern der Allgemeinheit. Denn wenn Wirtschaften nicht den Völkern dient, welchen Zweck hätte es dann? Nur die Anhäufung von Reichtum in immer weniger Taschen? In unserem GG heißt  es bekanntlich in Artikel 14, 2: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

 

Zwischenruf September 03

Schröder ist kein Kanzler der kleinen Leute, das zumindest steht heute wohl fest. Gegenwärtig peitscht er Sozialreformen durch, die von den Unionsparteien nicht weniger sozial durchgeführt werden würden. Schröder wird vielleicht einmal als der Sozialdemokrat in die Geschichte  eingehen, der der SPD geschadet hat wie kein zweiter vor ihm. Das ist ein Unglück, denn nachdem die real existierenden sozialistischen Führer  im Ostblock die sozialistische Idee für hundert Jahre diskreditiert haben, passiert ähnliches auch der "Partei des demokratischen Sozialismus". Die kleinen Leute wenden sich schaudernd ab und gehen nicht mehr zur Wahl. Wen sollten sie auch wählen, es gibt für sie keine Alternative.

Mich erinnert das an die alte sozialdemokratische Schwäche, um ja nicht  als vaterlandslose Gesellen dazustehen, stimmten sie bekanntlich 1914 den Kriegskrediten zu und jetzt erledigen sie wieder einmal das Geschäft der Reichen, wie es eine Regierung aus Union und FDP bei einer starken sozialistischen Opposition vermutlich niemals könnten. Wieder einmal zeigt sich die SPD als Meister des vorauseilenden Gehorsams gegenüber der Industrie und den Kapitalbesitzern. Mit dem Vorwand Arbeitsplätze zu schaffen, in dem man die Personalkosten senkt und damit die Einstellung von neuen Beschäftigten zu erleichtern - also dass Menschen einer teureren Maschine vielleicht vorgezogen werden - wird Sozialabbau betrieben, der immer mehr Menschen in die Armut treibt. Gleichzeitig wird aber die Automatisierung und Rationalisierung weiter steuerlich und oft sogar mit Subventionen gefördert, so dass die Unternehmer blöd wären, Menschen einzustellen, das tun sie vielleicht noch in Billiglohnländern, aber  auch dort werden immer mehr Arbeitsplätze wegrationalisiert. Und Schröder beschenkte die Kapitalgesellschaften, so dass sie heute oft gar keine Steuern mehr bezahlen, er lässt die großen Konzerne Verluste aus dem Ausland mit aufrechnen und so die Steuern drücken. Und die Regierung lässt immer noch zu, dass großen Betriebe Briefkastenfirmen in Steueroasen gründen und den deutschen Fiskus um Milliarden betrügen, ganz legal. Nehmen wir einmal ein konkretes Beispiel: Eine Technologietochter eines großen deutschen Konzerns ließ sich erst mit hunderten von Millionen Subventionen vom deutschen Steuerzahler aufbauen- und als es dann etwas zu verdienen gab, verlegte sie ihren Firmensitz in die Schweiz...

Die "Globalplayer", also die großen Firmen, haben heute unglaubliche Möglichkeiten sich ihrer sozialen Verantwortung zu entziehen und die kleinen Leute? Sie sind wieder einmal die Betrogenen. Doch Schröder findet es anscheinend immer noch als "modern", wenn er sich wie ein Agent der Konzerne aufführt und wie eine Westerwelle-Imitation immer neue Säue durch das Land treibt. Auch unter dem SPD-Kanzler gilt: Gewinne werden privatisiert und Verluste sozialisiert....

Dass Schröder gegenüber dem Freibeuter und Imperialsten Bush Stärke gezeigt hat, als er diesem den Segen für den Überfall  auf den Irak verweigerte, will ich durchaus anerkennen. Doch ohne seinen klaren Antikriegskurs wäre Schröder nicht mehr gewählt worden. Sogar Skeptiker wie ich haben ihm seine Stimme gegeben, einfach um nicht schwarze US-Vasallen und Kriegshetzer an die Macht zu bringen. Doch ob sich Wähler auf Dauer so leimen lassen und noch einmal "das kleinere Übel"  wählen, ist zweifelhaft. Die Bayernwahl zumindest hat eine Wahlverweigerung erlebt, wie es sie bislang bei einer Landtagswahl noch nie gab. In unserem Wahlkreis blieben ca. 54 % der Wähler zu Hause, das heißt also, dass selbst die Sensationsergebnisse bei der CSU eigentlich nur bedeuten, dass sie nur auf etwa einem Drittel der Wähler basieren, auch wenn sie im Landtag faktisch eine Zweidrittelmehrheit bedeuten.

 

20.8.03 Die PNP als reisserisches Kasbladl,

es ist langsam nicht mehr zu ertragen! Da wird auf der Titelseite der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust durch ein ihn völlig entstellendes Foto mit panisch aufgerissenen Augen ins Zwielicht gerückt, obwohl er gerade in cooler Großtat den Schurken Schill entlassen hat. Im Bayernteil finden die Kids eine detaillierte Anleitung zum Schnüffeln und auf der letzten Seite haben sich seit längerem schlüpfrige Kleinanzeigen breit gemacht, dass man gar nicht mehr weiß, wo der Tiermarkt aufhört, überall werden Stuten angeboten. Hier zeigt sich das neue Niveau der PNP am augenfälligsten. Das auch Kinder die Zeitung lesen, scheint die Herren Backhaus und Dieckmann nicht zu stören.

Gestern wurden zum x-sten Mal wieder Bilder von Leichen präsentiert, denen der perverse von Hagens die Haut abgezogen hat und unlängst wurde ein ostbayerischer Bürgermeister auf der Titelseite in der Öffentlichkeit quasi hingerichtet, wegen ein paar geklauter Socken! Und auch der Hamburger Bürgermeister soll ganz offensichtlich durch das Bild diskriminiert werden, da schaut hin, da ist ein irrer Schwuler, der Todesangst hat! Er gehört in den gleichen Topf wie Schill. Pfui!

Die Medien sind die dritte Gewalt im Land. Wenn sie gar nicht mehr versuchen eine moralische Instanz zu sein, dann ist das ein großes Unglück, zumal in einer Gegend, wo sie eine Monopolstellung haben.

 

 

 

 Zwischenruf, August 03

 Es ist so gekommen, wie man es voraussehen konnte: Bush und Blair stehen heute als Lügner da, alle ihre vorgeschobenen Kriegsgründe haben sich in Luft aufgelöst, außer ihre wirklichen: Vorherrschaft in der Region für USA und Israel und: Öl!

Täglich kann man neue Unglaublichkeiten und Hintergründe zum Krieg lesen und täglich versinkt der Irak weiter im Chaos. Auch 4 Monate nach Kriegsende gibt es noch immer kaum Strom und Wasser in Bagdad und Augenzeugen berichten schreckliche Abläufe aus den geplünderten Krankenhäusern. Viele Menschen hungern und haben keine Verdienstmöglichkeiten, weil noch immer die Infrastruktur und die Wirtschaft zerstört sind. Die Amerikaner hatten, wie nach und nach bestätigt wurde, neben den Streubomben,auch Napalm und erneut Munition aus angereichertem Uran eingesetzt, abgeworfen von unter Zwangsdrogen stehenden Bomberpiloten. Doch werden die Kriegshetzer und die verantwortlichen Mordbrenner - ich bleibe bei diesem harten Begriff - heute wieder hoffiert und statt nach Den Haag auf die Anklagebank zu wandern, buhlen die ehemaligen Kriegsgegner wieder  um ihre Gunst.

Auch was Israel betrifft, bin ich in meinen Artikeln nicht so falsch gelegen. Zwischendrinn hatte es zwar kurz mal den Eindruck, Sharon würde einlenken und die Siedlungen aufgeben - aber das war reine Augenwischerei. Jeder Friedensansatz wird durch israelischen Staatterror zerstört und dem folgen nun, wie gewohnt wieder Racheanschläge der Palästinenser..., es scheint hoffnungslos zu sein.

Es gäbe viele weitere Themen, die aber nicht neu sind: Bush will die Welt auch mit gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln beherrschen und in der deutschen Innenpolitik wird weiter an der sozialen Sicherung herumgestrichen, um das Land an die barbarischen globalen Standarts heranzuführen...usw.

Aus den USA kommt der Begriff des "jobless growth", also des joblosen Wachstums. Die US-Wirtschaft wächst, doch es gibt keine neuen Arbeitsplätze.Das heißt, es ist eine Lügenmär, das Wachstum automatisch zu Arbeitsplätzen führt. Es wird automatisiert und rationalisiert und in vielen Branchen werden weiter Arbeitsplätze abgebaut. Eigentlich sollten auch die blindesten Politiker nun erkennen, dass bei rückläufigen Beschäftigungszahlen und doch immer weiter wachsende Produktion, die sozialen Sicherungssysteme nicht mehr nur an den Beschäftigten, sondern am Umsatz der Wirtschaft festgemacht werden muß. Doch noch immer wird diese hofiert, subventioniert und mit Steuergeldern gefördert. Doch die Gewinne der Betriebe, vor allem der großen, werden ins Ausland transveriert und die Menschen, die erst die Subventionen aufgebracht haben, bekommen nichts zurück, im Gegenteil werden sie immer weiter geschröpft und müssen sich bei Arbeitslosigkeit und Krankheit immer entwürdigerenden Prozedere unterwerfen. Die  rotgrüne Regierung stellt sich in unglaublichem Maße in den Dienst der Arbeitgeberverbände und der Großindustrie, geschröpft werden fast nur die Arbeitnehmer, Arbeitslosen und Rentner. Das hoffnungslose für die Bürger ist aber, dass die Merkls und Westerwelles dieser Republik den Sozialabbau noch weiter treiben wollen. Der Wähler hat heute tatsächlich keine Wahl mehr, die Wahlmüdigkeit wird deshalb zweifellos weiter zunehmen.

 

31.5.03 Bayerische Musik

Leserbrief an die SZ zum Artikel vom 30.5. im Bayernteil, der darüber informierte, dass nächste Woche im Parlament bayerischer Musik mehr Platz eingeräumt werden soll.

 

„Würde ein Besucher aus einer fernen Galaxis nach Bayern kommen um ethnische Studien zu treiben, dann fiele ihm wohl bald auf, dass nur noch zwei von hundert Kindern in der bayerischen Landeshauptstadt die Landessprache sprechen, dass es in vielen populären Rundfunkprogrammen nur englisches Kommerzgesäusel gibt und so faktisch die Lieder der Sprache beraubt sind. (Der Besucher würde aber durchaus in manchen Kanälen volksdümmlichen Kommerz finden, mit dem sich Bayern selber verarschen. Schon Roider Jackl stellte fest, dass man als Bayer nur erfolgreich sein kann, wenn man sich als bayerischer Depp verkauft...)

Einfache bayerische Musik aber, in der sich zeitgenössisches Leben und Wirklichkeit spiegeln, die sich in der Form zwischen Tradition und Moderne bewegt- die findet in unseren Medien einfach nicht statt.

 

In den sechziger Jahren – in den Anfängen meiner Liedermacherzeit – habe ich Bänder an den bayerischen und den österreichischen Rundfunk gesandt. Vom BR habe ich nie Antwort erhalten und Frau Kaiser vom Ö3 schrieb mir freundlich zurück, in Österreich würden nur heimische Künstler gefördert... Aber immerhin eben das, nicht umsonst sind im Nachbarland soviele Liedermacher und Kabarettisten herangewachsen. Österreicher und Schweitzer haben aber zu ihrer Sprache sowieso ein selbstbewußtes und natürliches Verhältnis, anders hierzulande, wo man den Eindruck gewinnt, dass sich manche der eigenen Sprache zu schämen scheinen.

 

Gelegentlich wird heute darauf hingeweisen, dass die Kommerzkultur des Westens alle gewachsenen Kulturen zerstört und die Welt am Ende aussieht wie die gleichförmige Agrarsteppe überall. Doch man übersieht, dass Deutschland und Bayern zu den ersten Opfern dieser Globalisierung und Imperialisierung gehören, nie wurde in den Köpfen gründlicher aufgeräumt, nie hat sich ein Volk serviler verhalten und sich sogar seiner Sprache berauben lassen.

 

Dass man nun für bayerische Lieder per politischem Erlass Nischen einräumen will, kann sicher als erster Schritt zur Selbstbesinnung nicht schaden. Wir bayerischen Liedermacher und Poeten sind Nischen ja gewöhnt, wir bewegen uns seit Jahrzehnten darin.“

 

 

1.5.03 Vorläufig letzter Zwischenruf zum Irakkrieg,

Warum die Amis so genau wissen wollen, dass Saddam Massenvernichtungswaffen hat? Weil sie die Rechnungen davon aufgehoben haben...

Diesen makaberen Witz haben amerikanische Kriegsgegnern ins www gestellt und er ist wohl deshalb so gut, weil er eine verzwickte Wahrheit in wesentlichen pointiert mit wenigen Worten auf den Punkt bringt. Der so lange beschworene Kriegsgrund war eine Farce und dass ausgerechnet diejenige Nation, die Saddam solange protegierte und von ihm einen schmutzigen Stellvertreterkrieg gegen den Iran führen ließ, aus macht- und wirtschaftspolitischen Gründen nun ihren Schützling dämonisierte und sein Land zerbombte und besetzte, mutet fast wie der letzte Akt einer üblen Gaunerposse an. Der Kriegsgrund, die noch existierenden Massenvernichtungswaffen ließen sich bisher nicht finden, noch wurden sie von Saddam eingesetzt, was man ihm ja immer als letzte Teufelei unterstellt hatte. Heißt das also, dass Saddam gar kein solcher Teufel ist oder das er mit den Amis irgendeinen Handel gemacht hat, wieder einmal? Man stelle sich nur einmal vor: Saddam würde gefangen und müsste sich vor einem internationalem Gericht verantworten! Was der Mann alles an Verbrechen aufdecken könnte, er, der einerseits grausamer Diktator, aber auch solange Handlager der Amerikaner war.

 

Zwischenruf vom 12.4.03

Vor einigen Tagen konnte man hoffen, dass mit der fast kampflosen Einnahme Bagdads durch die Amerikaner, für die irakische Bevölkerung das schlimmste überstanden sein könnte. Doch der so lange beschworene Häuserkampf ist nun eingetreten - doch anders als erwartet. Bagdad und viele andere von den Amerikanern und Briten eroberte Städte versinken in Chaos und Anarchie! Mit dem Abzug oder Ausfall der alten Ordnungsmacht ist eine gesetzlose Phase entstanden, wie man sie als Kriegsplaner eigentlich hätte erwarten können. Auf jeden Fall tragen die Eroberer für die gegenwärtigen Vorgänge auch die Verantwortung. Es genügt eben nicht mit Hightec-Waffen und einer kleinen Armee ein 27 Millionen-Volk zu erobern, man muss es dann auch kontrollieren können, damit dort nicht die Barbarei ausbricht, und das ist geschehen. Es werden nicht nur Saddams Paläste geplündert, in den Städten herrscht das Faustrecht, in dem Banken, Geschäfte und Privathäuser geplündert werden. Ja, selbst aus Krankenhäusern wird gestohlen, was nicht niet - und nagelfest ist, ohne Rücksicht auf die Verwundeten, es sollen sich unvorstellbare Szenen abspielen. Alte Rechnungen werden beglichen und Bluttaten verübt, schutzlose Frauen werden geschändet, die Stadt soll voller Toten sein, die niemals weggeräumt und deren Verwesungsgerüche immer unerträglicher werden. Heute wurde auch gemeldet, dass auch Museen mit unersetzbaren Kunstschätzen geplündert werden- und in vielen Städten fehlt es an Trinkwasser, Medikamenten und Lebensmitteln.

Und die Eroberer - bislang gibt es nur Lippenbekenntnisse, dass man dem Chaos Einhalt gebieten möchte. Doch mit wem auch. Die Soldaten sind noch in Kämpfe verstrickt und sie sind auch weder zahlenmäßig noch ausbildungsmäßig in der Lage für Ordnung zu sorgen. Und ihre politische Führung? Sie scheint sich langsam verbal auf Syrien einzuschießen. Vom Iran hört man seit ein paar Tagen nichts mehr,  doch das will wenig heißen. Die Drohungen gegenüber Syrien beweisen erneut, die Unverantwortlichkeit und völlige Maßlosigkeit der  amerikanischen Führung. Und - wie wir gerade erleben durften - die reden nicht nur, die schrecken auch vor keinem Krieg zurück. Ob sie auch an ihre Versprechungen denken, nach der Besiegung Saddam Husseins sich um die Palästinenser zu kümmern und ihnen den versprochenen eigenen Staat zu gewähren? Doch die Wahrscheinlichkeit, dass eher noch Krieg gegen Syrien und den Iran geführt wird, dürfte um einiges höher sein...

 

Zwischenruf vom 3.4.03

Die Amis und Briten werfen Streubomben! Gestern haben sie es noch abgestritten, heute - nachdem im TV beschriftete Bombenreste zu sehen waren, gaben sie es zu. Eine Nebenbombe dieser Bündelbomben traf ein Haus. Die drei toten Mädchen, der mit Granatsplittern übersäte Vater und der überlebende kleine Bruder, der mit großen Augen dastand und gar nicht begriff, was passiert war - solche Bilder vergisst man nicht! Hundert oder tausend andere vergleichbare Bilder erreichen niemanden, das Grauen des Krieges lässt sich nur erahnen. Immer wieder drängt sich die Frage auf: Was haben Amis und Briten nur im Irak verloren? Suchen sie ihre Unschuld, die sie dort schon im letzten Jahrhundert zigfach verloren haben! Die Briten etwa, wie sie nach dem 1. Welrkrieg Bagdad eroberten und Arabien ohne Verstand zerstückelten! Die Amis, die - in den achtziger Jahren unter Reagan - ausgerechnet Rumsfeld zu Saddam schickten, er sollte diesem alle Hilfe gegen den vordringenden Iran geben. Wer hätte je gehört, dass die USA Saddams Giftgas gestört hätte, als er es gegen die Iraner einsetzte ? Wer sich auch nur  wenig über die koloniale Geschichte Arabiens sachkundig macht, sieht die gegenwärtigen Greuel mit noch andern Augen und muß mit Übelkeit kämpfen, wenn er die heutigen Phrasen der Führer  der "Allianz der Willigen" hört.

Ein anderes Bild von heute. GIs zwingen irakische Soldaten, die sich ergeben, sich nackt auszuziehen, in der Wüste, vor laufenden Kameras, die diese entwürdigenden Bilder in die Wohnzimmer der Welt bringt. Das erinnert an die Demütigungen der Palästinenser durch die Israelis an den Checkpoints. Diese verführten, unwissenden Söldner zerstören ein Land, töten unschuldige Menschen, nehmen ihnen ihre Kultur, ihre Selbstachtung und pflanzen ihnen einen nie versiegenden Zorn ins Herz!

Oder die Szene, wie Amis mit Maschinenpistolen, hungrigen irakischen Kindern Hamburger reichen. Das ist die Vollendung, kulturell und moralisch! Erst  zerstört man ihnen ihre Lebensgrundlage und dann gibt man ihnen als Almosen die Symbole des amerikanischen "way of life". Oder wie GIs  Süssigkeiten an Kinder verteilen, doch erst dann, wenn sie kapiert haben, dass sie in die Kamera lachen müssen.... Es ist entwürdigend, es ist ein Verbrechen, und doch - es sind nur winzige Ausschnitte dessen, was da passiert und was noch passieren wird.

Und zur gleichen Zeit ist der US-Aussenminister Powell bei der NATO in Brüssel und statt, dass ihm die Aussenministerkollegen empört ihre Verachtung spüren ließen oder ihm wenigstens in klaren Worten das verbrecherische Szenario vorhalten würden- Smalltalk, Scherze, Lachen, diplomatische Professionalität, nennt man das wohl. Es fehlt nicht viel, dass sich die Herrschaften vor Begeisterung, dass das große Amerika ihnen wieder gnädig einen Vertreter vorbeischickt, auf die Schenkel klopfen, die Stimmung ist peinlich. Gut, sie sagen Powell, dass nach dem Krieg die UNO wieder die Führung übernehmen soll, beim Aufräumen und beim Helfen und das Öl den Irakern gehört, was Amerika aber nicht hören will. (Teilweise waren Aufträge schon vor Monaten  an amerikanische Firmen vergeben, als Bush, Blair und Powell mit der UNO noch ihr schamloses Theater spielten).

Szenenwechsel, Bundestagsdebatte. Auch heute wiederholt Unionschefin Merkel wieder ihre niederträchtigen Reden, die darin gipfeln, dass sie dem Bundeskanzler Schröder vorwirft, dass er mit seinem Nein gegen den Krieg den Krieg wahrscheinlicher gemacht hat... So als wenn der Krieg nicht schon lange vor den UN-Debatten von Bush beschlossen gewesen wäre. Da das heute Allgemeinwissen ist, beweist Merkls Rede, dass sie das offenbar allein noch nicht weiß oder einfach nur ihre üble Parteien-Rethorik hält, grad so wie eine aufgezogene Puppe -- doch aufgezogen von wem? Doch in der DDR ist sie im blauen Hemd der FDJ brav marschiert, dann war sie sie ein untertäniger Parteisoldat von Skandalkanzler Kohl und nun schleimt sie den Amis hinterher, wie es dieser Tage jemand treffend formulierte.

Und die Regierung- auf die wir so stolz waren, weil sie sich Nein zu Bush sagen getraute - sie läßt zu, dass gegen geltendes Recht von deutschen  Firmen an die Aggressoren Angriffswaffen verkauft werden! (Die Schweizer haben das seit Kriegsbeginn eingestellt). Damit unterstützt die Regierung den Angriffskrieg, auch dadurch, dass sie deutsche Soldaten weiter in den Awacs-Flugzeugen und in den Spürpanzern Dienst tun lässt, dass die Amerikaner den deutschen Luftraum benutzen und den Krieg so auch von ihren deutschen Kasernen aus führen... So wird erneut geltendes deutsches Recht gebrochen, sowie es vor vier Jahren bereits beim Angriffskrieg gegen Serbien gebrochen wurde. Und doch haben wir diese Regierung wieder gewählt - weil sie uns vor Merkel, Stoiber und Westerwelle das kleinere Übel zu sein schienen. Armes Deutschland, arme Welt, was könnte uns helfen? Desillusioniert, wie wir heute sind, bliebe alleine noch die direkte Demokratie, die man uns bis heute vorenthält. Denn eines ist sicher: erst wenn einmal die Völker die Sachpolitik bestimmen können, dann werden zwar die Irrtümer nicht enden, aber für Krieg werden die Europärer nicht mehr stimmen.

 

Zwischenruf 2.4.03

George W. Bush führt nicht nur einen Krieg gegen den Irak und gegen das Völkerrecht, er führt auch einen Krieg gegen das eigene Volk, mit Gesetzespaketen wie dem "Patriot Act" setzte er einen großen Teil der Bürgerrechte außer Kraft. Die Bespitzelung der Bürger soll total werden, am Ende kann nur ein totalitärer Staat stehen und keine Demokratie. (Und dieses Land will anderen Demokratie bringen? Es wäre zum Lachen, wenn man nicht weinen müßte...)

Ein Kommentator in der SZ schreibt, die patriotische Grundstimmung während des Krieges soll nun davon ablenken, dass ein zweites Gesetzespaket mit noch tiefgreiferenden Konsequenzen verabschiedet wird. Der Einfluss der Gewerkschaften wird drastisch eingeschränkt. Tom Delay schrieb in einem Rundbrief. "Die Gewerkschaften sind eine eindeutige Gefahr für die Sicherheit zu Hause und unsere Truppen." Und schließlich sollen Sozialleistungen und Gesundheitssystem in bisher einzigartigem Maße reduziert werden.

Von Bushs Steuerreform, die zwei Billionen Dollar kosten wird, sollen zwei  Drittel dem oberen einen Prozent der Reichen zu Gute kommen. Der Wirtschaftselite also, die ihren Anteil am Gesamteinkommen in den letzten Jahren schon von 14 auf 21 % erhöht hat. Dazu hat Bush das Budget für die Streitkräfte auf 400 Milliarden erhöht, die Kosten für den Krieg nicht eingerechnet.

Es ist also nicht übertrieben, dass Bush auch einen Krieg gegen das eigene Volk führt. Vielleicht braucht er seine Eroberungskriege auch um davon abzulenken. Vielleicht öffnen die gegenwärtigen Grausamkeiten und Lügen dem amerikanischen Volk doch noch die Augen und sie erkennen, dass sie und die Völker, die man heute bombardiert, eigentlich die gleichen Feinde haben.

 

Zwischenruf, 29.3.03

Wir alle haben uns darüber empört, dass am 11.September 2001 Flugzeuge in die Tower des World Trade Centers gelenkt wurden, absichtlich und nur mit dem Ziel zu töten und zu zerstören. Wir wissen bis heute nicht genau, wer sich diese teuflischen Anschläge ausgedacht hat. Waren es fanatische Araber im Auftrag von Bin Laden? Was gäbe ich dafür, die Wahrheit zu kennen! Heute werden irakische Städte absichtlich zerstört, fast gefahrlos von unerreichbaren Flugzeugen aus. Doch die  Auftraggeber sind bekannt, sie brüsten sich mit ihrer Tötungsmaschinerie und reden dabei von Humanität und Befreiung... Ein erbärmliches Geschäft und eine Schande für unsere Zivilisation! Schon vor einem Jahr haben diejenigen, die das heute verbrechen, bereits weitere Ziele genannt: etwa Syrien, den Iran und ... Schon werden diese verbal attackiert, es erscheint fast sicher, dass den Worten Sprengbomben  folgen werden, wenn erst einmal der Irak niedergeworfen ist. Dies klingt alles wie aus einem schlechten Wildwest-Roman, doch die Täter kommen aus dem Wilden Westen und vermutlich handeln sie auch nach derartigen Vorlagen. Frau Merkel redete in diesen Tagen von der "Gemeinsamkeit der Werte", die sie mit den Mordbrennern verbindet. Aufgeklärte Europäer, die sich demokratischen und humanen Werten verpflichtet fühlen, spüren da Gänsehaut und wie ihnen der Hals anschwillt und heiliger Zorn den Blutdruck hochtreibt... 

 

25.3.03 Wo Täter Richter sind

Die arabische Liga hat sich an die UNO gewandt und das sofortige Ende des völkerrechtswidrigen Überfalls auf den Irak verlangt. Eine Debatte des Weltsicherheitsrates soll auch in diesen Tagen stattfinden. Man stelle sich das nur vor: die amerikanischen und englischen Mordbrenner, (ein zugegeben harter Ausdruck, der aber für Staaten, die ein Land überfallen und mit tausenden von Bomben und Raketen zerstören und die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen, wohl nichts weniger als zutreffend ist!) die als ständige Mitglieder im Sicherheitsrat sitzen, sollen über  sich selber richten! Die Täter, die einen Krieg gegen die geltende Weltordnung führen, sind ihre eigenen Richter! Das ist die Perversion des Rechts und versetzt der UNO einen weiteren Schlag. Doch die Hoffnung, dass Amerikaner und Briten vorübergehend auf ihre Stimme im Sicherheitsrat verzichten, dürfte eine Wunschvorstellung bleiben.

 

24.3.03 Von Mordbrennern und Volksverhetzern

Jeder einigermaßen informierte Mensch weiß, dass die Amerikaner den Irakkrieg schon kurz nach dem 11.9.01 beschlossen haben , und das ganze  Geeiere im Weltsicherheitsrat nur ein verlogenes Theater war. Vermutlich fiel die Kriegsentscheidung sogar schon eher, denn bereits im Februar 2001 gab es amerikanische und britische Bombenangriffe auf den Irak.  Die Welt empörte sich darüber und Frau Merkel, Herr Stoiber und Herr Westerwelle verteidigten damals bereits die Gewalt in gewohnter untertäniger Vasallenmanier. Auch heute verteidigen Unionspolitiker, allen voran Frau Merkel , die Herren Pflüger, Hinze usw. den amerikanischen Angriffskrieg, der ja nicht nur ein Krieg gegen ein Volk ist, sondern auch ein Krieg gegen die Weltgemeinschaft und das Völkerrecht. In dem sie sich auf die Seite der Mordbrenner stellen, werden sie auch für die Folgen verantwortlich. Ihre Reden müssen folglich auch als Volksverhetzung und Aufwiegelung zu einem Angriffskrieg gewertet werden, den das Grundgesetz und die UN-Gesetze unter Strafe stellen. Kriegshetzer haben im Bundestag nichts verloren. Deshalb: Frau Merkel, Herr Pflüger, Herr Hinze und Co- treten sie zurück! Sie haben sich verrannt!

 

23.3.03 Zwei denkwürdige Umfrageergebnisse aus den USA:

 Nur noch 30% der Bevölkerung sind gegen den Irakkrieg und nur 30 % der Bevölkerung kennen den amerikanischen Kriegsminister Rumsfeld. Natürlich haben die beiden Ergebnisse nichts miteinander zu tun..., oder doch? Zumindest das zweite Ergebnis macht das Ausmaß der politischen Uninformiertheit in den USA deutlich. Man kann nach dieser Umfrage wohl davon ausgehen, dass die meisten Amerikaner überhaupt nicht wissen, dass ihre Regierung einen Krieg gegen das Völkerrecht führt, ja dass sie vermutlich nicht einmal von dessen Existenz wissen. In einer anderen Umfrage glaubten 70 % der Befragten, dass der Irak hinter dem Anschlag vom 11. September 2001 steckt. Wie heißt es bei Friedrich Schiller- ohne ein informiertes Volk kann es keine Demokratie geben. Doch wie sagte Bush- er wolle die amerikanische Freiheit und Demokratie in den Nahen und Mittleren Osten bringen..., na das kann ja heiter werden...

 

 

20.3.03 Der amerikanische Überfall auf den Irak hat begonnen.

Mit ihren gigantischen Zerstörungspotentialen erwecken die Amerikaner und ihre "Allianz der Willigen"- deren überwiegend gekaufte Führer  sich gegen den Willen ihrer Bevölkerung an dem Angriffskrieg beteiligen, Blair will ich hier ausnehmen, den treiben andere Motive - den Anschein, als würde ein Titan gegen eine Maus kämpfen. In einem derart ungleichen Kampf sind für den Titanen keine Lorbeeren zu gewinnen, im Gegenteil, er wird weltweit Zorn und Verachtung ernten und dieser Schaden wird den militärischen Erfolg vergessen machen. Dieser Krieg und das Drumherum lehrt einer neuen Generation auf der Welt das Fürchten vor der Weltmacht USA, denn jedes Land kann - wenn es amerikanische Interessen behindert - das nächste Kriegsziel sein. "Pax Americana"- der amerikanische Frieden  - ist der Frieden eines Friedhofs, auf dem die Eigenständigkeit und Verschiedenheit der Völker begraben wird. Doch das Erleben amerikanischer Hochmut, Machtgier und Skrupellosigkeit wird den Menschen weltweit die Augen öffnen und einen Lernprozess einleiten, der das politische Pendel der  Welt in eine humane Richtung ausschlagen lassen wird, so hoffe ich es wenigstens.  Ich bedauere heute schon die politischen Führer dieser Welt, die nach dem Krieg mit Bush, der nach dem Krieg eigentlich vor dem neuen Gericht in Den Haag angeklagt gehört, wieder zusammenarbeiten müssen , wenn das elende Theaterspiel der Diplomatie wieder beginnt und wie immer diejenigen, die gegen den Krieg waren, die Schäden zusammenfegen und den Hass der Besiegten und Gedemütigten aushalten werden müssen.Zitat Blair, 21.3.: "Die Internationale Gemeinschaft muß den Irak wieder aufbauen." Warum eigentlich? Sollten nicht diejenigen, die zerstören und morden für ihre Taten geradestehen und die Schäden beseitigen und die Kriegsversehrten und Waisen lebenslang versorgen?

 

 19.3. 03

Die Aussenminister des Weltsicherheitsrat trafen sich heute - die amerikanischen und britischen Minister blieben demonstrativ fern – und hörten Hans Blix Bericht an, in dem er ausführte, mit den Waffeninspektionen den Irak innerhalb von drei Monaten hätte entwaffnen zu können. Doch dies sei ja nun nicht mehr möglich.

An dieser Stelle sollte einmal die Hochachtung für diejenigen Staaten ausgesprochen werden, die sich  trotz massiven Drucks der Amerikaner -nicht zu einem Votum für den ungerechtfertigten Angriffskrieg hatten drängen lassen, obwohl sie es mit wirtschaftlichen Sanktionen bezahlen werden. Hand aufs Herz - wer hat nicht geglaubt, dass Russland, China und Frankreich zuletzt noch umfallen würden? Aber auch Schröder und Fischer will ich einmal loben für ihren Einsatz auch wenn ich ihre Unterstützung für den Balkankrieg nicht vergessen kann und dafür, dass sie nicht umgefallen sind, was wohl nicht nur ich insgeheim befürchtet habe.  Leider geht ihre Courage nicht so weit, dass sie sich auch noch die Konsequenzen aus dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zögen und den Amerikanern die Überflugsrechte über Deutschland verweigerten, was das Grundgesetz bei Strafandrohung gebietet.

 

18.3.03 Kriegstreiber Bush

Nun ist es ausgesprochen: Georg Bush will den Krieg gegen den Irak. Es ging ihm nie um Abrüstung, sondern um den Regimewechsel in Bagdad, denn er will die Macht in der Region, das Öl und den lukrativen Waffengang. Dass es selbst im besten Fall nicht ohne Tausende von Toten abgehen wird, nimmt er in Kauf, ebenso das Leid der Betroffenen. Dies zeigt, dass er kein Christ ist, sondern höchstens ein Frömmler, vermutlich ist aber  auch das alles nur Show, falsch und verlogen wie die ganze Rede, die er heute  Nacht hielt. Heute sollte auch der Blindeste erkennen, dass Bush sich wie ein Diktator gebärdet, der für seine Ziele über Leichen geht, der das Völkerrecht mit Füssen tritt und sich mit seiner Politik anschickt, sich aus der zivilisierten Weltgemeinschaft auszuklinken. Schon kursiert das Wort "Bushismus", eine texanisch- amerikanische Sonderform der Barbarei.

Und die deutschen Vasallen von Bush, die bis heute ja immer beteuerten, sie seien auch gegen Krieg und unterstützen den amerikanischen Aufmarsch  im Golf nur als notwendige Drohkulisse und die jetzt eigentlich sehr kleinlaut sein müßten und sich für ihre Unterstützung von Bush entschuldigen sollten Merkel gab heute bekannt, dass sie und ihre Union den Krieg als letzte Konsequenz billigen, Stoiber eierte noch ein wenig herum, deutete aber zumindest an, dass ihm Amerikas Vorgehen nicht behage, doch schuld sei nicht Bush sondern Saadam. Und Westerwelle? Der hatte gestern schon den Schuldigen für den Krieg gefunden- nicht  Bush , nicht Blair und nicht Saddam, nein die Kriegsgegner seien schuld am Krieg, weil sie Bush nicht uneingeschränkt unterstützt hätten. Heute, am 19.3. (ich trage dies nach) im Bundestag, plapperte Merkel diese Schäbigkeit nach. Das erinnert mich an die Nachrüstungsdebatte vor zwanzig Jahren, als CDU-Generalsektretär Heiner Geissler den im KZ ermordeten Pazifisten die Schuld an Hitler und dem Krieg gab, da sie nicht mit Waffen gegen ihn gekämpft hatten. Westerwelle es soll nicht verschwiegen werden, lehnte heute den Angriffskrieg ohne Mandat des Weltsicherheitsrats ab, erstaunlich immerhin.

 

 

14.3.03

Kanzler Schröder hat heute seine "Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede" gehalten. Er will den Langzeitarbeitslosen die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes halbieren, das Krankengeld abschaffen, die Arbeitslosenhilfe und die Sozialhilfe zusammenlegen. Die Krankenkassenleistungen sollen durchdacht werden, also gekürzt, und es wird fast wie ein Geschenk verkauft, dass Privatunfälle und zahnärztliche Hilfe Kassenleistungen bleiben sollen. Doch Merkel, Stoiber, Westerwelle und Hundt gehen die sozialen Kürzungen noch nicht weit genug, ihre Forderungen wirken wie aus Maggie Thatchers Giftschrank, deren unsoziale Reformen bekanntlich zu einem exorbitanten Anstieg der Arbeitslosenquote und zu einer Verschärfung der  Kluft zwischen Arm und Reich geführt haben. Von Westerwelle und Co kennt man dieses unsoziale Geschwätz ja, doch nun wollen auch die Herrschaften mit dem ominösen "C" im Namen offenbar wieder einmal beweisen, dass dieser Buchstabe nicht für "christlich" sondern für "Capital" steht... Selbst CSU-Mann Seehofer kritisierte tags darauf seinen Chef, was ja beachtlich genug ist. Es hat den Anschein, als würden die schwer erkämpften sozialen  Errungenschaften der letzten 150 Jahre nach und nach verschwinden und der Kapitalismus seine soziale Maske nach und nach ganz ablegen. Eine Maske, die man während des kalten Krieges anlegte und mit gigantischer  Staatsverschuldung finanzierte, um den sozialistischen Ländern vorzugaukeln, der Kapitalismus habe ein soziales Füllhorn. Mit diesem Speck hat man erfolgreich die Mäuse gefangen und - vor allem unter Kohl - die Sozialkassen für die nationale Sache geplündert und die Bürger an rosarote Brillen gewöhnt. Doch nun zeigt der Kapitalismus wieder nach und nach seine alte Raubtierfratze - die rosa Brillen werden nicht mehr ersetzt - und bald werden auch die verlogenen Phrasen, von der friedlichen Globalisierung der Welt (zu Gunsten der Menschen und ihrer Entwicklung) wie Seifenblasen zerplatzen, Amerika ist bereits dabei alle Maskierung abzulegen und treibt bereits seine alte imperialistische Wildsau durch die wenigen noch umzäunten Gärten dieser Welt. Natürlich im Namen Gottes - da kann der Papst noch so widersprechen - und für "amerikanische Freiheit und Demokratie", da können die Betroffenen noch so um ihre alten Kulturen jammern und andere demokratische Vorstellungen haben. Zur Einschüchterung der Welt zündeten die USA in diesen Tagen eine neue konventionelle Bombe "Moab-Bombe) mit der  Sprengkraft einer Atombombe. Doch wird nach wie vor auch der Einsatz atomarer Sprengsätze nicht ausgeschlossen.

 

12.3.03 Pferdeäpfel auf Wanderwegen

In so bewegten Zeiten getraut man sich kaum über etwas so unbedeutsames zu schreiben, wie über Volksvertreter, die sich über Pferdeäpfel auf Wanderwegen erregen. Pferdeäpfel im Wald, das ist normalerweise eine Seltenheit, man kann tagelang wandern ohne auch nur einen Haufen zu finden. Und meistens haben ihn zuvor bereits die Vögel gefunden, die ihn begeistert auf der Suche nach Körnern zerkratzen. Pferdeäpfel gehören zu unserem Wald- ja, wie die Bäume, es gab sie schon zu Zeiten, in denen es vermutlich noch nicht einmal Waldler gab..

Ich empfehle dringend sich über andere Hinterlassenschaften auf Wanderwegen zu erregen, etwa den nicht oder schwer verrottbaren Müll, den man noch immer reichlich findet oder die mit reichlich Hygienetüchern markierten menschlichen Hinterlassenschaften auf oder gleich neben den Wegen (ein paar Meter abseits im Wald könnte einen ja ein wilder Bär in den Po beißen...)

Noch schlimmer sind aber oft manche Wanderwege selber, es gibt regelrechte „Bäderstraßen“, in denen sich die Kachelscherben der Badezimmermoden der letzten dreißig Jahre wiederfinden. Vom nicht abgedeckten scharfkantigen Bauschutt, durchsetzt mit unverrottbaren Installationsresten, nicht zu reden. Von einer Wanderwegkultur, etwa mit gesandeten Wegen, die zum Barfußlaufen einladen, wie man sie in anderen Gegenden findet, sind wir Lichtjahre entfernt. Auch alte gewachsene weiche Wanderpfade werden – von gutmeinenden Funktionären – oft mit grobem Schotter zerstört oder müssen als Deponie für den Wintersplitt herhalten. Es wird einmal die Zeit kommen, da werden die Archäologen in den Waldwegen kratzen und eine Kulturgeschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts aufstellen. Vielleicht können sie per Gentest an seltenen besonders grünen Stellen erkennen, dass auch in diesen künstlichen Zeiten noch gelegentlich ein paar Pferdeäpfel den Wald erfreut haben...

 

12.3.03

Der serbische Präsident Djindjic wurde heute Opfer eines Attentates,  die Täter werden bei politischen Gegenspielern oder der serbischen Mafia vermutet. Djindjic wollte Serbien-Montenegro weiter an den Westen heranführen und hat auch die von den USA für Kredite und Wirtschaftshilfen geforderten Maßnahmen, etwa Auslieferung von Milosevec ans Kriegsverbrechertribunal nach Den Haag erfüllt. Eine niederländische Zeitung wies darauf hin, dass es leichter sei ein Land niederzubomben als es dann aufzubauen. Gleiches gilt für Afghanistan. Ob Chasei oder Djincjic - beide werden von Teilen der Bevölkerung als Repräsentanten von Amerikas Gnaden angesehen. Und wenn dann auch noch die versprochenen Aufbauhilfen nur zögerlich geleistet werden und man sieht, dass aber genug Geld da ist, immer neue Kriege zu führen, dann entsteht zwangsläufig Unmut und der Nährboden für immer neuen Terrorismus. Es ist zu befürchten, dass es einmal im Irak nicht anders werden wird.

 

11.3.03

Heute wurde der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag gestartet, ein Weltgericht, das die Welt gerechter und sicherer machen soll. Es soll ein permanent tagender Gerichtshof sein, der Kriegsverbrechen, Verbrechen  gegen die Menschlichkeit und Völkermord verfolgen soll. Diese von der  UN unabhängige Instanz ist für Verbrechen ab dem 1.7.2002 zuständig. 89 Staaten sind dem Gerichtshof beigetreten, die USA, Israel und China sind nicht darunter. Präsident Bush hat sogar eine Ermächtigung im Parlament durchgebracht, mit der er Amerikaner, die in Den Haag angeklagt werden sollten, mit Militärgewalt befreien darf....

 

März 03:

Der britische "Observer" veröffentlichte ein internes Papier des amerikanischen Geheimdienstes mit detaillierten Planungen zu Lauschangriffen auf UN-Botschafter, speziell jene Mitglieder des Sicherheitsrates, die für das Zustandekommen einer zweiten Irakresolution bedeutsam sind: Chile, Angola, Kamerun, Guinea, Pakistan u. Bulgarien. Doch es gab keine Proteste der Regierungen, die USA mussten sich nicht einmal rechtfertigen. Der bulgarische Botschafter bemerkte, es wäre beinahe eine Beleidigung nicht von den USA abgehört zu werden...

 

Zum Nachdenken:

Die Kriegstoten des ersten Golfkriegs: 145 (!!!) Amerikaner, 150-300 Tausend Iraner, weitere ca 1,5 Millionen Iraker starben an den Folgen der Krieges und des Embargos. Diese Zahlen belegen wer Opfer und wer Täter ist. Eine übermächtige Militärmacht führte einen feigen Bombenkrieg gegen ein vergleichsweise wehrloses Land. Die völlige Unvergleichbarkeit der Waffen zeigt sich auch in dem Umstand, dass in 12 Jahren Überwachungs- und Angriffsflügen über den Flugverbotszonen ist noch kein einziges US-Flugzeug abgeschossen wurde.

 

Deutschland hat die niedrigste Steuerquote in Europa

 und zwar bei 21,7 % im Jahre 2001. Die Steuer - u. Abgabenquote liegt bei 36,4 %, nur 3 europäische Länder liegen darunter. Trotzdem wird der Standort Deutschland von der Union und den Unternehmerverbänden permanent schlecht geredet. Und weiterer sozialer Kahlschlag bei Arbeitslosen und Krankenkassenmitgliedern wird vorbereitet. Und der Union, die unter Kohl Deutschland in die Verschuldung getrieben hat und die sozialen Sicherungssysteme plünderte, geht es offenbar noch immer nicht weit genug.

 

7.3.03

Arbeitgeberpräsident Hundt hat dieser Tage 120 000 fehlende Lehrstellen in diesem Jahr prophezeit, bzw. damit gedroht. Nirgends zeigt sich mehr, dass die Sozialpflichtigkeit des Eigentums nur eine Phrase ist. Die Industrie denkt nur an Profit und nicht an ihre Verantwortung für die jungen Menschen in diesem Land. Wenn dann irgendwann ausgebildete Arbeitskräfte fehlen, dann werden lautstark weitere ausländische Fachkräfte gefordert oder man verlagert die Produktion gleich in Billiglohnländer. Ich glaube, niemals gab es unverantwortlichere und verkommene Unternehmer.

 

6.3.03 Der Papst nach Bagdad?

Die Welt erlebt gegenwärtig was Ohnmacht ist, denn eine sich auf gigantische Tötungspotentiale stützende Weltmacht verweigert sich allen Argumenten und schickt sich an Krieg zu führen, wann und gegen wen immer sie will. Und es soll sich ja keiner mit dem Gedanken beruhigen, es ginge nur um den Irak und seinen schlimmen Diktator! Die Welt ist voller Bedrohungen amerikanischer Interessen und bei Erfolg des völkerrechtswidrigen Präventivkrieges gegen den Irak, werden Militärschläge gegen weitere unliebsame Regieme im Nahen, Mittleren- und Fernen Osten folgen. Obwohl dies allgemein bekannt ist, gibt es noch immer Politiker von Union und FDP, die die fadenscheinigen Bedrohungsszenarien und Dämonisierungen der Bush-Adminstration inbrünstig nachbeten. Nun soll also die feige Bombardierung Bagdads vielleicht noch diese Woche beginnen - die 147 toten Amerikaner und die etwa 200 000 toten Irakis von 1991 zeigen, wie es um die Bedrohungen und Kräfteverhältnisse bestellt ist.

Wie diese Welt gestrickt ist gibt es wohl nur noch eine Möglichkeit das große neue Töten zu verhindern, eine große ungewöhnliche Tat: wenn der Papst nach Bagdad fahren würde! Bush würde dann keinen Angriff wagen und selbst die gleichgeschalteten amerikanischen Medien müssten dann ihrem Volk, das sowieso mehrheitlich den Frieden will, die Hintergründe erläutern. Würde Bush dennoch bombardieren, würde er das politisch nicht überleben. Dem Papst würde ich eine solche mutige und christliche Tat zutrauen! Ich habe meinen Vorschlag übrigens bereits an Kardinal Ratzinger geschickt, damit er ihn dem Papst überbringt. Zumindest ein wenig träumen, von einer Realisierung sollte doch erlaubt sein... Denken Sie an Sodom, wo ja der Legende nach bereits ein Gerechter die Zerstörung der Stadt verhindert hätte. Warum sollte sowas nicht in Bagdad klappen?

 

6.3.03

Israel fiel in der Nacht wieder mit Panzern, Hubschraubern und Bulldozern in ein Flüchtlingslager im Gaza-Streifen ein, in dem 100 000 Palästinenser leben. 11 wurden getötet, 140 schwer verletzt, Wohnhäuser wurden zerstört.

 

 5.3.03

Heute sprengte sich ein palästinensischer Attentäter mit 15 israelischen Opfern in die Luft. Nach der israelischen Gewalt der letzten Wochen, war ein solcher Amoklauf zu befürchten. Die gegenseitige Blutrache geht also wieder weiter. Im Falle eines Irak-Krieges ist das Schlimmste zu befürchten.

 

3.3.03 Israel tötet wieder.

Wieder schickte Sharon die Armee mit Panzern und Bulldozern in den Gazastreifen, es starben mindestens 8 Pälästinenser, davon eine schwangere Frau. Über vierzig Palästinenser wurden schwer verletzt. Es wurden wieder Wohnhäuser zerstört. Während die Welt nach Irak schaut, setzt Israels neue Regierung seinen Staatsterrorismus fort. In den letzten zwei Wochen sollen ca. 40 Palästinenser "zu Tode gekommen sein", wie die deutschen Medien immer beschönigend formulieren...

 

27.2.03

US-Präsident Bush hat heute eine nette Rede gehalten, hat sich als sozialer Visionär präsentiert, der nur Krieg führen will, damit der Nahe Osten einmal demokratisch werden kann, wenn Saddam, der Dämon, weggebombt ist... Dass die Palästinenser dann einen eigenen Staat kriegen, dass die Iraker dann demokratisch werden (schließlich habe das nach 1945 sogar bei den Deutschen und den Japanern geklappt) usw.

Ich gestehe, dass meine Friedenssehnsucht mich auch geneigt macht, mich von sanften Worten einlullen zu lassen, denn wer hätte würde sich über Bushs Visionen nicht freuen... Doch dann beginnt der Verstand wieder zu arbeiten und der sagt, dass Amerika keine demokratischen Staaten will, sondern solche, die Amerika unterstützen. Zumindest war das in den letzten Jahrzehnten niemals anders. Bushs Rede ist reine Augenwischerei, denn auch im Nahen Osten kann Amerika am besten mit Diktatoren, mit korrupten Regiemen, in denen der Mensch keinen Pfifferling wert ist. Bushs Anspielung auf Deutschland ist entweder Bosheit oder ein Zeichen für völlige Geschichtsunkenntnis. Aber es hat den Anschein, als bestünde die gesamte US-Adminstration aus Hochmut und Unkenntnis gegenüber den Völkern und ihrer Kulturen, die Amerika beherrschenwill. Etwa, dass nach einem Krieg der ganze Nahe Osten erst einmal völlig in Unordnung gerät, der Irak zerstört ist, die Ölquellen brennen, die Menschen ihr Trinkwasser wieder aus dem verseuchten Euphrat schöpfen werden und Millionen daran sterben oder als Flüchtlinge in der Region herumirren. In Bagdad sitzt dann ein US-General, der alleine die US-Interessen durchsetzt und sich um die Befindlichkeiten der fremden Kultur nicht kümmert, sie nicht versteht und sowenig verstehen will, wie dies heute der Fall ist. Dass weitere hunderttausende Menschen gestorben sein werden und die Blutschuld der Amerikaner weiter anwächst,  dass der Irak noch mehr von radioaktiven Geschossen verseucht sein wird, als er das seit dem ersten Golfkrieg schon ist, dass durch den Zorn und die Verbitterung für weitere hundert Jahre Terror geschaffen worden sind, dass die Kurden statt von Saddam nun von den Türken unterdrückt werden, dass Amerika als nächstes Syrien, den Iran, Pakistan, Nordkorea und und ... als nächste Kriegsziele aussucht, dass Israel niemals einen Palästinenserstaat zulässt, dass Amerika nun weitere Jahrzehnte keinen Grund mehr hat seine zerstörerische Lebensweise zu ökologisieren, bis auch die Ölquellen des Iran und Arabiens ausgesoffen sind--- und--- und....

Amerika hat heute 13 Billionen Dollar Schulden, der Krieg soll weitere 1,5 Billionen kosten, das Land erlebt eine schlimme wirtschaftliche Rezession, 8 Billionen Dollar hat die Wallstreet Skandale vernichtet, alleine was sich dahinter für Leid verbirgt - nicht nur bei den Millionen von Rentnern, die nun leer dastehen -- es lässt sich nicht in Worten fassen. Nein Herr Bush! Ihre Visionen sind so falsch, wie es ihre Politik ist! Doch wer soll helfen, wenn nicht das amerikanische Volk? Doch die Medien in den Staaten sind gleichgeschaltet, wie in einer Diktatur. Humane Führer werden ermordet, wie Martin Luther King oder Kennedy oder sie werden mit der Macht der Medien zerstört, wie im Fall von Clinton. Man stelle sich nur einmal vor: 70 % der Amerikaner glauben, dass Irak schuld ist am 11. September! Dies zeigt die totale Gehirnwäsche, die in den USA abläuft. Wie sagte der große Gor Vidal: "Die USA sorgen dafür, daß die Waffen des Iraks eingesetzt werden". Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

26.3.03 Armer Biermann

Jeder Mensch, der auch nur einen Funken Verstand hat und Skrupel, warnt vor dem Angriffskrieg auf den Irak- in Europa sprechen sich um die 80 % der Menschen, wie Umfragen, etwa in Spanien oder England ergaben Länder, deren Führer stramm hinter Bush stehen - gegen einen Krieg aus. Doch eine Stimme gibt es in Deutschland - neben den Führern der Union und der FDP (Dieter Hildebrand meinte neulich sehr treffend, Westerwelle würde sich am liebsten als erste Granate, die gegen Saddam abgeschossen wird zur Verfügung stellen) - die hetzt für den Krieg: Wolf Biermann, der grimmige Pseudolinke aus Hamburg, der zur Schande für die ganze Bardenzunft mutiert... Ausgerechnet Wolf Biermann! Wie haben wir ihn für seine Courage damals im Ostberlin verehrt! Er, der die Spießer von der SED in den Hintern getreten hat, mit seinen Liedern... Nun zeigt sich, dass er wohl nur ein vom Westen protegierter Provokateur war, der nun den Amis seine Dankbarkeit zeigen muß... Wie sang er seinerzeit? "So oder so die Erde wird rot, entweder lebendrot oder totrot..." oder "Soldat, Soldat ...". Heute nur noch Lachnummern. Aber es fiel schon lange auf, dass Biermann die ehedem so große Klappe nicht mehr aufbekam, seit er im Westen sitzt. Es kann wohl nicht anders sein- der Dunst der fetten Fleischtöpfe hat ihm die Brille beschlagen.... Biermann und der ebenso verehrte Havel, zwei entmutigende Dichter, die mit ihrer Servilität gegenüber den USA ihr Lebenswerk zerstören.

 

 

25.2.03

Suizidversuche von 19 Gefangenen auf Guantanamo. Noch immer werden 620 Kriegsgefangene aus dem Afganistankrieg von den USA auf ihrem Stützpunkt auf Cuba festgehalten, sie leben vollkommen rechtlos unter menschenunwürdigen Bedingungen in Käfigen und man verwehrt ihnen nach wie vor den Status als Kriegsgefangene.

 

24.2.03

Die CDU Vorsitzende Angela Merkel ist in Washington und versucht eigene Aussenpolitik zu machen. Sie macht die deutsche Regierung schlecht und biedert sich in geradezu peinlicher Art und Weise den amerikanischen Kriegstreibern an und gibt zu verstehen, dass eine Unionsregierung alles richtig finden würde, was die Amerikaner richtig finden.

 

19.2.03

- Israel ist wieder einmal in den Gazastreifen eingefallen und hat dort 14 Palästinenser ermordet, u.a einen behinderten Mann, der mit einem Stein einen Panzer „angegriffen“ hat. Es wurden auch etliche Gebäude zerstört. Und wieder einmal wurden in den Nachrichten der deutschen Fernsehanstalten die Propagandalügen der Täter nachgebetet und der staatsterroristischen Akt aus israelischer Sicht dargestellt.

 

- ein marokkanischer Student wurde in Deutschland wegen Terrorismus zur Höchststrafe von 15 Jahren verurteilt, obwohl keine wirklichen Beweise für seine Schuld vorliegen. Offenbar ein politisches Gefälligkeitsurteil um die amerikanischen Freunde milde zu stimmen. Für mich persönlich eine große Enttäuschung: Innenminister Otto Schily (den ich 1985 beim politischen Aschermittwoch in Vilshofen mit meinen Liedern umrahmt hatte und dessen Courage ich immer schätzte) lobte die Richter für das Urteil... 

 

 

18.2.03

Ein geistig verwirrter Mann zündete in einer südkoreanischen U-Bahn eine entzündliche Flüssigkeit, es kam zu einem Flammeninferno und es kamen etwa 120 Menschen ums Leben.

In einer Chicagoer Discothek wurden Menschen totgetrampelt, weil Ordungskräfte mit Pfefferspray einen Konflikt lösen wollten und das Kampfgas eine Panik auslöste.

Beide Vorfälle zeigen, wie verletzlich unsere Zivilisation ist. Mit gewöhnlichen und allen zugänglichen Mitteln oder durch Übereifer bei einer Konfliktbekämpfung können Katastrophen ausgelöst werden. Dies sind geradezu Lehrstücke und sollten von den USA auch einmal bedacht werden, etwa im Fall Irak. Zum Massenvernichtungsmittel kann in den Händen eines Fanatikers, Verzweifelten, Zornigen oder eines geistig Gestörten alles mögliche werden, es gibt keinen Schutz davor. Das einzige, was man machen vorbeugend tun kann, ist Verhältnisse zu schaffen, in denen jeder Mensch seinen Platz und sein Auskommen hat.

 

 

8.2.01 Betrachtung über die Politik der USA

Sagen wir, es ginge den USA wirklich nur darum, den Irak zu entwaffnen und überall auf der Welt für Frieden zu sorgen. Sagen wir, sie bräuchten nicht immer neue „Schurkenstaaten“ und dämonisierte Tyrannen zur Rechtfertigung ihres gigantischen Militärapparates und ihrer Waffenindustrie. Sagen wir ferner, es ginge ihnen nicht um Weltherrschaft, billiges Öl und billige Rohstoffe. Und sagen wir, ihr „Star-war-Programm“ diente nur der Verteidigung und nicht dem Angriff usw.  Doch auch dann wären sie eine Gefahr für diese Erde, denn ihre gegenwärtig herrschende Ideologie, ihr „Amerika first“, aus dessen Nationalismus sie ihre Art zu leben über die anderen Kulturen stellen und diese mit allen Mitteln – mit Werbung, Propaganda (also Lügen), mit Krediten und Schuldzinsen, mit Nahrungsmittelhilfe und Gewalt – zum amerikanischen „way of life“ bringen wollen. Wann hätten sie je einen Tyrannen bekämpft, der die amerikanische Wirtschaft gewähren ließ und ihnen Militärstützpunkte ermöglichte? Niemals! Und wo sie Krieg geführt haben wurden die besiegten Regierungen – in der Regel nationalistische oder sozialistische, die sich der amerikanischen Kolonialisation verweigerten – durch gefällige Marionetten ersetzt oder durch gefällige Tyrannen. Wenn man dabei das ganze Geschwätz von Menschenrechten bedenkt, dass sie ständig im Mund führten, dann könnte einem schlecht werden, bei der Heuchelei. Mit der Bush-Doktrin gar, seit dem 11.September 01 – einer Mischung aus religiösen Phrasen und repressiven Massnahmen im eigenen Land und der offenen Drohung „Präventivkriege“ überall dort führen zu wollen, wo sich einmal eine Bedrohung für Amerika ergeben könnte, haben die USA die letzten Bemühungen um edlen Schein aufgegeben, eigentlich ist das ganze sogar ehrlicher, als die Politik Clintons, der dem Überfall auf Serbien ein „humantieres Mäntelchen“ verpasste. Von Bismark soll der Satz stammen, dass „Präventivkrieg wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod sei“, doch mit derartigen tiefschürfenden Überlegungen braucht man Bush vermutlich nicht zu kommen. Auch nicht mit der Wahrheit, dass durch keine Massnahme mehr Terror erzeugt wird, als durch den amerikanischen „Kampf gegen den Terror“.

 

 

16.2.03 Abbau militärischer US- Präsenz in Deutschland?

Nachdem die Bundesregierung den USA ihre Unterstützung bei einem Irakkrieg verweigert hat, geht das Gerücht um, die Amerikaner wollten ihre Truppenpräsenz in Deutschland verringern, da sie sich auf einen so unsicheren Kantonisten nicht mehr verlassen können. In den Staaten soll auch zunehmend Propaganda gegen Deutschland gemacht werden, einige Senatoren sollen die US-Bürger zum Boykott deutscher Autos aufgerufen haben. Rumsfelds verbale Ausfälle, in denen er Deutschland in einem Atemzug mit Libyen und Kuba nannte, obwohl Deutschland am Balkan und in in Afghanistan Truppen einsetzt, um das was die Amerikaner in diesen Ländern angerichtet haben zu beruhigen...

Bush nahestehende Kreise und Medien sprechen auch von deutschem Undank, denn die Bundesrepublik müsste der US-Army für ihre jahrzehntelange Besatzung doch ewig dankbar sein. Ähnliches hört man auch stereotyp von deutschen Unionspolitikern und der FDP. Sie wollen weiterhin den USA bei allem folgen, denn sie sehen deren Interessen mit den eigenen als identisch an. Heute las ich den Satz, dass Amerikas Soldaten ihr Leben für Deutschland eingesetzt haben, damals gegen Hitler, und Deutschland auf Dauer dankbar sein müsse... Abgesehen davon, dass die Allierten Hitler nicht bekämpft haben, um das deutsche Volk zu befreien sondern um Hitler zu stoppen, dürfte der Sieg fast sechs Jahrzehnte später nicht mehr eine Besetzung rechtfertigen, denn Deutschland hat seine Lektion gelernt und hat sich auf Grund seiner leidvollen Geschichte zu einem der friedliebendsten Länder auf diesem Planeten entwickelt.

Dass Deutschland einiges an demokratischer Befruchtung nach dem 2. Weltkrieg aus den Staaten erfahren hat ist eine Tatsache und es versteht sich von selbst, das wir mit dem  amerikanischen Volk, wie mit allen Völkern dieser Erde, gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit pflegen wollen und müssen. Doch eine solche Freundschaft verträgt sich nicht mit Vasallentum und Unterwürfigkeit. Wenn das ein Freund vom anderen verlangt, dann ist es mit der Freundschaft nicht weit her.

Ich will hoffen, dass die USA wirklich ernst machen und ihre Truppen in Deutschland verringern oder ganz abziehen, denn ihre Anwesenheit ist heute nicht mehr erforderlich. Wir wollen ihnen danken für ihre Hilfe – die ja niemals uneigennützig war – und sollten sehen, endlich auf eigenen Füssen stehen, eingebettet in die EU.

Gute Eltern geben ihren Kindern irgendwann die Freiheit ihr Leben selber zu bestimmen, ähnliches sollten die amerikanischen Besatzer auch tun. Solange sich Europa in allem an Anmerika anlehnt (oder anlehnen muß), wird es nicht selbständig gehen lernen. Unter dem Dach der Völkergemeinschaft der UN und wirtschaftlich und kulturell wird man ja sowieso weiter zusammenarbeiten, doch wenns Recht ist nicht mehr wie Herr und Hund, sondern wie gleichberechtigte Partner.  

 

 

7.3.03 Revolferbladl?

"Der Leser hats gut, er kann sich seine Schriftsteller aussuchen", sagte einmal Tucholsky. Natürlich gilt gleiches auch für den Zeitungsleser. Aber kann und will man wirklich auf seine Heimatzeitung verzichten, zumal es keine Alternative dazu gibt? Aus diesem Monopol wächst leicht Arroganz, schließlich kann man den Lesern beinahe alles zumuten. Trotz vieler Proteste serviert die PNP nun erneut den Lesern zum xsten Mal eine menschliche Leiche, der ein Wahnsinnger die Haut abgezogen, den Bauch aufgebrochen und den Schädel geöffnet hat. Was wollte er da finden? Das was den Menschen ausmacht und in seiner Entwicklung weiterbringt, ganz sicher nicht. Es ist ein elendes Geschäft mit dem Entsetzen. Ob nun gewollt oder nicht, so treibt man den Menschen die letzten Hemmungen aus, verroht, stumpft ab, macht den Menschen zu einem Fleischbündel, einem Ding, einer Ware. In einer Zeit, in der der Wert des Menschen wegen amoklaufender Machtpolitiker wieder einmal gegen Null geht - passt das grausige Spiel mit Leichen zum Szenario. Nicht einmal die Kirche protestiert, aber sie bietet ja auch mancherorts Mumien zur Besichtigung feil. Die PNP war lange Zeit eine frömmelnde, strukturkonservative Zeitung. Ich freue mich, dass dies heute anders ist. Doch der gegenwärtige Ausschlag ins andere Extrem ist manchmal schwer erträglich.

 

 

31.1.03 Verkommene Sitten

Die Grenze des Kabaretts ist dort erreicht, wo es menschenverachtend wird, sagte Ottfried Fischer. Dies gilt auch für die Medien und die Politik. Wer mit menschlichen Leichen sein Spiel treibt, spielt mit dem Grauen und der Menschenwürde. Und eine Zeitung, die das genüsslich bildhaft ihren Lesern innerhalb weniger Tage dreimal zum Frühstück serviert, ist keinen Deut besser. Und menschenverachtend ist es auch, wenn Bush die Bemühungen der UNO um Frieden hintertreibt und die Waffenkontrolleure boykottiert und nach deren Abschlußbericht „Beweise“ aus dem Hut zaubert , um seinen Krieg um Öl und Vorherrschaft führen zu können.

 

 

30.1.03 So ein Theater!

Dass ein Saddam Hussein nicht mehr als nötig mit den Waffeninspektoren der UN zusammenarbeitet, kann wohl ernsthaft niemanden überraschen, dass die USA aber dasselbe tun und erst nach dem Abschlußbericht ihre „eindeutigen Beweise“ gegen Saddam auf den Tisch legen will, ist schon ein gewaltiger Affront. Wenn sie etwas wissen und es bisher absichtlich nicht verraten haben, dann haben sie die UNO an der Nase herumgeführt und die so viel beschworene letzte Resolution des Weltsicherheitsrates gegen den Irak war reines Theater. Dem Blindesten müßte es wie Schuppen von den Augen fallen, dass Bush von Anfang an Krieg führen will, einen Angriffskrieg, einen „Präventionskrieg“, mit dem die USA – wie schon im Krieg gegen Serbien – sich einen Deut ums Völkerrecht kümmern. Aber dass dies die amerikanischen Politiker, die Bush wie besessen Beifall klatschten, nicht durchblicken, ist wohl kaum anzunehmen. Auch von den acht europäischen Regierungschefs von England, Spanien, Italien, Dänemark, Polen, Ungarns und Tschechiens ist wohl nichts anderes anzunehmen. Zu ihrem Akt der Unterwürfigkeit, mit dem sie den Nachbarn aus der EU und ihrer eigenen, zwei Tage zuvor gemeinsam verfassten Irakerklärung in den Rücken fielen, fällt mir nur der Begriff „erbärmlich“ ein. Doch auch die deutsche Union – man höre nur diesem Scheuble zu – hätte sich wohl in die Vasallenschar eingereiht, wenn sie an der Regierung wären. Und diese blinden Gefolgsleute der USA stehen wohl für das „neue Europa“. Wenn das so sein sollte, dann gute Nacht!

 

 29.1.03 Ein Wort zu Israel

 Sharon darf seine Politik der Blutrache und des Terrors gegen die Palästinenser weitermachen, der Wähler hat so entschieden! (Was kann aus dem Wahlergebnis noch abgelesen werden? Dass mehr als ein Drittel der Israelis gar nicht zur Wahl gingen, offenbar von den Parteien enttäuscht, dass von denen, die wählten, keine zwanzig Prozent Sharon wählten, also dieser mit allen kleinen rechten Kriegsparteien eigentlich nur eine Minderheit darstellt. Doch diese Rechnerei zeigt nur, dass man die israelis che Bevölkerung über keinen Kamm scheren darf, was den Palästinensern und einem Frieden im Nahen Osten aber wenig hilft. So ist das Wahlergebnis eine wirklich schlechte Nachricht, nicht nur für die Palästinenser und den Nahen Osten, auch für Israel selbst, ja für die ganze Welt. Alleine der Gedanke, dass ein Mann wie  Sharon, der sogar schon einmal in Den Haag wegen eines Massakers vor Gericht stand, weiter die Befehlsgewalt über das größte atomare Massenvernichtungspotential der ganzen Region behält, kann einem schon mulmig werden. Wer etwa vor einem halben Jahr das Interview von Friedmann mit Sharon im deutschen Fernsehen verfolgt hat, weiß, dass Sharon nicht im Traum daran denkt den Palästinensern entgegen zu kommen, geschweige denn einen eigenen Staat zu geben. Er hat klar gesagt, dass er weitere Millionen Juden aus der ganzen Welt nach Israel holen will und dazu die (widerrechtlich) besetzten Siedlungsgebiete braucht. Er sagte das ganz offen und man konnte ihm ansehen, dass er dies für das Selbstverständlichste auf der Welt hält. Es hat sich also seit dreitausend Jahren nichts geändert: der liebe Gott hat Kanaan den Israeliten versprochen und Anweisungen gegeben, wie mit den Kanaanitern zu verfahren ist. Wenn man die israelische Politik der letzten Jahre betrachtet, scheint klar, dass nach der alten "himmlischen Order" gehandelt wird, aus diesem Grunde haben die Täter auch nicht die geringsten Gewissensbisse. Die modernen "Kanaaniter" haben keine  Chance. Die Palästinenser werden weiter verdrängt werden, im besten Fall hinter eine Mauer, die das Land trennen wird, dahinter ein übermächtiger Feind, der Tod und Zerstörung bringt, wenn es ihm passt. Doch eigentlich kann die Lösung nur in einem Miteinander leben, denn die Landkarte Israels ist durch die völkerrechtswidrige Siedlungspolitik ein bunter Flickenteppich und so müssten hundert Mauern gebaut werden, was aber völlig unsinnig und unmöglich ist. Doch ein Zusammenleben der Völker scheint nach den Verbrechen der letzten Jahre unmöglich zu sein. Es ist soviel Mord, Erniedrigung und Unrecht geschehen, dass es auf beiden Seiten immer wieder  zu Anschlägen kommen wird. In diesem Zusammenhang sei die furchtbare Vermutung geäußert, dass Sprengstoffanschläge gegen Israelis möglicherweise nicht immer nur von der Gegenseite verübt werden, sondern auch als Mittel Entspannungspolitik zu verhindern, denn wann immer internationale Friedensschritte unternommen wurden, verhinderten dies punktgenau  schreckliche Blutbäder. Nun kann man natürlich sagen, die palästinensischen Fanatiker wollen ihrerseits jede friedliche Lösung verhindern, doch mindestens im gleichen Maße wollen das auch die  ultra-nationalen Zyonisten. Ein weiteres Indiz: Bei einem Anschlag neulich haben sich drei palästinensische Organisationen dazu bekannt... , was ja nicht gut möglich sein kann. Man gewinnt manchaml den Eindruck, als würden diese naiven Fanatiker immer "hier" schreien, wenn Israelis getötet werden, um den "Ruhm" der Bluttat einzuheimsen... In einem Film wurden einmal solche Kämpfer vorgestellt - eine Mischung aus Verletzung und Zorn, religiösem Fanatismus, Beschränktheit und unreifem Männlichkeitsgehabe - man kann ihnen nicht nur jede Bluttat, sondern auch jede Dummheit zutrauen. Solche Menschen lassen sich als Werkzeug einsetzen, auch von der Gegenseite, und dort sind bekanntlich eiskalte Profis am Werk, die es sogar verstehen das große Amerika für sich Krieg führen zu lassen und die Konkurrenten in der Region auszuschalten.

 

 

18.1.03  "Kein Blut für Öl!"

 Auf diesen kurzen Nenner brachten dieser Tage amerikanische Demonstranten in Washington den wichtigsten Kriegsgrund ihres Präsidenten. Doch MdL Brunner rief beim Neujahrsempfang die Bundeswehr in Regen zur "Solidarität mit den USA" auf. Sollte man Solidarität nicht nur mit Opfern üben? Verbundenheit mit Tätern nennt man besser Nibelungentreue oder Korpsgeist. Aber natürlich, es geht ja nur um ein Drohpotential aufrecht zu halten, nicht um einen Krieg...

Die nächsten Wochen werden uns zeigen, um was es wirklich geht. Aus tiefsten Herzen hoffe ich, dass ich mit all denen, die vor dem Krieg warnen, unrecht habe und Bush tatsächlich den Frieden will. Nach neuen Umfragen sind auch 45 % der Amerikaner gegen den Krieg, das wären immerhin zwanzig Prozent mehr, als Herrn Bush überhaupt gewählt haben.

Das Embargo soll bereits zu 1,5 Millionen Toten Irakern geführt haben und das Land ist noch vom letzten Golfkrieg mit Plutonium verseucht, weil die USA 1991 radiokativen Abfälle als Munition verschossen haben. Daran sind sogar 180 000 GIs erkrankt und fast 10000 gestorben. Und das alles wegen Öl?

Allen, die sich für Hintergründe der amerikanischen Politik im Nahen Osten interessieren, sei der amerikanische Dokumentarfilm "Die Wahrheit über den Golfkrieg" empfohlen, der neulich bei Arte lief. Die wichtigsten Aussagen daraus habe ich auf einer Website zusammengefasst. 

 

 

"Die Wahrheit über den Golfkrieg" Amerikanischer Dokumentarfilm von 2000, gesendet am 8.1.03 bei ARTE

Der Film schildert die koloniale Geschichte Babylons, des heutigen Iraks, vor allem seine strategische und wirtschaftliche Bedeutung, letzteres vor allem wegen seiner gewaltigen Erdölvorräte. Es wird berichtet, dass Saddam Hussein 1968 mit Hilfe des CIA an die Macht geputscht und von den USA mit Rüstungsgütern und Krediten aus dem Westen versorgt wurde. Erst als er 1972 die Ölfelder verstaatlichte, wurde er vom "guten Saddam" zum "bösen Saddam". Die USA unterstützten nun den Schah. Als 1979 die Mullahs im Iran die Macht übernahmen, wurde Saddam wieder zum US- Freund. Im Irak-Irankrieg wurden beide Parteien mit Waffen aus den USA versorgt. 1988, nach dem Krieg, erhöhte Kuweit seine Ölfördermenge und verbilligte das Öl, wodurch der Irak 1/3 seiner Erdöleinnahmen verlor. Saddam drohte Kuweit, das er als irakisches Gebiet ansieht, weil es nur durch die früheren Kolonialherrn abgetrennt worden war. Es wird gesagt, dass Saddam indirekt von den USA ermuntert wurde Kuweit zu besetzen und er in die aufgestellte Falle tappte. Die USA brauchten einen Kriegsgrund gegen ihn und vor allem ein Bedrohungszenario, damit die Saudis amerikanischen Militärbasen in ihrem Land zustimmten. Diese Zustimmung wurde, nach der Meinung von Fachleuten, durch eine glatte Lüge erreicht. Die USA behaupteten, Saddam wolle auch Saudi-Arabien überfallen und habe bereits riesige Panzerverbände an ihrer Grenze zusammengezogen ("250 000 Soldaten, 1500 Panzer"), was aber nicht zutraf. Die USA reagierten auf den Einmarsch in Kuweit sofort, ganz offensichtlich war alles von langer Hand vorbereitet. Sie froren die Konten des Iraks ein und errichteten eine Seeblockade. Zufällig lief auch bereits eine großangelegte Militärübung "Internal Look".

Dann werden im Film Zahlen zum Golfkrieg genannt, etwa, dass er auf Seiten des Iraks 150-200 000 Tode gefordert habe und die Amerikaner gigantische Bombenmengen abwarfen (88 500 Tonnen, bei 110 000 Lufteinsätzen) und dass der Krieg alles andere als eine präzise Aktion gegen strategische Ziele war. Es wurde vorsätzlich die Infrastruktur des Landes zerstört, auch Staudämme, die Wasser- und Stromversorgung und das Kommunikationssystem des Landes.

Die Amerikaner haben auch erstmals in der Geschichte Uranabfall verschossen, also gefährlichetn, mit Plutonium verseuchten Giftmüll, der etwa 4,5 Milliarden Jahre radioaktiv strahlt. (Diese U238 Munition hat durch ihre enorme Härte höchste Durchschlagskraft ). Auch die eigenen Soldaten wurden nicht von der Gefährlichkeit der Munition unterrichtet. Von 696 628 eingesetzten US-Soldaten erkrankten 183 629, 9592 GIs starben bis zum Jahr 2000 daran. 436 000 Soldaten haben die verseuchten Gebiete betreten, teilweise wochenlang dort campiert und verseuchte Gegenstände als Souvenirs mit nach Hause genommen. Im Irak seien heute weite Gebiete des Landes verseucht und die Krebssterblichkeit und die Häufung von Mißbildungen bei Kindern sei enorm. Beduinen sammelten den radioaktiven Schrott und vertauschen ihn gegen Lebensmittel. Die Gefährlichkeit der Munition war den US Behörden nachweislich bekannt und wurde absichtlich verschiegen. Die Munition wurde auch im Kosowo und in Serbien eingesetzt und auf amerikanischen Truppenübungsplätzen auf der ganzen Welt verschossen. Der Film verweist auch auf Parallelen. etwa im Vietnamkrieg, wo ähnliche Verbrechen durch das Entlaubungsmittel "Agent Orange" geschehen sind, oder das GIs als Versuchskaninchen gezwungen worden waren, sich ungeschützt radioaktivem Fallout von Atomexplosionen auszusetzen.)

Amerikanische Teilnehmer am Golfkrieg berichten im Film, dass sie Kuweit in 24 Stunden eingenommen hatten und praktisch auf keinen Widerstand gestossen waren. Die große irakische Kriegsmaschinerie stellte sich als reines Märchen heraus. Der oberste Kommandeur, Norman Schwarzkopf , ist der Meinung, dass man in weiteren 1-2 Tagen auch Bagdad eingenommen hätte. Doch zu seiner Überraschung wurde plötzlich von der Politik ein Waffenstillstand beschlossen.

Im ganzen Irak waren Aufstände gegen Saddam ausgebrochen, die aber gegenüber den Medien verschwiegen wurden. Faktisch unterstützten die USA durch den Waffenstillstand Saddam, damit er die die Aufstände blutig niederschlagen konnte. Eine Entmachtung von Saddam lag überhaupt nicht im Interesse Washingtons, denn man brauchte Saddam weiter als bedrohlicher Dämon, um in der Region Stützpunkte ausbauen zu können und um den Anreiner Staaten Waffen verkaufen zu können. So haben die USA nach dem Krieg jeden Monat für 1 Milliarde Dollar Waffen in der Region verkaufen können!

Die bewegendste Zahl des Filmes ist aber, dass durch das fortgesetzte Embargo des Weltsicherheitsrates bislang etwa 1,5 Iraker sterben mußten.(Aussage von Dennis Halliday; Koordinator der UN für den Irak). Das Embargo habe Saddams Macht sogar noch gefestigt, da die Bevölkerung voll in seine Abhängigkeit getrieben wurde.

Als Aussenministerin Albright auf eine halbe Million Todesfälle bei irakischen Kindern angesprochen wurde, sagte sie den unglaublichen Satz: "Alles in alles denken wir, dass es das wert ist!"

Und Henry Kissinger sagte einmal: "Öl ist zu wichtig, um es den Arabern zu überlassen"

 

 

2.12.02 Leichenfledderei

Sich von diesem grausigen Dr. Hagens "ausstopfen" zu lassen, scheint Herr Sattler für eine Art ewiges Leben zu halten. Zitat: "Man wird in Scheiben geschnitten und darf bleiben!"

Nicht Hagens pietätsloses Treiben erregt ihn so, dass er sich mit Honig das Hemd bekleckert, sondern eine abweichende Meinung...

Hagens wissenschaftlich verbrähmte Leichenfledderei kann nur die allgemeine Verrohung fördern, weil sie die Menschen weiter abstumpft und die letzen Hemmungen nimmt. Leichname wie Wolperdinger zu präparieren empfinde ich als Mißachtung der Menschenwürde und als einen Verstoss gegen unsere Verfassung.

 

 

30.11.02 Feig und erbärmlich

In dem Bericht fehlte der Hinweis, daß zuerst die englischen Großstädte unbeschreiblichem Bombenterror durch Hitler ausgesetzt waren. Dies soll aber den späteren alliierten Bombenterror gegen die Zivilbevölkerung der deutschen Großstädte oder Japans nicht rechtfertigen, auch das war nach meinem Verständnis Völkermord. Dieser hinterhältige Terror gehört international geächtet, natürlich auch der von Heckenschützen und Bombenleger aller Art. Solange man hier Rechtfertigungen zulässt, leben wir in einer barbarischen Welt.

 

 

28.10.02 Forderung nach Sicherung der Sozialversicherungen durch Wertschöpfungsabgabe von Automaten und Maschinen

In einer Welt, in der ein immer höherer Anteil der Arbeit durch Automaten geleistet wird, muss sich deren Wertschöpfung auch in den Sozialkassen niederschlagen und so der Gemeinschaft zu Gute kommen. Heute ist nicht nur das nicht der Fall, der Staat belohnt sogar noch den Ersatz des Menschen durch Maschinen und Computerprogrammen mit Steuerabschreibungen und Subventionierung und fördert so die Arbeitslosigkeit. Dieses System ist eine Perversion, denn ein Staat hat die Menschen zu fördern, nicht die Maschinen!

 So werden heute die Lohnnebenkosten immer teuerer, trotzdem die Sozialleistungen auf breiter Front abgebaut werden, da immer weniger Arbeitnehmer das Sozialsystem erhalten müssen. Für Maschinen müssen dagegen keine Sozialabgaben bezahlt werden, obwohl sich mit ihrer Hilfe die Produktivität vervielfacht hat.

 Durch eine angemessene Einbeziehung von Automaten und Software zur Sicherung der Sozialkassen könnte die menschliche Arbeitskraft wieder günstiger werden, was zudem viele Arbeitsplätze schaffen und die Sozialversicherungen entlasten würde. Die gegenwärtigen Nutznießer des Systems werden auf die Globalisierung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit verweisen, doch eine Auswirkung darauf ist nicht zwingend. Es würde nur zu Verschiebungen kommen: menschliche Arbeit billiger, Maschineneinsatz teurer. Alle anderen Lösungsvorschläge zur zukünftigen Finanzierung von Arbeitslosigkeit, Krankheit und Renten, führen in die soziale Steinzeit.

 

 

15.10. 02 Zwieseler Gymnasiallehrer besuchten Atommeiler

Es macht besorgt, wenn sich die Lehrer des Zwieseler Gymnasiums so oft in Atommeilern herumtreiben. Erst im Schrottreaktor Temelin, nun in Garching. Völlig unverantwortlich ist es, wenn dann in Presseberichten die Propaganda der Anlagenbetreiber nachgebetet wird, etwa das Beispiel, mit dem die Nützlichkeit der Atomspalterei beschrieben wird, dass mit Nekleartechnik Krebs bekämpft wird. Kein Hinweis, dass bereits mit dem Uranabbau ganze Landstriche verseucht werden und ebenso durch den Betrieb der Atomanlagen, von dem noch die nächsten 100 Generationen belastenden Atommüll und den Folgen von Atombomben überhaupt nicht zu reden. Alleine der Gau von Tschernobyl hat Tausende von Opfern gekostet, Zigtausende sind an Krebs erkrankt und Hunderttausende wurden aus ihrer Heimat vertrieben.

 

 

17.10.02 Bewährte Wahltricksereien

Hundert Prozent Zustimmung für Saddam Hussein- ein Wahlergebnis, das mit Sicherheit nur durch den Zwang zur offenen Stimmabgabe erzielt wurde. Nur geheime Wahlen gewähren den Schutz, sich auch ohne Angst vor persönlichem Schaden gegen einen Mächtigen auszusprechen. So ist  die irakische Wahl natürlich eine Farce. Doch auch in unseren Breiten werden offene Wahlen gerne als besonders demokratisch hingestellt, etwa in Parteien und Vereinen. Viele Vorstände haben ihr Amt alleine dieser Vorgehensweise zu verdanken.

 

 

25.9.02 Bush droht der Welt

"Entweder ihr steht bei uns oder auf der Seite des Feindes". Diese Drohung stammt von keinem Räuberhauptmann, sondern vom mächtigsten Mann dieser Welt. Präsident Bush erklärt damit jeden zum Feind, der nicht bereit ist bei seinen geplanten Angriffskriegen mitzuwirken. Und dies trifft ja wohl die allermeisten Länder dieser Erde, auch viele europäische Verbündete, die Kirchen, die UN, aber auch parlamentarische Kritiker in den USA...

Als Amerika vor einem Jahr Opfer war, bekam es Mitgefühl und Solidarität aus der ganzen Welt, als Täter wird es nur Empörung ernten. Statt die Welt in immer neue Kriege zu stürzen, sollte Herr Bush besser Not und Rassismus im eigenen Land bekämpfen.

 

 

8.8.02 Hoffnung auf Europäer

Mit ein wenig Phantasie kann man sich die Folgen eines Krieges gegen den Irak vorzustellen: Brennende Ölfelder und eine gigantische Verschmutzung der Atmosphäre, weitere Klimaverschiebungen, Zehntausende von Toten, Verletzten und Verkrüppelten (gering gerechnet), Flüchtlingsströme, Kriegswaisen, gewaltige Zerstörungen an Städten und Infrastruktur, Vergiftung ganzer Landstriche und kostbaren Trinkwassers, eine völlig zerstörte Ordnung im Nahen Osten, neuer Hass und Terrorismus und... und... Und wofür? Öl? Amerikanische Vormacht? Sicherheit für Israel? Wir sollten uns daran erinnern, dass auch Saddam einmal vom Westen aufgebaut wurde, nicht anders wie die Taliban. Tyrannen brauchen die Bedrohung von außen, im Frieden können sie sich nicht halten, siehe Milosevic. Doch vermutlich gilt diese Regel auch für manche westliche Führer. Hoffentlich verweigern sich die Europäer dieses Mal diesem Wahnsinn!

 

9.7.02 Arme Babys

Eine Mutter, die nichts dabei findet sich bereits drei Wochen nach der Geburt ihres zweiten Kindes wieder der politischen Karriere zuzuwenden, empfinde ich als Rabenmutter und völlig ungeeignet als Familienministerin. Das hat nichts mit "moderner junger Frau" zu tun, es ist einfach inhuman und gegen die Natur. Ich denke mit Schaudern an die Berliner Kinderkrippen, wo Babys schon mit 6 Wochen abgegeben wurden, weil die Zeit der Lohnfortzahlung für die Mütter abgelaufen war. Diese Barbarei ist mittlerweile ja behoben, doch nun kommt eine unglaubliche Allianz aus allen Parteien und redet den jungen Müttern ein, es sei Ausdruck von Emanzipation, ihre kleinen Kinder in Krippen abzuschieben. Ausgerechnet Ministerin Künast beschwört, dass die Wirtschaft die jungen Mütter als Arbeitskraft brauche (bei 4 Millionen Arbeitslosen!!) und Merkl und Stoiber tun so, als hätten sie das "Sesam-öffne-dich" für die Probleme des Arbeitsmarktes gefunden. Aufregen tut sich alleine ein Kardinal, aber auch nur über den fehlenden Trauschein der Mutter. Man sollte eigentlich annehmen, dass die Bedeutung der frühen Kindheit für die gesamte spätere Entwicklung langsam Allgemeingut sein müsste, doch Entwicklungspsychologie und die Vorbereitung auf die spätere Elternrolle werden in der Schule höchstens gestreift.

Parlamentschef Thierse sagte diese Woche, Menschen seien nicht nur Arbeitskräfte und Verbraucher. Sein Wort in Gottes Ohr!

 

 

11.6.02 Union verhindert bundesweite Volksentscheide

Die Union verweigert den Bürgern über wichtige Sachthemen abstimmen zu dürfen. Dafür scheinen ihnen die Bürger zu blöd, nur zum Wählen der Union sind sie ihnen klug genug?

Das Ganze wird begründet mit der "Gefahr einer möglichen Minderheitendemokratie". Doch genau andersrum wird ein Schuh daraus, denn Wahlbeteiligungen von unter 50 Prozent sind heute nicht mehr selten. Regierungen stützen sich also zunehmend nur auf ein Viertel der Wähler. Die Bürger fühlen sich zudem - nach den Skandalen der letzten Jahre - immer weniger von Partei- und Verbandsfunktionären repräsentiert. Sie wollen nicht mehr die Katze im Sack wählen und dann wieder vier Jahre ohnmächtig hoffen, dass ihnen das Ärgste erspart bleibt. Nichts festigt eine Demokratie mehr als wirksame Elemente der Mitsprache, die Zeit ist überreif dazu!

 

 

 22.3.02 Advokatentricks und Wahlkampfshow

Die Parteien haben nun im Bundesrat wieder einmal vorgeführt, was sie unter Politik verstehen: die einen blockieren Entscheidungen wegen des Wahlkampfes, die anderen scheuen vor keinen Tricksereien zurück, um ihre Politik durchzusetzen. Verloren hat wieder einmal die Demokratie. Weitreichende Entscheidungen wie Zuwanderung, Kriegseinsatz usw. gehören durch das Volk direkt entschieden. In Artikel 20 GG steht klar, daß die Staatsgewalt auch durch Abstimmungen  ausgeübt wird, doch Volksentscheide werden uns von den Parteien verweigert, die nach Artikel 21 GG eigentlich "nur" mitwirken dürfen, von Parteienallmacht ist nicht die Rede. Wenn sich her nichts ändert, werden wir uns auf Wahlbeteiligungen unter 50 % einrichten müssen. Sind die 46 % bei der Europawahl schon vergessen? Oder werden auch hier amerikanische Verhältnisse angestrebt?

 

 

 13.1.02 So nicht!

Erst beschränkten sich die USA in Afghanistan wochenlang auf Bombardements und machten überhaupt keine Kriegsgefangenen oder überließen diese der Rache der Nordallianz, nun sperren sie gefangene Taliban einzeln wie Tiere in Käfige und verweigern ihnen den Status als Kriegsgefangene. Doch in dem man Menschen erniedrigt und provoziert schafft man keinen Frieden, sondern nur immer neue Desperados und Kamikaze. Gleiches gilt für Israel, das ein ganzes Volk einsperrt, für jeden toten Israeli eine Vielzahl von Palästinensern tötet und ihnen Wohnhäuser, Infrastruktur und Volksvermögen zerstört.

Ich bin im Geiste der Freundschaft zu Amerikanern und Israelis aufgewachsen, doch Bush und Sharon stellen diese Verbundenheit auf eine harte Probe. Ich habe Angst, dass sie mit ihrer Politik der Blutrache noch die ganze Welt in einen Krieg stürzen.

 

 

28.11.01 Milzbrandanschläge hausgemacht?

In den Nachrichten wurde gemeldet, daß offenbar der Täter der Milzbrandanschläge bekannt ist, und daß diese Nachricht aus politischen Gründen seit Tagen oder Wochen verschwiegen wird. Es soll ein Wissenschaftler der USA sein, der in der Entwicklung biologischen Kampfstoffe tätig ist und mit seinen menschenverachtenden Anschlägen mehr Fördergelder für sein Institut zu bekommen hoffte. Wenn das der Wahrheit entsprechen sollte, dann machen sich alle schuldig, die darüber schweigen. Aber in einer Zeit wo Präsident Bush die Welt bereits auf einen Krieg gegen den Irak vorbereitet, weil dieser ja angeblich biologische Waffen produziert und auch hinter den Anschlägen stecken soll, passt die Wahrheit nicht ins Konzept.

 

 

23.11.01 Kardinal Meissner für Todesstrafe

Kardinal Meissner, soll gesagt haben, daß die USA das Recht haben Bin Laden zu töten. Wenn dies ein fanatischer Mullah oder ein radikaler Rabbi sagt, dann ist man von diesen Seiten derartiges ja gewöhnt. Wenn aber ein christliches Oberhaupt zur Blutrache des alten Testamentes zurückkehrt und die zentralste christliche Forderung, die der Feindesliebe mißachtet, dann sollte er sich fragen, ob er den richtigen Beruf hat. Solche Aussagen von einer christlichen Leitfgur, in einem Land, in dem die Todesstrafe verboten ist, und in einer Zeit, wo Meinungsumfragen in den Staaten sogar eine Billigung des Einsatzes von Atombomben melden. Mein Mitgefühl gilt den Opfern der Wahnsinnstat von New York, doch ebenso den Opfern in Afghanistan, wo ferngelenkte Höllenmaschinen unterschiedslos töten, ohne daß ein Richter zuvor die Schuld oder Unschuld der Opfer feststellt. Der Blutrausch des alten Testamentes hat unsere westliche und ach! so christlichen Zivilisation ergriffen und sie zeigt ihre furchtbare Fraze, von der ich glaubte, daß es sie garnicht mehr gibt.

 

 

Zum Nachdenken

Rüstungen und Burgen wurden überflüssig, als sie keinen Schutz mehr boten gegen die aufkommenden Feuerwaffen. Die derzeitigen Militärs mit ihren klassischen Zerstörungswerkzeugen haben sich ebenfalls überlebt, weil es nicht mehr die herkömmlichen Bedrohungsszenarios, Staat gegen Staat sind, die uns bedrohen. Auch wenn heute Amerika und seine Verbündeten heute in althergebrachter Manier reagieren und ein Land beschießen, so ist das doch ein Anachronismus und völlig ungeeignet den Terrorismus zu bekämpfen, im Gegenteil, es entsteht so neues Unrecht und Leid und das wird neuen Terrorismus hervorbringen. Auch das biblische Vergeltungsprizip "Auge um Auge", das heute von Menschen angewendet wird, die sich als Christen bezeichnen (die zentrale christliche Forderung der Feindesliebe ignorierend) - macht nur, daß die Kontrahenden ihre Augen verlieren und vollends blind werden. Wem soll so ein Vorgehen helfen?

 

 

7.10.01 Bomben gegen Afghanistan

"Krieg für den Frieden", nannte Blair das beginnende Bombardement gegen die Stellungen der Koranschüler (Taliban) in Afghanistan, weil diese den Terroristenchef Osama Bin Laden nicht auslieferten, der hinter den Selbstmordattentaten von New York und Washington stehen soll. Doch wann wäre mit Krieg jemals Frieden erreicht worden? Es steht zu befürchten, daß sich Amerika und die westliche Welt die Sympathien verscherzen, die ihnen weltweit entgegengebracht worden, weil sie Opfer waren, Opfer geisteskranker Verbrecher, für deren schreckliche Taten es keine Rechtfertigung gibt. Doch nun treten die USA aus der Opferrolle und werden zum Rächer, und trotz aller Umsicht, mit denen sie zu Werke gehen wollen, werden unzählige Unschuldige darunter leiden, die nichts mit Bin Laden zu tun haben. Ich will durchaus hoffen, daß man es schafft die Terroristen zur Verantwortung zu ziehen, doch solange man nicht die Ursachen des Terrors bekämpft, wird es gehen, wie es Herakles mit den Köpfen der Hydra ging, aus einem abgeschlagenen werden zwei neue wachsen und das ist so sicher, daß zwei neue Zweige nachwachsen, wenn ich einen Zweig abschneide.

Man kann nur hoffen, daß Bush nach den Marschflugkörpern auch die wichtigste Ursache für den islamischen Terrorismus angeht und die Israelis in die Schranken weist und endlich für einen palästinenischen Staat sorgt, denn was der religiöse Nationalist Sharon in den letzten Monaten alles provoziert hat, würde selbst ein Volk von Engeln in den Terror treiben.

 

 

29.9.01 "In der NATO ist kein Platz für Russland

Die Union hat es offenbar noch nicht gemerkt, daß der kalte Krieg vorbei ist. Ihre Abneigung gegen Russland hat , so scheint es, etwas wahnhaftes. Es wird Zeit sie daran zu erinnern, daß ihre Altvorderen jahrzehntelang die deutsche Vereinigung verhindert, in ihren Sonntagsreden aber ständig gefordert haben, die Russland einem neutralen Deutschland in den fünfziger Jahren angeboten hatte. Die Folgen dieser Politik waren kalter Krieg und Mauerbau und die Bedrohung der ganzen Schöpung durch den atomaren Overkill. Nun stehen wir wieder an einem Wegkreuz und haben die vielleicht einmalige Chance den Weltfrieden zu stabilisieren, in dem man den früheren Gegner mit ins Boot holt. Doch die Union will Russland nicht in die NATO aufnehmen. Ist das nun wieder vorauseilender Gehorsam gegenüber den USA oder einfach nur ideologisch bedingte Kurzsichtigkeit? Heh, Union: Aufwachen!

 

 

25.9.01 Russlands Präsident Wladimir Putin spricht im Bundestag

Zum ersten Mal sprach ein amtierender russischer Präsident im Bundestag und Putin hielt eine bemerkenswerte Rede, noch dazu in deutsch, was als besondere Geste verstanden werden darf. Zuvor hatte sich Parlamentspräsident Thierse für den deutschen Überfall und das unsägliche Leid entschuldigt, das Nazideutschland Russland angetan hat. Und er bedankte sich für die Unterstützung von Gorbatschoff bei der deutschen Wiedervereinigung.

Putins erinnerte an die langen Zeiten guten Zusammenlebens zwischen Russen und Deutschen. Der kalte Krieg ist vorbei, sagte Putin, doch viele hätten das noch immer nicht begriffen. Er forderte eine Forcierung der Wirtschaftsbeziehungen und gemeinsame Sicherheitsstrukturen mit Westeuropa und der NATO. Er erinnerte, daß Deutschland Russlands größter Handelpartner sei (Jahresumsatz 41 Milliarden Mark) und rief auch die geografische Zusammengehörigkeit in Erinnerung. Er forderte, daß mit dem heutigen Tag eine neue Seite in den bilateralen Beziehungen aufgeschlagen werde und unterstrich, daß Russland ein Teil des "Europäisches Hauses" sein wolle und auch sein müsse.

Putin machte auch klar, daß Russland klar zu einem Schulterschluß mit der NATO beim Kampf gegen  den Terrorismus stehe und deutete an, daß der Westen nun vielleicht langsam verstehe, weswegen Russland in Afghanistan und Tschetschenien Krieg führte.

Seine Unzufriedenheit sprach Putin über den Umstand aus, daß man vom Westen, er meinte klar die USA, auch wenn er sie nicht nannte, aber in aller Regel nicht oder viel zu spät konsultiert werde, was wohl keine Art unter Partnern sei.

 

Mein Kommentar: 

Putins Werbung für Russland kann sich wirklich sehen lassen, doch es steht zu befürchten, daß die USA dieses Werben um die Deutschen vermutlich skeptisch sehen werden, zumindest war es in der Vergangenheit immer so. Doch das sollte uns nicht kümmern, denn die Beziehungen zu den USA sind in Jahrzehnten gewachsen und tragfähig und machtpolitische Eifersüchteleien von amerikanischen Politiker, die, wie es schien, zumindest bis vor kurzem den klaren Fronten des kalten Krieges nachtrauerten, sollte der Terror von New York nun gelehrt haben, daß die Welt ganz andere Probleme zu lösen hat.

Eine Versöhnung zwischen Russen und Deutschen und eine endgültige Überwindung des Kalten Krieges wäre ein Geschenk, für uns, für Europa und für die Welt.

 

 

14.9.01 Feldzug gegen den Terror?

Wer hat einen Vorteil, wenn so reagiert wird, wie es derzeit die Spatzen von den Dächern peifen, also mit einem langen Feldzug gegen den Islam? Wer verdient am Krieg und dem, was danach kommt, nämlich an einem wiedergewonnenen Feindbild und einer dem früheren Kalten Krieg gleichen Gegenerschaft, jetzt nicht mit den Kommunisten, sondern mit dem Islam? Und leicht kann durch einen unüberlegten Krieg der Teufelskreis von neuem Unrecht und darauf folgender neuer Vergeltung in Gang kommen. Wobei hier der Westen sowieso schon genug Dreck am Stecken hat, in dem er im Nahen Osten Diktaturen unterstützt um deren Erdöl zu bekommen. Ich brauche die Diktaturen nicht aufzählen, da jeder sie kennt und ebenso ist bekannt, daß auch ein Saddam Hussein oder ein Bin Laden einmal von den Amerikanern aufgebaut worden sind. Oder die Unterstützung für Israel, die seit Jahren Krieg mit allen Nachbarn führen und gegen die Palästinenser einen Staatsterrorismus betreiben, dessen Brandmarkung als Rassismus gerade erst bei einem UN-Konkress wieder einmal durch die USA verhindert wurde.

Natürlich sehe ich die Zwangslage der USA, sie müssen reagieren, was am 11.9.01 passiert ist, kann nicht einfach hingenommen werden. Und wie soll man auf Terroristen reagieren, wenn man nur gewaltige Hammer hat zum kämpfen, den man nur gegen große auswärtige Ziele einsetzten kann? Doch wenn die USA nun wirklich Afghanistan angreifen, wie allgemein gemutmaßt wird, mit Bomben ist gegen dieses Land nichts auszurichten, außerdem ist schon alles zerstört vom jahrzehntelangen Krieg. Und Bodentruppen? Die Russen haben 600 000 Mann zehn Jahre lang eingesetzt und sind geschlagen nach Hause gegangen und die sowjetischen Soldaten waren Entbehrungen gewöhnt. Amerikanische Soldaten werden sich nach den ersten größeren Verlusten fragen, was sie in diesem zerklüfteten Felsengebirge eigentlich verloren haben... Und selbst wenn sie Bin Laden finden und töten, dann wird er endgültig heilig gesprochen und wird als Märtyrer die nächsten tausend Jahre durch die Köpfe spuken...

Zu befürchten ist auch, daß durch einen Krieg auch noch diejenigen in die Hände der Terroristen getrieben werden, die heute noch gemäßigt sind. Und in den Industriestaaten lassen sich nicht nur Hochhäuser mit Fliegern angreifen, es lassen sich unzählige Einrichtungen zu schrecklichen Waffen machen- Atomanlagen, Fabriken und und und... Und diese möglichen Anschläge zu verhindern würde bedeuten, daß aus unseren freien Gesellschaften Diktaturen würden, wo Bespitzelung und Ausgrenzung zum Normalen würden. Ich mag gar nicht weiter denken, bei unserem Völkergemisch und unseren weltweiten Verflechtungen.... Doch auch Faschismus a la George Orwell würde keine Sicherheit schaffen können und unsere angeschlagene Ökologie verträgt ein derartiges Szenario sowieso nicht.

Nein, wir haben keine Alternative: Gegen Terror hilft nur Frieden, Toleranz und eine gerechtere Weltordnung. Und die Ächtung und rechtsstaatliche Verfolgung aller Gewalttäter.

 

 

12.9.01 Fehlendes Feingefühl

Die ganze Welt war über die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon entsetzt und empört, doch für einige einflußreiche Entscheidungsträger hieß es "Bussiness as usual"... Man dürfe sich doch nicht von Terroristen das Leben diktieren lassen, konnte man immér wieder hören, wenn sich jemand über die Durchführung von Veranstaltungen in den Stunden nach dem Overkill beklagte. Eine solche Einschätzung zeugt zumindest von Gedankenlosigkeit und fehlendem Feingefühl, sie charakterisiert den, der sie ausspricht.

Selbst die meisten privaten Fernsehsender haben an diesem Abend auf Werbeeinblendungen verzichtet, was erstaunlich genug war. Anders die europäische Fußballunion, die auf Schalke und Kiew Spiele durchführte, eine unbegreifliche Entscheidung. Als Gipfel empfand ich aber, daß unser bayerischer Ministerpräsident Stoiber sich durch die ungeheueren Eeignisse nicht davon abhalten ließ, wenige Stunden nach dem Anschlag, in Berlin sein neues Buch zu vorzustellen, Titel: Das Maß der Dinge". Damit hat er gezeigt, daß zumindest er das Maß der Dinge nicht kennt und sein Maß bestenfalls eine Schneiderelle ist.

 

 

11.9.01 Terrorkrieg gegen die Menschheit

Den Terror in New York und Washington kann man nicht kommentieren, weil es keine Worte dafür gibt! Im ersten Jahr des neuen Jahrtausends führen politische oder/ und religiöse Fanatiker einen furchtbaren Schlag gegen die gesamte zivilisierte Welt und greifen die Zivilbevölkerung von Großstädten an, dafür gibt es keine Rechtfertigung, das ist die Tat kranker Gehirne! Und wenn man verfolgt wie sich nationaler und religiöser Fanatismus in vielen Teilen der Welt ausbreitet, gleich einer bösartigen Krankheit, dann kann man nur das Schlimmste für die Zukunft befürchten.

Nach diesen Anschlägen wird die Welt nicht mehr die Gleiche sein! Es ist zu befürchten, daß andere Wahnsinnige ähnliches inszenieren werden und heute hat sich die Empfindlichkeit unserer hochtechnischen Zivilisation gezeigt: es gibt keinen Schutz vor verrückten Mördern und Selbstmördern, überall können sie Terror und Schrecken verbreiten! Da hilft kein Militär und keine Vorbereitung auf einen Sternenkrieg, das ist gerade so, als wolle man Killerviren mit dem Hammer bekämpfen, erst recht nicht, wenn die Viren auf dem eigenen Körper sitzen! Gegen die großen Weltkrankheiten hilft nur, was auch bei uns Menschen die beste Gewähr gegen Ansteckung ist: Kräftigung des Körpers und Immunisierung , was hier heißt, eine friedlichere, gerechtere Welt zu schaffen und den entsetzlichen religiösen und nationalistischen Geisteskrankheiten durch Ächtung, Aufklärung und Solidarität aller friedliebenden Menschen die Basis zu nehmen.

 

 

25.4.2001 Tschernobyl braucht neuen Sarkophag

15 Jahre nach der Reaktor-Katastrophe muß um den bisherigen Beton-Sarkophag ein neuer errichtet werden, dieses Mal soll er aus Stahl gebaut werden, soll hundert Jahre halten und etwa 1,5 Milliarden DM kosten. Wobei überhaupt noch nicht klar ist, wer die riesige Halle bauen soll bzw. kann. Ebensowenig ist klar, wer sie bezahlen soll. Am Beispiel Tschernobyl sollte eigentlich jedem klar werden, daß es keine teuerere Energie gibt, als die Atomkraft. Die Schäden des Unfalles sind sowieso nicht bezifferbar, halb Europa wurde auf Jahrhunderte verseucht, zigtausende Menschen wurden verstrahlt und die wirkliche Zahl der Opfer kennt niemand. Ebensowenig weiß man, wie oft der Sarkophag in Zukunft noch erneuert werden muß, die Halbwertzeit von Plutonium liegt ja bei über 20 000 Jahren... Und keiner kann sagen, was sich im Reaktorkern heute oder zukünftig abspielt und ob eine Halle überhaupt Schutz bietet.  

Weit über 400 Reaktoren gibt es weltweit und jeder davon ist eine potentielle Zeitbombe. Doch auch wenn kein GAU passiert, der Atommüll ist eine furchtbare Hypothek für unsere Nachkommen. Ich empfinde es als Gewalt an zukünftigen Generationen, also ein Mißbrauch der Ungeborenen. Doch solche Schlüsse wollen die Betreiber der Atommeiler nicht hören, denn sie denken alleine nur an ihren gegenwärtigen Vorteil . Und noch immer finden sich Politiker, die die Atomkraft verteidigen und Wähler, die diesen verantwortungslosen Zeitgenossen ihre Stimme geben.

 

 

20.4.2001 Dosenpfand soll kommen

Minister Trittin will auf alle Getränkedosen 50 Pfennig Pfand einführen, nicht nur auf Bierdosen, was ja auch ziemlich unverständlich wäre. Und die Verpackungs- und Getränkeindustrie läuft Sturm dagegen und legt mit einem Male Konzepte vor, wie sie die Müllproblematik auf andere Weise lösen will. Doch warum haben sie diese Dinge nicht bereits die letzten Jahre ausprobiert, als sie bereits in der Pflicht waren und auch Abhilfe versprochen hatten? Das Dosenpfand ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, nur über den Geldbeutel lassen sich manche Bürger steuern. Doch es mussen unbedingt weitere Schritte folgen: Schon bei der Anschaffung von Waren sollten bereits die Kosten für die spätere Entsorgung bezahlt werden, ähnlich wie es bei den Kraftfahrzeugen ja nun eingeführt werden soll. Nur dann werden sich die Anbieter um umweltfreundliche Grundstoffe bemühen und überflüssige Verpackungen zurückfahren. Falls eine derartige Regelung einmal kommen sollte fielen auch die Müllgebühren weg, und niemand hätte mehr einen Anreiz die Landschaft vollzumüllen und Müllfeuer abzubrennen. Letzteres passiert heute in einem erschreckenden Umfang.

 

 

11.4.2001 Sterbehilfe

Die Holländer haben nun eine gesetzliche Regelung, die Ärzte nicht mehr dafür bestraft, wenn sie einem aussichtslos Leidenden, auf dessen ausdrücklichen Wunsch, seine Leidensphase verkürzen, mit vielen Einschränkungen und Absicherungen, damit kein Mißbrauch getrieben werden kann. In Deutschland müssen Menschen ihren Kelch noch bis zum letzten Tropfen leeren, ja, oft wird das Leiden sogar künstlich verlängert, selbst konsequente Schmerztherapie wird oft wegen "Suchtgefahr" verweigert.

Natürlich weiß ich um die besondere deutsche Hypothek bei der Thematik, und die Sorge, daß leicht Dämme brechen könnten, wenn man die "Gnadentötung" freigibt, ist sicher berechtigt. Darum zögere ich mit meiner Zustimmung. Doch die heutige Sterbepraxis ist ein Grund sich zu fürchten. Wer wünscht sich für sich und seine Lieben keinen schnellen und leichten Tod? Jeder hofft darauf, doch nicht jeder wird dieses Glück haben. Falls ich auch einmal zu jenen letzteren gehören sollte, kann ich mir nur wünschen, daß sich ein gnädiger Mensch finden wird, der sich meiner erbarmt und mein Leiden abkürzt. 

Ich hoffe darauf, daß man sich auch in Deutschland des Themas annimmt und eine Regelung findet, die Mißbrauch ausschließt.  

PS: In den österlichen Ansprachen haben sich Priester beider großer Kirchen des Themas angenommen und es dabei in einem Atemzug mit dem Klonen von Menschen und anderen Perversitäten genannt.

 

 

31.3.2001 Elefant im Porzelanladen

Die USA klinken sich vom Weltklimagipfel aus und akzeptieren keine Schadstoffkontingente, weil das ihrer Wirtschaft schaden könnte. Präsident Bush präsentiert sich der Welt als ökologischer Neandertaler und als nationalistischer Machtpolitiker. Aber wer die amerikanische Politik verfolgt, weiß schon lange, daß sie nach wirtschaftlicher und machtpolitischer Hegemonie strebt und alle Ländern, die sich dem widersetzen, als Feind betrachtet, als "Schurkenstaaten", vor denen man sich mit "Starwar" schützen muß... Vor einiger Zeit konnte man beim  Sender "Phönix" spät abends einen Vortrag des früheren amerikanischen Sicherheitsberaters Brezinski (?) verfolgen und dabei die letzten Illusionen über die Politik der USA ablegen. Eine egoistischere und nationalistischere Machtpolitik ist kaum vorstellbar, und man macht daraus auch kein Geheimnis. Was Bush jetzt von sich gibt, ist voll auf dieser Linie. "Amerika first" heißt nichts anderes, als daß alleine der Vorteil für die amerikanische Wirtschaft, bzw. für die politikbeherrschenden multinationalen Konzerne das allein entscheidende Kriterium für Politik ist. Eine solche Politik orientiert sich an Börsendaten und nicht an dem, was dieser Planet und das Leben auf ihm braucht. Doch Ökologie ist die Voraussetzung für Ökonomie.

 

 

20.3.2001 Tiermassenmord aus merkantilen Gründen

Die Maul- und Klauenseuche ist eine durch Viren verursachte Infektionskrankheit, die Paarhufer befällt. Sie ist etwa dem menschlichen Herpes oder der Grippe vergleichbar, mit seltenem tödlichen Ausgang, aber durch den Krankheitsprozess die Tiere schwächend und damit auch das Wachstum verzögernd. Das wichtigste ist aber, daß sie nicht auf Menschen übertragbar ist. Früher hat man die Ansteckung der Tiere sogar gefördert und ihnen den Speichel erkrankter Tier ums Maul geschmiert, damit der Tierbestand den ganzen Schlamassel bald überstanden hatte. Heute könnte man auch erfolgreich impfen, doch ob erkrankt oder geimpft- der Körper bildet Antikörper und die sind labortechnisch feststellbar, was den Export der Tiere in bestimmte Länder unmöglich macht. Und das ist alleine der Grund dafür, daß heute hunderttausende von Tieren getötet und verbrannt werden, auch wenn nur einzelne Tiere erkrankt sind. Man will auf diese Weise die Ausbreitung der Krankheit verhindern um die übrigen Tiere weltweit verkaufen zu können. Und das ist nach meinem Verständnis ein Verbrechen aus niederen Beweggründen. Eine wirklich zivilisierte Gesellschaft müßte das weltweite Handeln mit lebenden Geschöpfen sowieso verbieten. Doch heute werden etwa Ferkel in Deutschland geboren, in Belgien gemästet und wieder in einem anderen Land geschlachtet, die Tiere sind eine Ware, grad wie Luftmatratzen oder Auslegware. Manchmal wünsche ich mir daß es einen Teufel gäbe, in dessen Hölle die Tierquäler und Profiteure einmal gebraten werden...und die EG-Politiker, die derartige Systeme am Leben erhalten...!

 

 

17.3.2001 Deutschdümmeleien

Der Spruch "Ich bin stolz Deutscher zu sein" ist ein Kampfspruch der Neonazis und hatte nie einen anderen Zweck, als ausländische Mitbürger vor den Kopf zu stossen. Wer heute so tut, als sei dieser Spruch irgendeine nette landsmännische Äußerung ist entweder völlig naiv oder betreibt mit Absicht eine gefährliche Demagogie. Wie tief ist die Union gesunken, daß sie zu derartigen Mitteln greift um Wähler zu gewinnen! Man kann nur hoffen, daß die Menschen diese durchsichtigen Deutschdümmler abstrafen. Darauf könnten wir wirklich stolz sein.

 

 

15.3.01 Massive Eingriffe im Naturschutzgebiet Stockauwiesen  

Naturzerstörung im Namen des Naturschutzes? Genau das scheint gegenwärtig in der "nassn Wies", am Fuße des Hennenkobel zu passieren. Das feuchte Waldwiesengelände östlich des Michelsbachl gehört der Stadt Zwiesel und die Besucher möchte man am liebsten nur noch auf eine Aussichtsplattform lassen, damit ja nichts zertreten wird, so konnte man es letztes Jahr in der Lokalzeitung lesen. Wer heute an die Stockauwiesen kommt, reibt sich entsetzt die Augen: quer über die Wiesen tiefe "Gloißen", verursacht durch schweres Gerät, an der nördlichen Ecke der Wiese mächtige Rauchschwaden, Motorsägen- und Maschinenlärm.  Und dies alles- im Namen des Naturschutzes? Vor einem Jahr wurde im ökogischen Rundbrief für den Landkreis Regen angekündigt, daß 2,7 Hektar Wald, der sich im Besitz des BUND befindet, zur Erweiterung der  Stockauwiesen gerodet werden sollen,  ja, daß man sogar die Wurzelstöcke entfernen will (aus Gründen der leichteren Pflege durch Lohnunternehmer) wogegen ich bereits letztes Jahr protestiert habe. Ich kann nicht nachvollziehen, daß ein gesunder Wald im Namen des Naturschutzes zerstört wird, dies in einer Zeit, in der großflächig unsere Bergwälder absterben. Wörtliche Stellungsnahme des Vorsitzenden des BUND des Landkreises Regen: "eine Fichtenmonokultur ist für mich nicht schützenswert".

Doch die Einstufung in lebenswerte und nicht-lebenswerte Biotope ist eine Anmaßung und kann nicht vermittelt werden. Nebenbei: In den Stockauwiesen wurden vermutlich mehr Birken gefällt als Fichten. Und wie die Biotop-Pflege durch Lohnunternehmer aussieht, kann jeder an diversen Nasswiesen in der Umgebung selber in Augenschein nehmen: Die Pfleger, meist Bauern, erledigen ihre Arbeit zu Zeiten, wenn sie Zeit haben und das ist dann, wenn sie in ihre eigenen Wiesen nicht reinfahren, wie halbmetertiefe Fahrspuren belegen.

 

 

15.3.01 Neue Straße von Zwiesel nach Langdorf?

In der Stadtratssitzung forderten - lt. BB - die CSU und SPD-Stadträte Stangl und Köppl einen schnellen Ausbau der Straße von Zwiesel nach Langdorf, weil "diese Achterbahn" unzumutbar sei. Man verwies darauf, daß dieser Ausbau in die erste Dringlichkeitstufe aufgenommen sei.

Ob man da die Anlieger gefragt hat, die Grundbesitzer, deren Wiesen man zerschneiden wird? Kennen die Herren eigentlich die Trassenführung, die wieder ein wunderbares Stück Heimat zerstören wird? Und glaubt jemand im Ernst, daß die Bergstrecke durch einen Neubau weniger bergig wird? Oder will man einen Basistunnel bauen? Das Gefälle wird bleiben und wenn man der Straße die Kurven nimmt, wird es eine Rennstrecke werden. Und daneben fährt die leere Waldbahn. Vielleicht sollte man deren Trasse einmal prüfen, denn deren Streckenverlauf geht völlig am Bedarf der Menschen im Einzugsgebiet vorbei. Die Bahnhöfe liegen Kilometer von den Ansiedlungen entfernt und sind im Winter kaum zu erreichen. Dies erklärt sich dadurch, weil die Strecke einmal für den Güterverkehr gebaut worden war, den es seit Jahren nicht mehr gibt, mit Personenverkehr kann man diesen Verlust niemals wettmachen. Und leere Züge sind kein Umweltschutz und die gegenwärtig 34 Fahrten am Tag sind geradezu ein Witz. Aber die Bahntrassen wären für eine Straße viel zu schade und als Weg für Radfahrer und Spaziergänger eine touristische Attraktion.

 

 

1.3.2001 Ampeln abschalten!

Es gab mal eine Zeit, da waren Verkehrsampeln Symbol für Fortschritt. Die Zwiesler, die da schon immer ein wenig die Nase vorne hatten, erzählen sich gerne, wie die Regener nach Zwiesel gefahren sind, um auch einmal an einer Ampel anstehen zu können... (Das muß so Ende der 60iger Jahre gewesen sein...)

Heute sind Ampeln vor allem ein Ärgernis und oft sogar völlig überflüssige Verkehrshindernisse. Der Beweis für diese lästerliche Feststellung wird regelmäßig dann erbracht, wenn die Ampeln wegen eines technischen Defekts ausfallen. Erst im vergangenen Jahr gab es sowohl in Regen wie in Zwiesel Tage und Wochen, an denen die Ampeln nicht funktionierten und - der Verkehr reibungslos lief.

Man braucht aber nur einmal die Zeiten messen, in denen die Kreuzungen völlig fahrzeugfrei sind, die Autos vor den Ampeln stehen und die Luft verpesten. Ich behaupte, daß - von den Hauptverkehrszeiten abgesehen- die Ampeln völlig überflüssig sind. Der Verkehr würde viel zügiger fließen und die Eigenverantwortung der Menschen mehr gefordert. Unsere heutigen Ampel-Schaltzeiten sind ein Witz und auch eine Schikane. Wenn in Zwiesel auch an Sonntagen die Ampeln noch zu nachtschlafender Zeit die Autos stoppen, dann gibt es dafür keinen vernünftigen Grund. Wenn ich so um 6 Uhr morgens am Stadtplatz stehe und es keinen Verkehr gibt, der geregelt werden müßte, dann erinnert fühle ich mich wie einst Wilhelm Tell, der statt dem Geßler-Hut einer elektrischen Lichtanlage seine Ehrerbietung erweisen muß...

 

 

22.2.01 Teuer und - kitschig?

Über Kunst kann man bekanntlich nicht streiten, immer bleibt es eine geschmäcklerische Sache. Als Beispiel kann der "gläserne Wald" an der Ruine in Weissenstein herhalten. Ich will ihm einen gewissen Reiz von weitem nicht absprechen, der sich aber bei mir völlig verliert, wenn ich in die Nähe der "Bäume" komme. Es sind einfach halbindustriell vorgefertigte Teile, die meinem Kunstsinn nichts geben. Das wird auch nicht besser, wenn sich die Zahl der "Bäume" nun vervielfacht, für eine Geldsumme, die dem Vielfachen aller Kunstförderung im Landkreis entspricht. Nebenbei- ich glaube auch, daß man sich an den bunten Glasscheiben bald absieht. Zudem wird ihr Reiz durch Schmutz und Patina nicht größer, ich mag keine Kunst, die regelmäßig eine Putzkolonne braucht. Ich glaube, man sollte das Geld besser verwenden.

 

 

Zum Luftangriff der USA und der Briten auf den Irak

18.2.2001 Beschämende Servilität

Die Amis schlagen wieder einmal irgendwo militärisch zu, natürlich ohne ihre Verbündeten zu informieren, geschweige denn zu befragen. Und was macht die deutsche Opposition? Sie beschimpft die Regierung , weil diese nicht gleich Beifall klatscht. Soviel Unterwürfigkeit ist schon peinlich. Die Herren Rühr, Westerwelle und Stoiber führen sich auf wie Schulbuben, die man gerade geohrfeigt hat und die nun überschwenglich den Lehrer für sein Schlagen loben und die Klassenkameraden beschimpfen, die erst einmal ein wenig verschnupft reagieren. Dies ist natürlich auch ein Signal an den Lehrer: "Schau her, mit uns kannst du alles machen, wir stehen immer zu dir!"

Nun, unter Partnerschaft verstehe ich etwas anderes. Außerdem sei an den Golf- und Kosowokrieg erinnert. Die Amis brocken irgendwo eine Suppe ein und die Verbündeten dürfen sie dann mit auslöffeln. Nebenbei: heute sitzt mit dem jungen Bush ein Mann im Weißen Haus, der sich als Gouverneur nicht scheute sein schwaches Persönlichkeitsprofil mit dem rigorosen Hinrichten von Gefangenen zu stärken. Da er im Grunde schwach ist, ist ihm alles zuzutrauen. Es wird langsam Zeit, daß die Europäer ein wenig selbstbewußter werden.

 

 

zur "Leichenschau "Körperwelten" in Berlin

16.2.01 Grausig, abstossend, pietätslos!

Die Leichenschau "Körperwelten" empfinde ich als Sünde, auch als freisinniger Mensch weiß ich kein tieferes Wort dafür! Das ist Leichenfledderei und ein grausiger Verstoß gegen die Menschenwürde! Da wird exibitionistische Sensationsgier und Geschäftemacherei mit dem Deckmantel von Kunst und Wissenschaft getarnt und Mensch und Tier werden ohne jede Skrupel zum Objekt gemacht. Manchmal schäme ich mich für meine Artgenossen.

 

 

16.2.01 Dorfbrunnen für Rabenstein

Ein Brunnen sollte vor allem eines sein: ein Wasserspender, dessen klares Quellwasser Spaziergänger zum Trinken einläd. Ein solcher Brunnen kann, mehr als hundert Werbebroschüren, den Urlaubern die Qualitäten unserer Heimat vermitteln. Leider ging aus dem Artikel nicht hervor, ob in Rabenstein ein richtiger Brunnen gebaut werden soll oder eine Brunnenattrappe wie am Anger, wo es halt nur schön plätschert, vor dem Wassergenuß aber gewarnt wird. Wobei ich den Angerbrunnen an sich recht gelungen finde, weil er einfach nur ein Brunnen ist und ohne künstlerischen Schnickschnack auskommt. Dies soll ja in Rabenstein offensichtlich anders werden, von einem sinnierenden Waldhirten oder Krohanseln auf einem Stein ist die Rede. Laßt doch einen Brunnen nur Brunnen sein, denn keine Kunst der Welt kann sich in seiner funktionellen Schönheit mit einem einfachen Steinbrunnen messen, doch lasst ihn dafür Trinkwasser spenden!

 

 

24.1.2001 Unbeschreibliche Sauereien

Mit den jüngsten Skandalen in Schweinemastbetrieben, in denen Tiere unbeschreiblich grausam gehalten werden, sollte endlich der Punkt erreicht sein, wo die Menschen, die sich sonst soviel auf ihre Hunde-, Katzen-, Pferde- und Vogelliebe so zu viel zugute, so betroffen sind, daß sie einsehen, daß wichtige Teile unseres täglichen Essens das Ergebnis von verbrecherischer Tierquälerei ist. Doch neu ist das alles ja wirklich nicht. Vor etwa 20 Jahren wurden schon in den Medien etwa die haarsträubenden Haltungsbedingungen von Schweinen debattiert, die ihre Schlachtreife nur erreichten, wenn sie Antibiotika im Futter verabreicht bekommen, um die ständigen Verletzungen zu überstehen, verursacht durch verhaltensgestörte Artgenossen. In der Enge, in der man sie mästet, werden sie verrückt und fressen einander gegenseitig die Schwänze und Ohren ab. Ein dazu befragter Wissenschaftler riet, den Schweinen vorsorglich die Ohren und Schwänze abzuschneiden, um diese Verletzungsquelle zu vermeiden... Auf artgerechte Haltungsbedingungen für diese so intelligenten Tiere oder gar eine kritische Überprüfung unserer Essgewohnheiten, kam dieser Experte nicht. Wie bei den Schweinen geht es auch in den Hühner-, Gänse und Putenmastbetrieben. Was wir den Tieren antun, ist ein Verbrechen und eine Schande für unsere ganze Art.

 

 

24.1.2001 Schäbige Partei-Possen

Was die Union seit einiger Zeit an Unkultur aufführt, empfinde ich geradezu als abstoßend. Das jüngste Plakat, mit dem der Bundeskanzler als Verbrecher abgekanzelt wird, ist ein neuer Gipfel der Geschmacklosigkeit. Aber in diesem Stil geht es nun schon bald ein Jahr. Um aus ihrem selbstgegrabenen Loch des Spendensumpfes herauszukommen, schrecken Merkl, Merz und Mayer vor keiner Plattheit, keiner Polemik und keiner Beleidigung des politischen Gegners zurück. Generalsekretär Ruprecht Polenz wurde abgesetzt, weil er diese Linie nicht mittragen wollte und von seiner Persönlichkeit her wohl auch nicht konnte. Ob mit ausländerfeindlichen Parolen und Unterschriftensammlungen, mit denen an die niedrigsten Empfindungen appelliert wird, ob mit schäbigen Attacken gegen Minister, die schon inquisitorische Züge haben und den Gegner nur klein machen und in schlechtes Licht rücken wollen - es ist genug! Vieles davon erinnert mich auch an die trivialen Strickmuster von schlechten Comix oder Groschenromanen. Kein Zweifel - die derzeitige CDU-Spitze hält die Bürger für verführbar und blöd. (Über Frau Merkel bin ich sehr enttäuscht, es gab im letzten Jahr mal eine kurze Zeit, da war sie mir sogar sympathisch). Nun kenne ich aber auch viele "schwarze" Politiker, in Bayern zwar nur, die vernünftige und bürgernahe Politik machen, vor allem im kommunalen Bereich. Deswegen will ich mich hüten dieses unwürdige Possenspiel in den oberen Chargen alleine an den Schwarzen festzumachen. In jedem Fall steigert man auf diese Weise die Politik- und vor allem Parteienverdrossenheit der Bürger weiter, wenn überhaupt noch eine Steigerung möglich ist... Die Regierung macht ja wahrlich genug Dinge,  die zu kritisieren sind. Genug Gelegenheit also, bessere Sachargumente anzubringen und auf diese anständige Weise beim Wähler um Mehrheiten zu ringen. Doch auch im Maximillianeum übt sich die rot-grüne Opposition oft in Gegnerschaft aus Prinzip, wenn auch in anständigerer Form. Egal- für mein Verständnis ist die Zeit wirklich überreif, diesen Parteienspuk und dieses unselige Fraktions- und Korpsdenken durch mehr direkte Demokratie in die Schranken zu weisen.

 

 

16.1.01 Gedanken zu einem bekannten "Street-Fighting Man"

Die Bilder vom Straßenkämpfer Joschka Fischer haben mich auch empört und enttäuscht. Doch wenn ihn eine Leserbriefschreiberin mit feigen Neonazis, die in der Horde Gewalt gegen Ausländer verüben oder ihnen nachts das Haus anzünden, in einen Topf wirft, dann ist das arge Demagogie. Das eine ist heimtückische Gewalt gegen Schwache, das andere ein offensives Widerstehen gegen die Staatsmacht, die man als Instrument des internationalen Kapitals begriff und von der man sich und die Welt bedroht sah. Das Aufbegehren ab 1968 war ein verzweifeltes Ringen um Frieden und mehr Demokratie, ohnmächtiger Zorn über den Völkermord in Indochina durch unsere Verbündeten, der Rüstungswahnsinn mit der Drohung der Vernichtung allen Lebens, die Kungelei unserer Regierungen mit Diktatoren und Verbrechern wie den Schah, Franko, Pinochet, südafrikanischen Rassisten usw. Und die Staatsgewalt tötete: Ohnesorg, Weissbecker, von Rauch. Ich lebte damals in Berlin-Kreuzberg und bekam die Geschehnisse vor der Haustür mit. Doch mein Zorn richtete sich ebenso auf die politischen Fanatiker, -Marxisten, Leninisten, Maoisten, Anarchisten usw. - die den allgemeinen Unmut für ihre Sache zu nutzen versuchten. In jedem vermummten Demonstranten vermutete ich einen Provokateur der Staatsmacht, nur da, um demokratischen Widerstand in Mißkredit zu bringen.

Joschka Fischer gehörte wohl kaum zu dieser Sorte, er war ein vom (katholischen) Gewissen Getriebener, der sich insgeheim wohl als kleiner Robin Hood fühlte. Was ich ihm vorhalte ist, daß er nichts dazugelernt hat und auch noch als Aussenminister Gewalt als Mittel der Politik akzeptierte und den Kosowokrieg maßgeblich mittrug.

 

 

17.1.01 Mißbrauchte NATO im Kosowo

Heute löste sich wieder eine der Begründungen für den Koswokrieg, diesen "Krieg für die Menschlichkeit", in Luft auf. Das kriegsauslösende Massaker der Serben entpuppte sich als reine Erfindung, vermutlich inszeniert von albanischen Nationalisten. Schon vor über einem Jahr hatte sich das ZDF entschuldigt, daß man mit der, soviel Emotionen auslösenden Meldung, das große Fußballstadium in der albanischen Hauptstadt würde von den Serben als Konzentrationslager benutzt, einer Propagandameldung aufgesessen sei.. (Mir klingen immer noch die Ohren von Scharpings "Schrääcklich! Schrääklich!)

Die verbrecherischen Vertreibungen durch die Serben haben wohl stattgefunden. Doch die große Völkerwanderung der Albaner war auch eine Massenflucht in die Nähe der (NATO)-Kanonen, wo man bekanntlich am sichersten ist. Und dafür wurden tausende von Menschen getötet, weite Landstriche zerstört und durch die Bombardierung chemischer Fabriken verseucht, Kraftwerke und Brücken zerbomt, und man scheute nicht einmal vor dem Einsatz von radioaktiver Munition zurück. Doch die serbische Opposition und ihren zivilen Widerstand zuvor wirklich massiv zu unterstützen (hat man die wochenlangen couragierten Massendemonstrationen der Belgrader vergessen?) , die Waffe des Wirtschaftsboykott einzusetzen und die serbischen Nationalisten weltweit zu isolieren - diese Mittel hätten vor einem Kriegseinsatz wirklich ausgeschöpft werden müssen. Aus dieser Sicht war der Krieg unverantwortlich und er hat auch keines der Probleme wirklich gelöst. Die Ablösung von Milosovic brachten die serbischen Wähler zustande. Nicht wegen der Bomben, sondern trotz ihnen. Doch vergessen werden die Menschen das Vorgehen der NATO wohl niemals.

Ein letzter Satz, den ich mir kaum zu schreiben getraue, weil ich keine Beweise dafür habe und nur mein Gefühl wiedergebe: der Krieg lenkte auch von den großen Affären und Imageproblemen ab,.Bill Clinton und auch Kanzler Schröder waren seinerzeit schwer angeschlagen, dort die Sexgeschichte und hier der abtrünnige Lafontaine. Ich nehme es Fischer, Schröder und Fischer sogar ab, daß auch wirklich edle Gefühle mitspielten und die Illusion mit Gewalt gegen ein "Schurkensystem" kämpfen zu müssen (die alte Robin-Hood-Romantik der 68iger..) Und es war auch der Druck aus den USA, wo eine riesige Industrie das Böse und seine Bekämpfung braucht um überleben zu können. Und es war die Wiederkehr der sich anbiedernden Linken, die - wie schon 1914 - mit der Zustimmung zu einem Krieg ihre, von der Opposition immer in Abrede gestellte, politische Verlässlichkeit beweisen mußten...

 

 

14.1.2001 Schlachtopfer

1,2 Millionen Rinder sollen in der EG getötet und vernichtet werden! Selbst wenn es weniger werden sollten- was da geschieht ist die reine Barberei! Noch vor wenigen Monaten haben sich die politisch Verantwortlichen gegen das Verbot von Kadavermehl zu Futterzwecken ausgesprochen, noch heute werden die Futterhersteller nicht genannt, die immer noch Leichenmehl beimischt en und den Bauern sollen alle Tiere "gekeult" - was für ein Wort!- werden! Vom Lebensrecht der Tiere getraue ich mir gar nicht zu reden, weil sie ja immer noch als Ware und nicht als Lebewesen gelten. Die Aufnahme des Tierschutzes ins GG hat die Union letztes Jahr verhindert...

Das Ganze hat den Charakter einer Massenpsychose, aus welcher Sicht man es auch betrachtet. Im Jahr sterben 100000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Rauchens, etwa 7000 im Straßenverkehr, 6-12000 an Legionellen, und, und... Wieviel sind an BSE gestorben? Noch steht nicht einmal fest, ob die Krankheit auf den Menschen übertragbar ist, die Inkubationszeit soll mehrere Jahrzehnte dauern... Daß kein Mißverständnis aufkommt - auch ich fordere infizierte Tiere aus dem Nahrungskreislauf zu nehmen, die anderen gehören in Quarantäne, etwa als "Landschaftspfleger" auf Brachland, es gibt europaweit vermutlich genug davon. Wer weiß, vielleicht könnten robuste und naturgemäße Haltungbedingungen die Krankheit sogar heilen, wer kann das Gegenteil behaupten? Wirklich kranke Tiere gehören geschlachtet und verbrannt.

Ich bin für artgemäße Tierhaltung und artgemäße Fütterung, für flächengebundene bäuerliche Landwirtschaft, also gegen Agrarfabriken und Futtermitteltourismus aus der 3. Welt, und für anständige Preise für Nahrungsmitteln, damit die Bauern auch davon leben können. Die kindliche Anschauung, daß man für Schleuderpreise gesunde Nahrung bekommt, sollte man sich langsam abschminken. Doch hier wäre noch viel anzumerken. Vielleicht- ich wage es kaum zu hoffen- kann die gegenwärtige Aufregung eine solche Politik fördern.

 

 

5.1.01 Augenwischerei von der ZAW

Die Abschaffung der 50 Litertonnen wird von der ZAW mit vorbeugendem Gesundheitsschutzes für Müllmänner begründet. Tatsächlich geht es aber vermutlich alleine darum, die Mülltonnen zu standartisieren, um sie dann maschinell entleeren zu können. Dies würde bedeuten, daß es bald keine Müllmänner mehr geben wird. Sollte mein Verdacht stimmen wäre die Vorgehensweise der ZAW eine ziemliche Augenwischerei.

Wissen Sie eigentlich, daß Gewerbemüll nur dann Gewerbemüll ist, wenn keine Mülltrennung stattfindet? Dies wird schließlich dann sogar noch durch niedrigere Kosten belohnt, weil man sich nur bei Nichttrennung einen billigeren Entsorger suchen darf. Begründung: Gewerbemüll besteht teilweise noch aus Wertstoffen, die verwertet werden können. Verwertung heißt hier aber "thermische Verwertung", also Verbrennen. Da faßt man sich unwillkürlich an den Kopf...

 

 

5.1.01 Krebsfälle bei Kosowosoldaten

Wer noch den geringsten Zweifel an der Verantwortungslosigkeit der NATO- Einsatzes im Kososwo hatte, sollte diese nun endgültig verloren haben: Da wurden Granaten massenhaft eingesetzt, die sogenanntes abgereichertes Uran enthielten, ohne an die Verstrahlung der Zivilbevölkerung im Kosowo zu denken, aber ebensowenig an die Gefährdung der eigenen Soldaten. Keine Gefahr, lauten nun die Reaktionen der Militärs und der Politiker. Doch die Leukämiefälle bei italienischen, aber auch von  Soldaten anderer NATO-Länder, wie langsam bekannt wird, die mit der Munition und ihren Folgen im Zielgebiet in Berührung kamen, sprechen eine klare Sprache. Auch andere Beschwichtigungen entpuppen sich langsam als Propaganda. In Deutschland seien nie derartige Granaten verwendet worden, hieß es. Doch in Grafenwöhr wurde sogar das Erdreich abgetragen, dort wo eine Manövergranate eingeschlagen war. Keine Gefahr also? Bei Ingolstadt sollen ebenfalls derartige Granaten verwendet worden sein. Beim Absturz eines US-Militärjets soll vor Jahren ebenfalls die Umgebung verstrahlt worden sein. Und in der Lokalpresse berichtete der Standortkommandant, daß bei ihrem Kosowoeinsatz das verstrahlte Zielgebiet gemieden worden war, weil man die Gefahr aus dem Golfkrieg kannte, wo die Amis ebenfalls derartige Granaten eingesetzt hatten.

 

 

12.12.2000 Regener Kreistag lehnte Wechsel des Stromlieferanten wegen Strombezug aus maroden osteuropäischen Atommeilern ab

Der Regener Kreistag hat mit seiner beschämenden Entscheidung auch gegen die Solidariät der ostbayerischen Landkreise verstoßen und versäumt, wenigstens ein Warnsignal an die Stromwirtschaft zu senden. Der Presseartikel im BB über die Kreistagssitzung lässt ein hohes Maß an Uninformiertheit und Ignoranz im Kreistag erahnen. Zu gerne würde ich die in der Presse angedeuteten Redebeiträge im Wortlaut lesen, damit ich bei der nächsten Wahl niemandem Unrecht tue.

 

 

9.10.2000 Unverantwortlich: Anfahren vom AKW Temelin

Vor vierzehn Jahren, als uns die radioaktiven Wolken aus Tschernobyl den Erdboden, die Nahrung, die Atemluft und das Wasser verseuchte, habe ich wie viele Menschen gehofft, dass alle verantwortungsvollen Nationen sich von dieser unbeherrschbaren Technik verabschieden würden. Dem kurzen Nutzen steht eine unüberschaubar lange Gefährdung gegenüber. Keine Generation hat das Recht, den Kindern ein so tödliches Erbe zu hinterlassen. Aber auch wirtschaftlich ist das Ganze ein Wahnsinn, denn es gibt keine teurere Art der Stromerzeugung, erst recht wenn man die Folgekosten mit einrechnet. Und nun setzt Tschechien im Herzen Europas ein marodes Atomkraftwerk in Betrieb und gefährdet auf nicht absehbare Zeit die eigene Bevölkerung und seine Nachbarn.

Bei aller Sympathie, die ich unseren tschechischen Nachbarn entgegen bringe, die Inbetriebnahme von Temelin empfinde ich als eine ungeheuere Rücksichtslosigkeit.

Wir müssen uns vorwerfen, die Sache nicht ernst genommen zu haben und hätten wohl, wie die Österreicher, die Grenze blockieren sollen und den Prager Atomköpfen mit wirtschaftlichem Boykott drohen, bis sie zur Vernunft gekommen wären. Und vor allem hätten wir massivere Signale nach Brüssel, Berlin und München schicken müssen. Gegen Wackersdorf haben wir gekämpft, bei Temelin haben wir uns auf unsere Regierungen verlassen und waren verlassen. Nun bleibt nur die Boykottierung jener Stromhändler, die ihren Saft aus Tschechien beziehen.

 

 

15.9.2000  Zukunft der UN Kommentar zum Bericht: "Clinton: UN brauchen schlagkräftige Truppen."

Die UN braucht nicht nur schlagkräftige Truppen, sie braucht das weltweite Gewaltmonopol. Wie ein Staat ohne dieses nicht bestehen kann, so kann der Rüstungswahnsinn und die mafiaähnlichen Strukturen weltweit (ich beschütze dich vor mir, wenn ich an dir verdienen kann!) nur beendet werden, wenn alleine die Weltorganisation Kriegswaffen besitzen darf. Besitzer von Massenvernichtungswaffen gehören geächtet und wirtschaftlich boykottiert. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, die Amerikaner heizen den Rüstungswettlauf mit ihrem "Starwars"-Programm wieder aufs Neue an, bleiben ihre UN- Beiträge schuldig und brauchen die Weltorganisation nur als Deckmantel für ihre Machtpolitik. Apropo Starwars: Dieses Mal war es nur ein fehlerhafter Torschließer am Pentagon, der unseren Verteidigungsminister fast umgebracht hat, Vertrauen in die technische Sicherheit ihres Atomwaffenarsenals kommt da nicht gerade auf. Schon ein Computerfehler kann eine Katastrophe anrichten. Wir leben noch immer auf einem Pulverfass.

 

 

30.8.2000 Brandstifter

"Der Schoß, aus dem dies kroch, ist fruchtbar noch", orakelte schon Brecht. Und der Schoß wird nie ganz unfruchtbar werden, denn Neid und Gier oder die Angst zu kurz zu kommen, sitzen einfach zu tief. Was man aber tun kann und muß, ist den nationalistischen Mief in den Köpfen zu vertreiben. Und Mief vertreibt man nur durch Lüften. Verbote dagegen erzeugen mehr Mief und Mythenbildung. Die schwachsinnige Denkweise der Nazis und ihres Massenmörders Adolf Schigglgrubers müssen dem Tageslicht ausgesetzt werden. Wer "Mein Kampf" wie eine geheime Offenbarung verbietet, macht es nur interessant. Daß es aber eigentlich "Mein Krampf" heißen müsste, weil selten soviel Mist niedergeschrieben wurde, bleibt dadurch vielen verborgen. Nur wer sich einmal an den Kopf gefasst hat, nach der Lektüre dieser verqueren geistigen Ergüsse, ist immun gegen die braune Krankheit.

Wer in der Horde hilflose Menschen jagt, verletzt und tötet, nachts Wohnhäuser anzündet oder versteckte Splitterbomben zündet, ist ein Verbrecher. Diese erbärmlich feige Vorgehensweise kennt man von allen Nazis und Rassisten dieser Welt. Ob Kuklucksclan oder Bombenleger von Bologna, ob ETA, IRA, militante Zionisten, Hamas und hundert weitere nationalistische Wirrköpfe vom Balkan, vom Kaukasus, aus Afrika und Asien und - schließlich "unsere" teutonischen Glatzen, die heute durch unser Land spuken, sie wachsen alle auf dem gleichen Mist. Doch sind sie - den Giftpilzen vergleichbar- nur die erkennbaren Auswüchse eines großen Myzels, das in Symbiose mit unserem egoistischen Wirtschaftssstem oder mit politischem und religiösem Fanatsimus gedeiht. Wir müssen systematisch die Dinge fördern, die ihrem Gedeihen nicht förderlich sind: Aufklärung, Toleranz, Völkerverständigung. Die Fähigkeit, sich in andere hineindenken zu können, sollte das wichtigste Lernfach in den Schulen sein. Wer Mitfühlen, Mitfreuen und Mitleiden kann, wird niemals braunen Rattenfängern auf den Leim gehen..

Das ist das eine. Das andere ist, daß nur einigermaßen geschlossene soziale Systeme funktionieren können. Wer aber von heut auf morgen alle Zäune niederreißt, öffnet nicht nur den internationalen Wölfen alle Schafweiden, er zerstört auch den sozialen Frieden. Wer - wie ein Banker in diesen Tagen - mit der Zuwanderung einer großen Zahl "arbeitshungriger Menschen" aus dem Osten "starre Lohnstrukturen" und den Arbeitsmarktes aufbrechen möchte, der kann leicht zum sozialen Brandstifter werden.

 

 

15.8.2000 Zur Tourismusdebatte

Wir müssen unsere Heimat so entwickeln und gestalten, daß wir uns selber darin wohlfühlen, dann fühlen sich auch die Gäste wohl. Als Beispiel, wos hapert, möchte ich ein paar konkrete Unzulänglichkeiten bei unseren Wanderwegen beleuchten. Einer der reizvollsten Wege ist der Kneippweg zum Schwellhäusl, nirgendwo sonst kann man bei uns so schön Barfußlaufen und Wassertreten. Doch seit kurzem ist der Weg nur noch für Fakire zu empfehlen, denn eifrige Helfer haben den Weg mit spitzem Schotter ausgebessert, der teilweise sogar im Bachbett liegt. Dies ist ein Beispiel, wie man - vermutlich ohne sich dabei etwas zu denken- Besucher vergraulen kann. Der Schotter sollte umgehend mit Sand abgedeckt und die Steine aus dem Bachbett gerecht werden. Oder der Flußwanderweg Zwiesel-Regen, auch eines unserer Kleinode, war erst im Juni begehbar, weil solange der Schneebruch nicht aufgearbeitet war. Oder die Praxis einiger Landwirte über ausgewiesene Wanderwege Elektrozäune und Stacheldraht zu spannen! Der Arbeitsaufwand die Weide zu teilen und den Weg auszusparen dürfte doch wohl nicht so schwer sein. Oder wenn - wie gerade eben wieder vielerorts geschehen - in der langersehnten Hitzeperiode großflächig geodelt wird! Will man die Gäste absichtlich vergraulen oder ist es auch hier mangelnde Überlegung? Überhaupt Wanderwege: selbst zwischen den Dörfern um Zwiesel herum sind im Winter nur die Fahrstraßen geräumt. Gerade die älteren Gäste wollen aber nicht nur Skifahren sondern in der Natur spazierengehen. Es müße auch gar nicht geräumt sein, schon eine breite Bulldogspur würde genügen. Ein Mißstand sind auch die "Bäderstraßen" die aus vielen Dörfern in die Wälder führen. Der Wanderer stolpert über die scharfkantigen Reste der Badezimmermoden der letzten Jahrzehnte, über Bauschutt und Dachziegel. Kann man den Schutt nicht abdecken? Oder auf die Deponie fahren?

 

 

13.7.2000 Rücksichtslos

Vor keinem halben Jahr hat mich die Forderung nach einer Autobahn durch unsere Heimat aufgeschreckt und nun hat man über unseren Köpfen einen Highway, im wirklichen Sinn des Wortes, installiert, mit einem Federstrich, irgendwo in einer fernen Behörde. Nun rasen Tag und Nacht hausgroße Flugzeuge direkt über uns hinweg und bescheren uns dauerndes Gewittergrollen.

Vermutlich fiel dieses himmlische Treiben den meisten bislang gar nicht auf, denn überwiegend gehören wir doch wohl zur Spezies der Stubenhocker, die ohne Maschinenlärm und Lautsprechergedudel kribbelig werden. Erst wenn uns Fäkalien auf den Kopf fallen, wie neulich in Zwiesel am Anger, oder wenn wir lesen, daß über unserem Wald wieder große Menegen von Kerosin abgelassen wurden, dann nehmen wir uns vor, nie mehr zu fliegen, ich zumindest.

Der Himmel ist heute freigegeben zum Geldverdienen und die grenzenlose Freiheit über den Wolken, von der Reinhard May sang, ist genauer betrachtet eine ungeheuere Rücksichtslosigkeit gegen die Athmosphäre und alles Leben auf der Erde.  Noch irrt über den Wolken erst ein winziger Prozentsatz der Menschheit herum. Unvorstellbar, wenn dies einmal alle sechs Milliarden Menschen nachmachen wollten! Und an der weiteren Expansion des Luftverkehrs wird weltweit gearbeitet!. Den Wahnsinn des Massenferntourismus und des überflüssigen weltweiten Warenverkehrs kann nur einer stoppen: der regionaler denkende Verbraucher.

 

 

2.2.2000 Bürger beteiligen!

Unsere Verfassung verlangt, daß alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht, durch Wahlen und Abstimmungen. Den Parteien erlaubt sie, bei der politischen Willensbildung mitzuwirken, nicht mehr und nicht weniger. Tatsächlich haben die Parteien aber beinah alle Macht und sie maßen sich heute an, alle Lebensbereiche der Menschen bestimmen zu dürfen. Sie verweigern den Bürgern ihr Grundrecht auf Abstimmungen auf Bundes- und Europaebene völlig, auf Landesebene will man Bürgerentscheide sogar wieder erschweren. Doch unsere Demokratie muß bürgernäher und sachbezogener organisiert werden, denn die Parteien stehen für ideologisches Gezänk, Chorgeist, Nibelungentreue und für offensichtliche Käuflichkeit duch Interessengruppen. Nun werden die Parteien sich aber kaum selber entmachten, sie fürchten die direkte Demokratie, wie der Teufel das Weihwasser... Wir müssen unser Grundrecht also beim Verfassungsgericht einklagen. Es muß einfach aufhören, daß unbekannte Geldgeber die Politik mitbestimmen! Politiker kann man leichter kaufen als ein Volk! Es muß aufhören, daß Regierungen Krieg führen, die Währung wechseln, Atommeiler betreiben oder über 2 Billionen Mark Schulden machen dürfen, ohne daß die betroffenen Bürger gefragt werden, die in konkreten Dingen vorsichtig und somit weise entscheiden. Und dann würden sich die Menschen auch wieder für Politik interessieren, denn gleichgültig sind nur die Ohnmächtigen.

 

 

19.01.2000 Wir brauchen mehr direkte Demokratie!

Die Parteien erwecken gerne den Eindruck, als wenn es ohne sie nicht ginge. Doch im GG heißt es nur, daß sie bei der politischen Willensbildung mitwirken dürfen. Unumstößlich ist nur (Art. 20), daß Deutschland ein demokratischer und sozialer Bundesstaat ist und alle Staatsgewalt vom Volke durch Wahlen und Abstimmungen (!) ausgeht. Doch letztere gibt es auf Bundesebene nicht, was eigentlich eine krasse Mißachtung der Verfassung ist. Doch die "direkte Demokratie", bei der die Bürger über wichtige Sachthemen abstimmen dürfen, fürchten die Parteien wie der Teufel das Weihwasser, denn mit ihrer heutigen Macht wäre es dann vorbei. Was nicht schlecht wäre, denn das widerliche Gezänk der Parteien und ihre offensichtliche Beeinflußbarkeit durch Interessengruppen hat ihren Ursprung im Ideologischen, worauf die Welt gut verzichten könnte. Die Parteien sind Relikte aus der Zeit der Klassenkämpfe und des Gegeneinander. Unsere Demokratie könnte durchaus ohne sie organisiert werden, bürgernäher und sachbezogener. Nach über einem halben Jahrhundert Demokratie sind die Bürger reif, daß sie nicht nur alle paar Jahre ein Kreuzchen machen können, sondern daß man sie in alle wichtigen Entscheidungen einbezieht. Niemals wurden sie gefragt, ob sie 2,3 Billionen Mark Staatsverschuldung wollten, ob sie ihre Währung abschaffen wollen, ihre Landwirtschaft zerstören, Krieg führen usw. Die Ergebnisse bisheriger kommunaler Bürgerentscheide beweisen, daß informierte Bürger vernünftiger entscheiden, als in Schützengräben gefangene Parteibonzen, die es als normal empfinden sich und ihre Partei - wie etwa in der Union geschehen - zu prostituieren.

54 % der Wähler blieben der Europawahl fern, was heißt das anderes, als daß sich eine absolute Mehrheit gegen Form und Inhalt heutiger Politik aussprachen? Und wenn sich nichts grundlegendes ändert, wird sich dieser Trend noch fortsetzen.

 

 

18.01.2000 Wer zahlt schafft an!

Unsere Parteien leben von der Gegnerschaft. Sie müssen den politischen Gegner schlecht und klein machen, damit ihre eigene Sache - bzw. die Interessen ihres Klientels - durchgesetzt werden können.

Dazu heiligt der Zweck jedes Mittel, wie die Spendenaffairen beweisen. Und wer zahlt schafft an, von dieser Grundwahrheit ist auszugehen. Doch Demokratie könnte auch anders funktionieren, auch ohne die Parteiendemokratie, die mir ein überholtes Fossil zu sein scheint. Die Welt braucht heute keine Ideologen mehr, keinen Chorgeist und kein Schützengrabendenken. Die Wahlbeteiligung von 46 %, bei der Europawahl war auch eine Abstimmung mit den Füßen. Die Menschen haben das Polit-Theater einfach satt. Doch anders als in der Weimarer Republik will niemand eine Diktatur, sondern mehr Demokratie. Das kann nur heißen: Mehr direkte Demokratie durch regelmäßige Abstimmung über Sachthemen! Die Politiker müssen sich von Machtmenschen zu Angestellten des Volkes wandeln, die die Menschen informieren und ihre Entscheidungen umsetzen. Mit ihrer heutigen politischen Ohnmacht würden die Menschen auch ihre Teilnahmslosigkeit verlieren, dessen bin ich mir sicher.

 

 

3.1.2000  Märchenstunde des Ärztepräsidenten

Dank der Implantationstechnik sollen die Menschen bald 100 Jahre alt werden, sagte der Ärztepräsident! Doch die heutige Lebenserwartung von 70-80 Jahren ist zum geringsten Teil ein Verdienst der Apparatemedizin und des modernen Organ-Kanibalismus (der den Menschen zur Sache, zum Ersatzteillager degradiert) sondern die Folge verringerter Kindersterblichkeit durch besserer Lebensverhältnisse und erfolgreicher Seuchen- und Infektionsbekämpfung.

Doch das vielzitierte höhere Alter heute ist auch ein statistischer Trick, denn es geht immer um die "durchschnittliche" Lebenserwartung: Weil früher jeder zweite oder dritte Mensch im Kindesalter starb, drückt das gewaltig das Durchschnittsalter derer, die alt wurden... Wahr ist alleine, daß heute mehr Menschen alt werden.

Dem Ärztepräsidenten sei gesagt: Menschenverträgliche Lebensverhältnisse und gesündere Lebensweise bringen unendlich mehr als alle Ersatzteilmedizin - und lassen dem Menschen seine Würde! Doch mit Krankheitsverhütung läßt sich halt leider wenig verdienen...

 

 

6.12.99 Unglaubliche Forderung!

Die Forderung nach einer Autobahn durch den Zwiesler Winkel verschlägt einem die Sprache! Der Blick in den Kalender hilft auch nicht – kein 1. April, kein Fasching – war das also eine ernsthafte Forderung des SPD-Stadtrates Hugo Singer? Erst die Blockadehaltung der SPD gegen die Parkerweiterung, die Zwiesel wirtschaftlich schwer geschadet hat, dann die rücksichtslose Sperrung der Innenstadt und jetzt das! Ich dachte, es gäbe wenigstens darüber einen gemeinsamen Nenner, daß man die Heimat in ihrem Wert steigern will und die touristischen Grundlagen erhalten! Glaubt wirklich jemand ernsthaft, daß der Zwiesler Winkel eine andere Chance zu überleben hat als touristisch? Eine Autobahn würde Ökologie und Lebensqualität zerstören, also unsere touristischen Grundlagen!

Wir sind schon auf dem Weg dorthin, weil unser Winkel seit der Grenzöffnung schwer durch den Transitverkehr belastet ist. Wer mit einem weiteren Autobahnzubringer immer mehr Verkehr anlockt, fördert diese unselige Entwicklung! So sehr ich mich über die bevorstehende Fertigstellung der Regener Umgehung freue, so gewiß ist auch, daß mit jeder derartigen Erleichterung zusätzlicher Transitverkehr angezogen wird. Wie lange wird es noch dauern, bis die Wirtschaft massiv die Freigabe des Grenzübergangs für den Güterschwerverkehr fordern wird? (Zu unserem Glück haben das bislang die Tschechen verhindert.)

Herr Singer und alle die denken wie er, sollten nach Tirol fahren und mit den Bewohnern des Inntales sprechen, denn diese leiden massivst unter dem Durchgangsverkehr. Und solches möchte Herr Singer auch uns als "Fortschritt" bescheren?

 

 

6.12.99 Torso Schule

Kinder erziehen sich gegenseitig. Wenn nun viele mögliche positive Vorbilder immer früher in weiterbildende Schulen abwandern, dann ist das für die Zurückbleibenden ein unersetzbarer Aderlaß und niemand sollte sich wundern, wenn sich Problemkinder dann ersatzweise anderswo nach Verhaltensmodellen umsehen. Aus diesem Grund ist die Einführung der sechsjährigen Realschule keine gute Sache, denn in der Schule sollte sich die ganze Gesellschaft spiegeln. Nur in einer solchen vielschichtigen Umgebung lassen sich die Fähigkeiten entwickeln, die für unsere Welt wichtiger sind als Pauken und erfolgreiches Springen über weltfremde Hürden: Einander helfen und verstehen, Kooperieren und Tolerieren. Diese Fähigkeiten kommen leider in keinem Lehrplan vor. Der heutige Intelligenzbegriff ist ein Torso, ihm fehlen Hände und Herz.

Unsere Schulen gehören reformiert, von Grund auf!

 

 

3.12.99 Berufswunsch "Massenmörder"/ Zu den Vorfällen in Metten (LB zurückgezogen)

Kaputte familiäre Verhältnisse sind zweifellos der Hauptgrund für die Fehlentwicklung von Kindern. Auch der ganze Dreck, der aus dem Fernseher kommt, spielt sicher eine gewichtige Rolle. Doch auch die sich immer barbarischer gebärdende globale Wirtschaft und die Verkommenheit so vieler politischen Führer schlägt sich in den Köpfen nieder. Wann würde heute je anderes als aggressives Verhalten als erfolgreich vermittelt? Und Menschen imitieren eben nun einmal erfolgreiche Verhaltensmodelle. Auch die drei Buben aus Metten wollten auf ihre Art "erfolgreich" sein.

Und die Schule ist eben ein Teil dieser beschriebenen Wirklichkeit. Nun sollen in den bayrischen Schulen die Kinder sogar noch eher aussortiert werden! Hier wird völlig vergessen, daß sich Kinder vor allem gegenseitig erziehen. Wenn sich nun ein weiterer Teil der potentiellen positiven Leitpersonen aus der Volksschule frühzeitig verabschieden, wie kann sich dann jemand wundern, wenn sich die Zurückbleibenden andere Vorbilder suchen?

In der Schule muß sich die ganze Gesellschaft spiegeln. Die Kinder müssen die Verschiedenartigkeit ihrer Mitschüler täglich erfahren und sich im tolerieren und kooperieren üben. Eine solche Umgebung regt alle Fertigkeiten an, die diese Welt braucht. Wer meint, daß ein bißchen gehobeneres Fakten-Pauken intelligent macht, der irrt gewaltig. Die Elite-Fanatiker, für die nur messbare Leistung zählt, wissen vermutlich nicht, was sie ihren Kindern und der ganzen Gesellschaft antun. Das bißchen gehobene Fachwissen lernt sich leicht, wenn man es braucht. Doch Problemlöseverhalten, Improvisationsvermögen, Herzensbildung und Toleranz müssen entwickelt werden und lassen sich in keinem Lexikon nachschlagen. Das frühe Selektieren von Kindern ist eine schlimme Sache und trägt die Mitschuld an so vielen Fehlentwicklungen.

 

 

21.11.99 Ja, wo samma denn!

(Ein Hausbesitzer in Viechtach hat sein Haus grün-blau gestrichen und gegen die "Farbsatzung" der Stadt verstoßen. Nun wir ihm vom LRA Zwangsgeld angedroht.)

Mir gefällt die Zusammenstellung der Farben auch nicht. Doch hundertmal weniger gefällt mir die Anmaßung einer Kommune ihren Bürgern vorzuschreiben, wie sie ihr Haus streichen sollen. Geschmäcklerischen kommunalen Regeln sollten doch die Persönlichkeitsrechte unserer Verfassung übergeordnet sein. Man darf doch die Bürger nicht zwingen ihre Häuser gaggalgelb, gaggalbraun oder sonstwie anzumalen!

Der demokratische Staat sollte sich auf seine eigentlichen Aufgaben beschränken: unsere Lebensgrundlagen nachhaltig zu sichern, den Schwachen zu helfen und förderliche Rahmenbedingungen für seine Bürger zu schaffen und diese nur zu disziplinieren, wenn sie anderen wirklich Schaden zufügen.

Mein Wunsch zum Millenium: Mehr Toleranz und Geduld in den Köpfen der Politiker! Vielleicht sollte man ihnen die bewährte bayrische Grundphilosophie "Lem und Lem lassen" zur Erinnerung in die Sitzungssäle hängen.

 

 

2.10.99 Wahnsinn!

Der Unfall in Tokaimura hat wieder einmal gezeigt, daß Menschen einfach nicht sicher zu machen sind, selbst wenn die Technik perfekt sein sollte, was sie aber niemals sein kann, da sie von Menschen stammt. Die Kernspalterei ist uns zeitlich und erkenntnismäßig so beschränkten Menschen einfach nicht angemessen, denn ihre möglichen Folgen sprengen jeden begreifbaren Zeitrahmen. Alleine die Halbwertszeit von Plutonium beträgt die zehnfache Zeit der bekannten Geschichtsschreibung. Und weltweit weiß keiner, wohin mit dem strahlenden Atommüll, dies alleine sollte als Argument reichen. Nur um noch ein paar Jahrzehnte so verschwenderisch weiterwursteln zu können hinterlassen wir unseren Nachkommen tausende von Zeitbomben und immer mehr atomar verseuchte Landstriche.

Nebenbei - wer sich auch nur ein wenig mit der Thematik ohne Scheuklappen beschäftigt, erfährt, daß es keine teurere und verschwenderische Art der Energiegewinnung gibt. Auf die Forderung jener 570 Professoren auf weiteren Ausbau der Atomkraft gibt es nur ein Wort: Wahnsinn!

 

 

14.7.99 Schlechter Scherz

Leserbrief zu den Forderungen von Frauen auch Waffendienst leisten zu dürfen

Was sind das nur für arme Frauen, die das Nachmachen männlicher Blödheiten für Emanzipation halten! Und daß Sozis und Grüne- einst angetreten die Welt friedlicher zu machen und das Kriegshandwerk zu ächten - nun Waffendienst für Frauen fordern, liest sich wie ein schlechter Aprilscherz. Ihr Frauen! Helft lieber mit die Armeen in Katastrophenhelfer umzuwandeln und die Welt friedlicher zu machen und sperrt euren Männern und Kindern den Nachtisch, wenn sie nach einem Gewehr verlangen!

 

 

22.6.99 Stell dir vor es ist Wahl und keiner geht hin...

56 Prozent der Bürger gingen nicht zur Europawahl. Weil sie mit der Politik zufrieden sind, träumt Historiker Professor Wolffsohn als Gastkommentator in der Passauer Neuen Presse. Tatsächlich drückt sich in Wahlenthaltung Enttäuschung über die Parteien aus und das Gefühl persönlicher Ohnmacht. Viele Bürger haben sich erstmals einer Wahl verweigert haben, weil "die da oben" doch machen was sie wollen. Egal ob sie eine neue Währung einführen oder Krieg führen - die Bürger werden dazu nicht gefragt. Die Parteien-Demokratie hat versagt - was auch die 2,5 Billionen Mark Staatschulden beweisen. Egal, ob schwarz, rot oder grün, es ist Jacke wie Hose. Deshalb brauchen wir mehr direkte Demokratie, in der die Bürger über wichtige Sachthemen mitentscheiden können. Überall wo es Volksentscheide gibt zeigte sich, daß die Menschen über die Dinge, die sie betreffen sehr vernünftig (und vorsichtig) abstimmen. Wie bisher nur die Katze im Sack ankreuzen zu dürfen, haben immer mehr Leute satt. (Siehe auch die USA, wo sich die Regierung auf die Stimmen von etwa einem Viertel der Wähler stützt).

 

 

27. 6.99 Unbezahlbare Luftschlösser

Der Stadtratsbeschluß zum Vitalium erinnert an den tragischen Fuzu-Beschluß. Den Bürgern wird eine Politik vorgegeben, die keine Verankerung in der Bevölkerung hat. Ich finde es geradezu unanständig, den zukünftigen neuen Bürgermeister mit einer solchen Hypothek zu belasten und ihm jeglichen finanziellernHandlungsspielraum zu nehmen. 3,5 Millionen Mark geschätzte Kosten (vermutlich werden es letztendlich 5 Millionen) für das "Heukraxenprojekt", ohne eine wirtschaftliche Bedarfs- und Rentabilitätsplanung, und alles mit Steuergelder, die man gar nicht hat! Unsere Kinder werden noch an den Luftschlössern und den Folgekosten zahlen! Überhaupt- warum soll eine Kommune den Badeunternehmer spielen? Wenn sich ein privater Unternehmer damit ein Geschäft erhofft, dann soll er es halt bauen. Ich habe im Januar schon einmal davor gewarnt, voll auf "Kurort" zu setzen. Wir sollten eine lebendige kleine Stadt bleiben und beim Tourismus auf Naturerlebnis und Sport setzen. Glas, Kultur und Nationalpark- das sind die Pfunde, mit denen wir wuchern können und sollen!

 

 

11.5.99 Grundrechte nutzen!

50 Jahre Grundgesetz - und Regierung und Opposition mißachten es vielfach beim Natoeinsatz in Jugoslavien. Etwa Art. 2 und 102 (Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, Verbot der Todesstrafe), Art. 25 (Geltung des Völkerrechts), Art. 26 (Verbot eines Angriffkrieges). Art. 87a schreibt fest, daß die Streitkräfte ausschließlich zur Verteidigung da sind. Und was ist mit der neuen Nato-Doktrin, mit der zukünftig weltweit eine Kanonenboot-Politik möglich ist? Oder mit Art. 38, der jeglichen Fraktionszwang verbietet? Wir alle kennen die Realität. Wissen auch, daß unsere Verfassung nicht von ihren Feinden, sondern von ihren "Freunden" 61 Mal geändert und verwässert wurde. Unser GG ist nur gut, wenn wir es mit Leben füllen, z.B. durch Inanspruchnahme der freien Meinungsäußerung. Solange die funktioniert, dürfen wir hoffen.

 

 

16. 4.99 Kosowokrieg/ Offener Brief an den Aussenminister

Lieber Joschka Fischer!

1984 habe ich Dich im Wolferstätter Keller mit meinen Liedern begleitet, unser beider Thema war Rüstungswahnsinn und Umweltzerstörung. Nie werde ich begreifen, wie Du tun kannst, was Du heute tust! Nebenbei- man sieht es Dir an, wie Du darunter leidest, doch die im Windschatten der Bomben Vertriebenen leiden noch unendlich mehr.

Wenn nun auch die Angehörigen eines der wenigen Lichtblicke dieses verrückten Jahrhundert, die "Love- & Peace-Generation", anfängt Bomben zu schmeißen, dann zerbombt man nicht nur serbische Brücken, Fabriken und Tanklager (so ein Wahnsinn!). Grün war einmal die Hoffnung auf eine andere poltische Kultur, doch das kann man wohl heute endgültig vergessen.

Mit Dummheit läßt sich keine Dummheit beseitigen und mit Gewalt keine Gewalt! Wann wäre jemals ein Problem durch Krieg gelöst worden? Wenn ich die Nato-Sprüche von "Krieg für die Menschlichkei"t höre, dann wird mir schlecht, denn Krieg und Menschlichkeit schließen sich aus, immer! Aber Du brauchst Dir ja nur die Folgen Eueres Tuns anzusehen.

Einer wie Milosovic hält sich nur an der Macht, wenn es ihm gelingt ein Klima von Angst und äußerer Bedrohung aufrechtzuhalten. Die Bomben der Nato stabilisieren ihn und versammeln sogar seine schärfste Opposition hinter ihm. Für einen Diktator gibt es nur einen unerträglichen Nährboden: Frieden!

Überhaupt - diese Welt ist voller willkürlich gezogener, ungerechter Grenzen und jedes Völkchen will seinen eigenen Schlagbaum und die eigene Fahne darüber. Wollt Ihr zukünftig jede separatistische und nationalistische Bewegung mit Bomben unterstützen? Dies in einer Welt, die immer kleiner wird und in der sich die Völker notwendigerweise immer mehr vermischen, denn freier Geld- und Warenverkehr bedingt auch freien Menschenverkehr. Ich verfluche zwar die brutale Globalisierung , die den Wölfen alle Schafweiden der Welt zum Wildern öffnet und regionale Wirtschaft und Kultur zerstört, doch wer will diesen Trend aufhalten?

Die Völker Jugoslawiens hätten es der Welt zeigen können wie man zusammenlebt, schließlich hat es auch fünfzig Jahre lang einigermaßen geklappt. Hoffentlich ist das jetzige Scheitern kein Fingerzeig für die Unmöglichkeit des Funktionierens multikultureller Gesellschaften, solange in den Köpfen der Menschen noch soviel Revier- und Herdendenken steckt und soviel nationale und religiöse Eiferei.

Wird uns hier am Ende vor Augen geführt, was die Globalisierung am Ende der ganzen Welt bringt, weil dieser kleidertragende Affe nicht zur Toleranz fähig ist? Der Karren scheint ziemlich verfahren zu sein und trotzdem gibt es genug zivile Druckmittel, die im vorliegenden Fall nicht ansatzweise ausgeschöpft wurden. Wer Menschen aus ihrer Heimat vertreibt, gehört geächtet und wirtschaftlich ausgehungert.  Es muß soweit kommen, daß Verbrecher gegen die Menschlichkeit international verfolgt werden und ihre Gelder eingezogen werden. Wir brauchen schleunigst einen wirksamen internationalen Gerichtshof und einen handlungsfähigen Weltsicherheitsrat, der demokratisch funktioniert und dem sich auch die Großmächte unterwerfen müssen. Doch diese denken da überhaupt nicht dran, denn an ihrem Streben nach Vorherrschaft und wirtschaftlichen Vorteilen hat sich nichts geändert.

 

 

17.1.99 Notwendige Denkpause

Mit der Verteilung der jüngsten groß aufgemachten Wahlschrift sind die Zukunftsträume der Stadtführung nun jedem Bürger bekannt. Die Fuzo ist nur ein Baustein eines Umbruches, der Zwiesel in seinem Charakter grundlegend verändern soll. Damit setzt die Stadtführung alles auf eine Karte und macht den Bürgerentscheid zu einer Abstimmung über ihre Gesamtpolitik und damit auch über ihre eigene Zukunft.

In jedem Fall bringt das "Ja" beim Bürgerentscheid die dringend gebotene Denkpause um die weitreichenden "Kurpläne" auf breiter Basis zu diskutieren, denn nur wenn die Bevölkerung dahintersteht, können und dürfen sie realisiert werden.

Ich habe mit meiner Familie 15 Jahre in einem berühmten Kurort gelebt und wir kennen die Schattenseitent: Alles muß sich dem Kurbetrieb unterordnen und die Einheimischen sind zu Fremden in ihrer eigenen Stadt geworden. Die Jugend wird als Unruhefaktor überall vertrieben, denn der Kurort ist zu einem riesigen Altersheim geworden. Überall herrscht Kurruhe, ab 23 Uhr totales Fahrverbot und im Hallenbad darf man nur an einem Tag in der Woche ins Becken springen...

Doch auch in Zwiesel sind wir schon ein ganzes Stück in dieser verhängnisvollen Richtung unterwegs: Für die Wasserrutsche im neuen Bad ist kein Geld da, weil man damit junge Familien anlocken würde, deren Lärm man den Kurgästen nicht zumuten will, für "Heubad & Kraxenofen" spielen dagegen 3,5 Millionen Mark keine Rolle.

 

 

10.1.99 Fuzo-Gletscher

Die Fuzo hat eine neue Attraktion: Ein über 200 Meter langer Gletscher zieht sich durch Zwiesels Ægute Stube". Die Skipiste vom "Nacht-City-Sprint" ist zu Eis erstarrt und wir Zwieseler dürfen täglich darauf herumrutschen, ein neuer ÆEvent"? Das Gerücht, daß noch ein Skilift, ein Eiskanal und eine Sprungschanze installiert werden sollen, wenn das Bürgerbegehren scheitert, könnte aber vielleicht doch ein Faschingsscherz sein.

In jedem Fall scheint mir der Gletscher, der den Stadtplatz teilt, ein Symbol für die gegenwärtige Lage der Stadt zu sein. Will die Stadtführung mit den eisigen Tatsachen der Gletscherbarrikade die Stadtplatzöffnung ins Frühjahr verschieben und so doch noch ihr "Probejahr" vollmachen?

 

 

27.12.98 Weihnachtliche Zeitungsente?

273 Geschäftsleute wurden zur Fuzo befragt, nur 29 von ihnen sprachen sich dafür aus, das sind genau 10,5% der Befragten. Weitere 42, das sind 15,3%, wollten erst die Voraussetzungen für die Fuzo geschaffen wissen. Über 63 % der Geschäftsleute haben die Umfrage ignoriert oder aus Verärgerung boykottiert. Doch nicht dieser Umstand war Herrn Schlenz eine Schlagzeile wert, nein, er schrieb: 70 Prozent der Geschäftsleute grundsätzlich für Fuzo!"

War das nun eine weihnachtliche Zeitungsente oder eine vorsätzliche Falschmeldung?

Noch ein Wort zu Herrn Köppls Absicht, den Lohmannmühlweges an die B11 anzubinden: keines der durch die Stadtplatzsperrung verursachten Verkehrsprobleme würde damit gelöst. Dies kann nur eine stadtplatznahe Straßenverbindung vom Anger zur Frauenauer Straße. Wenn diese nicht (mehr) möglich sein sollte, dann kann eben auch der Stadtplatz nicht gesperrt werden. Ob eine ganzjährige Fuzo am Stadtplatz überhaupt sinnvoll ist, steht sowieso auf einem ganz anderen Blatt.

 

 

13.12.98 Gute Idee

Leider sind die Finsinger" keine Musikanten, lieber Sepp Grünberger, sondern eine Art bayrische Verwandte der Schildbürger. Wie Du auf "Pfingstsingen" kommst, weiß ich nicht, aber ein solches könnten wir tatsächlich auf dem Stadtplatz veranstalten, wenn der Bürgerentscheid im Januar gut ausgeht und dann singen wir auch ein paar schöne Gstanzl darüber, wie die Zwiesler anno ´98 ihr Verkehrs- und Wirtschaftszentrum gesperrt haben, weil einige von ihnen dort lieber kaffeetrinken wollten und die Urlauber und Nichtrentner währenddessen irgendwo um die Hammerbrücke kurvten...

Das Freibier sollten aber die bezahlen, die in ihren Leserbriefen keine Sachargumente brachten, sondern nur persönliche Attacken geritten haben, dafür werden ihnen ihre Sünden erlassen. Ich fürchte, lieber Sepp, nach Deinem bösen Leserbrief mußt Du ein paar größere Fäßer beisteuern. Unser Kulturreferent und Herr Schlenz werden Dich bei der Finanzierung sicher nicht allein lassen.

Da ich auch kein reiner Engel bin, werde ich wohl auch nicht ganz ungeschoren davonkommen...

 

 

12.12.98 "Finsinger"= leider keine Singerei ---nicht abgeschickt

Lieber Grünberger-Sepp! Was eine "Fingsingerei" ist, weiß ich auch nicht, aber mache mich bitte nicht für Druckfehler der Presse verantwortlich. Nicht nur vor Gericht und auf hoher See "ist man in Gottes Hand", gleiches gilt auch für den, der einen Leserbrief abschickt. Einmal fehlen Silben, manchmal fehlen ganze Sätze, dann wird ein alles verwirrender Buchstabe mehr abgedruckt, wie im aktuellen Fall. Das Unberechenbarste sind aber Leute wie Du, die sich sachlich geben und die unsachlichsten Wortmeldungen abliefern. Wenn mir ein Hans Proft sagt, wie ich nach Regen fahren soll, dann kann ich noch schmunzeln, ebenso wenn unser Kulturreferent in der Presse schreibt, daß er mich nicht einmal mehr "ignoriert", was ja eine ziemlich wunderliche Sache ist. Wenn Du aber Gegner der rücksichtslosen Stadtplatzsperrung, die teilweise passionierte Fußgänger sind oder gar kein Auto fahren, als "Anti-Fußgänger" betitelst, dann bist Du einfach ungerecht. Von Deiner Auflistung wenig schmeichelhafter Eigenschaftswörter, will ich gar nicht erst reden. Aber mit Schlägen unter die Gürtellinie muß man immer rechnen, wenn man seinen Kopf in die Öffentlichkeit streckt.

Mit meinem letzten Brief wollte ich eigentlich mehr versöhnlich wirken, was aber scheinbar mißglückt ist. Mein Hinweis auf die "Finsinger", die bayrische Variante der Schildbürger, zeigt aber, daß ich wohl auch kein richtiger Engel bin...

 

 

11.12.98 "Finsingerei"

Zur Diskussion um die Fußgängerzone:

Gelegentlich erwecken die Initiatoren der "Fuzo" den Eindruck, als sei Zwiesel erst seit letzten Mai von den Urlaubern entdeckt worden und Weihnachtsmarkt und Festveranstaltungen auf dem Stadtplatz seien etwas Neues. Doch für sinnvolle Anlässe wurde der Stadtplatz seit jeher für den Verkehr gesperrt und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Die Urlauber kommen zu uns wegen unserer Naturschönheiten, denn unsere Wälder und Berge sind die schönste Fußgängerzone. Hier liegt auch die Zukunft unseres Tourismus und nicht in ein paar abgeirrten Bussen von Transitreisenden, für die Zwiesel nur ein Kramladen und ein Platz zum Beinevertreten und Eisschlecken ist.

Mein Wunsch ans Christkind: daß mit dem Bürgerentscheid am 24. Januar die Teilung der Stadt und der Zwiesler ein Ende hat und jeder dem anderen ein Bier zahlen muß, wenn er sich noch mal über die Fingsingerei namens "Fuzo" ereifert.

 

 

15.11.98 Gegenrede gegen Schlenz

Was Herr Schlenz sich in Sachen "Bürgerbegehren" anmaßt, hat mit ausgewogener Berichterstattung nichts zu tun. Jeder interessierte Leser weiß seit langem, daß der leitende Reakteur in Sachen Fuzo auf einem Auge blind ist, wobei ihm niemand das Recht abspricht zu kommentieren und zu bewerten. Doch seine einseitige Berichterstattung zum Thema und einzelne Aussagen als "Stadtstreicher" können nur als absichtliche Beleidigung und Verleumdung gesehen werden. Jugendlichen Autofahrern am Stadtplatz unterstellte er einen "tiefergelegten Intelligenzquotienten", die Bürger, die sich gegen die Stadtplatzsperrung wehrten, beschimpfte er als Berufsnörgler, deren Argumente ins Kuriositätenkabinett gehörten. Bürger, die zum Thema Leserbriefe schrieben, bekamen diese kaum einmal unzensiert und unverstümmelt in die Zeitung.

Selbst nach dem Bürgertreffen im Mooshof, als über 300 empörte Bürger der Stadtführung ein noch nie dagewesenes "Waterloo" bereiteten und eindringlich ihre Probleme vortrugen, änderte Herr Schlenz seine Berichterstattung nicht. Selbst als das Bürgerbegehren anlief, brachte er keinen einzigen Artikel dazu. Ohne jede Presseunterstützung und ohne Flugblattwerbung wurden trotzdem innerhalb von zwei Wochen über 2000 Unterschriften gesammelt, von denen 1818 vom Rathaus anerkannt wurden. Die Listen lagen nur in wenigen Geschäften aus und Straßensammler gingen nur einzelne Straßen ab. Wenn nun Herr Schlenz unterstellt, daß Bürger leichtfertig unterschrieben hätten, ja gar Manipulation andeutet, dann ist das eine üble Verleumdung. Im Gegenteil machten fast alle Sammler die Erfahrung, daß sich Bürger nicht zu unterschreiben getrauten, weil sie befürchteten sich dadurch Nachteile einzuhandeln, denn in einer kleinen Stadt sich mit der Rathausführung anzulegen, die im Stile eines Glaubenskrieges ihre Politik propagiert und auch vor offener Einschüchterung nicht zurückschreckte (siehe: Veröffentlichung von Steuerdingen durch 2. Bürgermeister Herrn Köppl), ist nicht jedermanns Sache. Der Umstand, daß sich trotzdem ein Viertel der Bürger zu unterschreiben getrauten, kann gar nicht hoch genug bewertet werden.Von bewußter Bürgertäuschung müssen Herr Schlenz Artikel über das "Fuzo-Probejahr" gesehen werden, denn damit wurde suggeriert, als könnten die Bürger danach darüber abstimmen. Wäre es so gewesen, hätten nicht einige Stadträte am 29.10. einen Beschluß über einen Entscheid nach dem Jahr haben wollen, eben weil sie den Versprechungen der Stadtführung nicht trauten.

Eine weitere Verleumdung durch die Presse ist es, wenn die Vertreter des Bürgerbegehrens immer als "Fußgängerzonen-Gegner" bezeichnet werden, denn es geht bei dem Bürgerentscheid am 24. Januar überhaupt nicht um ein Ja oder Nein zu einer Fußgängerzone an sich, es geht alleine um eine Stadtplatzsperrung, für die alle Voraussetzungen fehlen und die das Verkehrs- und Wirtschaftsgefüge der ganzen Stadt zerstört und Zwiesel teilt.

 

 

12.11.98 Es doudld

Am Stadtplatz pulsiert das Leben, schwärmte Herr Rieger in seinem Leserbrief. Da reibt man sich verwundert die Augen. Von welcher Stadt redet er? Zwiesel kann er wohl nicht meinen, denn in unserer Stadt "doudlds" und daran ist nicht nur der doude Hiagst schuld. Oder meint Herr Rieger vielleicht die Enten, die von der Hafnerstadt kommend langsam den Stadtplatz erobern?

Zwiesels Herz liegt in einer Art Dornröschenschlaf. Wo ist der Märchenprinz, der es wieder wachküsst? Besser wir warten nicht auf ihn und küssen unsere Stadt selber wach, mit unserer Stimme beim Bürgerentscheid.

 

 

30.10.98 Stein vom Herzen gefallen

Endlich! Nun dürfen wir Zwiesler in geheimer Wahl darüber abstimmen, wie es mit unserer Stadt weitergehen soll! Fast sah es schon so aus, als würden Franz Köppl & Co es schaffen, den Bürgern ihr demokratisches Recht auf Bürgerentscheid zu verwehren, den verbissen wehrten sie sich dagegen, wohl wissend, daß die rigorose Sperrung der Innenstadt nie und nimmer eine Mehrheit bekommt.

Lob und Dank denjenigen Stadträten, die couragiert für die Zulassung des Bürgerentscheids gestimmt haben, auch wenn die Zielrichtung vielleicht noch immer nicht ihrer Meinung entspricht, sie haben sich damit einen Ehrenplatz in der Stadtgeschichte gesichert.

Persönlich ist mir ein großer Stein vom Herzen gefallen und ich habe ein Stück Vertrauen in die Politik zurückgewonnen. Nun hoffe ich, daß der Entscheid aus Trotz nicht wieder bis zum letzten möglichen Termin hinausgeschoben wird und Einheimische und Urlauber nicht auch noch über Weihnachten um die Hammerbrücke herumirren müssen.

 

 

17.8.98  Nun bleibt nur noch der Bürgerentscheid!

Die Resolution zur Aufhebung der Stadtplatzsperrung, die von fast 300 Zwieselern an den Stadtrat gerichtet worden war, wurde - ohne sie überhaupt zu verlesen - von der Stadtratsmehrheit abgelehnt. Zuvor durften zwei geladene Experten etwa zwei Stunden lang schöne Pläne präsentieren oder über Verkehrsströme plaudern. Mindestens eine weitere Stunde redete der zweite Bürgermeister, praktisch nach jeder Wortmeldung, wie er es schon im Mooshof praktiziert hatte. Andere Meinungen scheinen für ihn grundsätzlich "Polemik" zu sein. Interessant war der Hinweis, daß es überhaupt keinen Beschluß für ein FuZo-Probejahr gibt, das ist eine willkürliche Festlegung der Stadtführung. Eindrucksvoll waren die Hochrechnungen über die energiewirtschaftlichen und ökologischen Kosten der Stadtplatzsperrung, die CSU-Vertreter anstellten. Selbst wenn nur die Hälfte zutreffen sollte, zeigen sie den ganzen Wahnwitz. Eindrucksvoll war auch Herrn Wirths Vortrag, als er am Beispiel der bis heute fehlenden Verkehrslenkung die dilletantische Umsetzung des ganzen Projektes offenlegte. Stadtrat Günthers Äußerung, daß ihn die Erfahrungen des Probejahres nicht interessieren und für ihn die FuZo in jedem Fall eine dauerhafte Einrichtung sein soll, sowie seine Beschimpfung kritischer Bürger, sprechen für sich.Verkehrsplaner Ulzhöfer erwähnte mit keinem Wort den Kern des Problems, daß es nirgendwo außer in Zwiesel eine Ortskernsperrung mit nur einseitiger Umfahrungsmöglichkeit gibt. Doch eine kleine, wirtschaftlich geschwächte Stadt wie Zwiesel eignet sich nicht für ideologische oder "kurologische" Roßkuren, selbst wenn man hundertmal das Beste will. Ein Rat sagte, es sei immer leicht, gegen etwas zu sein. Doch er verkennt, daß Gegner der Sperrung für etwas sind: für das alte Zwiesel und seine Infrastruktur, kurz: für den Normalzustand! Und den können wir nur mehr über das eingeleitete Bürgerbegehren bekommen.

 

 

10.8.98 Verkehrsgefüge zerstört

Der "Stadtstreicher" kann nicht verstehen, daß man wegen 300 Meter Straßensperrung- tatsächlich sind es sogar nur gut 200 Meter - so ein Aufhebens machen kann. Nun, zufällig handelt es sich dabei um Zwiesels Hauptverkehrsachse, an deren oberen Ende sich die Verkehrsströme erst verteilen. Die Verstopselung dieses Flaschenhalses zerstört Zwiesels gewachsenes Verkehrsgefüge, teilt die Stadt wie mit einer Mauer und nimmt ihr ihr städtisches Herz, das was "Stadt" an ihr ist. Die Länge der Umfahrung einer Fuzo muß in einem erträglichen Verhältnis zur gesperrten Strecke stehen, was bei der zehn- bis siebzehnfachen Weglänge wohl kaum der Fall ist. (200 Meter Fuzo - 2000 Meter Umweg über die Hammerbrücke, 3500 Meter über die B11). Nun behauptet der Stadtstreicher, im Stadtplatzstau wurde früher genauso viel Sprit verbraucht. Selbst wenn dies stimmen sollte: Stau gab es nur in den Stoßzeiten, aber zu den Stadtrundfahrten zwingt man uns 365 Tage im Jahr, Tag und Nacht! Überhaupt waren die Autoschlangen der letzten Jahre auch die Folge der Angersanierung und von staufördernden Ampelschaltungen. Im übrigen: "Luftkurort" bleibt man am sichersten, wenn man die Wege verkürzt und nicht verlängert. Die Stadtplatzsperrung ist solange aufzuheben, bis die Voraussetzungen für eine Fuzo geschaffen sind. Sollte dies nicht möglich sein, kann der Stadtplatz keine Fuzo sein. Was m. E. kein Unglück wäre, denn es gibt in Zwiesel geeignetere Stellen.

 

 

4.8.98 An den Zwiesler Stadtrat Macht endlich ein Ende!

Genug des grausamen Spiels! Habt endlich Erbarmen und laßt uns nicht länger um die Hammerbrücke kurven! Nicht das versteifte Rückgrat, das Hans Proft euch einreden möchte, ehrt euch, sondern das Zugeständnis von Lernfähigkeit! Wer A gesagt hat, muß nicht B sagen, wenn die Erfahrung ihn zwischenzeitlich eines besseren belehrt. Verhindert, daß die Stadtplatzsperrung in die Wahlkämpfe der nächsten Zeit hineingezogen wird! Verlaßt euere Schützengräben! Wer nicht dauernd am Stadtplatz herumflaniert, ist nicht euer Feind! Öffnet die Straßensperren und laßt uns dann zusammen überlegen, wie wir Zwiesel attraktiver machen können! Ihr könnt diese Schildbürgerei nicht auf Dauer durchhalten! Wer die Hauptschlagader absperrt und hofft, daß sich das Blut schon einen neuen Weg suchen wird, ist ein potentieller Selbstmörder! Wir haben einmal große Hoffnungen in euch gesetzt!

Wollt ihr, daß die Bespitzelung der Steuerdaten von Bürgern und deren Einschüchterung in Zwiesel übliche Praxis wird? Denkt daran: Der Weg ist das Ziel! Bedenkt, wie knapp ihr im Mooshof euerem Waterloo entgangen seid! Prahlt vor den Bürgern nicht mit eurer "Weitsicht", denn damit sagt ihr nichts anderes, als daß euch Kurzsichtige gewählt haben. Macht endlich ein Ende! Ihr habt einfach kein Recht unsere täglichen Wege zu bestimmen!

 

 

26.6.98 Genug der Stadtrundfahrten!

Nach 2 Monaten "Fuzo" läßt sich wohl klar resümieren, daß sie ein noch größerer Flop wurde, als selbst Skeptiker erwartet haben. Noch nie zuvor war Zwiesel so tot. Wer irgendwie kann, meidet die reglementierten "Zonen" vom Anger bis zum Kriegerdenkmal.

Die in der "Fuzo" erhoffte Begegnung findet anderswo statt, im Begegnungsverkehr in der Fachschulstraße oder bei Tempo 100 auf unserem Highway. Täglich werden tausende von Autofahrern wie die Ochsen übern Berg geschickt und zu absurden Stadtrundfahrten gezwungen. Gleichzeitig werden den Anwohnern der einzigen Umfahrungsstrecke geballter Verkehrslärm und Autoabgase zugemutet. Und wofür? Damit am Stadtplatz ein paar Leute ruhig ihren Kaffee trinken können? Wo bleibt da die Güterabwägung!

Ich glaube noch nie hat eine Stadt in einem Anfall von "Fuzo" je ersatzlos seine Hauptdurchgangsstraße gesperrt. Was da in Zwiesel verordnet wurde ist geradezu haarsträubend und eine Unverschämtheit gegen die Bürger.

Wenn der Kur-u. Kneippverein die Einheimischen jüngst aufforderte, den Stadtplatz mehr zu beleben, dann erinnert das an das bekannte fensterlose Haus in Schilda, in das die Bürger das nötige Licht tragen sollten. Und zum beklagten fehlenden "Wir-Gefühl" ist zu fragen, woher dies kommen soll, wenn die Bürger in ihren ureigensten Belangen nicht gefragt werden und mit immer neuen Reglementierungen aus ihrer Stadt vertrieben werden.

Bislang war das Ganze ein Versuch, ein wohlgemeinter, wie ich ohne Einschränkung feststelle. Falls der Versuch aber weiterhin gegen besseres Wissen durchgepeitscht werden sollte, bekommt die Angelegenheit vorsätzlichen Charakter und auch der geduldigste Zwieseler wird fragen, wer die Verantwortung dafür tragen will. Ich meine Zwiesel braucht keine tote Innenstadt sondern als Urlaubermagnet eine Art "Goldenes Gäßchen", wo sich einheimische Handwerker präsentieren können und dazu noch ein paar Gartencafes und Biergärten, möglichst in ebenem Gelände.

 

 

15.6.98 Moderner Kanibalismus  --- nicht abgeschickt---

Der Bundestag hat ein Gesetz beschlossen, womit das Ausschlachten von Menschen geregelt werden soll, ein Gesetz zur Regelung der Ersatzteilbeschaffung für den modernen Medizin-Kanibalismus. Es geht um die Entnahme von Organen und Körperteilen von Hirntoten, die als Ersatzteile anderen Menschen eingepflanzt werden sollen.

Was soll man dazu sagen? Ist das nun eine Form von Menschlichkeit oder eine grausige Entartung der Medizin? Mir ist das ganze suspekt, selten waren sich mein Gefühl und mein Verstand so einig.

Diese materialistische Techno-Medizin degradiert den Menschen de facto zum Ersatzteillager. Wo bleibt hier die Menschenwürde, die zu schützen - nach Artikel 1 unseres Grundgesetzes - die Aufgabe aller staatlichen Gewalt ist? Sage mir keiner, daß ein Toter keine Würde mehr hat und daß es ja um der lebenden Menschen Wohl gehe. Ginge es wirklich darum, würden Politik und Medizin der Menschen Gesundheit fördern, denn Krankheit ist in aller Regel das Ergebnis von Fehlverhalten, von Vergiftung mit Rausch- und Suchtmitteln, von Medikamentenmißbrauch, von falscher Ernährung und von krankmachenden Lebens- und Arbeitsbedingungen. Ein Jota Gesundheitspropylaxe würde ein Vielfaches an Menschen retten, als es die Organe der paar - zur Entnahme geeigneten - Hirntoten jemals können. Doch unsere Wirtschaft lebt vom Warenverkauf und man braucht sich nur einmal vergegenwärtigen, wer alles von Krankheit lebt, es sind ganze Industrien und Branchen.

Daß hier einmal der Hebel angesetzt wird, ist kaum zu erwarten. Da besorgt man schon lieber der medizinischen Leichenflederei ein legales, human verbrähmtes Mäntelchen und steigert damit nicht unwesentlich unser Bruttobrutalprodukt.

 

 

23.4.98 Letzter Appell

Das gebetsmühlenartig wiederholte Hauptargument für die Schaffung der Fußgängerzone war der Erhalt des Prädikats "Luftkurort". Durch die Aussperrung des Verkehrs aus dem Stadtzentrum soll die Luft dort wieder den Richtlinien genügen. Daß die Stadtplatzsperrung aber eine beträchtliche Verkehrsmehrung außerhalb des Stadtplatzes bedeutet, somit auch eine Steigerung der Luftverschmutzung, interessiert offenbar nicht, was viel über den ökologischen Wert des Prädikates aussagt. Was aber, wenn die Luft am oberen Stadtplatz, der zukünftig im Verkehr ersticken wird, gemessen wird? Kurios ist auch die unbeabsichtigte Verlängerung der "Glasstraße", denn Bodenmais/ Langdorf und Frauenau rücken für Autofahrer um ein paar Kilometer auseinander, was sich für betroffene Pendler im Jahr zu einer beträchtlichen Strecke summiert, in meinem besonders gelagerten Fall zu etwa 4000 km jährlich, was ich wohl begreiflicherweise nur als Nötigung auffassen kann.

Wenn ich an den bevorstehenden verschärften Stau an der Kreiselbaustelle denke, die man unglaublicherweise erst beginnt, wenn der Stadtplatz bereits gesperrt ist, dann sollte auch der Gewogendste erkennen, wie planlos und überstürzt das ganze Projekt durchgezogen wird.

Am Folgenschwersten wird aber die notwendige Verkehrsumleitung eines beträchtlichen Teils des Stadtverkehrs über die B11 sein, denn weniges produziert sicherer Unfälle, wie die Zusammenleitung von Stadt- und Fernverkehr. Das Gemenge aus rasenden Fernpendlern, zockelnden Lastwagen, träumenden Urlaubern und genervten Einheimischen ist auch heute schon explosiv genug. Oder will man an der Umgehung Ampeln installieren?

Daß die Zwieseler über die bedeutendste Sache seit ihrer Stadtgründung nicht abstimmen durften, sagt viel aus über unsere politische Kultur. Da besänftigen auch keine tauziehenden Stadträte oder solche mit umgehängten Kuhglocken. Ob derartiges künstliches Remmidemmi den Stadtplatz 365 Tage im Jahr beleben kann, darf zudem wohl bezweifelt werden. Dennoch: Trotz aller Bedenken wünsche ich der Fußgängerzone Erfolg und hoffe, daß sie wirklich die Begegnung fördert, etwa zwischen den Bürgern und den hochmütigen Herren im Rathaus und diese die nötigen Voraussetzungen für die Zone zumindest im Nachhinein noch schaffen.

 

 

17.4.98 Russenhetze anno 1998

LB an die PNP zum Leserbrief von G. Meissner vom 14.4.

G. Meissner bezeichnete in seinem Leserbrief die russische Armee als "blutrünstige, brandschatzende Mörderbande". Er erweckte den Eindruck Russland habe Deutschland überfallen und verheert, doch jedes Kind weiß, daß es umgekehrt war. Hitlers Armee hat gegen Russland einen nie dagewesenen Vernichtungskrieg geführt, eine Politik der verbrannten Erde und 20 Millionen Opfer zeugen von diesem Völkermord. Alleine 13,5 Millionen russische Soldaten fielen im 2. Weltkrieg.

Herrn Meissners nationale Eiferei ist ein krasses Beispiel von Geschichtsfälschung. Unbegreiflich, daß die PNP derartigen Mist gedruckt hat.

Auch die Aufregung um die Beutekunst sollte man nicht übertreiben, denn der Schatz des Priamos stammt auch nicht gerade aus deutschen Landen, derartige Kulturgüter gehören der ganzen Menschheit. Mir wäre der Gedanke sympathisch, wenn die Schätze in eine deutsch-russischen Kulturstiftung eingebracht würden, was ein kleiner Schritt zur Versöhnung unserer so lange von Fanatikern mißbrauchten Völker sein könnte.

 

 

28.2.98 Die Bürger entscheiden lassen!

Nun soll es also tatsächlich ernst werden, mit der Sperrung von Zwiesels Hauptverkehrsader. Alle Appelle und Warnungen vor dem drohenden Verkehrsinfarkt stießen auf taube Ohren. Die Stadtratsmehrheit ist entschlossen die historisch gewachsenen Verkehrswege durch die Stadt radikal zu verändern, in dem festen Glauben, daß dies Zwiesel touristische Vorteile bringt. Ich erinnere daran, daß dies zum dritten Umbau des Stadtplatzes innerhalb der letzten zwanzig Jahre führen wird. Der ursprünglich kleingegliederte alte Stadtplatz wurde im Modernisierungswahn der siebziger Jahre in eine Rennbahn umgestaltet. Nun erstrebt manl man das andere Extrem: Totale Sperrung des Stadtplatzes für den Verkehr! Nachdem man am Ortsrand haufenweise Supermärkte ansiedelte und den Stadtplatz seiner früheren Zentrumsfunktion beraubte, soll er nun zur "guten Stube" werden, grade so, als läge Zwiesel in der Toscana und nicht im rauhen Waldgebirge.

Doch auch topografisch ist unser Stadtplatz als "Kurzone" wenig geeignet, denn für Gehbehinderte ist er gleichbedeutend mit einer Bergtour. Die Verbindung zu stadtnahen Parkplätzen führen über die sechzig (!) Stufen der "Himmelsstiege" oder die steile Treppe zum Kleinen Regen, beide sind für kranke und ältere Menschen ein unüberwindbares Hindernis. Und der noch gar nicht vorhandene Ziegelwiesen-Parkplatz liegt viel zuweit entfernt, die Strecke geht man als Urlauber einmal und nie wieder. Auch die gastronomische Nutzung des Stadtplatzes ist wegen des Gefälles kaum auszuweiten (weil sonst das Bier aus den Gläsern läuft...) Im übrigen ist der Begriff "Fußgängerzone Stadtplatz" nicht richtig, da sein oberer Teil, an dem so bedeutsame Einrichtungen wie Kirche und einziger Gasthof liegen, zukünftig im Verkehr ersticken werden.

Es fehlt zudem an der unabdingbarsten Voraussetzung für das Projekt, nämlich an stadtnahen Umfahrungsstrecken. Die B11-Umgehung umgeht Zwiesel und auf ihr rollt seit der Grenzöffnung der Fernverkehr, als Stadtplatzumfahrung kommt sie auch wegen ihrer Ortsferne kaum in Frage. Das alles wissen auch die Befürworter, doch sie hoffen auf ein bei Experten in Auftrag gegebenes "Verkehrsleitsystem", das alle Probleme lösen soll. So will man beispielsweise die Urlauber am Stadtrand auf Parkplätzen abfangen". Ob aber Urlauber ihre kostbare Urlaubszeit auf Zwiesler Ausfallstraßen langtrotten wollen oder einfach dorthin fahren werden, wo man sie weniger gängelt, kann man sich ausrechnen. Und ein Weltwunder, für das Urlauber Strapazen in Kauf nehmen, hat Zwiesel nicht zu bieten.

Ich möchte deshalb eindringlich an die verantwortlichen Politiker appellieren, das Vorhaben zu überdenken und nicht übers Knie zu brechen. Bei einer so einschneidenden Veränderung sollte - auch im eigenen Interesse - eine Bürgerbefragung selbstverständlich sein.

 

 

19.1.98 Ois vodraht?

Leserbrief von B. Geiss zu aktuellen Gerichtsurteilen

Das neue Jahr "is in Summa gfoin" und eine Wurst scheint heute mehr wert zu sein als ein Mensch. Oder wie sonst soll man die jüngsten Rechtssprechungen verstehen?

Der eine Täter vergewaltigte über Jahre eine behinderte Frau und folterte sie mit brennenden Zigaretten und bekommt dafür eine Bewährungsstrafe. Alle verantwortlichen Ämter und Personen, die dem Treiben über Jahre zusahen, müssen sich gar nicht verantworten. Und dann liest man den Fall von dem Arbeitslosen, der zweimal Wurst im Wert von ein paar Mark geklaut hat und dafür ins Gefängnis wanderte...

 

 

9.12.97 Verrücktes Lehrstück

Geradezu ein Lehrstück für die Dekadenz unseres Wirtschaftens ist der Sturmlauf von Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften auf das beabsichtigte Glimmstengel-Werbeverbot. Wie? Wir brauchen den Schaden durch gemeingefährliche Produkte, daß es uns gutgeht? Wirklich interessant, die Hinweise, wer alles vom Schaden lebt, den der blaue Dunst anrichtet. Vielleicht sollte man die Liste noch durch das Medizinwesen und die Bestattungsindustrie ergänzen...

Anscheinend wirtschaften wir nicht um das Erforderliche und Förderliche zu schaffen, sondern alleine des Wirtschaftens wegen. Und so produziert die eine Hand den Schaden, den die andere zu beheben versucht. Und wer dabei das höchste Bruttosozialprodukt erzielt, gilt als der Reichste...

 

 

11.11.97 Störfall Mensch?  ----nicht abgeschickt---

Manchmal scheine es ihm, daß für die Naturschützer der Mensch nur ein Störfall sei, sagte der Abgeordnete Hinsken und bekam mächtig Applaus und hundert Prozent der Delegiertenstimmen. Doch - wer möchte ernsthaft bezweifeln, daß der Mensch für die Natur ein Störfall ist? Er, der der Natur aus dem Ruder lief, der ihr entartete, sich anmaßend als Mittelpunkt der Welt begreift und alles Lebendige nur als Mittel zu seinen eigenen Zwecken. Niemals hat eine gefährlichere, tölpelhaftere, kurzsichtigere Art diesen Planeten bevölkert, als unsere, die wir unsere eigenen beschränkten Künstlichkeiten über die Natur stellen. Keine andere Gattung hat je einen solchen Krieg gegen die Natur und damit gegen die eigenen Grundlagen geführt, dem Leben auf der Erde so geschadet. Wir sind ein Störfall ohne Parallele und die Natur wird sich unserer entledigen, wenn wir nicht bald anfangen so zu wirtschaften, daß die Natur uns aushalten kann.

 

 

11.11.97 Was zum erfolgreichen Tourismus nötig ist ---nicht abgeschickt---

Sich für den Tourismus entscheiden heißt, sich für das Dienen zu entscheiden.

Doch - wenn ich mich in meiner Region umsehe - wie sollen die stolzen Bauern, Glasmacher und Holzhauer, dienen können? Sie, die ihrem alten Tagwerk nachtrauern, sie, die stöhnen unter den ungeliebten Großstädtern, die wie die Heuschrecken ihr Land heimsuchen, ihnen die Preise verteuern und die Straßen verstopfen? Dienen, das heißt, dem fremden Menschen zu Diensten sein, mit Liebe ihm seine freien Tagen versüßen, ihm das geben, was er zu Hause in den großen unwirtlichen Städten nicht hat, nach was er sich das ganze Jahr sehnt. Das verlangt ein geradezu übermenschliches Maß an Liebe und Einsicht, das verlangt die Fähigkeit sich selber zurückzunehmen, sich in den anderen denken und fühlen zu können, dies verlangt eine Qualität und Intensität an Edelmut (und: an Prostitution!) die man höchstens bei Heiligen findet.

 

 

10.11.97 Bahn oder nicht Bahn... ----nicht abgeschickt----

Ein auf der ebenen Bahntrasse verlaufender Rad- oder Inline-Skater- (oder Loipenweg) zwischen Bodenmais und Zwiesel wäre zweifellos eine touristische Attraktion ersten Ranges, aus der auch die Dörfern der Gemeinde Langdorf wirtschaftlichen Nutzen ziehen könnten. Doch darf man auf die Bahn verzichten?

Wenn es um den Erhalt der Bahnlinie nach Bodenmais geht, ist naturgemäß viel Nostalgie und frommes Wünschen im Spiel. Tatsache ist aber, daß außerhalb des Schulverkehrs praktisch nur Geisterzüge verkehren.

Der Güterverkehr wurde gegen alle Vernunft auf die Straße verlagert und die Urlauber reisen fast sämtlich mit Pkws oder Bussen an, dies ist zu beklagen, offenbar aber nicht zu ändern. Und die Einheimischen? Der entwickelte Individualverkehr ist eine Tatsache und im Kurzstreckenbereich auf dem Land ist die Bahn nur für wenige Glückliche eine praktikable Verbindung. Die meisten haben einen kilometerweiten Anmarsch zur Bahn, weil die Dörfer an der Strecke meist weitab liegen. Und dann landet man ja auch erst einmal auf dem Zielbahnhof und ist noch Kilometer von den angestrebten Zielen entfernt.

Ein Kleinbus, der ein paarmal am Tag die Dörfer anfährt und an den Zielorten eine Runde dreht, würde dem wirklichen Bedarf viel mehr gerecht und die Einrichtung von Fahrgemeinschaften und Mitfahrertaxis könnten sogar die vielen Einpersonen- Autos füllen und die Straße entlasten.

Außerdem: daß die Bodenmaiser Linie für eine so hohe Zugfrequenz nicht ausgelegt ist, kann man nicht überhören. 23 Pfeifer hat jemand auf den wenigen Kilometern Strecke gezählt, dies multipliziert mit 34 Fahrten täglich ergibt fast 800 Pfiffe, die weit durch die Täler hallen und die man halt nur hinzunehmen bereit ist, wenn man einen Sinn darin sieht. Zudem bringt das Pfeifen - wie an einem Außenrieder Bahnübergang, an dem man keine zwanzig Meter weit auf die Geleise sieht - keine Sicherheit. Hier gab es bereits einen Unfall mit einem Landwirt und etliche gefährliche Begegnungen. Die Bahnlinie zu kreuzen kommt russischem Roulette gleich. Setzt man weiter auf die Bahn wird man noch einiges in die Sicherheit an den Übergängen investieren müssen.

 

 

18.10.97 Mehr Vertrauen in Mutter Natur

Gerade mal ein halbes Prozent der Fläche unseres Landes ist Naturschutzgebiet. Und sogar diese winzige Fläche ist manchen Leuten noch zuviel. Was soll man davon halten, wenn Menschen fordern, man dürfe die Natur nicht sich selbst überlassen? Das ist Anmaßung im Quadrat, da will das Ei das Huhn belehren!

Was sich um den Lusengipfel abspielt, schmerzt jeden Naturfreund. Doch wer noch nicht völlig mit Blindheit geschlagen ist, begreift, daß sich hier die Folgen unseres zerstörerischen Wirtschaftens zeigen, der Rindenkäfer ist nur der grausliche Vollstrecker. Die gegenwärtige Käferhysterie ist vielleicht ein kollektives "Nichtsehenwollen der eigenen Verstricktheit". Zum Beispiel ist der Bauernpräsident zu fragen, ob er nicht weiß, daß etwa ein Drittel der Schadstoffe die zum Waldsterben führen dem Ammoniak aus der Massentierhaltung zugeschrieben wird. Und die Politiker, ob sie nicht wissen, daß die Globalisierung zu einer Vervielfachung der Verschmutzung der Atmosphäre führt und direkt oder indirekt weltweit Wälder killt (und nebenbei heimische Bauern...)

Wir Waldler können nur hoffen, daß das Ende der nicht standortgemäßen Bergfichten- Monokultur der Anfang eines neuen, anderen Waldes sein wird. Dies aber wohl nur, wenn die toten Bäume nicht entfernt werden und die Sämlinge auf dem Mulch der abfallenden Rinde und den gefallenen Stämmen einen privilegierten Platz finden, ohne vom Gras erstickt zu werden. Wenn letzteres passiert, wird es uns gehen wie den Erzgebirglern und wir werden mit kahlen Hochflächen leben müssen. Anderenorts werden diese als "Naturdenkmäler Schachten" verherrlicht und mühevoll baumfrei gehalten. Auf dem Albrechtschachten auf dem Falkenstein wurden z.B. kürzlich erst 45000 junge Bäumchen vom Waldverein entfernt, damit die Hochfläche nicht zuwächst. Diese Zahl sollte uns doch ein wenig Vertrauen in die Wachstumskraft der Natur geben, die selbst die lebensfeindlichsten Umwelten besiedelt: neulich mußte die Feuerwehr sogar wieder den Birken auf dem Zwieseler Kirchturm zu Leibe rücken. Aber Birken und Ebereschen sind – wie unlängst zu lesen war - für manche Leute ja keine richtigen Bäume...

 

 

1.10.97 Verdoppelte Lebenserwartung?

Von dpa wurde gemeldet, die Lebenserwartung der Deutschen habe sich seit 1871 verdoppelt, bei Männern von 35 Jahren auf 73 Jahre und von Frauen sogar auf etwa 80 Jahre. Als Ursache für diesen beeindruckenden Anstieg werden die Segnungen der modernen Medizin genannt.

Diese Meldung suggeriert, die Menschen würden durch die moderne Medizin älter, also dank der Segnungen der pharmazeutischen Industrie und der Apparatemedizin, dies trotz aller Umweltverschmutzung, allem Lärm, aller Hektik, aller Fehlernährung, allem Bewegungsmangel, aller Reizüberflutung, aller Unwirtlichkeit der sozialen Verhältnisse. Ähnliche Meldungen kennt man ja auch bezogen auf das Mittelalter, dort seien die Menschen bekanntlich ja nur 25 Jahre alt geworden.

Dies ist natürlich Blödsinn. Wenn die Angaben überhaupt stimmen, dann nur für die durchschnittliche Lebenserwartung. Die Menschen wurden früher sicher nicht viel weniger alt als heute, nur die Kindersterblichkeit war aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse sehr viel höher, oft erreichte nicht einmal die Hälfte der Menschen das Erwachsenenalter. Das heißt, wenn ein Mensch kurz nach der Geburt stirbt und ein anderes erst mit siebzig Jahren, ergibt das eine durchschnittliche Lebenserwartung von 35 Jahren.

 

 

29.9.97 Verstoß gegen die Menschenwürde

Die Forderung nach einer täglichen Meldepflicht für Arbeitslose ist das diskriminierendste, was mir in letzter Zeit zu Ohren kam. So mag man Kriminelle behandeln, nicht aber Bürger in Not. Die Meldepflicht wäre demütigend, ja die reine Schikane und m.E. ein Verstoß gegen Artikel 1 des Grundgesetzes, der die Würde der Menschen schützt.

Im übrigen ist das Arbeitslosengeld kein Geschenk der Regierung, sondern eine Versicherungsleistung, für die Arbeitnehmer Beiträge entrichten. Mit immer neuen Tricks wird versucht den Arbeitslosen diese Versicherungsleistung zu verweigern. Diese Regierung scheint nach dem Motto zu handeln: Zuckerbrot für die Habenden, die Peitsche für die Armen.

 

 

17.9.97 Wehret den Anfängen!

LB an BB Regen

Bislang waren die bayrisch-böhmischen Grenzwälder quasi eine "Insel der Seligen", zumindest was die Belästigung durch Militärjets anging, damit scheint es nun vorbei zu sein. Am 15.9. donnerten erstmals Militärmaschinen über den südlichen Stadtrand von Zwiesel. Am 16.9. wiederholte sich der höllische Besuch zur Mittagszeit: aus dem Zellertal kommend donnerten im Tiefflug (Augenzeugen sprechen von höchstens 300 Meter) 3 Düsenjets durch den Zwiesler Winkel Richtung Grafenau. Zwanzig Minuten später kamen die Maschinen wieder zurück. Obwohl die Jets in einem eher gemäßigten Tempo flogen, glaubte man doch, es würde einem das Trommelfell zerreissen. Weidetiere rannten und sprangen in panischer Angst herum, kleine Kinder weinten und nicht nur kranken und älteren Menschen klopfte das Herz bis zum Hals.

Und dabei war alles nur ein harmloser Überflug, ohne Luftkampf und ohne Überschallknall. Also kein Vergleich mit dem Lärmterror, den viele Menschen in grenzfernen Gebieten tagtäglich erleiden. Blüht uns nun ähnliches im ostbayrischen Urlaubsgebiet? Müssen wir damit rechnen, daß nach dem NATO-Anschluß von Tschechien an allen klaren Tagen sich die Luftwaffen aller Länder über unseren Köpfen austoben?

Oder kann uns vielleicht der Nationalpark in seinem Windschatten Schutz bieten? Ein Naturschutzgebiet mit lärmgeschädigten Wildtieren wäre ja wohl ein Witz. Ein ebensolcher Witz wäre es, wenn einer Urlaubsregion durch Tiefflieger der Todesstoß versetzt würde, denn Fluglärm ist ja wohl das Letzte, was jemand im Urlaub sucht. Und was ist der traurigste Witz? Daß die Politik zwei Jahre vor der Jahrtausendwende immer noch auf solche barbarische Höllenmaschinen setzt.

 

 

17.9.97 Wehret den Anfängen!

Leserbrief an BB Regen zum Thema Tiefflieger im Bayr.Wald

Bislang waren die bayrisch-böhmischen Grenzwälder quasi eine "Insel der Seligen", zumindest was die Belästigung durch Militärjets anging, damit scheint es nun vorbei zu sein. Am 15.9. donnerten erstmals Militärmaschinen über den südlichen Stadtrand von Zwiesel. Am 16.9. wiederholte sich der höllische Besuch zur Mittagszeit: aus dem Zellertal kommend donnerten im Tiefflug (Augenzeugen sprechen von höchstens 300 Meter) 3 Düsenjets durch den Zwiesler Winkel Richtung Grafenau. Zwanzig Minuten später kamen die Maschinen wieder zurück. Obwohl die Jets in einem eher gemäßigten Tempo flogen, glaubte man doch, es würde einem das Trommelfell zerreissen. Weidetiere rannten und sprangen in panischer Angst herum, kleine Kinder weinten und nicht nur kranken und älteren Menschen klopfte das Herz bis zum Hals.

Und dabei war alles nur ein harmloser Überflug, ohne Luftkampf und ohne Überschallknall. Also kein Vergleich mit dem Lärmterror, den viele Menschen in grenzfernen Gebieten tagtäglich erleiden. Blüht uns nun ähnliches im ostbayrischen Urlaubsgebiet? Müssen wir damit rechnen, daß nach dem NATO-Anschluß von Tschechien an allen klaren Tagen sich die Luftwaffen aller Länder über unseren Köpfen austoben?

Oder kann uns vielleicht der Nationalpark in seinem Windschatten Schutz bieten? Ein Naturschutzgebiet mit lärmgeschädigten Wildtieren wäre ja wohl ein Witz. Ein ebensolcher Witz wäre es, wenn einer Urlaubsregion durch Tiefflieger der Todesstoß versetzt würde, denn Fluglärm ist ja wohl das Letzte, was jemand im Urlaub sucht. Und was ist der traurigste Witz? Daß die Politik zwei Jahre vor der Jahrtausendwende immer noch auf solche barbarische Höllenmaschinen setzt.

 

 

10.9.97 Das Kreuz mit Post und Bahn

Die Post schließt in kleineren Gemeinden nach und nach die Postämter, leert die Briefkästen immer seltener und verlangt für ihre Dienstleistung immer mehr Geld. Die Telekom baut immer mehr Telefonhäuschen ab, verteuert ebenfalls viele Dienstleistungen und der neuste Schildbürgerstreich: die Nummer der Auskunft - eine feste Größe in den meisten Köpfen - wird geändert.

Seit einigen Monaten wird schon keine Post mehr mit der Bahn befördert, alles wird über die Straßen gekarrt, in weit entfernten Verteilerzentralen sortiert und dann unter Umständen wieder zurücktransportiert, weil der Empfänger nur im Nachbarort wohnt...

Und die Bahn machts nicht anders: die alten Güterbahnhöfe wurden aufgelassen und alles Stückgut in weit entfernte Verteilerzentren gekarrt, von wo es dann wieder verteilt wird, zumeist auf der Straße. Grad so, als wenn die ganze Hin- und Herkarrerei nichts kosten und zerstören würde. Manchmal meint man, diese ehemaligen Staatsbetriebe werden vom selben Komiker geführt...

 

 

10.9.97 Hoffung auf den Lebenswillen der Natur

LB an PNP -- nicht gedruckt worden --

Nicht wenige bezweifeln, ob auf den borkenkäfergeschädigten Hochflächen des Nationalparks überhaupt wieder etwas wachsen wird. Die Waldvereinssektion Lindberg hat in diesen Tagen bei Pflegearbeiten den Albrechtschachten am Falkenstein von angeflogenen jungen Bäumen befreit. Sie zwickten auf der hochgelegenen Waldwiese etwa 45 000 junge Bäume ab. Wenn das kein Grund zur Hoffnung ist, auch für die borkenkäfergeschädigten Hochlagen des Lusens.

 

 

4.9.97 Hoffnung auf Mutter Natur

LB an PNP ---nicht abgedruckt ---

Nicht wenige bezweifeln, ob auf den borkenkäfergeschädigten Hochflächen des Nationalparks überhaupt wieder etwas wachsen wird. Die Waldvereinssektion Lindberg hat in diesen Tagen bei Pflegearbeiten den Albrechtschachten am Falkenstein von angeflogenen jungen Bäumen befreit. Sie zwickten auf der hochgelegenen Waldwiese etwa 45 000 junge Bäume ab. Wenn das kein Grund zur Hoffnung ist, auch für die Hochlagen des Lusens.  

 

 

28.8.97 Sterilisation von geistig Behinderten

zum Artikel in der PNP vom 28.8./ "Sterilisation von Behinderten" ---nicht abgeschickt ---

Der Artikel erweckt den Eindruck, als würde eine Sterilisation den (behinderten) Menschen auch die Freuden der Sexualität nehmen. Das Gegenteil ist richtig, denn gerade die Ausschaltung der Gefahr schwanger zu werden, schenkt unbesorgte Freiheit zu Zärtlichkeit und Sexualität. Natürlich sind - je nach Einzelfall - auch die meisten anderen Verhütungsmethoden brauchbar. Eltern, Betreuer und Behinderte müssen hier einfach abwägen, was besser oder möglich ist.

Eine pauschale Verteufelung der Sterilisierung ist auf jeden Fall absolut unangebracht. Vergleiche gar mit menschenfeindlichen Praktiken im 3. Reich, sind auf Grund der unterschiedlichen Intention und Durchführung eine arge Demagogie.

Wer natürlich nichts Besonderes dabei findet, daß Behinderte schwanger werden, oder für sie gar ein Recht auf Schwangerschaft fordert, der sollte dies auch klar aussprechen. Er sollte aber bedenken, daß Eltern fähig sein sollen für ein Kind Verantwortung zu übernehmen und ein Kind kein Spielzeug  ist oder eine therapeutische Maßnahme.  

 

 

28.8.97 Wer widerlegt Dr. Hamers Argumente?

Leserbrief an PNP zum Bericht über Tumulte beim Prozeß gegen Dr. Hamer ---nicht abgeschickt ----

Dr. Hamers Buch über seine Theorie der Krebsentstehung ist keine leichte Lektüre, denn es ist zugleich der Kreuzzug eines verbitterten, weil geschaßten Arztes, gegen die Schulmedizin. Und doch - wenn Hamer mit seiner These richtig liegt, daß Krebs die Folge eines niederschmetternden Erlebnisses oder einer aussichtslosen Lebenssituation ist, dann wäre die Schulmedizin mit ihrem Starren auf Krebszellen total auf dem Holzweg. Und weil dieser Weg wirtschaftlich soviel einbringt, sieht sich Hamer von den "Medizynikern" - wie er seine früheren Kollegen von der Schulmedizin nennt - verfolgt und verleumdet.

Bei Krebspatienten, die ich gut kenne, habe ich Hamers These bestätigt gefunden. Immer stieß ich auf ein traumatisches Erlebnis, das einen Menschen in seinem Kern traf und ihm quasi "die Füße wegzog", einen schweren "Revierkonflikt" oder eine Lebensmüdigkeit. Den Krebs überlebt hat nur, wer seinen Konflikt überwand, wer es schaffte, sich "umzustimmen" und radikal mit seinen krankmachenden Verhältnissen brach - und: wer genug Lebensmut besaß. Diese "Umstimmung" kann durchaus auch ein Nebeneffekt von schulmedizinischer Operation oder Chemotherapie sein, die ja auch das frühere Leben zumindest für die Zeit der Tortur total verändern. Natürlich können meine Beobachtungen Zufall sein und alleine empirische Untersuchungen könnten Hamers These untermauern oder zu Fall bringen. Doch indem man Hamer juristisch mundtot zu machen versucht und ihn in der Presse als irren Scharlatan  hinstellt, wird sich die Sache nie klären.

Hamer leugnet u.a. auch die Entstehung von Metastasen durch Ausschwemmung von Krebszellen auf dem Blutweg. Er behauptet, daß noch niemals eine Krebszelle im Blut nachgewiesen werden konnte. Vielleicht sollte man in der Berichterstattung ein bißchen mehr auf solche Kernfragen eingehen und weniger auf Hamers Theater im Gerichtssaal.

 

 

3.7.97 Niemand hat den Stein der Weisen

Ist der Nationalpark schuld am sauren Regen? Oder an den klimatischen Veränderungen? Oder daran, daß auf unseren Bergen vor hundert Jahren Flachlandbäume in Monokulturen gepflanzt worden sind? Und wer hat mit Forstwegen die wasserführenden Hangschichten angeschnitten, die wie Drainagen die Berge entwässern?

In den Hochlagen des Nationalparks sind die Folgen des menschlichen Wirtschaftens zu studieren, und wir erschaudern vor dem Anblick toter Baumgerippe. Zum Glück keimt darunter junges Leben, erstaunlich genug, denn im Erzgebirge sollen sogar die Pflanzversuche erfolglos geblieben sein. Doch auch bei den jungen Schösslingen ist zu fragen, ob sie nicht überwiegend Kinder jener nicht standortgemäßen Bäume sind.

Doch egal ob es nur der Linderung unserer Seelenqualen dient oder ob wirklich alleine waldbauliche Maßnahmen unsere Berggipfel grün halten können - niemand hat den Stein der Weisen, weder die Biologen des Nationalparks, noch deren Gegner, die heute spottend und drohend auftrumpfen. Und doch sollte man nicht vergessen, daß der Naturschutz nie das Hauptargument der Parkgegner war - demaskierend wirkt hier auch die Verhöhnung der Regener Lindenschützer - sondern sich halt als schneidendste Waffe erweist.

Gründliche Zeitungsleser werden sich daran erinnern, daß zuerst ganz andere Gründe gegen die Parkerweiterung angeführt wurden, etwa die Schachten offenzuhalten. Heute wird von den gleichen Leuten bezweifelt, daß auf den neuentstehenden Kahlflächen überhaupt wieder etwas wächst... Ich möchte auch daran erinnern, daß ein Herr Kerschbaum in einem Leserbrief 1995 durch den Park die Möglichkeit eines späteren Uranabbaus gefährdet sah...

Damit ließ sich verständlicherweise niemand gegen den Park mobilisieren. Da läßt sich mit der tiefsitzenden Angst der Menschen vor Insektenplagen schon mehr anfangen...

 

 

27.6.97 Abschied überdenken

LB an BB Zwiesel

Der Abschied von Forstchef Hubert Demmelbauer stimmt mich traurig, denn für mich war es lange Zeit das Selbstverständlichste der Welt, daß er auch einmal Chef des Nationalparks im Zwiesler Winkel sein würde. Da ich ihn als naturliebenden und besonnenen Menschen kenne, schien er mir die beste Gewähr dafür zu bieten, daß die Politikerversprechungen in Sachen Nationalpark auch erfüllt werden und daß der zukünftige Urwald auch "unser Wald" bleiben würde, grad so wie der Urwald am Höllbachgespreng. Auch die kritischen Töne, die später von Hubert Demmelbauer zur Parkerweiterung zu hören waren, bestärkten mich in meiner Auffassung, denn gerade diese kritische Haltung und Couragiertheit schienen mir ein Garant für einen weltoffeneren und bürgerfreundlichen Nationalpark zu sein, in dem die Lehren aus den Irrtümern und Fehlern des bestehenden Parkes gezogen würden.

 

 

19.6.97 Appell an die Lokalredaktion in Sachen Stadtplatzsperrung

Sehr geehrte Redaktion,

meinen letzten Leserbrief haben Sie mir ja wieder arg verstümmelt - neu überschrieben, ganze Sätze weggelassen und die Kürzungen nicht kenntlich gemacht - und Sie haben ihn erst nach 5 Tagen gedruckt , als den Lesern der Zusammenhang sicher nicht mehr geläufig war. Das heißt auch, daß 5 Tage lang der Vorwurf der Unwahrheit unwidersprochen im Raum stand.

Nun gebe ich aber zu, daß der Sinn meines LB trotzdem gut rüberkam und man auf die Auflassungen vielleicht wirklich verzichten konnte, mit einer Ausnahme, dem Hinweis auf die Verkehrsprobleme des Sägewerkes in der Hafnerstadt. Damit wollte ich eigentlich vorsichtig die Überlegungen auch in diese Richtung lenken, denn wurde schon einmal nachgefragt, ob nicht auch die die Inhaber des Sägewerks ein Interesse an einer Verkehrsanbindung an die Frauenauerstraße hat? Über ihren Plöcherplatz wäre das gut möglich, dann bliebe die Lohmannmühlstraße weitgehend vom Verkehr verschont. Oder wäre es nicht auch einen Versuch wert, dem Sägewerk ein Aussiedlungsangebot nach Fürhaupten zu machen, wo der Betrieb ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten hätte. Auf dem großen Plöcherplatz wäre einiges an vernünftiger Stadtentwicklung möglich (Umfahrung des Stadtplatzes, Parkplätze in unmittelbarer Stadtnähe, kurmäßige Anbindung der Uferzonen des Kleinen Regens.

Als normaler Bürger kann ich diese Dinge alle nicht prüfen, ich habe auch gar nicht die Zeit dazu. Sie als Presseleute könnten dagegen da einiges erkunden und verhindern, daß sich die Stadt da in etwas verennt, was nur Zeit, Nerven und Geld kostet und, was zu befürchten ist, noch jede Menge Zwietracht bringen wird.

Ich habe bislang die Stadtplatzsperrung nur aus verkehrsmäßiger Hinsicht behandelt, was sie sozial für Folgen hat, wenn die angestammten Verbindungen unterbrochen werden, das wäre auch einmal eine Betrachtung wert. Aber auch, ob der Stadtplatz überhaupt auf Grund seiner Topographie für das geeignet ist, was man machen will. Ein Urlauber rief mich kürzlich als Reaktion auf meinen Leserbrief an und wies darauf hin, daß allein das Gefälle sehr ungünstig sei für den beabsichtigten Zweck. Wörtlich:" da läuft ihnen ja das Bier aus dem Glas..". Sein ausführlich begründetes Urteil: Als Skihang geeignet, als gute Stube nicht." Der Urlauber war übrigens überhaupt nicht gegen eine Fußgängerzone, er riet uns zu den flacheren Plätzen um den Anger.

An diesen Argumenten ist sicher einiges dran. Ich habe 15 Jahre der Kneippkurstadt Bad Wörishofen, gelebt und kenne aus eigener Erfahrung, was sich bei uns noch entwickeln soll. Ich versichere Ihnen, da ist manches zu hinterfragen und über viele der vorgetragenen Hoffnungen kann ich nur lachen (oder weinen).

Z.B. ist Wörishofen - trotz größter Werbeanstrengungen - bis heute ein großes Altersheim geblieben. Nicht anders würde es bei uns, alleine schon wegen der vielen Behinderungen der Kurenden, eignet sich unser Stadtplatz als Kurzone überhaupt nicht.

Ich appelliere eindringlich an Sie, die Stadtentwicklung nicht den in Fraktionsdenken verstrickten Stadträten zu überlassen, sondern die Zwiesler Bürger über Hintergründe und Möglichkeiten zu informieren und auch viel mehr zu Wort kommen zu lassen.

 

 

19.6.97 Stadtplatzsperrung kein Umweltschutz

LB an BB zum LB von Stadtrat Günther, der mir vorwarf Wasser zu predigen und Wein zu trinken und nur aus Bequemlichkeit, um mit dem Auto über den Stadtplatz fahren zu können, gegen dessen Sperrung eintrete.

Das soll mir Herr Günther mal erklären, was die Stadtplatzsperrung mit Umweltschutz zu tun hat! Da ist unser Bürgermeister ehrlicher und begründet die Fußgängerzone mit erhofften wirtschaftlichen Vorteilen: "..um auf dem Tourismusmarkt besser bestehen zu können.., ...um uns von anderen Anbietern abzuheben."

Nein, mit ökologischen Argumente läßt sich die Sperrung der Zwiesler Hauptverbindung nicht begründen. Selbst wenn täglich nur hundert Autofahrer auf die ca. 7 km lange Umfahrungsstrecke (hin und zurück) ausweichen, ergibt das im Jahr über 250000 Mehrkilometer. Die Wirklichkeit wird aber viel höher liegen. Ich überlasse es den Spezialisten dies in Benzinverbrauch und Luftverschmutzung umzurechnen. Überhaupt - erst werden jahrelang beinah alle Einkaufsmöglichkeiten an den Ortsrand verlegt und der Stadtplatz systematisch seiner Zentrumsfunktion beraubt, nun soll plötzlich alles anders sein und die Leute sollen sehen, wie sie zu ihren gewohnten Einkaufsplätzen kommen ....

Auch mit seinem 2. Leserbrief ist Stadtrat Günther nicht auf meine Argumente eingegangen, dagegen versucht er es nun mit persönlicher Verunglimpfung.

Ich habe auf meine Leserbriefe zum Thema viele zustimmende Anrufe bekommen. Daß sich nur wenige Zwieseler in der Presse äußern, sagt wenig aus. Zudem haben viele die nicht unbegründete Sorge, daß es ihnen irgendwann einen persönlichen Nachteil bringen kann, wenn sie sich zu Wort melden, zumal es wieder einmal nicht mehr um die Sache, sondern ums Prinzip zu gehen scheint.

 

 

16.6.97 Alte Bäume sind Kostbarkeiten

Ich fahre fast täglich durch die Pfleggasse und freue mich über die alten Mauern und über die mächtige Linde darüber. Auch an dem markanten Ahorn, der einige Menschengenerationen lang der Nachbar der Linde war, habe ich mich immer gefreut, er war die reine Augenweide - bis man ihn vor zwei Jahren - aus nicht nachvollziehbaren Gründen fällte, ich trauere um ihn noch immer. Tröstlich, daß ein Stück weiter, an der Osserstraße, noch zwei markante Baumriesen stehen, hoffentlich noch lange! Wann werden die Menschen endlich begreifen, daß alte Bäume keine "Dinge" sind, derer man sich einfach entledigt! Wann werden sie begreifen, daß ein großer Laubbaum im Garten eine unbezahlbare Kostbarkeit ist, auf den man stolz sein kann, den für die Kinder zu erhalten eine wirkliche Aufgabe ist! Ein Baum, der im Sommer Schatten spendet und im Winter die Sonne durchläßt und einem filigran den Himmel gliedert, der die Luft filtert, Sauerstoff spendet und Vogelgesang, der die Jahreszeiten anzeigt und Verbindungsglied ist zwischen den Generationen. Nirgendwo kann man schöner sitzen, als unter einem alten Baum. Arm ist die schönste Stadt, ohne Baumpersönlichkeiten!

Hermann Hesse bezeichnete Bäume einmal als Heiligtümer. Für die alten Germanen waren sie der Sitz der Götter. Daß den heiligen Bonifatius, beim Umhauen der heiligen Eiche kein strafender Blitz streifte und ebensowenig alle Baumfrevler nach ihm, heißt nichts, denn alle haben sie sich selber gestraft, denn sie haben ihre Welt und damit sich selber ärmer gemacht.

Die große Linde der Pfleggasse - seitenfüllend in der Zeitung - das war eine Frühstücksüberraschung! Für mich ist das nun die Rücker-Linde! Lang möge sie noch leben!

 

 

13.6.97 Nachprüfbare Wahrheit

LB an BB

"Bitte bei der Wahrheit bleiben!" mahnte mich Herr Stadtrat Günther bzgl. meiner Kilometerangaben "übern Berg" in seinem Leserbrief. Ich habe für meinen Teil die Wahrheit geschrieben, für Herrn Günther kann aber offenbar nicht wahr sein, was nicht sein darf... Wenn es eines Beweises bedurft hatte, wie wenig das ganze Projekt durchdacht und vorbereitet ist, dann sollte der hiermit geliefert worden sein.

Nun will Herr Günther, wie auch jeder andere Stadtrat, das steht für mich völlig außer Frage, für Zwiesel das Beste. Nur im Fall der Stadtplatzsperrung scheint bei der Ratsmehrheit einfach der gute Wille mit ihnen durchgegangen zu sein. Daß sich die B11 auf Grund ihrer Ortsferne für die Umleitung des innerstädtischen Verkehrs nicht eignet, ist eigentlich ein alter Hut und hat seinerzeit auch die Diskussion über die Streckenführung bestimmt.

Wenn nun die Hauptverkehrsader von Zwiesel gesperrt wird, kommt es zum Infarkt. Praktisch würde mitten in der Stadt für alle Fahrzeuge eine Art Mauer entstehen, dessen Umfahrungstreckenlänge einfach absurd ist. (Was würde ein Regener vom Grubhügel sagen, wenn er zum Stadtplatz über Poschetsried fahren müßte?) Wenn ich mir vorstelle, daß ich bis an mein Lebensende über die Einsiedelei geschickt werden soll, wenn ich am Anger etwas besorgen will oder Richtung Krankenhaus oder Langdorf oder Bodenmais will, dann schreibe ich lieber noch einen Leserbrief und hoffe, daß die Räte sich doch noch einmal besinnen.

Die Anwohner des Lohmannmühlweges erschrecken natürlich zurecht bei dem Gedanken, daß man durch ihre Straße evtl. noch mehr Verkehr leiten will, denn bereits als man an ihr Ende ein Gewerbegebiet und Freizeitanlagen baute, hat man auf ihren Wohngebietscharakter überhaupt keine Rücksicht genommen. (Doch davon können viele Zwiesler Wohngebiete ein trauriges Lied singen...)

Die Verkehrssituation ist im Lohmannmühlweg überhaupt eine Katastrophe, als Sackstraße muß sich jeder Schwertransport und jeder Bus durch den Anger zwängen. Auch das Sägewerk in der Hafnerstadt hat für seine sperrigen Lieferungen alles andere als eine gute Verkehrsanbindung. Vielleicht sollte in dieser Richtung einmal überlegt werden, vielleicht können mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Gegen den Willen der Betroffenen sollte auf jeden Fall nichts geplant werden.

 

 

9.6.97 Übern Berg schicken?

LB an BB

Für eine Fußgängerzone muß die einfachste Voraussetzung erfüllt sein: die weitere Verbindung zwischen den Stadtteilen. Man kann nicht einfach die Hauptverkehrsstraße sperren und die Bürger, wollen sie die gewohnten städtischen Ziele erreichen, über einen Berg in der Umgebung schicken, hin und retour - je nach Strecke - 7 bis 9 Kilometer weit, wo zudem der Fernverkehr rollt. Das wäre sozial, verkehrs- und energiepolitisch ein Unding, vermutlich sogar Nötigung.

Die Macht, derartiges durchzupeitschen, kann man nicht aus den Kommunalwahlen ableiten, da werden Grundrechte berührt. Zudem ist es äußerst fraglich, ob dieses einem öffentlichen Wohl dienen kann, noch fraglicher ist es die Zustimmung der Bevölkerung aus einzelnen Interviews abzuleiten. Wer den Stadtplatz sperrt, ohne eine örtliche Umfahrung anzubieten, nimmt den Verkehrsinfarkt der Stadt in Kauf. Er ist auch dafür verantwortlich, wenn der Probebetrieb scheitert, ja scheitern muß, womit die Chance auf eine Fußgängerzone auf Jahre verspielt sein dürfte.

Mein Vorschlag: Erst einmal den Stadtplatz an den Sommerwochenenden sperren, in dieser Zeit einen Süd-Ost-Bypass einrichten (es gibt hier vielleicht nicht nur eine Möglichkeit), die Chance ergreifen, die sich auf dem Schottgelände ergibt und dort einen Handwerker- und Künstlerhof einrichten und die alte Hütte (bevor sie abgerissen wird!) als Veranstaltungshalle sichern und - die wunderschönen Flußzonen an Anlage, Anger, Binderanger, Bahnhofstraße und am Kleinen Regen gastronomisch und touristisch erschließen. Diese Fußgängerzonen - verbunden mit der Supermega-Fußgängerzone, unseren Wäldern, könnten dann in ein paar Jahren ihr I-Tüpfelchen bekommen: die Fußgängerzone am Stadtplatz...

 

 

8.6.97 Erst die Vorraussetzungen schaffen!

LB an BB, nicht abgeschickt

Aus Finsing und Schilda kennt man ja viele denkwürdige Geschichten, aus Zwiesel ist bislang nur jene bekannt, als die Zwiesler in den siebziger Jahren in einer Art Modernisierungsanfall aus ihrem gemütlichen und gepflasterten Stadtplatz eine Art Nürburgring machten. Doch dies soll nun rückgängig gemacht werden, was nur zu begrüßen ist: Teer raus, Pflaster rein, ach, wenn das Herr Fastner noch erleben könnte, der seinerzeit als einsamer Rufer in der Wüste um den alten Stadtplatz gekämpft hat...

Nun schickt sich der Zwiesler Stadtrat an, in seinem Wiedergutmachungsbestreben ein Kapitel anzufügen, daß man auch in Finsing und Schilda belustigt zur Kenntnis nehmen wird, denn nun soll die Hauptverbindungsstraße, der Stadtplatz, gesperrt werden und die Zwiesler müssen, wenn sie zueinander wollen und ihre angestammten Einkaufsziele erreichen, erst über einen Berg in der Umgebung fahren.... hin und retour - je nach Strecke - 7 bis 9 Kilometer weit...

Und warum? Weil die Zwieseler die ersten im Landkreis sein wollen, die eine Fußgängerzone besitzen, weil sie auf dem Stadtplatz einen Cappuccino trinken wollen, weil die Luft damit in Zwiesel besser werden soll... (Ich habe ausgerechnet, daß mir die Sadtplatzsperrung im Jahr etwa 3000 Kilometer mehr abnötigen würde!)

Menschlich, verkehrs- und energiepolitisch ist das ganze ein Unding. Erst tut man alles um dem Stadtplatz seinen Zentrumscharakter zu nehmen, degradiert ihn mit viel Teer zu einer Verbindungsstraße und legt die Einkaufsmöglichkeiten an den Ortsrand, nun soll mit einem Handstreich der Stadtplatz von heute auf morgen wieder das Zentrum sein.

Und trotzdem habe auch ich nichts gegen eine Fußgängerzone, wenn zuvor die einfachste Voraussetzung dafür geschaffen wird, nämlich die weitere Verbindung zwischen den Stadtteilen.

Wer die Fußgängerzone ohne diese Grundvorausetzungen durchpeitscht, ist dafür verantwortlich, wenn der Probebetrieb scheitert, ja scheitern muß, womit die Chance auf Jahre verspielt sein dürfte.

 

 

12.5.97 Für Mahnkreuze

LB an PNP

Manche bezeichnen es als Krieg, was täglich auf unseren Straßen passiert. In jedem Fall ist es ein irrwitziges Treiben, von dem nur ein kleiner Teil nötig und für unsere Wohlfahrt förderlich ist. Da verfrachten sich Menschen von A nach B, nur um die selbstverständlichsten Kontakte zu pflegen und ihre Existenz zu sichern. Was sich in alten Zeiten im engeren Lebensraum erledigen ließ, erfordert heute halbe Weltreisen. Die unsinnigsten Waren, die es oft am Zielort ausreichend gibt, werden quer durch Europa gekarrt: sogar Bäume, Steine, Biomasse. Dazu kommt die zunehmende Lagerhaltung auf Rädern und die alljährliche Massenflucht aus den unwirtlichen Industrieregionen in die Urlaubsgebiete. Manchmal ist es auch reines Unterwegssein aus Langeweile und Sinnsuche auf Felgen. Auf der Strecke bleibt vieles, tausende Verkehrstote und hundertausende Verletzte jedes Jahr. Mahnkreuze an den Todesstellen lassen uns manchmal kurz innehalten in unserer Raserei. Ich wünschte mir, für jeden Toten und Schwerverletzen würde uns ein Kreuz am Straßenrand bremsen. So würden unsere Highways als das kenntlich, was sie sind: Todeszonen.

 

 

27.4.97 Fehlende Alternativen

LB an BB

Unbestreitbar ist der Stadtplatz heute Zwiesels wichtigste Verkehrsader und die schwierige topografische Lage läßt kaum Raum für Umfahrungen. Die B11 ist für die innerstädtische Verkehrsentlastung nur wenig geeignet, einmal wegen seiner Ortsferne, zum zweiten wegen der starken Frequentierung als Transitstrecke, weswegen man während der Saison oft kaum in die Straße einfahren kann.

Und doch wünschen wir uns alle autofreie Bereiche in der Stadt. Der Stadtplatz kann das aber nur dann sein, wenn es verkehrsmäßig eine Alternative für ihn gibt.

Die Stadtplatzsperrung würde heute die südöstlichen Stadtteile von den westlichen richtiggehend abschneiden und sie wären nur noch über "halbe Weltreisen" zu erreichen. Ich habe es ausprobiert: vom Klotzer zum Krankenhaus sind es heute 2 km, über die Hammerbrücke sind es 4 km und über die B11 (Einfahrt Lichtenthal) sind es 5,5 km bzw. 6,5 km über die Einfahrt Lenau. Hin und zurück ergibt das eine Mehr von 4, 7 oder 9 Kilometern, was auch aus ökologischer Sicht ein Unding ist. Auch dem Prädikat "Luftkurort" wären solche verlängerten Wege sicher nicht förderlich.

Doch eine Stadtplatzsperrung würde die Stadt nicht nur verkehrsmäßig teilen, sondern auch menschlich.

Wer sich an das Verkehrschaos durch die Angerbaustelle im Sommer ´96 erinnert und die Rückstauungen bis in die Frauenauerstraße, der kann in etwa erahnen, was einmal an der Regener/Langdorferstraße los sein wird, wenn sich auch noch der Ost-Westverkehr hier durchzwängen muß. Vermutlich wird zu Stoßzeiten auch die Krankenhauszufahrt blockiert werden. Ohne einen weiteren "Bypass" für den Stadtplatz scheint mir die Stadtplatzsperrung - so wünschenswert sie wäre - nicht machbar zu sein.

 

 

21.3.97 Falsche Richtung

Leserbrief an BB-Regen

Die beabsichtigte Heraufsetzung der Leerung der Restmülltonnen auf einen 4-Wocherhythmus, würde die Leistung gegenüber 1996 um 75 Prozent reduzieren, bei gleichem Preis, wohlgemerkt. Doch es geht noch weiter. Ab 1.4. ist für jedes Sperrmüllstück extra zu bezahlen und die Landwirte müssen nun für ihre Altfolien blechen. Nun sind wir soweit, daß man für jedes Ding zweimal bezahlen muß, bei der Anschaffung und bei der "Entsorgung". Ehrlicher wäre es aber, wenn der wirkliche Preis einer Sache beim Neukauf erkennbar wäre und so die Kaufentscheidung beeinflussen könnte. Dies würde die Wirtschaft unmittelbar anregen, günstig zu entsorgende Produkte und wenig Verpackungsmüll zu verwenden, um die Preise niedrig zu halten. Die jetzige "Entsorgungsbezahlung" werden die Menschen zu vermeiden suchen und die umweltschädlichen heimlichen "Entsorgungen" sind ja bereits wieder Realität und durch keine Überwachung und Strafandrohung zu vermeiden.

Mittlerweile wird wohl jeder erkennen, daß uns die Zentralisierung und Monopolisierung der Müllwirtschaft teuer zu stehen kommt. Wobei man der ZAW oder AWG (wegen ihres schlechten Images müssen die drei Buchstaben offenbar öfter gewechselt werden...) im Ernst keine Vorwürfe machen kann, denn sie tut nur, was jedes Unternehmen tut - sehen, wie man für möglichst geringen Einsatz ein Optimum an Gewinn erzielt.

Statt seinerzeit die Müllproplematik ursächlich anzugehen (Müllvermeidung an der Quelle) und die Bürger in den Gemeinden zur Kreislaufwirtschaft zu erziehen, übergab man alles an den großen Bruder ZAW, der sogar die Kompostwirtschaft zentralisierte, was eine energie- und verkehrspolitische Verrücktheit sondergleichen ist, wenn man die Biomasse aus mehreren Landkreisen zusammenkarrt. (Vom belasteten Endprodukt, das kaum zu vermarkten sein wird, gar nicht zu reden). Der nächste Schildbürgerstreich, der Müllofen für eine halbe Milliarde Mark, wird schon vorbereitet. Auch hier wird es uns gehen wie heute beim Wasser: Sparsamkeit steigert den Preis. Um die teuere Investition abzubezahlen und den Müllofen zu füttern, wird Müllvermeidung mit Sicherheit durch Kostenerhöhung bestraft werden. Ich glaube, unsere Müllpolitik läuft in die total verkehrte Richtung!

 

 

4.3.97 Üble Sprüche

Leserbrief an PNP

Zur Kritik von Herrn S. zum Sozialwort vom Bischof vom 4.3.97

Herr S. bezeichnet unser Sozialsystem als "menschenfeindlich" und als Schmarotzerpflanze. Mit diesem Begriff sollte man sehr vorsichtig sein, denn wer zwei Ecken weiterdenkt, wird ihn wohl auf die ganze Menschheit ausdehnen müssen. Zudem scheint vor allem die Wirtschaft in dieser Disziplin besonders fit zu sein, denn sie versteht es meisterhaft sich ihre Rahmenbedingungen und Verluste von der Gemeinschaft bezahlen zu lassen. Dies gilt auch für die Folgelasten und Schäden, die sie anrichtet, diese werden "sozialisiert", die Gewinne dagegen privatisiert.

Im übrigen: Wirtschaft und Staat sind kein Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck. Zweck muß immer die Wohlfahrt der Menschen sein. Und die Größe einer Kulturnation zeigt sich nicht darin, wieviel seine Unternehmer verdienen, sondern wie sie sich um ihre Schwachen und Hilfebedürftigen kümmert.

 

 

5.2.97 Tierfriedhof Mensch

LB an PNP

Eigentlich ist das ja Stoff für einen Horrorfilm: tote Tiere werden zermahlen und getrocknet und dann an Nutztiere verfüttert, jene wiederum verzehrt der Mensch.

Der Rohstoff dieses Leichenmehls sind nicht nur Schlachtabfälle, sondern auch Kadaver von kranken und verendeten Tieren, eingeschläferten Haustieren wie Hunden und Katzen. Selbst wenn durch die Hitzebehandlung alle Krankheitserreger abgetötet werden sollten (was widerlegt wurde!), was ist mit den Leichengiften, den Medikamenten, den geballten Rückständen aller Art? Es ist nicht nur unappetitlich, es ist eine Perversität, wenn man Hühner, Puten, Fische und Schweine (von Wiederkäuern gar nicht zu reden) zu Aaßfressern macht und den Menschen zum Ober-Aaßesser und de facto zur Enddeponie dieses grausigen Treibens.

Und selbst heute, nach den Erfahrungen mit BSE und CFJ wird dieses Sondermüll-Recyling nicht unterbunden. Bauernchef Schallmoser verteidigt diese Praxis sogar noch immer. Alleine weil Rinder das Leichenmehl nicht gut verwerten, will er es ín den Kuhställen nicht haben. Seine merkantile Weltsicht zeigt sich auch in jenem Spruch, in dem er nur wirtschaftlich verwertbaren Tieren ein Lebensrecht einräumt. Da kann man nur hoffen, daß er falsch zitiert wurde...

 

 

31.1.97 Moderne Tieropfer

Leserbrief an PNP zur geforderten Massenschlachtung von Rindern vom 30.1.

Die Massentötungen der gesunden Rinder sind so barbarisch wie einfältig und nichts als populistischer Aktionismus. Eine Krankheit kann man nicht "ausrotten", in dem man irgendwo blind hindrischt, man kann sie nur eindämmen, indem man ihre Ursachen bekämpft. Doch wo sind die Maßnahmen gegen die krankmachende Massentierhaltung mit ihren teilweise artfremden Futtermitteln und ihrer Dauermedikamentierung? Hat Herr Seehofer je gegen die bodenvergiftende Agrarchemie, oder die giftresistenten Gen-Produkte gewettert? Passiert hier nichts, weil die Wirtschaft zu einem guten Teil vom Schaden lebt? Die armen Zottelrinder scheinen auf jeden Fall nur moderne Opfertiere zu sein, die man dem Götzen EU darbringt, um vom tiefen Sumpf abzulenken, auf dem wir uns alle bewegen.

 

 

16.1.97 Liebe Tante Carolin vom Fernsehen!

Kolumne zur Bemerkung der TV-Moderatorin Carolin Reiber über Zwiesels "Charm der 50iger Jahre"

Du hast es sicher nett gemeint, doch es hat so weh getan, Deine Bemerkung vom "Charme der 50 iger Jahre"! Du kannst Dir gar nicht vorstellen, was wir alles angestellt haben, in den letzen 25 Jahren um modern zu werden und das nicht mehr zu haben, was Du nun zu finden glaubtest! Wir haben Zwiesel fast im wunderschönen Asphalt ertränkt, auch rundherum, schau Dir nur mal unsre moderne Highway an! Wir haben alle Winkel und Ecken in der Stadt abgetragen, die altmodischen großen Bäume gefällt, und überhaupt, zähl mal unsere Ampeln und unsere Supermärkte! Nix 50iger Jahre, wir haben den Standart von 2050! Und unsere gute Stube, den Stadtplatz, den reißen wir nun zum Dritten Mal um. 50iger Jahre! Denkste! Damals war alles gepflastert und gemütlich und absolut altmodisch. Also haben wir alles alles zugeteert, vor ein paar Jahren haben wir wieder ein bißchen was gepflastert und bald pflastern wir wieder alles! Da wirst schauen! Was? Du meinst: "dann hätten wir ja gar alles lassen können wie es war?"

 

 

11.1.97 Arbeitslosigkeit und Globalisierung

Leserbrief an PNP

Immer mehr Waren werden mit immer weniger Menschen produziert. Selbst 2 Prozent Wachstum bringen noch keine neuen Arbeitsplätze. Und doch tischen uns Politiker noch immer die uralte Mär von der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch mehr Wachstum auf, während gleichzeitig der Mensch als Produktionsfaktor systematisch zurückgedrängt und sein Ersatz durch Maschinen und Automaten massiv gefördert wird. (Wir finanzieren unser eigenes Schafott).

Spätestens hier verweisen Politiker auf den Zwang zur Globalisierung der Wirtschaft und die dadurch entstehende Konkurrenzsituation mit Billiglohnländern, wo ohne soziale und ökologische Rücksicht produziert wird (häufig sogar durch unsere eigenen Firmen!).

Doch dieser Zwang gehört dringend hinterfragt, denn die "Globalisierung" ist kein Fortschritt, sondern ein beschönigendes Wort für einen nie dagewesenen Wirtschaftskrieg, der gegen die allermeisten Menschen auf dieser Erde und gegen die Natur geführt wird.

 

 

12.12.96 Waldsterben und Verkehr

Daß es noch Wald gibt, ist ganz sicher nicht unseren Umweltschutzmaßnahmen zu verdanken, denn geschehen ist nur etwas in den Bereichen, in denen sich etwas verdienen ließ, bei den Katalysatoren, beim Recycling oder beim Bau von Großanlagen, deren Einzugsbereich verkehrs- und energiepolitisch ein Irrsinn ist.

Der Moloch Straßenverkehr ist so immer weiter gewachsen und was heute unnütz über unsere Straßen gekarrt wird, spottet jeder Beschreibung. Steine, Bäume und sogar das Bier kommen von weit her zu uns, wenn das kein "Eulen nach Athen tragen ist!"

Post und Bahn transportieren heute auf Lastzügen, was früher auf der Schiene lief und durch ihre Zentralisierung werden Briefe und Frachtgut erst einmal für eine ganze Region zentral gesammelt, um dann wieder verteilt zu werden. Behinderte erst ein auslieferndes Paketauto den Verkehr, sind es durch die Privatiserung heute mehrere, die dieselbe Strecke beliefern. Grünmasse und Lebensmittelreste werden aus mehreren Landkreisen zusammengekarrt, statt sie dezentral wie eh und je zu verfüttern oder verrotten zu lassen. Schwertransporte bringen selbst Steine und Holz zu uns, wovon wir ja wirklich genug haben, viele Großfirmen haben heute rollende Läger und verstopfen damit die Straßen, die spezialisierte Landwirtschaft holt sich ihre Futtermittel von weit her usw. Doch auch der Individualverkehr verstopft die Straßen und verpestet die Luft, immer protzigere und schnellere Autos zockeln in den immer längeren Kolonnen, das Dreiliterauto gibt es nur in den Sonntagsreden der Politiker.

Viel der Luftverschmutzung ist Begleiterscheinung unserer Wirtschaft, die erst durch die Produktion des Überflüssigen floriert. Solange es sich lohnt, Waren über immer weitere Strecken zu transportieren, wird sich auch nichts verbessern. Und was sich heute an Luftverschmutzung über den Wolken abspielt, ist die blanke Barbarei!

Die unmittelbarste Gefahr für unsere Region (für den Wald und uns Menschen!) ist aber der wachsende Transitverkehr, wir ahnen langsam, was die armen Tiroler auszuhalten haben. Vermutlich werden die so sehnlichst erwartenden Ortsumgehungen noch mehr Verkehr anziehen, ebenso wäre es, würde eine weitere Einfallstraße in den "Woid" über Hangenleithen gebaut. Es sollte nicht vergessen werden, daß es unsere einheimische Wirtschaft ist, die den Grenzübergang auch für schwere Lastzüge öffnen möchte (und zunehmend ihre Produktion ins billigere Böhmen verlagert.) Wer über das Waldsterben redet, muß auf diese Zusammenhänge schauen und nicht gebannt auf den Borkenkäfer starren.

 

 

9.12.96 In der Bredouille, dulje

3. Entwurf eines Leserbriefes zur Diskussion über das Waldsterben in Regen

Das Ökologie und Ökonomie kein Gegensatz sein müssen, hört man immer wieder, ach, wie gerne würde ich daran glauben! Doch schon beim Waldsterben sieht es anders aus. Über achthundert Forschungsprogrammen sollten seit 1982 die Ursachen des Waldsterbens ermitteln, doch bestätigten sie nur, was man vorher schon wußte: daß die Natur die Folgen unseres Wirtschaftens nicht mehr verkraftet. Die Wälder sterben weltweit, ob wir sie absichtlich oder versehentlich zerstörten, wird unseren Enkeln einmal egal sein.

An Umweltschutz, das hat sich überdeutlich gezeigt, hat die Wirtschaft nur Interesse, wenn sie daran verdienen kann, wie im Falle der Katalysatoren, beim Großanlagenbau und beim Recycling. Am "Drei-Literauto", haltbaren Gütern und regionalem Wirtschaften zeigt sie offensichtlich wenig Interesse. Doch wie kann es anders sein in einer Welt, der es anscheinend nur dann gut geht, wenn immer mehr Waren verkauft werden, die eigentlich niemand braucht.

Wo wird eigentlich unsere Zukunft bestimmt, in den Parlamenten oder an den Börsen? Mir scheint, die Politik begnügt sich meist damit der Wirtschaft ihre Narrenfreiheit zu sichern.

Und doch steht und fällt unsere Existenz - damit auch die der Wirtschaft - mit der Lebensfähigkeit unseres biologischen Systems. Die Wirtschaft darf ihm nicht mehr zumuten, als es verkraftet dies scheint

sowieso einen ganze Menge zu sein.

Die Weichen müssen dringend umgestellt werden, auf sinn- und maßvolle Produktion. Es ist kein Widerspruch, im Kopf Weltbürger zu sein und doch den nötigen Güteraustausch auf das Unverzichtbare zu beschränken. Doch läuft heute alles genau in die entgegengesetzte Richtung. Vermutlich wird die Donau eher in den Regen fließen, als daß die Weltwirtschaft von alleine vernünftig wird.

Doch wem nützt es, wenn wir verzweifeln und jammern? Niemand, also jodeln wir lieber über die Bredouille, in der wir stecken: Dulje!

 

 

1.12.96 Noch viel Umdenken nötig

1. Entwurf eines Leserbriefes zur Diskussion über das Waldsterben in Regen

Verbesserungen zur Luftschadstoffminderung gab es m. E. nur in Bereichen, wo sich etwas verdienen ließ, wie etwa bei den Katalysatoren. Man schaue sich nur die deutsche Automobilproduktion an: immer schnellere und protzigere Modelle werden angeboten, vom Dreiliterauto wird nur geredet. Überhaupt scheinen mir die Leute keinen Deut umweltbewußter geworden zu sein, eher im Gegenteil. Der Wald ist - trotz allem Kasandrarufen - noch immer grün, und so machen alle weiter wie bisher.

Unsere Verkehrssituation hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Auf unseren Straßen herrscht Krieg, habe ich neulich gelesen. Und so etwas ähnliches ist es wohl, was sich etwa auf der B11 täglich abspielt, Krieg der Menschen untereinander und gegen den Wald.

Alleine unser Warenverkehr ist ein Irrsinn! Waren werden in gigantischem Ausmaß hin und hergekarrt, ohne nach dem Nutzen für die Menschen zu fragen, nur dem Gesetz des Verdienens gehorchend. (Sogar Holz und Steine, mit denen wir ja wirklich gesegnet sind, kommen von überall zu uns.) Doch Produktion und Handel auf sinnvolle Güter zu beschränken, scheint unmöglich zu sein, abgesehen von der Definition von "sinnvoll" ...

Aber selbst viele Großprojekte im Umweltbereich dienen weniger der Natur als der Wirtschaft. Ein aktuelles Beispiel: Die Natur erzeugt ihre Güter dezentral und läßt sie auch dezentral verrotten, wir karren die Biomasse aus mehreren Landkreisen zusammen und füttern damit großtechnische sündteure Kompostierwerke, was zumindest energie- und verkehrspolitisch wenig vernünftig zu sein scheint.

Oder die Zentralisierung bei Post und Bahn! Jeder Brief von Zwiesel nach Flanitz kommt erst einmal nach Straubing, jedes Stückgut der Bahn nach Regensburg oder Nürnberg - und fast immer über die Straße!

Doch nicht nur überflüssiger Warentransport verstopft unsere Straßen und vergiftet die Luft, für viele Menschen ist das Auto nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern Selbstzweck, Unterwegssein ihr Lebensinhalt. Ich spreche gar nicht von den vielen notwendigen Fahrten, denn in unserer modernen Welt sind (leider) die Bereiche Wohnen, Erholen und Arbeiten für die meisten von uns getrennt und die sozialen Beziehungen in alle Winde verweht, so daß praktisch jeder sein Transportproblem hat.

Aber auch politische Vorgaben verstopfen die Straßen: wer nicht bereit ist einen mehrstündigen täglichen Fahrweg zu akzeptieren, verliert seine Ansprüche auf Arbeitslosengeld. Man könnte die Aufzählungen unserer Verrücktheiten seitenweise fortsetzen.

Erfreulich, daß bei der Diskussion in Regen auch der maßlose Flugverkehr als Waldvernichter genannt wurde. Auch wenn dies die Fernurlauber ungern hören: was heute an Kerosin in großer Höhe verbrannt wird, ist sicher um einiges mehr, als die Biosphäre dieses kleinen blauen Planeten verkraften kann.

Bei der Aufzählung der Verursacher des Waldsterbens scheint mir die Landwirtschaft vergessen worden zu sein. Seit 1981 sprechen Wissenschaftler davon, daß etwa ein Drittel des Waldsterbens durch den Ammoniakeintrag aus der Landwirtschaft verursacht wird.

 

 

Noch viel Umdenken nötig

2. Entwurf eines Leserbriefes zur Diskussion über das Waldsterben in Regen

Wie kann man ernsthaft von Wesen, die nicht einmal auf sich selber Rücksicht nehmen, erwarten, daß sie auf Bäume Rücksicht nehmen? Noch dazu, wo den meisten von ihnen jeder Bezug zur Natur fehlt. Zudem sind wir Menschen Augenwesen und froh, wenn wir unseren Alltag meistern.

Die meisten Menschen nehmen nicht einmal auf sich selber Rücksicht und behandeln ihren Körper so, als hätten sie noch ein paar in Reserve. Wie sollen derartige Wesen Rücksicht auf Bäume nehmen können? Oder gar auf etwas Unsichtbares wie die Luft?

Würde uns jemand Dreck in die Suppe schütten - wie würden wir uns erregen, doch verdreckt uns einer die Atemluft - unser wichtigstes Lebensmittel - wir sind gewohnt, daß es so ist.

Hand aufs Herz, was außer der Katalysatortechnik ist wirklich durchgesetzt worden?

Alleine unser Warenverkehr ist ein Irrsinn! Güter werden in gigantischem Ausmaß hin und hergekarrt, ohne nach dem Nutzen für die Menschen zu fragen, nur dem Gesetz des Verdienens gehorchend. (Sogar Steine, mit denen wir ja wirklich gesegnet sind, kommen von überall zu uns und führen zum Schließen unserer Steinbrüche.)

Diese gigantische Verschwendung von Energie und Rohstoffen und die damit verbundene Vergiftung der Biosphäre kann so nicht weitergehen, denn spätestens wenn die Massen in der Dritten Welt ähnliches für sich fordern, wird die Natur noch mehr entgleisen.

Doch nicht nur überflüssiger Warentransport verstopft unsere Straßen und vergiftet die Luft, denn für viele Menschen ist das Auto nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern Selbstzweck, Unterwegssein ihr Lebensinhalt. Ich spreche gar nicht von den vielen notwendigen Fahrten, denn in unserer modernen Welt sind (leider) die Bereiche Wohnen, Erholen und Arbeiten für die meisten von uns getrennt und die sozialen Beziehungen in alle Winde verweht, so daß praktisch jeder sein Transportproblem hat.

Erfreulich, daß bei der Diskussion in Regen auch der maßlose Flugverkehr als Waldvernichter genannt wurde. Auch wenn dies die Fernurlauber ungern hören: was heute an Kerosin in großer Höhe verbrannt wird, ist sicher um einiges mehr, als die Biosphäre dieses kleinen blauen Planeten verkraften kann.

Bei der Aufzählung der Verursacher des Waldsterbens scheint mir die Landwirtschaft vergessen worden zu sein. Seit 1981 sprechen Wissenschaftler davon, daß etwa ein Drittel des Waldsterbens durch den Ammoniakeintrag aus der Landwirtschaft verursacht wird.

 

 

Was das Waldsterben mit Wirtschaft zu tun hat

3. Entwurf eines Leserbriefes zur Diskussion über das Waldsterben in Regen

Wer über das Waldsterben reden will, kommt nicht daran vorbei über unser Wirtschaften zu reden. Über achthundert Forschungsprogrammen sollten seit 1982 die Ursachen des Waldsterbens ermitteln, doch konnten sie nur bestätigen, was man vorher schon wußte: daß die Natur die Folgen unseres Wirtschaftens nicht mehr verkraftet. Die Warnungen des "Club of Rome" oder von Herbert Gruhl u.a. vor zwanzig Jahren haben zu keiner Kursänderung geführt. Die Wälder sterben weltweit, ob wir sie absichtlich oder versehentlich zerstörten, wird unseren Enkeln einmal egal sein.

An Umweltschutz, das haben wir gesehen, hat die Wirtschaft nur Interesse, wenn sie daran verdienen kann, wie im Falle der Katalysatoren und beim Recycling. Ein Phantast ist, wer daran glaubt, daß die Wirtschaft darüber hinaus Interesse haben kann, dieses hat sie nur, wo Gewinne locken. Das "Drei-Literauto", haltbare Güter und regionales Wirtschaften gehören ganz offensichtlich nicht dazu.

Doch wie soll es besser werden, wenn nicht Vernunft und Maß die Zukunft bestimmen sondern Spekulantentum an den Börsen? Die Politik begnügt sich offenbar damit dieses verrückte Treiben abzusichern und ihm einen günstigen Rahmen zu bieten.

Und doch steht und fällt alles mit der Lebensfähigkeit unseres biologischen Systems. Die Weichen müssen dringend umgestellt werden, auf sinn- und maßvolle Produktion. Es ist kein Widerspruch, im Kopf Weltbürger zu sein und doch den nötigen Güteraustausch auf das Unverzichtbare zu beschränken. Doch läuft heute alles genau in die entgegengesetzte Richtung. Vermutlich wird die Donau eher in den Regen fließen, als daß die Weltwirtschaft von alleine vernünftig wird.

 

 

7.11.96 Lärm ist grausam!

Leserbrief an den BB

Damit kein Mißverständnis entsteht: der Erhalt der Nebenbahnstrcken hat meine volle Sympathie, wenngleich ich Zweifel habe, ob sich die leeren Wagen außerhalb von Saison Schul- und Berufsverkehr füllen lassen. Aber auch hier wünsche ich der Regentalbahn wirtschaftlich alles Gute. Was mich heute zum Schreiben bewegt, ist der Höllenlärm, den die Triebwagen zu nachtschlafender Zeit vollbringen. Die Fanfaren von Jericho sind zweifellos ein Dreck gegen die Pfeifen der Triebwagen. Nun wohne ich vierhundert Meter von der Bahn entfernt, doch der gräßliche Pfeiton dringt durch die Mauern in die Wohnung und raubt einem Schlaf und Nerven. Von Leuten, die gleich neben der Bahnlinie wohnen weiß ich, daß es sie regelmäßig einen halben Meter im Bett hebt...

Jedem Straßenverkehrsteilnehmer ist innerörtlich der Gebrauch seiner Hupe verboten, doch der Triebwagen muß an Bahnübergängen pfeifen, die fünfmal im Jahr von anwohnenen Landwirten gebraucht werden. Es scheint mir - etwa zwischen Lohmannmühle und Lichtenthal - überfällig zu sein, daß die durch den Straßen- und Gewerbebau geschaffenen Tatsachen auch von der Bahn registriert und die Pfeifgebote kritisch überprüft werden. Ein weiterer Vorschlag: sonorer klingende Nebelhörner, kurzes Hupen und halbe Lautstärke!

 

 

20.10.96 Alte Schulden

Der Abbau sozialer Leistungen auf breiter Front wird von der Politik mit notwendigen Einsparungen begründet. Es wird der Eindruck erweckt, als würden wir heute so sehr über unsere Verhältnisse leben. Ökologisch stimmt das auch, aber mein Thema ist nicht der Natur- sondern der Staatshaushalt. Wer genau hinsieht erkennt, das ein Viertel der Ausgaben Schuldendienst ist. Die dahinter steckenden gigantischen Schulden stammen überwiegend aus Zeiten, als man sich im "Wettbewerb" mit dem gesellschaftlichen Konkurrenzmodell im Osten befand und den Menschen dort beweisen wollte, daß man im kapitalistischen Westen den Sozialismus in jeder Hinsicht, ob im Straßenbau oder bei sozialen Leistungen, um Längen übertrifft.

Ein weiterer großer Batzen der Staatsschulden sind Folgekosten des Kalten Krieges, insbesondere der damit verbundenen wahnsinnigen Rüstungsausgaben.

 

 

15.10.96 Alles bio?

3. Leserbrief zur Eröffnung der Großkompostieranlage in Poschetsried (nicht abgeschickt)

CSU-General Huber in Eggenfelden: Warum sagte uns denn keiner, daß man die Donau auch mit geringem Aufwand schiffbar machen kann! Dieser Ausspruch zeigt, daß manche Politiker sich als Ratgeber offenbar nur solche suchen, die an kostspieligen Lösungen verdienen wollen.

Bei der Müllverbrennungsanlage scheint es ähnlich zu sein. Statt mitzuhelfen Müll, durch politische Vorgaben, ernsthaft an der Quelle zu reduzieren, läßt man sich von der Industrie einen überdimensionierten Müllofen für über 300 Millionen Mark aufschwatzen.

Weiteres Beispiel: die neuen hochgelobten Großkompostierwerke der ZAW! Soll es ein Fortschritt sein, wenn man mit riesigem Energieaufwand die biologischen Abfälle aus mehreren Landkreisen zusammenkarrt? Das ist doch wohl eher energie- und verkehrspolitischer Irrsinn! Die Natur produziert ihre Güter dezentral und wir lassen sie zentralistisch in großindustrieellen, zig Millionen teueren Anlagen verrotten! Statt die Eigenkompostierung und die Nutztierhaltung zu fördern, oder kommunale Kompostplätze einzurichten und bei den Menschen wieder ein Bewußtsein für die natürlichen Kreisläufe zu schaffen, entfremdet man sie diesen immer mehr.

Im übrigen läßt sich leicht prophezeien, daß es dem Biotonnenkompost wohl gehen wird, wie mit dem Klärschlamm, denn aus den belasteten Resten vom Ende der Nahrungskette und dem Grasschnitt von Straßenrändern usw., kann kein "Bio- Kompost" entstehen.

 

 

14.9.96 Zentralistischer Kompost

2. Leserbrief zum Artikel über den Probelauf der Großkompostieranlage vom 11.9.96

Nicht abgeschickt

Das einzige System, das sich in Jahrmillionen bewährt hat, ist das biologische, und das funktioniert dezentral. Der Mensch, in seiner Einfalt, setzt immer noch auf zentrale großtechnische Systeme, obwohl sie überall scheitern. Ob in der Politik, ob bei Bahn oder Post - überall spürt man denselben Geist. Nun auch beim Kompostieren! Die Natur erzeugt ihre Produkte dezentral, verrotten müssen sie nun aber zentral in Poschetsried!

Man mag sich gar nicht ausmalen, mit welchem Aufwand die Biomasse aus mehreren Landkreisen zusammengekarrt und später wieder verteilt werden muß! Energie- und verkehrspolitisch ist das Projekt ein Irrsinn, gut ist es alleine für die Wirtschaft.

Doch es gibt auch ein Qualitätsproblem. Als erfahrener Kompostierer würde ich niemals Biomasse unbekannter Herkunft verwenden, denn zu groß ist die Gefahr, durch giftbelastetes Material die kostbare Gartenerde zu verseuchen und über angebaute Nahrungspflanzen sich selber und seine Angehörigen. In einer Großkompostieranlage dagegen wird alles angelandet: verseuchter Grasschnitt von Straßenrändern, gespritzte Schalen von Südfrüchten, Kehricht, ja alles eben, was man los sein will.

Aus diesem Cocktail wird schöner schwarzer Kompost entstehen, der aber vermutlich dort landen wird, wo der Klärschlamm landen soll: auf der Sondermülldeponie oder in der Verbrennungsanlage. (Wird vielleicht deshalb die überdimensionierte Müllverbrennungsanlage so vehement durchgepeitscht?)

Ökologisch und pädagogisch sinnvoll wäre es gewesen, die Menschen zum eigenen Kompostieren zu ermuntern, um sie wieder an den Naturkreislauf heranzuführen. Für die gartenlosen Bürger hätte man überschaubare wohnnahe kommunale Kompostanlagen einrichten können. So wäre ein Vielfaches an Arbeitsplätzen entstanden!

 

 

5.7.96 Alles Fudschi?

Leserbrief an BB zur Berichterstattung über die umstrittene ZAW- Reise der Verbandsräte nach Japan und über die größte Baustelle im Landkreis.

Einen Müllofen für 450 Millionen, ein Kompostierwerk für 36 Millionen - da sind die 40000 Mark für die Japantour ja wirklich nur Peanuts! Klar ist, wer dies alles bezahlen muß und ebenso klar, daß sich die Müllfirma etwas davon verspricht, wenn sie ihren politischen Kontrolleuren den Fudschijama zeigt... Doch das ist nicht mein Thema, ebensowenig, daß der Blick in einen japanischen Müllofen keine Erleuchtung bringen wird. Um zu erkennen, ob die Großprojekte der ZAW sinnvoll sind, muß man nicht reisen, denn an den fünf Fingern kann man sich abzählen, daß da einiges in die falsche Richtung läuft.

Was soll eigentlich noch brennen am Restmüll, nachdem die Wertstoffe ordnungsgemäß getrennt und recycelt wurden? Reichen die giftigen Möbel, Wand- und Bodenbeläge, die PCB-getränkten Holzdecken, Fenster und Balkone zum Betrieb des Ofens wirklich aus? Ja und darf dieses Zeug überhaupt verbrannt werden? Oder verbrennt man dann ehrlicherweise das gesammelte Plastik und Papier bei uns und nicht mehr in Osteuropa? Und was soll erst in Zukunft noch brennen, wenn die Politik einmal ernst macht mit der Müllvermeidung?

Doch wenn erst einmal ein Müllofen für eine halbe Milliarde Mark gebaut ist, dann werden wir ihn auch füttern müssen, Müllvermeidung ade. Und wenn wir keinen Müll haben? Dann müssen wir für die leere Mülltonne Gebühren zahlen, denn es besteht Anschlußzwang. Mit so einem Monopol läßt es sich leben - als Müllfirma...

 

 

26.3.96 Verkorkste Landwirtschaft

Kraftfutter für Rinder, dem gemahlene Tierkadaver zugemischt wurden, sollen für die Rinderseuche verantwortlich sein. Daß muß man sich vorstellen, da werden Pflanzenfresser mit verseuchtem Leichenmehl gefüttert und die Menschen bekommen dann die so erzeugten Milchprodukte und das Fleisch auf den Tisch! Hier muß angesetzt werden, nicht erst beim Handel der Rinder! Wer kann heute ausschließen, daß sich auch außerhalb Britanniens ähnlich perverse Zutaten in den Kraftfuttermischungen befinden?

Die Problematik geht also viel tiefer und wer Sicherheit verspricht ist ein Tor. Die Wurzeln des Problems liegen in nicht artgemäßer Tierhaltung und in der "modernen", nicht mehr flächengebundenen Landwirtschaft, wo einer das Futter mischt und liefert und der andere die Tiere hält. Wer diesen gordischen Knoten löst, bekämpft nebenbei auch die Hungersnöte in der 3. Welt, auf deren Böden heute die Zutaten für unsere Steaks wachsen und verringert die maßlos gewachsenen Güllemengen, die das Grundwasser belasten und deren Ammoniak die Wälder mit tötet.

 

 

8.3.96 Private Interessen

Die Erweiterung des Nationalparks ist eine großartige Sache, diese Chance abzulehnen wäre zum Schaden für die ganze Region.

Beinahe sämtliche Argumente der Gegner wurden in den letzten Monaten entkräftet, doch ihre Wortführer werden nicht müde, immer neue an den Haaren herbeizuziehen. Unredlich ist das Ganze, wenn man weiß, daß es in Wirklichkeit nur um ein paar private Interessen geht, etwa den Verlust von Jagdrevieren, die aber so nie ausgesprochen werden.

 

 

8.3.96 Verordnete Tierquälerei

Leserbrief an den BB-Regen zum Bericht über die Schafhalterversammlung in Rinchnach

Der Zeitung entnehme ich, daß ein neues Gesetz verlangt, Rindern, Schafen und Ziegen eine Erkennungsmarke ins Ohr zu zwicken. Offenbar eine neue Idee von Euro-Bürokraten, die alles erfassen und reglementieren wollen. Unter dem Deckmantel von "Seuchenschutz" wird wieder ein Stückchen Freiheit geopfert und der Warencharakter von Tieren unterstrichen. Wenn sich diese herzlosen Schreibtischtäter nur selber einen Ohr- oder Nasenring verpassen würden, daß man sie leichter erkennen könnte! Wer hat sie je an die großen Verseuchungen und Mißstände herangehen sehen, etwa an die systematischen Vergiftung des Mutterbodens durch die Intensivlandwirtschaft oder die himmelschreienden Haltungsbedingungen von "Nutztieren" in den Agrarfabriken, also an der Quelle von Krankheiten und Seuchen?

Ich fordere alle muhenden, blöckenden und meckernden Zeitgenossen auf, sich zu widersetzen! Wenn ein Bürokrat mit der Zwickzange kommt- nehmt ihn auf die Hörner!

 

 

1.3.96 Tiefe Wurzeln

Leserbrief an PNP zum Bericht vom "Deutschland hinterläßt zu viele Spuren in der Welt"

Bei den Tieren kann man es beobachten: Wenn sie die Wahl haben, bevorzugen sie erst den gefüllten fremden Trog und zur Kotablage die fremde Stallecke. Wir Menschen sind in der Masse keinen Deut anders, wir grasen fremde Weiden ab und hinterlassen unseren Dreck in der ganzen Welt.  Sind die meisten Menschen schon unfähig für sich und das eigene Revier Verantwortung zu übernehmen, wie sollten sie fähig sein verantwortungsvoll über den Äquator zu sehen?

Unser Wirtschaften wir heute nicht von Sinn und Nutzen geleitet, sondern alleine von Gewinnerwartungen. An die Folgen in der Zukunft denkt sowieso keiner, alleine die heutige Dividende muß stimmen. Die Ausrichtung am "Weltmarkt", führt zudem zu einer Anpassung auf dem untersten Niveau, ökologisch und sozial, unser Wirtschaften ist Anarchie.

 

 

15.2.96 Von Korpsgeist und Fraktionszwängen

Nun werben die Parteien wieder um unsere Stimmen als Wähler und manche versuchen den politischen Gegner kleiner zu machen, um selber größer und seriöser zu wirken!

Vielleicht hat man als Bürger, wenn man sich selber um kein Mandat bewirbt, nicht das Recht, über das Theater zu lästern, aber wer dann?

Was mir als freisinnigen Menschen am meisten an der Politik mißfällt, ist der Zwang sich in Parteien organisieren zu müssen und die daraus erwachsende Grabenmentalität. "Soboid du in einer Partei bist, bist verratzt!" hört man gelegentlich die Menschen sagen und recht haben sie. Auch wenn unsere Verfassung Fraktionszwang verbietet, so kann man doch die Politiker an einer Hand abzählen, die sich im politischen Geschäft der "Fraktionsdisziplin" widersetzen. (Wer dies macht wird halt nicht mehr aufgestellt). Und genau dieser Korpsgeist ist der Totengräber jeder Demokratie. Ja, selbst die "Unabhängigen", die "freien Bürger", die "Nicht-Partei-Parteien" - sind, wie auf den Werbezetteln zu lesen, für dieses und gegen jenes, z.B. sagen die Zwieseler "Unabhängigen" ein klares Nein zum Nationalpark. Sollten alle Bewerber tatsächlich eine Meinung haben? Falls ja, sollten sie sich schnell einen anderen Namen für ihr Korps suchen...

Weil ich das Herdische und das Uniforme nicht mag, wünsche ich mir manchmal eine Demokratie ohne Parteien, wo sich ungebundene Persönlichkeiten zur Wahl stellen und eine Politik machen, nach ihrem bestem Wissen und Gewissen. Wenn es das gäbe, würden sich schnell die Politiker ändern und in der Folge auch ihre Politik. Doch davon kann man heute nur träumen.

 

 

26.1.96 Erholungs- oder Remmidemmi-Land?

Leserbrief an den Bayerwaldboten zu den Berichten über Tourismusförderung

 

Wir werden uns entscheiden müssen, welchen Weg wir für die Zukunft wählen: Förderung des Massentourismus durch weitere Steigerung von Remmidemmi (Horrorvision: die freie Landschaft beschallen, wie beim Glasberger Lift, Mac Donald als Portier für den Zwieseler Winkel, noch mehr Verkehr durch weiteren Autobahnzubringer, Verzicht auf die einmalige Chance der Nationalparkerweiterung usw.), oder der Bayerische Wald als Erholungs-, Natur- und Kulturregion.

Wirtschaft und Politik tun sich naturgemäß schwer, man möchte das eine, ohne das andere zu lassen, ja, man möchte alles: man möchte Kurort sein und gleichzeitig Industriestandort, man möchte mit unberührter Natur werben und Waldbau mit dem Harvester betreiben, man möchte die Wirtschaftskraft von Kasernen - doch keinen Gefechtslärm, man möchte immer mehr Straßen - aber keinen Verkehr, man möchte das Geld der Urlauber, aber nicht die Urlauber, man möchte leben wie die Städter - und dabei Waldler bleiben usf.

Der Wunsch auf möglichst viel Beinen zu stehen ist verständlich, nur darf das eine Bein nicht zerstören, was das andere zum Stehen braucht. Nur wenn man nicht überall alles will und maßvoll dosiert, wird sich doch manches miteinander vereinbaren lassen, anderes dagegen überhaupt nicht.

Unser Kapital ist die wunderbare Landschaft, die vergleichsweise intakte Natur und der damit verbundene Erholungswert. Das ist es auch, was die Großstädter in ihren freien Tagen suchen! Unwirtlichkeit, Gesichtslosigkeit, Lärm und Verkehr haben sie zu Hause genug. Darum ist es ein Irrweg, wenn die Urlaubsregionen alle städtischen Verrücktheiten imitieren, verschämt ihre gewachsenen Eigenheiten abstreifen und sich und ihre Heimat prostituieren.

Schön wäre es, wenn es uns gelänge das gute Eigene zu bewahren und es mit gutem Neuen zu verbinden, zum Nutzen für uns und unsere Gäste.

Doch zu allererst müssen wir es schaffen den Durchgangsverkehr einzudämmen, denn wenn wir zum Transitland verkommen können wir unsere touristischen Hoffnungen sowieso begraben.

 

 

25.1.96 Demokratieverhinderung

Leserbrief an die Passauer Neue Presse bezügl. Unterstützungslisten für die ÖDP

Die ÖDP sollte diese unglaubliche Demokratieverhinderungsverordnung aus dem Maximillianeum in Karlsruhe überprüfen lassen, denn was sich die bayerische Staatsregierung da ausgedacht hat, ist nicht nur schikanös, es erinnert an Saddam Husseins Wahlpraktiken. Die amtliche Erfassung der Daten von ÖDP-Wählern und kritischen Bürgern ist faktisch ein Bruch des Wahlgeheimnises und zeugt von einem erschreckenden Demokratieverständnis. Beschämend ist auch das Schweigen der Oppositionsparteien.

 

 

6.1.96 Hochmütige Phrasen

LB an "Lichtung"

Ines Kohls Rundumschlag gegen hausgemachten Käse teile ich nicht, weder gegen echten Käse, noch gegen kulturellen. Er ist mir allemal lieber, als uniformer professioneller Importquark aus dem Supermarkt, wobei die kritisierten Dinge sowieso beinahe alle in diese Kategorie fallen.

Die Kleinkariertheit, der allgegenwärtige Kitsch und Kommerz, der schlechte Geschmack, langweilige hausgemachte Rituale, bestehende Pfründe - das findet sich überall!

Dies ist kein regionales Phänomen - denn der schlechte Geschmack kommt über Satellit und Kaufhäuser in die Köpfe und gleicht die Menschen immer mehr einander an. Darüber sollte man klagen, nicht über die hilflosen Versuche der Menschen sich noch ein paar regionaler Eigenheiten zu bewahren, die - zugegeben - leider oft in Wolperdingerei enden.

Außerdem: Professionalität mit kultureller Qualität gleichzusetzen ist ebenfalls ein Trugschluß, denn sobald einer von seiner Kunst zu leben beginnt, muß er sich dem Markt anpassen und sein Handwerk perfektionieren. Auf der Strecke bleibt zumeist das (für mich) Wesentliche, nämlich Geist, Individualität und menschliches Maß. Professionalität ist immer auch der Versuch es den Maschinen nachzumachen, und von deren gleichförmigen Produkten haben wir schon genug. Dagegen kann man sich nur mit Individualität und Mut zum Dilettantismus wehren. Davon brauchen wir mehr, viel mehr.

Dennoch: auch ich habe mich 1992 an den Veranstaltungen von Herrn Putz erfreut und bedauere sein Weggehen. Auch teile ich die Auffassung, daß viele Steuergelder für unsinnige und schädliche Dinge ausgegeben werden und Kulturförderung praktisch nicht existiert. Doch die großen Hoffnungen, die mit der Einstellung eines "Kulturspezialisten" verbunden werden, teile ich nicht. Der kann vielleicht ein paar Kerzen aufstecken, doch Kulturarbeit ist eine pädagogische Aufgabe und muß schon in den Familien, den Kindergärten, den Schulen und natürlich in den Medien beginnen. Und da finden sich heute nur vereinzelte Perlen.

Wirkliche regionale Eigenheiten - wenn wir nur mehr davon hätten! In einer gesichtsloser werdenden Welt ist "Hausmacherkäse" deshalb nötiger denn je.

 

 

2.10.95 Alles nur Satire?

Leserbrief an den BB zum Thema Nationalparkerweiterung

 

Geht es Ihnen nicht auch so? Immer wenn ich einen der Leserbriefe der Gebrüder Kerschbaum lese, dann denke ich mir, das können die doch nicht ernst meinen! Das ist so maßlos überzeichnet, die Pointen so absurd, die Urteile so vernichtend- das muß Satire sein! Dann denke ich mir, die wollen ausreizen, was man den Menschen an Übertreibung zumuten kann - die machen sich einen Spaß und lachen sich vielleicht krank darüber, daß alle sie ernst nehmen...

Sie begannen ihr Spiel, als sie gegen die modernen Windmühlen anrannten. Dann erinnere ich mich an ihre Versuche, uns - in einer Welt des Overkills - den Luchs als Bedrohung des Abendlandes auszumalen.

Richtig los ging es aber erst, als die Erweiterung des Nationalparks ins Gespräch kam - wir alle kennen die Geschichte. Bedenklich wird die Sache, seit die Überpointierungen auch bei Politikern und Waidmännern die Runden machen. Bei letzteren kann man die Erregung ja noch verstehen, da sie die Parkerweiterung aus ihrem Paradies vertreiben würde. Daß aber manche Politiker so beharrlich Nein sagen, verstehe ich nicht, da alle ihre anfänglichen Bedenken entweder ausgeräumt oder in den Kreistagsbeschluß eingeflossen sind. Doch die große Zahl der Unterschriften gegen den Park scheint sie vor den Kommunalwahlen sehr zu beeindrucken. Zu unrecht, wie ich meine, denn die meisten Unterschriften sind zu Zeiten abgegeben worden, als es noch um Wasserrechte und ums Schwammasuchen ging. Wer die Informationsschrift des Landkreises gelesen hat, weiß, daß es ein Knieschuß für die ganze Region wäre, würde man die Parkerweiterung ablehnen. Und weil die Pro-Gründe so übermächtig sind, wirkt es langsam peinlich, wenn die Herren Kerschbaum weiter ihr maßloses Spiel treiben. Jüngste Beispiele sind der Vergleich des Nationalparks mit einem Gefängnis oder der alten DDR und die absurde Attacke gegen den hölzernen Besuchersteg. Hätte ihn Herr Bibelrieder aus Plastilin bauen sollen?

 

 

15.8.95 Zentralismus

Leserbrief zur Einführung der Biotonne (nicht abgeschickt)

Wenn etwas neu eingeführt wird, sollte es doch etwas verbessern. Bei den Biotonnen und der zentralen Kompostierung scheint mir das ganz und gar nicht der Fall zu sein. Bei den vielen Ungereimtheiten, weiß man gar nicht wo man anfangen soll. 30% des Restmülls besteht heute - lt. AWG - aus verrotbaren Abfällen, die will man mit der Biotonne gesondert erfassen, um Deponieraum zu sparen. Dafür kürzt man 50% der bisherigen Leistung, in dem man die Tonnen nur noch zweiwöchentlich leert. Das stimmt doch rechnerisch nicht zusammen!

Zudem kenne ich persönlich niemanden, der bisher seine Gartenabfälle in die Mülltonne gab, in unserem ländlichen Gebiet haben fast alle Gartenbesitzer einen Komposthaufen. Also stimmt die Angabe der AWG mit den 30% von Haus aus nicht, die Sache wird immer merkwürdiger und man weiß nicht, handelt es sich hier um eine 50% Preiserhöhung oder um einen Schildbürgerstreich.

Der Appell des Landratsamtes, die Biotonne nicht abzulehnen, weil Speisereste Ratten anziehen und Krankheitserreger durch Kompostieren nicht abgetötet werden, ist eine weitere merkwürdige Sache. Die geringen Mengen an Fleischresten eines Haushaltes stehen wohl in keinem Verhältnis zu der Größe einer Biotonne und begründen wohl kaum deren Einführung.

Und das Laub und Rasenschnitt durch den ganzen Landkreis gekarrt werden, ist einfach unsinnig.

 

 

7.7.95 Persönlicher Brief an Reakteur

Brief an den Redakteur des BB wegen der Behandlung meiner Leserbriefe

Sehr geehrter Herr Schl.!

Daß sich Redaktionen Kürzungen von Leserbriefen vorbehalten ist bekannt, daß sie aber kürzen, ohne die gekürzten Stellen kenntlich zu machen oder Überschriften willkürlich abändern, ist eine unglaubliche Dreistigkeit, ja schlichtweg Dokumentenfälschung, Als Redakteur, der sich mit Worten sein Brot verdient, sollten sie den Wert von Worten eigentlich kennen.

Ich habe derartiges bei Ihnen nun schon wiederholt erfahren müssen, nun wieder in meinem jüngsten Leserbrief über die Nationalparkdebatte. Statt "Leben am Rande des Urwaldes" überschrieben Sie meinen Brief mit dem blödsinnigen und geradezu abschreckenden Titel "Urwald-Rand". Die Kernaussage, daß uns am Rande des Urwaldes (durch den Park) fast alle Möglichkeiten erhalten bleiben und wir neue hinzu gewännen, wird glatt unterschlagen.

Bei meinen Briefen über die Angerbäume mußte ich ebenfalls sinnentstellende Kürzungen erleben. Den dicksten Hund erlebte ich aber bei der Reisachmühlbrücke, wegen der ich niemals einen Leserbrief geschrieben hätte, wenn die Redakteurin sich auf meinen telefonischen Hinweis nicht unglaublicherweise geweigert hätte, die gedruckte eklatant falsche Brückenhöhe überhaupt zu überprüfen. Diese war in meinem Leserbrief nur Nebensache, in der Hauptsache ging es um die Wahrheit von Pressemeldungen und das ungeprüfte Abschreiben von Gedrucktem, also um etwas sehr elementares. Doch dieser Teil des Leserbriefes wurde gänzlich unterschlagen, der Rest nach knapp zwei Wochen gedruckt und der Richtigstellung der Brückenhöhe noch das tiefe Fundament zugeschlagen, so daß der Leser den Eindruck gewinnen mußte, es habe keiner recht gehabt... (Und ich stand als pedantischer Gschaftlhuber da.)

Ich weiß nicht, ob Sie irgendetwas gegen mich persönlich haben, oder ob andere Leserbriefschreiber ähnlich behandelt werden, in jedem Fall möchte ich mich über die Behandlung beschweren. Ebenso darüber, daß Sie meinen Namen, unter dem mich die Öffentlichkeit seit über 25 Jahren kennt, immer wieder meinen "richtigstellen" zu müssen.

 

 

2.7.95 Leben am Randes des Urwaldes!

LB an BB

Der Urwald am Falkenstein schien mir schon immer mit das wertvollste Stück meiner Waldheimat zu sein. Ich war stolz darauf und habe die Weitsicht seiner Gründerväter bewundert. Nun haben wir die einmalige Chance, diesen Urwald auszudehnen und ein kleines Stück unseres geschundenen Landes wieder der Natur zurückzugeben.

Mir scheint es gerade ein Privileg zu sein, einmal am "Rande des Urwaldes" leben zu dürfen, für den Tourismus gibt es wohl auch langfristig keine bessere Investition. Noch jeder Gast, mit dem ich durch den Urwald wanderte, war begeistert vom Werden und Vergehen des Waldes, und entsetzt über die forstwirtschaftlichen Sünden drum herum.

Ich begreife die Hartnäckigkeit der Parkgegner nicht, nachdem praktisch alle ihrer Forderungen erfüllt werden: die Schachten bleiben, ebenso die Trinkwasserrechte, auch das Beeren-und Pilzesammeln wird fast überall möglich sein (hier hat uns der radioaktive Regen aus Tschernobyl schon vor Jahren unserer angestammten Rechte beraubt!), gegen die mögliche Ausbreitung des Borkenkäfers wird mit den bewirtschafteten Randstreifen ausreichend Vorsorge angeboten.

Blieben die "Holzwagler" übrig, doch ich glaube für die gibt es immer noch genug dürre Stangen im verbleibenden Staats- und Privatwald. Und gerade da zeigt sich unsere privilegierte Lage: am Rande des Urwaldes! Uns bleiben (fast) alle Möglichkeiten erhalten und wir bekommen noch nicht abschätzbare neue dazu!

Die Grenzwälder würden durch den Park auf Dauer geschützt und wer wäre mehr Nutznießer davon, als die angrenzenden Gemeinden?

Die Zeit ist nicht mehr fern, wo man naturnahe Wälder als Kostbarkeit betrachten wird.

Wem es um "unseren Woid" geht, der sollte nicht gegen seinen Schutz kämpfen, sondern gegen seinen wirklichen Feind - die Luftverschmutzung durch Verkehr, Industrie und Landwirtschaft, als Folge unseres maßlosen Lebensstils!

 

 

 

18.06.95 Nationalpark als Chance

Leserbrief (nicht abgeschickt)

Wenn ich es richtig sehe sind die Argumente der Nationalparkgegner sehr geschrumpft, denn die Schachten und die Trinkwasserrechte bleiben erhalten und auch Beeren- und Pilzesammeln soll weiter möglich sein. (Aber hier hat uns der radioaktive Regen aus Tschernobyl mehr enteignet, als es ein Nationalpark je könnte).

Der Verkehr ist ein Problem, ob mit oder ohne Nationalpark. Vor allem den Transitverkehr gilt es zu verringern, z. B. in dem man unsere Gegend attraktiver macht, auch für die Einheimischen.

Bleiben nur noch zwei Argumente gegen die Parkausweitung - Borkenkäfer und Brennholzwerber.

Das erste will mir gar nicht einleuchten, haben wir doch schon seit vielen Jahrzehnten am Falkenstein einen "kleinen Nationalpark", das Urwaldgebiet am Höllbachgespreng. Kein Mensch käme auf die Idee, "unseren" Urwald wegen morscher Bäume ausholzen zu wollen. Der Besucher will die toten Baumriesen sehen, wie sie flechtenbehangen in den Himmel ragen oder wie aus ihrem zerfallenden Stamm neues Grün treibt. Wo sind die Hilferufe wegen der Borkenkäfer aus dem Urwald? Ich habe nie davon gehört und glaube, daß die Borkenkäfergefahr stark übertrieben wird.

Blieben die "Holzwagler" übrig, doch ich glaube für die gibt es immer noch genug dürre Stangen im verbleibenden Staats- und Privatwald. Und gerade da zeigt sich unsere privilegierte Lage: am Rande des Nationalparks! Uns bleiben (fast) alle Möglichkeiten erhalten und wir bekommen noch nicht abschätzbare neue dazu!

Meiner Ansicht nach würden die Grenzwälder durch den Park auf Dauer geschützt und wer wäre mehr Nutznießer davon, als die angrenzenden Gemeinden? Ich bin sicher, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo man naturnahe Wälder als Kostbarkeit betrachten wird. (Nebenbei - vielleicht schützt uns der Nationalpark einmal vor militärischen Tieffliegen, denn Tschechien wird wohl bald NATO-Mitglied werden und damit das jetzige Überflugsverbot der Grenzzonen wegfallen.)

Ich gebe zu, daß auch bei mir anfangs die Skepsis gegen den Park überwog, denn als freisinniger Mensch mag ich es nicht, wenn man mir Wege verbietet (z.B. den wunderbaren Steig vom Rachelsee zum Gipfel). Doch daß ich deswegen gegen die vielleicht einmalige Chance stimme, unseren Grenzkamm auf Dauer der Natur zurückzugeben - soviel Raum gestehe ich meinem Egoismus doch nicht zu.

 

 

1.6.95 Vertreibung aus dem Paradies?

Leserbrief zur Nationalparkerweiterung (nicht abgeschickt)

Demokratie setzt den informierten Bürger voraus, ohne Sachkenntnis ist das Ganze nur Theater, egal ob bei Bürgerbefragungen oder bei Wahlen. Die Gewählten sollten natürlich ebenso sachkundig sein. Dies sei doch selbstverständlich, meinen Sie? Wie kommt es dann, daß der Kreistag mehrheitlich die Erweiterung des Nationalparks ablehnt, obwohl dieser der ganzen Region nur Vorteile bringen würde? Wer die Informationsschrift des Landkreises gelesen hat und den Abstimmungsentwurf kennt, in dem sich praktisch alle Forderungen der Gegner finden, kann nur den Kopf schütteln. Entweder waren die Neinsager nicht informiert, oder hinter ihrem Votum standen allein populistische Motive, weil sie sich - wie Herr Rücker formulierte - im Vorfeld zu weit aus dem Fenster gewagt hatten und dem Wähler im Frühjahr keine differentierte Sicht der Dinge zutrauen.

Von den ursprünglichen Argumenten der Parkgegner ist praktisch nichts übriggeblieben. Die Parkerweiterung würde uns wirtschaftlich wie ökologisch nur Vorteile bringen, dies in einem Umfang, daß eine Ablehnung mutwilliger Selbstschädigung gleichkommt.

Wem - von den bisherigen Nationalparkgemeinden abgesehen, die ihr touristisches Zugpferd mit dem Zwieseler Winkel teilen müßten und den Waidmännern, die aus ihrem Paradies vertrieben würden - würde die Parkerweiterung Nachteile bringen? Kein Wunder also, daß von diesen Seiten das lauteste Kontra tönt.

Wenn ein alter ehrenwerter Forstmann gegen den Park ist, weil er sich jahrzehntelang um den Wirtschaftswald bemüht hat und der Urwald ihm die geliebten Jagdgründe rauben würde, kann ich seine Betroffenheit nachempfinden. Mein Verständnis endet aber, wenn er Phrasen von sich gibt, wie: "wir sind ein Volk ohne Raum" oder "der Nationalpark raube dem Waldler seine Seele". Und wenn die Gebrüder Kerschbaum behaupten, der Waldler würde von Bären und Luchsen vertrieben, oder den Nationalpark mit einem Gefängnis oder der alten DDR vergleichen, dann ist das einfach nur ein Schmarrn.

Ein Wort noch in die andere Richtung, zu Hubert Weinzierls Spruch mit der "Chefsache". Man kann nicht für mehr und direktere Demokratie sein und gleichzeitig erwarten, daß die Dinge dann von oben gerichtet werden.

 

 

11.2.95 Von Fröschen und uns

Leserbrief zu Ihrem Artikel von heute zum "Für und Wider Volksbefragung- Mehr Demokratie in Bayern"

Wie sagte CSU-Generalsekretär Huber neulich? "Wer einen Sumpf trockenlegen will, darf nicht die Frösche fragen." Richtig, denn diese hätten sicher etwas gegen die Zerstörung ihres Lebensraums. Nun - die Frösche wollen die Politiker also nicht fragen, doch wie steht es mit uns Bürgern? Auch uns wollen die meisten Politiker nicht fragen, wie überall zu lesen ist. Doch sind wir nicht das Volk, das sie vertreten sollen? Von den Bürgern Weisungen anzunehmen ist aber offenbar vielen Volksvertretern eine Horrorvorstellung, sie befürchten eine "Aushöhlung des kommunalen Mandates" und eine Erschwerung ihrer wirtschaftsfreundlichen und oft naturzerstörerischen Politik.

Und diese Auffassung findet man bei allen großen Parteien, schließlich müßten sie einen kleinen Zipfel ihrer Macht hergeben.

Doch "Demokratie" heißt nun mal "Volksherrschaft" und Länder wie die Schweiz fahren gut damit, in dem sie den Parlamentarismus mit Bürgerbefragungen ergänzen. Auch die Väter des Grundgesetzes und der bayrischen Verfassung haben diese Möglichkeit vorgesehen oder sogar fest verankert.

Doch wir dürfen nur alle paar Jahre ein Kreuzchen machen und haben uns zwischen Parteien zu entscheiden, die für uns ein ganzes Bündel geschnürt haben, von dem uns aber nur einzelne Dinge gefallen. Zumindest mir geht es so, daß mir von jeder Partei etwas gefällt und daß ich manches bei keiner finde. Schließlich wähle ich dann diejenige, die mir das kleinere Übel zu sein scheint.

Was bleibt also dem freien Bürger, der mitwirken will? Ab und zu einen Leserbrief schreiben und hoffen, daß er die Kommunalpolitiker nachdenklich macht? Auf Bürgerversammlungen das Wort erheben? Für beides braucht man Hoffnung, Courage und ein gerüttelt Maß an Einfalt. Eigenschaften, die unsere vielen Nichtwähler nicht mehr besitzen. Sie haben resigniert, denn "die machen doch immer was sie wollen", bekommt man als Antwort, wenn man nachfragt.

Deswegen brauchen wir Bürgerentscheide, denn sie alleine können verhindern, das unsere Demokratie eine Zuschauerdemokratie bleibt. Vermutlich können auch nur sie uns aus den Niederungen der Fraktionszwänge, Parteidogmen und dem Interessendschungel befreien.

Und sage mir keiner, direkte Demokratie könne nicht gut gehen, weil es den Leuten an Einsicht und Verstand fehlt! Daß dieser heute allein in den Parlamenten und Rathäusern sitzt, wird wohl niemand ernsthaft behaupten wollen.

Im übrigen entscheiden die Menschen in konkreten Dingen recht weise.

 

 

9.2.95 Amoklauf gegen Bäume, neuer Akt

Auch das Nest des Elsterpärchens auf einem der Angerbäume, hat die Fällaktion nicht verhindert, aber wer kümmert sich schon um Vögel, wenn man sich nicht einmal um den Protest der eigenen Bürger kümmert! Wenn man nun hört, daß die Baumaßnahmen am Anger nun gar erst im Herbst beginnen sollen, ist die Blitzaktion noch weniger zu verstehen. Jeder Mitbürger ist eingeladen, sich die gesunden Baumscheieben einmal aus der Nähe zu betrachten, damit er sieht, was da für ein Frevel begangen worden ist!

Doch kaum sind die Angerbäume gefallen, geht es weiteren Großbäumen ans Leben! Dieses Mal fiel der Beschluß im Stadtrat sogar einstimmig, was einen nur sprachlos machen kann! Weil ein Baum von dreien krank ist, werden alle gefällt! Sinnigerweise ist die Krankheit dieses Baumes die Folge früherer gefühlsloser Straßenbaumaßnahmen! Nach diesem Beschluß kann sich der Stadtrat seine Baumschutzverordnung, auf die er einmal so stolz war, endgültig an den Hut stecken!

Das Ganze ist auch ein Lehrbeispiel, wie man über die Köpfe der Menschen regiert, sie in eine ohnmächtige Rolle drängt, in der sie sich nur ärgern oder in Depression verfallen können.

 

 

3.2.95 Selber prüfen macht klug!

Leserbrief zum Artikel über den Brückenbau an der Reisachmühle vom 2.2.95

Wenn man falsche Meldungen nur immer so leicht erkennen könnte!

Um was gehts? Da stand ein interessanter Artikel über die Eisenbahnbrücke in der Reisachmühle im Zwieseler Lokalteil, mit einem einzigen Fehler, der aber 45 Meter groß war. Die erwähnte Brücke, ein wirkliches Kleinod in unserem Winkel, ist nur etwa 16 Meter hoch und keine 60 Meter wie gemeldet.

Ich glaubte an einen Schreibfehler und machte die Redaktion telefonisch darauf aufmerksam. Doch mir wurde hartnäckig widersprochen, etwa, Herr Weber (dessen Arbeit ich schätze!) sei ein Experte und seine Brückendaten seien über jeden Zweifel erhaben, zudem hätten die Anwohner schon im Heimatkundeunterricht gehört, daß ihre Brücke die höchste oder zweithöchste Brücke dieser Art sei, daß die Redakteurin das Foto selber geschossen und sich von der gewaltigen Höhe durch eigenen Augenschein überzeugt habe.

Mein Hinweis, daß es sich bei meiner Schätzung um keinen Unterschied von wenigen Metern handele, sondern um ca. 45 Meter, und das dies jeder der Augen hat bestätigen könne, fruchtete nichts. Die Brücke sei so hoch wie gemeldet!

Nun, ich habe die Steinreihen gezählt, es sind ca. 60, jede etwa 25 Zentimeter hoch. Nach Adam Riese ergibt das eine Höhe von etwa 15 Metern, vielleicht sind es auch 16.

Wenn man aus der Geschichte etwas lernen kann, dann doch wohl, daß oftmals einer vom anderen abschreibt und man nicht alles glauben soll, was da irgendwo schwarz auf weiß geschrieben steht.

(Kursiv markierter Text wurde kommentarlos gestrichen, ja nicht einmal als Streichung kenntnlich gemacht. Abgedruckt erst 12 Tage später, mit dem Nachsatz, daß die "Brücke mit Fundament" 27 Meter hoch sei. Ohne zu sagen, daß das Fundament 12 Meter beträgt. Daß der Leserbrief nicht wegen der falschen Brückenhöhe, sondern wegen der Weigerung sie zu berichtigen geschrieben wurde, wurde durch die Streichung verschwiegen).

 

 

15.1.95 Wählerische Tiere

zu Euerem Bericht über die Winterfütterung muß ich nun doch von eigenen Erfahrungen und Beobachtungen in einem Leserbrief berichten: (nicht abgeschickt)

Sie berichteten, daß das Wild das angebotene Heu wenig beachtet. Man kann wohl daraus folgern, daß die Tiere keinen Hunger haben, weil sie andere Nahrung vorziehen. Auch ich habe lange geglaubt, das Wild hungere im Winter, weil seine Nahrung unerreichbar unter der Schneedecke liegt. Bis mir Beobachtungen an Ziegen und Schafen zeigten, daß diese - wenn sie wählen können - Blätter, Zweige und Rinde allem anderen Futter vorziehen, von Getreide, Brot u.ä. einmal abgesehen. Heu wird nur gefressen, wenn es nichts besseres - also Stauden und Bäume - gibt! Und Letztere finden die Tiere ja zur Genüge im Wald. Ziegen und Schafe fressen leidenschaftlich gerne "Grossad" von Nadelbäumen, nagen ausgewachsene Kiefern bis aufs Holz ab, entrinden armdicke oberirdische Wurzeln und sie lieben Zweige, Rinden und Knospen vieler Laubgehölze. Man darf wohl annehmen, daß Rotwild einen ähnlichen Speiseplan hat.

Es ist also ein Märchen, daß die Wildtiere im winterlichen Wald ohne die fütternden Jäger verhungern müßten oder daß man mit Heufütterung den Wildverbiß nennenswert eindämmen kann. (Wobei es den großen Nadelbäumen wohl kaum schadet, wenn Rotwild an den unteren Ästen nagt, anderes gilt natürlich für junge Laubbäume).

Warum Heu weitgehend verschmäht wird, hat aber noch einen anderen Grund. Ich habe selber beobachtet, wie Allgäuer Rinder, die den Sommer über das ungedüngte Gras der Almen genießen konnten, im Tal das Gras der fetten, mit Gülle und Mineraldünger durchtränkten Weiden zu Fressen verweigerten. Der herbeigerufene Tierarzt war ratlos und erst als die Tiere auf dem Weg in den Stall mit Heißhunger über eine nichtgedüngte Wiese eines Biobauern herfielen, wurden die Zusammenhänge klar.

Nun werden Wildtiere kaum über weniger Geschmack verfügen als Rinder.

 

 

15.10.94 (ca.) Umständlicher gehts nicht mehr!

Wenn ein Brief von Zwiesel nach Zwieselberg zum Verteilen erst nach Straubing verfrachtet wird, bevor er seinem Empfänger zugestellt wird, trägt man zukünftig seine Post im Nahbereich wohl besser wieder selber aus. Kein Komiker kann sich solchen Blödsinn ausdenken. Doch bei der Bahn läuft es ebenso. Stückgut von Zwiesel etwa nach Deggendorf, wird zum Verteilen erst nach Nürnberg geschickt, statt vierzig Kilometer wird es vierhundert weit transportiert... Auch die Telekom-Dienste nehmen am Ort keine Schadensmeldungen entgegen, man muß erst in Deggendorf anrufen, von dort wird man nach Regensburg vermittelt und die beauftragen dann den örtlichen Einsatztrupp. Die kommen dann, vielleicht. Bei uns sind sie wochenlang nicht gekommen. Aber wahrscheinlich waren alle beschäftigt die gelben Telefonhäuschen durch weiß-rosane zu ersetzen... Ob es für diese Verschwendung eine Paralelle gibt?

Man wird den Verdacht nicht los, daß Post und Bahn dieselben Obergescheiten engagiert haben, die alles Bewährte umstürzen und zentralisieren, ohne Rücksicht auf Geld, Beschäftigte und Kunden.

 

 

24.9.94 Erneuter Baumfrevel in Zwiesel?

an BB (nicht abgeschickt)

Nach dem Kahlschlag der Angerbäume, dem Baumriesen am Finanzamt, den Bäumen an der Hindenburgstraße usw. sind nun die wunderschönen Birken vor dem Jahnplatz an der Reihe. Die Begründung für ihre Beseitigung "Schutz der Sportler" ist geradezu an den Haaren herbeigezogen. Wer benutzt denn während des herbstlichen Laubfalles die Tardanbahn? Und wenn, ist es zuviel, zuvor ein paar Minuten die Blätter wegzukehren? Da wird scheinheilig "Menschen-schutz" suggeriert, um einen Weg zu verbreitern, der mit gutem Willen auch am Rande des angrenzenden Parkplatzes geführt werden könnte. In anderen Kurorten reißt man Teerflächen auf, pflanzt Bäume hinein und führt die Spaziergänger darum herum, bei uns werden die reizvollsten Bäume niedergemacht.

Weinen könnte man auch darüber, daß der Beschluß im Stadtrat schon wieder einstimmig gefaßt wurde.

Doch es wird wohl laufen, wie in den Fällen zuvor. Nach dem Motto "aus den Augen, aus dem Sinn!" werden mit der Motorsäge wohl schnell wieder Tatsachen geschaffen. Man kann nur auf das Gedächtnis der Wähler hoffen.

 

 

14.9.94 Birken und Chlor

(nicht abgeschickt)

Auch wenn beim Zwiesler Stadtrat Leserbriefe abprallen und scheinbar eher zu parteiübergreifenden Chorgeist führen, so sind kritische Presseberichte und Leserbriefe ein unverzichtbarer demokratischer Gegenpart, denn im Rat wird alles offenbar mit großer Eintracht durchgesetzt.

Nach dem Kahlschlag der Angerbäume, dem Baumriesen am Finanzamt, dem Polittheater beim Fällen der Bäume an der Hindenburgstraße usw. sind nun die Birken vor dem Jahnplatz an der Reihe. Die Begründung für ihre Beseitigung "Schutz der Sportler" ist geradezu an den Haaren herbeigezogen. Wer benutzt denn während des herbstlichen Laubfalles die Tardanbahn? Und wenn, ist es zuviel, dann ein paar Minuten die Blätter wegzukehren? Da wird "Menschenschutz" suggeriert, um Natur für die Verbreiterung eines Weges zu opfern. Zwinsing läßt grüßen!

Und noch ein Wort zur Chlorung des Trinkwassers. Gegen Kolibakterien kann sich jeder durch Abkochen des Trinkwassers wehren. Gegen das Gift Chlor hilft - anders als berichtet - natürlich kein Abkochen. Ich protestiere energisch dagegen, daß unser Lebensmittel Wasser absichtlich mit Gift versetzt wird! Wer will wissen, daß die Dosierung unschädlich ist? Wenn sie Kolibakterien tötet, dann wirkt sie auch auf unsere Darmflora und in der Folge auf den gesamten Organismus. (Und wenn sich für die Aktion hundertmal ein veralteter Paragraph finden läßt!) Die Ursachen der Verunreinigung bleiben dabei sowieso unberührt.

 

 

31.7.94 "Haus des Glases" mit integrierter Stadthalle

Leserbrief an BB

Am Samstag wurde über die geplante Stadthalle in Zwiesel berichtet. Zudem schrieb A. Pongratz in einer jedem ans Herz gelegten Betrachtung über die zukünftige kulturelle Entwicklung unserer Region über die Notwendigkeit eines "Haus des Glases". Mein Vorschlag: beide Projekte zum gegenseitigen Nutzen zusammenzufassen.

Die angemessene Form einer Stadthalle wäre für unsere Glasstadt sowieso eine Glashütte. Vielleicht könnte man hier sogar auf ein bestehendes und nicht mehr genutzes Gebäude zurückgreifen? Aber auch andere Industriebauten lassen sich u.U. prächtig für kulturelle Zwecke nutzen, es gibt dafür viele gelungene Beispiele. Aus der Region sei an das Frauenauer Glasmuseum erinnert, das einmal ein Sägewerk war.

Ein "Haus des Glases" ist ein lange überfälliges Projekt des ganzen Zwieseler Winkels, der dies sehr nötig hat. Imagepflege nach innen (wer will noch Glasmacher werden?) ist grade so wichtig wie solche nach außen.

Dieses zu schaffende Kulturzentrum mit dem Schwerpunkt Glas sollte auch nur eine Art "Herz" sein, und die bestehenden Einrichtungen (etwa in Frauenau) quasi die anderen lebenswichtigen Organe eines kulturellen Verbundes.

Konkret: So ein "Haus des Glases" könnte aus einer großen Werkshalle bestehen, die für Konzerte, Vorträge, Festlichkeiten, wechselnde Ausstellungen von Kunstschaffenden der Region usw. genutzt werden könnte. Optisch integriert sollte ein Glasofen und verwandte Werkplätze sein, in denen Produzenten aus der Region wechselnd ihre Handwerkskunst zeigen und auf einem angeschlossenen Markt ihre Produkte vermarkten können. Und natürlich muß das Zentrum gastronomisch bewirtschaftet werden, vielleicht auch hier durch jährlich wechselnde einheimische Wirte. Ich will mich nicht in Details verrennen, doch eine derartige Symbiose von Veranstaltungsplatz, Glas, Kunst und Gastronomie würde sich wirtschaftlich tragen und schnell verwirklichbar sein. (Die heutige Stadthalle kommt wegen der hohen Kosten sowieso erst im nächsten Jahrtausend und wird die Zwieseler auf Dauer nur Geld kosten.)

 

 

10.6.94 Amoklauf gegen Carl Amery

LB an die Viechtacher Zeitung

Wie Carl Amerys neues Werk vom BB-Redakteur Daller niedergemacht wurde, ist im Lokalteil dieser Zeitung meines Wissens ohne Beispiel. Wollte da ein Redakteur, der üblicherweise jedem Furz kommentarlos Platz einräumen muß, zeigen, daß eigentlich ein Reich-Ranizki in ihm steckt? Was Herr Daller über Carl Amery an Aversion ausschüttete, ist schlichtweg kränkend. Natürlich darf auch ein Pressemann sagen: "Das gefällt mir nicht", oder, "ich kann damit nichts anfangen".

Nun, zumindest bei mir war es schon oft so, daß mir etwas mißfiel, einfach weil ich es (noch) nicht verstand.

Zu jeder Zeit leben Menschen aller Entwicklungsstufen. Ja, selbst in jedem von uns liegen Neandertal und Silicon-valley dicht nebeneinander. Es wäre also zumindest möglich, daß da einer etwas aburteilte, wozu ihm der Zugang fehlt, oder - und diesen Eindruck konnte man gewinnen - weil es ihm nicht in die eigene Weltsicht paßt.

Als Leser will ich in einem Veranstaltungsbericht unterrichtet werden und dann z.B. selber entscheiden, ob ein Autor ein Philosoph ist oder nicht. Und vor allem: ich mag keine geschlachteten Dichter auf dem Frühstückstisch!

 

 

30.1.94 Baumfrevel

2. Entwurf

Für das, was die Stadt Zwiesel mit den Angerbäumen und den beiden gesunden Großbäumen an der Hindenburgstraße getan hat, gibt es nur ein Wort: Baumfrevel! Alleine die Eile in der alles geschah, spricht für sich: schnell umschneiden, bevor die Bäume austreiben, damit die Bürger nicht mehr die wirkliche Lebenskraft der Bäume beurteilen können. Doch jeder Zwieseler kann sich die Baumscheiben betrachten und daraus seine Schlüsse ziehen. Aus Herrn Eders Leserbrief kann man nur den Schluß ziehen, daß die Stadträte bewußt falsch informiert worden sind. Die Verantwortlichen sollten dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Doch nicht nur Trauer ist geblieben, auch Zorn und das Gefühl von Ohnmacht. Enttäuschung über einen Stadtrat, der selbstherrlich schaltet und waltet und in den viele Bürger einmal so große Hoffnungen gesetzt haben, die Teer- und Betonpolitik seiner Vorgänger einmal zu beenden.

 

 

1.11.93 (ca.) Bürgerentscheid wegen Angerbäumen

Wie meinte ein Stadtrat? Man kann den Bürgern nicht das langsame Sterben von Bäumen zumuten. Sein Fazit: also gleich weg damit!

Wer diese Logik weiterdenkt, also Krankes und Altes gleich zu beseitigen, den kann nur frösteln. Aber es war halt wohl nur einfach so dahingesagt.

Ebenso wie jene Aussage, daß man den Anwohnern vor den Fenstern keine Bäume zumutenb könne. Dabei sollte gerade deren Existenz für die Investoren besonders attraktiv sein!

Laubbäume, die im Sommer Schatten spenden und im Winter das Licht durchlassen, das ist bewährte Praxis in alten Dörfern grad so wie in den Prachtstraßen der großen Städte.

Nichts gliedert eine Fasade schöner als ein Baum davor! Den Menschen, die in so einem Haus leben, bringt die Baumkrone die Natur in die Wohnung. Ich habe selber einige Jahre in einer Großstadt gelebt und die Kastanie vor meinem Fenster hat mich täglich erfreut, mich an den Wechsel der Jahreszeiten erinnert und mir Vogelgesang beschert. (In der Krone der Linde beobachte ich übrigens seit Wochen in der Mittagszeit einen Krohansl, möglicherweise wohnt er dort...).

 

 

19.10.93 Laßt die Riesen am Anger leben!

LB an BB

Die Waldstadt Zwiesel ist heute arm, arm an alten Laubbäumen; dies war nicht immer so. Es gab wunderschöne Exemplare, die mir - und nicht nur mir - ein Stück Heimat waren. Wenn ich an die mächtige Linde denke, die am oberen Stadtplatz direkt aus dem Haus zu wachsen schien - das war nicht nur ein Baum! Das war ein Symbol von Zwiesel, es hieß "Leben und Leben lassen!" Als ich später - im Allgäu wohnend - hörte, wie Passanten die Holzfäller beklatschten, als der so verehrte Baum kunstgerecht niedergelegt wurde, habe ich lange darum getrauert. Seither sind viele markante Baumpersönlichkeiten gefällt worden, jeder wäre eine Geschichte wert. Immer fanden sich ein paar morsche Äste und Experten, die daraus die Beseitigung rechtfertigten. Es war so mit der Dorflinde in Grießbach (deren Fällen gefeiert wurde!), und auch heute wird den drei Riesen am Anger ähnliches nachgesagt. Doch ich habe sie mir auch angesehen und festgestellt, daß alleine einer der Bäume schwer angeschlagen ist, weil man ihm vor Jahren die Rinde großflächig verletzt hat.

Seit ich denken kann, habe ich mich über die drei Linden gefreut, die einen von Regen kommend begrüßen. Sie sind ein Schmuck des Angers, ja des ganzen Stadtbildes. Solche Kostbarkeiten darf man nicht fällen, ihren Verlust können nicht hundert neue Kramläden aufwiegen!

Im übrigen kann die Baulücke mit ein wenig planerischem Geschick wohl trotzdem geschlossen werden, vielleicht eine Nummer kleiner zwar durch Zurücksetzung der Hausfront und Hofbildung um die Bäume.

Ich glaube, daß es in Zwiesel hohe Zeit ist Inventur zu machen und die letzten Reste von Alt-Zwiesel (einschließlich aller Laubbäume) zu schützen und zu pflegen. Dies alleine schafft auf Dauer auch Arbeitsplätze, denn unser touristisches Kapital sind weder der maßlose Teer noch die anonymen Kaufhallen, noch die über die Stadt zerstreuten Industriegebiete, sondern alleine, was noch an Natur da ist!

 

 

17.2.93 Demokratie oder Lobbykratie?

LB an PNP zur Amigoaffaire/ nicht abgeschickt

Zuwendungen der Wirtschaft an regierende Politiker schaffen Abhängigkeiten. Wer dies bestreitet, hält die Menschen zum Narren. Dabei sind die Gratisreisen und Gratisautos nur die Spitze des Eisberges. Wieviele Aufsichtsrats- und Vorstandsposten in der Wirtschaft sind mit regierenden Politikern besetzt? So mancher verdient auf diese Weise mehr als durch sein Amt. Ich empfinde diese Verfilzungen unerträglich, denn die Interessen von MBB, Bayernwerk , Grob, BMW usw. sind nicht automatisch die Interessen der Bürger dieses Landes, schon gar nicht die seiner Natur oder die zukünftiger Generationen. Eine demokratische Regierung muß sich alleine dem Volk und dessen Wohl verpflichtet fühlen. Es geht nicht nur darum, daß wir keine "Bananen-Republik" sein wollen. Ich glaube die Lösung der meisten Zukunftsprobleme verlangt als ersten Schritt die Trockenlegung dieses Sumpfes.

 

 

31.1.93 Umweltverschmutzung durch Zahlenwillkür

LB an PNP zu den neuen Postleitzahlen/ nicht abgeschickt

An ihren Früchten soll ihr sie erkennen! In der neuesten "Frucht" der Ministerialbürokratie, der neuen Durchnummerierung unseres Landes für postalische Zwecke, spiegelt sich die Geisteshaltung ihrer Väter. Eine solche Maßnahme darf nur durchgeführt werden, wenn es darüber einen breiten Konsens gibt. Glaubt jemand, daß es keine einfachere Lösung gegeben hätte, die gewachsenen politischen Strukturen gerecht geworden wäre, wie den Bundesländern, den Regierungsbezirken usw.? Die das System vereinfacht und für jeden nachvollziehbar gemacht und zugleich die ausufernde Umweltverschmutzung mit mehrstelligen Zahlenfolgen verringert hätte? Ein wirklich großer Coup hätte in einem Aufwasch vielleicht auch gleich die Telefon-Vorwahlnummern mit erfaßt u.a. Die jetzige Reform empfinde ich als Willkür. Sie ist undemokratisch und menschenfeindlich, einmal, weil sie alleine von Politbürokraten ausgeheckt wurde, denen Computerfreundlichkeit wichtiger ist als Akzeptanz in der Bevölkerung, denen kurzfristige Rationaliserungserfolge im Postapparat mehr bedeuten, als die unübersehbaren Spätfolgen der ganzen Aktion. Die Aktion ist unerträglich zentralistisch, also antiföderal, weil sie gewachsene regionale Strukturen ignoriert, und sie ist eine gigantische Umweltverschmutzung, wegen der Berge von Informationsmaterial, die uns den Blödsinn verklickern sollen, wegen der zu Makulatur werdenden Dinge im gesamten Lebensbereich, die alle nun geändert werden müssen, wobei die alten auf dem Müll landen. Wieviel Wälder werden sterben müssen, für das neue Briefpapier, die neuen Werbeschriften, die neuen Stempel, die neuen Adressbücher und, und..? Alleine die Zeit, die man uns stiehlt, um alle unsere schriftlichen und elektronischen Unterlagen auf den neuen Stand zu bringen...(Momos Zeiträuber haben wieder zugeschlagen!) Ist das Ganze vielleicht ein neuer Werbegag der Post, um die Telefoniererei anzukurbeln? Denn wieviele Nachfragen wegen Adressenänderungen wird es bundesweit in den nächsten Jahren deswegen geben? Und dies alles wegen was? Wegen der Integration der neuen Länder? Wegen achthundert gleicher Telefonnummern? Als wenn es da keine anderen Lösungen gegeben hätte! Ist vielleicht Minister Schwarz-Schilling deswegen noch schnell zurückgetreten, weil er für diesen Unfug nicht haftbar gemacht werden will? Nun, irgendjemand wird die Folgen tragen müssen. Doch vermutlich werden es nur die Menschen und die Natur sein.

 

 

1.1.93 Kanonendonner für die Urlauber

LB an BB/ nicht abgeschickt / Beispiel für die verschiedenen Entwürfe für einen leserbrief

(1. Fassung)

Die Beschwörungen zum Erhalt der Regener Kaserne scheinen mir eher kurzsichtig. Wir werden uns entscheiden müssen, was wir zukünftig haben wollen: Einen expandierenden Militärstützpunkt mit einer Erweiterung des Standdortübungsplatzes und eine nicht zu übersehende zukünftige Nützung durch erweitertes übernationales Aufgabenfeld, oder die weitere Entwicklung zu einer Urlaubs- und Erholungsregion. Denn was gibt es Traurigeres für einen Erholungssuchenden, als Kanonendonner, MG-Salven und Panzerschlachten. Regen selber bekommt dabei in den meisten seiner Stadtteile kaum etwas mit, hauptbetroffen sind die Gemeinde Langdorf aber auch Teile von Zwiesel.

Wenn die Chance heute wirklich bestehen sollte, die Kaserne loszuwerden, dann ist das eine Chance, die vielleicht in hundert Jahren nicht mehr wiederkommt. Kurzfristig mag es für die vom Kasernenbetrieb Lebenden wirtschaftlich tragisch sein, doch langfristig wäre es ein Segen. Die Kasernenbauten könnten die bestehende Wohnungsnot lindern und aus dem umfangreichen Areal könnte ein Natur-, Erholungs-, Sport- oder sonstwie genutzes Zentrum entstehen, damit andere, zivile Arbeitsplätze.

2. Fassung

Urlauber sind untreu, wir wissen es von uns selber. Wenn wir eine Weide abgegrast haben, bzw. wenn uns anderswo das Gras grüner erscheint, wechseln wir zu dorthin. Erst recht (um bei dem Bild zu bleiben) wenn die alte Weide von ihrem Kapital einbüßt, was bei uns sind: Natur, Ruhe, Urtümlichkeit, Gemütlichkeit.

Wegen unserer schönen Straßen kommt niemand zu uns, auch nicht wegen unserer Einkaufsmöglichkeiten, denn diese Dinge haben die Leute auch zu Hause in ihren unwirtlichen Städten.

Gerade diejenigen Mitbürger aber, die ihr Lebtag "hinterm Ofen gesessen sind", also höchstens mal zum Einkaufen oder zum Urlaub die Heimat verlassen haben, scheinen mir oftmals die wahren Werte unserer Heimat am wenigsten zu schätzen. Sie wollen alles genauso haben, wie man es anderswo auch hat. Ihre Spur erscheint dem, der nach längerer Zeit wieder heimkehrt, wie eine Schneise der Verwüstung, auf zehn Zerstörungen kommt eine Verbesserung. Doch die eigenen Spuren sind immer nur den anderen sichtbar, es sei denn, man macht eine Kehrtwendung. Ich weiß, daß man für jede Zerstörung hundert Entschuldigungen anführen kann, und irren werden wir, wie Goethe sagte, solange wir streben. Dennoch sollten wir wenigstens immer wieder versuchen in die richtige Richtung zu gehen. Einige Beispiele. Nichts tun, was die Tendenz uns zum Transitland zu machen unterstützt. Aufhören mit dem Straßenneubau, den ständigen Verbreiterungen und Begradigungen, dem blindwütigen Abholzen und dem Nivelieren unserer gewachsenen Besonderheiten. Oder die Forderung nach Vergrößerung des Manövergeländes in Regen! Was gibt es deprimierenderes als Panzerschlachtenlärm inmitten eines Erholungsgebietes! Mag sein, daß es viele Regener gar nicht mitbekommen, die angrenzenden Orte können ein trauriges Lied davon singen.

Und schon wird konkretes Begehren auf Erweiterung des Standortübungsplatzes laut. Kurz: In ein Erholungsgebiet paßt keine Panzerarmee und Urlauber und Einheimische werden sich diese Zumutung zukünftig immer weniger gefallen lassen. Die gegenwärtigen Überlegungen zur Auflösung der Kaserne sind daher auch wirtschaftlich gesehen kein Unglück, sondern eine einmalige Chance.

3. Fassung

Eine Kaserne ist nichts, auf das man dauerhaft wirtschaftlich bauen könnte, im Gegenteil. Das Kapital des Bayerischen Waldes ist der Erholungswert der wunderschönen Landschaft. Eine Kaserne, bzw. Kanonendonner und MG- Geratter ist ziemlich das Letzte, was erholungsbedürftige Urlauber hier suchen. Wir sprechen aus Erfahrung! In den letzten Jahren haben wir in Regen, Langdorf und bei Zwiesel unseren Urlaub verbracht und sind dabei wiederholt mit dem Gefechtslärm der übenden Panzerbrigade konfrontiert worden, was uns jede Urlaubstimmung geraubt hat. Wir meiden heute deswegen diese reizvollen Orte und wohnen lieber in der Nationalparkregion oder quartieren uns im Böhmerwald ein. Nach unserer Auffassung wäre die Auflösung der Kaserne in Regen für die Urlaubsregion Bayerischer Wald eine Chance, wie sie so schnell nicht mehr kommt. Bleibt die Kaserne, soll das Manövergelände ja sogar noch erweitert werden. Das wäre wohl alles andere als eine Förderung des Fremdenverkehrs. Vergessen Sie nicht: Die Urlaubsmöglichkeiten haben sich durch die Grenzöffnung nach Osten vermehrt, der Konkurrenzdruck wird steigen. Die Gefahr Transitland zu werden, ist für den Bayerischen Wald groß. Die Waldler werden sich entscheiden müssen was sie wollen, entweder den konsequenter Ausbau zur Urlaubsregion mit Erhöhung der Lebensqualität oder Ausbau des Manöverbetriebes, des Transitwegebaus, der weiteren Industriealisierung, der Intensivierung der Landwirtschaft usw. Alles gleichzeitig kann man nicht haben. Wer das nicht begreift, kann leicht alles verlieren."

 

 

10.10.92 Autogerechtes Zwiesel

LB an BB/ nicht abgeschickt

Es gibt immer noch Leute, die träumen nach wie von einer autogerechten Welt, als wenn es diese jemals geben könnte! Vor allem in meiner Heimatstadt Zwiesel scheinen besonders hartnäckige Fälle dieser Spezies zu leben. Als einer, der zwei Jahrzehnte über den lokalen Tellerrand geguckt hat und vor kurzem erst wieder in die Heimat zurückgekehrt ist, empfinde ich heiligen Zorn über das beschränkte Treiben jener, die in der Zwischenzeit meine nähere Heimat beinah bis zur Unkenntlichkeit verändert haben. 1983 habe ich schon einmal in einem Leserbrief diese Entwicklung beklagt, doch diese ist genauso verlaufen, wie damals befürchtet. Mittlerweile haben sich immer neue Straßen und Industriegebiete wie ein bösartiges Geschwür beinah um den gesamten, früher so wunderschönen Ortsrand ausgebreitet. An den idyllischten Ecken sind häßliche Fabrikationshallen gewachsen, scheinbar ohne jedes System. Aber es ist eben so: eine Häßlichkeit gebiert immer neue; Beton und Asphalt in der Umgebung schlagen sich immer auch in den Köpfen der Menschen nieder: ein Wechselspiel, an dessen Ende nur Tristesse und Zerstörung stehen können. Wurde in einer Nachbarstadt aus einer Industrieanlage eine wunderbare Idylle geschaffen, so werden in Zwiesel immer noch die wenigen grünen Zimmer der Stadt in Parkplätze, Industriegebiete oder eben Straßen verwandelt. Einerseits möchte man Kneippkurort werden und sein Image als Urlaubsgebiet ausbauen, andererseits will man Industriestandort sein. Diese Ambitionen sind zwar verständlich, aber schließen einander aus. (Übrigens passen Kanonendonner und MG-Salven die aus der Regener Kaserne durch den Landkreis hallen ebensowenig zur Erholungsatmosphäre, wie rücksichtslose Bauern, die selbst während der Hundstage im August ganze Täler güllebraun einfärbten). Kurz- man muß sich darüber klarwerden, was man eigentlich möchte. Doch noch einen Satz zum Auslöser dieses Schreibens, zur Ablehnung der geplanten Straße nach Innenried durch den BUND: Wann will man endlich aufhören mit immer neuen Begradigungen und Verbreiterungen? Wir haben doch immer gesehen, was Straßen für begleitende Zerstörungen mit sich bringen. Ich fände es schade um die Ziegelwiesen, denn ihre Verbauung würde wohl unausweichlich dem Straßenprojekt folgen. Und auch ich finde, man solle sich über die durch den Tunnel verursachte Engstelle nicht nur lamentieren, sondern auch ihre positiven Wirkungen sehen, die man über kurz oder lang auch in die neue Straße einbauen müßte: die geschwindigkeitsreduzierende Wirkung.

 

 

29.8.92 Persönlicher Brief an Redaktion

zum Konzertbericht (nicht abgeschickt)

In über zwanzig Jahren Liedermachertätigkeit habe ich ja schon alles mögliche erlebt, was auswärtige Zeitungen und Rundfunkanstalten mit meinem Namen gemacht haben, die Ankündigung für das Sonntagskonzert im Kurpark ist aber der Gipfel! Schreiben Sie Namen eigentlich immer so wie es Ihnen gerade in den Kopf kommt? Vier Fehler in einem Namen! Wie heißt es doch so schön? Schreim S´ was wolln, aba schreim S´wenigstens mein Namen richtig...!

Schade finde ich auch, daß Sie - trotz meines Anrufs - keine Silbe davon erwähnen, daß es sich bei der Rockhausmuse um eine Familienband handelt (kennen Sie vielleicht noch eine?) und daß es sich immerhin um das erste Konzert nach über 2-jähriger Auftrittspause handelt. Dafür schreiben Sie etwas von "extriger Musik für extrige Hörer", einen aus Verlegenheit eingangs geäußerten Satz, um die Notwendigkeit einer vernünftigen Ankündigung zu begründen.

Ich will nur hoffen, daß dies alles nicht redaktionellem Hochmut entspringt und auch kein Beispiel ist für die übliche Qualität Ihrer Recherchen.

 

 

15.8.92 Notwendige Düngung oder Entsorgung?

LB an BB/ Nicht abgeschickt

Durch das Schönreden eines Mißstandes wird dieser nicht beseitigt, jener Leserbrief von Herrn B. zum Thema "Güllen" ist durch die Realität einfach widerlegt. Sogar während der Hundstage in der ersten Augustwoche "entsorgten" einige schwarze Schafe tagelang großflächig Schwemme auf die Wiesen, der Gestank in der Hitze war schier unerträglich! Dies alles geschah ohne Aussicht auf Regen und trotz dauernder Warnung vor hohen Ozon-Werten, die ja durch Luftschadstoffe entstehen. Daß daran auch Gülle-Emmissionen beteiligt sind, ist zu vermuten. Denn der bestialische Güllegestank vermiest einem nicht nur die Freude am Atmen und erzeugt Unpässlichkeiten der verschiedensten Art, sondern ist auch maßgeblich am Waldsterben beteiligt (niederländische Forscher sprechen von ca. 30%). Die Bauern wirken also an der Zerstörung ihres eigenen Waldes mit! (Nicht zu reden von der Nitratverseuchung unserer Gewässer). Doch wo sind die Politiker die genug Courage besitzen und zugeben, daß die Förderung der Schwemmentmistung ein Irrweg ist, und die großen Güllemengen nur zum Himmel stinkendes Sympthom einer verfehlten Landwirtschaftspolitik sind, welche die Industriealisierung der Landwirtschaft fördert und die kleinen Höfe zerstört?

Müßten die Bauern wie früher ihre Tiere mit eigenem Futter ernähren, würde die Mistmenge für eine einmalige Düngung im Herbst reichen. Doch heute wird 3 bis 5 Mal Gülle ausgebracht, das Ergebnis von billigen Futterimporten, auch aus der Dritten Welt. Aus diesem Grund stinkt die Sache in mehrfacher Hinsicht. Wer bei den heutigen Güllemengen noch von notweniger Düngung spricht, macht sich lächerlich, es ist eine barbarische Art der Abfallbeseitigung. Natürlich sind die Bauern mehr Opfer als Täter und wir Verbraucher, die für alles Geld auszugeben bereit sind, nur nicht für gesunde Lebensmittel, müssen uns gradso an der Nase fassen.

Eines sollte aber jedem klar sein: der bestialische Güllegestank hat nichts mit der früher oft beschworenen "gesunden Landluft" zu tun, denn ein Misthaufen hat vergleichsweise ein himmlisches Bukett...

Wenn uns jemand die Suppe vergiftet, kommt er vor den Kadi. Wenn uns jemand unser wichtigstes Lebensmittel - die Atemluft - verdreckt, spricht das Gesetz von "ordnungsgemäßer" Landwirtschaft.

Doch was Wälder umbringt, macht auch Menschen krank! Das ganzjährige Schwemmeausfahren ist ja auch für die Bauern selber eine Zumutung. Ich kenne manchen, dem dadurch die ganze Landwirtschaft verleidet wird.

 

 

1.7.92 (ca.) Angst vor Phantasie?

Beispiel für die verschiedenen Fassungen eines Leserbriefes

1.Fassung / nicht abgeschickt

Zu jeder Zeit leben Menschen aller Entwicklungsstufen. So kann ein Bummel durch die Stadt zu einem Abenteuer werden, einer Reise durch die Entwicklungsgeschichte. Einen traurigen Anblick bieten dabei nur diejenigen, die in ihrer Entwicklung frühzeitig stehengeblieben sind, dies aber nicht erkennen und von ihrem Maulwurfshügel herab Reden führen, als hätten sie den Arber erklommen. Diese "Gestandenen" erfreuen sich in unseren Breiten immer noch großer Wertschätzung. Ich rede von den Strukturkonservativen, wie sie sich in ausgeprägter Form etwa bei den Republikanern versammelt haben und die ihren beschränkten Sichtkreis in ihrer Einfalt zum allgemeingültigen Panorama erklären.

Daß sie sich derzeit mal wieder über zeitgenössische Malerei ereifern, ist nur Ausdruck ihrer Maulwurfssicht und ihrem tiefen Mißtrauen gegenüber allem, was mit Vorstellungskraft zu tun hat. Denn vor dieser müssen sie ja die allergrößte Angst haben. Würde sie zum Allgemeingut werden, würden ihre gestrigen Phrasen schnell durchschaut und wären nur noch Grund zur Erheiterung.

 

2.Fassung

Zu jeder Zeit leben Menschen aller Entwicklungsstufen. Die alltägliche Begegnung mit ihnen ist für den dafür Offenen ein interessantes Abenteuer, quasi eine Reise durch die Entwicklungsgeschichte, auch durch die eigene. Auch wir selber sind nicht auf allen Gebieten gleich weit entwickelt, bei jedem findet sich manches Neandertal. Doch das ist keine Schande, solange wir uns Aufnahmebereitschaft, zumindest aber Toleranz dem gegenüber bewahren, was wir nicht (vielleicht noch nicht!) verstehen. Tragisch wird die Sache nur, wenn manche Leute ihren beschränkten Sichtkreis in ihrer Einfalt zum allgemeingültigen Panorama erklären.

Daß sich Vertreter der politischen Rechten über zeitgenössische Malerei ereifern, ist nur Ausdruck ihres tiefen Mißtrauens gegenüber allem, was mit Vorstellungskraft zu tun hat, denn vor dieser haben sie Angst, wie der Teufel vorm Weihwasser. Denn Phantasie läßt die Menschen hinter die Dinge sehen, akzeptiert keine starren Vorgaben und ist alleine dadurch kein Nährboden für gestrige Phrasen.

3. Fassung

Warum ereifert sich die politische Rechte seit jeher gegen jene Kunst, die sich nicht mit beschönigendem Abbilden begnügt? Die nach der eigenen Form sucht, nach der unverwechselbaren Farbgebung, die die Spiegelungen auf der Netzhaut noch mit den tieferen Eindrücken aus Bauch und Kopf zu ergänzen versucht, weil sie ein Kopieren des Augenscheinlichen für ein anmaßendes und heilloses Unterfangen hält. Warum diese Verehrung des Illusionistischen, des Vordergründigen, des Idealisierenden? Warum dieser Zorn gegen das Phantastische, gegen das Hintergründige, gegen das Offenlegende, das Zusammenhänge aufzeigende, das Widersprüchliche, das Gefühlte, das Abstrahierte, das Improvisierte, das Satirische? Weil es Strukturkonservativen an Vorstellungskraft mangelt? Weil ihnen Hintergründigkeit, Mut zum Offenlegen von Gefühlen und vor allem Selbstironie fehlt? Weil sie ahnen, daß ihren gestrigen Phrasen niemals Menschen auf den Leim gehen, die jene genannten Eigenschaften besitzen?

4. Fassung

Warum ereifert sich die politische Rechte seit jeher gegen jene Kunst, die sich nicht mit beschönigendem Abbilden begnügt? Die nach der eigenen Form sucht, nach der unverwechselbaren Farbgebung, die die Spiegelungen auf der Netzhaut noch mit den tieferen Eindrücken aus Bauch und Kopf zu ergänzen versucht, weil sie ein Kopieren des Augenscheinlichen für ein anmaßendes und heilloses Unterfangen hält. Warum diese Verehrung des Illusionistischen, des Vordergründigen, des Idealisierenden? Warum dieser Zorn gegen das Phantastische, gegen das Hintergründige, gegen das Offenlegende, das Zusammenhänge aufzeigende, das Widersprüchliche, das Gefühlte, das Abstrahierte, das Improvisierte, das Satirische? Weil es Strukturkonservativen an Vorstellungskraft mangelt? Weil ihnen Hintergründigkeit, Mut zum Offenlegen von Gefühlen und vor allem Selbstironie fehlt? Weil sie ahnen, daß ihren gestrigen Phrasen niemals Menschen auf den Leim gehen, die jene genannten Eigenschaften besitzen?

Oder macht ihnen einfach nur das Fremde Angst, so wie ihnen ja auch die Fremden Angst machen? Haben sie nur Angst um die vertrauten Horizonte, die vertrauten Pfründe, die alten Illusionen? Angst um das enge Karo ihres Weltbildes? (welches- nebenbei bemerkt- niemals dasjenige unserer Dichter und Denker war).

 

 

14.11.91 Sperrmüllerein

LB an MZ

In einem Bericht zum Thema Sperrmüll gebrauchten Sie in den letzten Tagen wiederholt den Begriff "Sperrmüllhaie" für Leute, die die Haufen nach noch Brauchbarem absuchen. Selten habe ich eine so verfehlte Wortwahl gelesen. Es gibt zwar Miet- und Wohnungshaie, Kredit-, Börsen- und Rüstungshaie usw. und in diesen Fällen mag der Begriff Hai- mit das schärfste Wort, das wir im Deutschen für skrupellose Menschen haben- auch gut gewählt sein (obwohl die echten Haifische sich wohl bedanken würden, wüßten sie, mit welchen gierigen Berufsständen man hier ihren guten Namen verbindet). Daß man aber diejenigen Menschen, die aus dem Sperrmüll die noch brauchbaren Teile heraussuchen, um sie wiederzuverwenden, als "Haie" bezeichnet, ist einfach unzulässig, sind es schließlich diese "Sperrmüller", die seit jeher den Müll verringern und unserer Verschwendungsgesellschaft ein wenig gegensteuern. Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge der Sperrmüllaktionen Anfang der siebziger Jahre in Berlin, wo die Sperrmülltage beinahe Volksfestcharakter hatten und ein buntes Suchen und Tauschen waren. Es gab aber auch damals schon Leute, die sich darüber ereiferten, wenn jemand "ihren" Müllhaufen" durchsuchte. Ich habe das dahinterstehende Denken nie verstanden, denn wir freuten uns immer darüber, wenn jemand unsere abgelegten "Schätze" noch gebrauchen konnte und sie wegholte. Sollte es den Kritikern etwa peinlich sein, daß andere sehen könnten, was sich an Krusch bei ihnen so ansammelte? Irgendwo im psychologischen Bereich muß die Abneigung gegen die Müllsammler schon wurzeln. Ich meine, mehr Gelassenheit täte der Sache gut. Statt die Sperrmüller - meist Bastler und Kinder - als Haie zu verunglimpfen- was ja sowieso absolut lachhaft ist- sollte man sie vielmehr bei ihrem sinnvollen Tun ermuntern, denn es gehört ja viel Selbstbewußtsein dazu, die Haufen durchzusehen. (Daß die Sperrmüller dabei einigermaßen Ordnung halten sollten, versteht sich von selbst.)

 

 

2.3.91 Kuweit frei?

LB an AAZ zum Bericht vom 27.2.91 "nach 41 Kriegstagen ist Kuweit frei"

Kuweit frei? Ich weiß nur, daß Kuweit brennt, daß hunderttausende Menschen getötet und verstümmelt wurden, daß unschuldigen Menschen einer ganzen Region mutwillig ihre Heimat zerbombt wurde, daß durch die brennenden Ölfelder die erde ihre größte Umweltkatastrophe erleben wird, daß wir alle den giftigen Dreck einatmen werden, daß ein Meer stirbt und späteren Generationen wertvolle Ressourcen vernichtet werden. Und wofür? Für die Freiheit der Kuweitis wieder unter feudaler Herrschaft leben zu dürfen? Kann sich die Liebe zu einem Land darin zeigen, daß man es vergiftet?

Aber ja, es ging ja um Niederschlagung des Diktators Saddam Hussein (und um die Rechtfertigung und Beschäftigung) eines gigantischen Militärapparates).

Wer wissen will, um was es sonst noch ging, braucht nur danach fragen, wer aus diesem Krieg Vorteile zieht. Wer hat an der Aufrüstung des Irak verdient? Wer an seiner Zerstörung? Wer wird an seinem Wiederaufbau verdienen und wer geht aus aus dem großen Zerstören gestärkt hervor?

Richtig, Krieg kommt von Kriegenwollen. Daß moderner Krieg nichts mit Mut zu tun hat und das Feigste ist, was es gibt, zeigt die Zahl seiner Opfer: Hier hunderttausend, dort knapp zweihundert. Sollte man mit Kanonen auf Spatzen geschossen haben? Die Allierten werden nicht als Sieger in die Geschichtsbücher eingehen, sondern als Barbaren, die aus niederen Beweggründen die Erde verbrannt haben.

 

 

18.2.91 Ursachen der Kriegerei

LB an AAZ (nicht gedruckt worden)

Ausländische Kriegshetzer haben uns Deutschen Feigheit vorgehalten, weil wir uns am Golfkrieg nicht direkt beteiligen. Doch moderner Krieg hat nichts mit Mut zu tun, im Gegenteil, er ist feig und widerlich. Wer nur einen Funken Vorstellungskraft besitzt wußte das auch schon vor den grauenhaften Bildern aus Bagdad. Krieg, diese größte aller menschlichen Anmaßungen, ist das schlimmste was es gibt und durch nicht zu rechtfertigen. Wie verlogen ist es vorzugeben, mit Krieg Menschenrechte verteidigen zu wollen und scheut sich nicht dafür massenhaft unschuldige Menschen zu töten, zu verstümmeln, obdachlos zu machen, ihre Lebensgrundlagen zu zerstören. Alles, was uns normalerweise etwas bedeutet, wird durch Krieg zerstört und mit Füßen getreten. Wer sagt es gäbe gerechte, notwendige und heilige Kriege, der sagt nichts anderes, als daß er Ideologien über den Menschen und die Schöpfung stellt.

Tatsächlich hat Krieg immer mit "kriegen" zu tun, beim Golfkrieg ist es nicht anders. Die Industriestaaten wollen billiges Öl, um weiterhin so verschwenderisch wirtschaften zu können. Dann verdienten sie beim Aufrüsten des Iraks, nun ander Materialschlacht seiner Zerstörung, später wohl wieder am Aufbau. Auch die Nachbarstaaten in Nahost verfolgen handfeste Interessen: sie leben in teilweise willkürlich gezogenen Grenzen mit unterdrückten Volksgruppen zuhauf, werden von Feudalherrn, Diktatoren und nationalistischen Gruppen regiert, benebelt von religiösen Eiferern schielen sie nach Vormachtsstellung in der Region und lassen sich gerne durch die allierte Kriegswalze einen Konkurrenten ausschalten. Man braucht kein Prophet zu sein: Die neuen Saddams stehen schon in den Startlöchern!

Doch schon werden wieder neue Rüstungsgeschäfte von Bonn abgesegnet, neue Kriege ganz legal vorbereitet. Rede mir ja keiner mehr von "neuer friedlicher Weltordnung", denn eine solche wird es erst geben, wenn Waffenhändler, Militärs und ihre politischen Strohmänner von allen zivilisierten Völkern geächtet werden.

 

 

15.2.91 Krieg kommt von "kriegen-wollen"

Leserbrief an AAZ

Der Augsburger Bischof predigte Soldaten, der Golfkrieg sei notwendig. Der britische Erzbischof nannte den Golfkrieg einen gerechten Krieg usw. Wodurch unterscheiden sich diese christlichen Geistlichen von islamischen, die mit Saddam Hussein den Golfkrieg als "Heiligen Krieg" bezeichnen? Die ganze Menschheitsgeschichte segneten Priester so immer die Kriegshandlungen ihrer Mächtigen ab und redeten den Soldaten ein, daß Gott an ihrer Seite stehe. Ich frage mich, was diese Priester für ein karikaturhaftes Gottesbild haben müssen. Offenbar denken sie sich Gott nach ihrem eigenen Bilde, genauso kleinkariert, engstirnig, materialistisch. Ich will nur hoffen, daß die Menschen sie heute durchschauen und sich nicht mehr zum Töten und Sterben verführen lassen. Denn Krieg kommt immer von "Kriegen-wollen", auch der gegenwärtige. Seien Sie sicher - neben den Losungen von Saddam und Busch gibt es noch hundert andere Gründe! Wenn ausländische Kriegshetzer uns Deutsche heute als Feiglinge beschimpfen, so ist das im besten Falle Torheit, denn der moderne Krieg ist das Feigste und Erbärmlichste, was es gibt. Der Krieg am Golf wird gegen die Schöpfung geführt, gegen alles was auf dieser Erde lebt. Wir müssen erkennen, daß die ganze Soldaterei nur eine bösartige Krankheit ist, daß Waffen niemals schützen sondern stets nur bedrohen und daß Bomben kein einziges unserer Probleme lösen, im Gegenteil. Darum müssen wir endlich anfangen gegen die wirklichen Bedrohungen aufzurüsten: Gegen den Hungertod, die Zerstörung der Biosphäre, gegen die Krankheit des immerwährenden "Kriegen-wollens", gegen die menschliche Untoleranz. Doch niemals waren meine Zweifel größer als heute, ob uns dafür wirklich noch genügend Zeit bleibt. Wie es aussieht versinkt die Menschheit - wenige Jahre vor dem Jahr 2000 - erstmal wieder in der Barbarei.

(Nicht abgedruckt worden).

 

 

25.10.89 Selbstmörder

LB an AAZ zum Thema "Soldaten sind Mörder"

In der gesamten Menschheitsgeschichte waren Soldaten immer Werkzeug der Gewalt. Den unzähligen Opfern dürfte es gleich sein, aus welcher Intention heraus sie getötet wurden, ob aus edlen Verdeidigungsmotiven, aus Angst, Gier, Haß oder religiösem oder politischem Wahn. Niemand wird ernstlich bestreiten, daß das Handwerkszeug von Soldaten nur zum Töten taugt. Wer sich nun darüber ereifert, daß jemand Soldaten als potentielle, also als mögliche Mörder bezeichnet, macht sich geradezu lächerlich. Natürlich weiß ich, daß man mit der Aufregung den Soldatenstand schützen will, der den Mächtigen alleine Garantie für ihre Macht, den Kaufleuten Garantie für ihre Märkte und Gewinne ist.

Soldaten sind sicher nicht immer Mörder, denn morden ist töten aus niederen Beweggründen und die meisten Soldaten haben wohl immer nur getötet, weil sie selber überleben wollten. Auch Bundeswehrangehörige, die bis heute noch niemanden getötet haben, darf man nicht als Mörder bezeichnen, aber das hat ja auch niemand gemacht.

Doch solange politische Führer ihr jeweiliges Wirtschaftssystem höher bewerten als das Leben der Völker und die Drohung im Raum steht, im Fall eines Angriffs der Gegenseite mit atomaren Feuer Vergeltung zu üben - was u.U. sogar das Überleben der ganzen Gattung Mensch gefährdet - solange muß man vor der Soldaterei Angst haben. Aber wer ein menschengemachtes System über die Menschen, ja die ganze Schöpfung stellt, muß sowieso verrückt sein, und weil dies so ist, sind undifferentierte Verurteilungen, wie die, das Soldaten mögliche Mörder sind, wohl eher noch starke Untertreibung. Nun- vielleicht hätte es auch genügt Soldaten als Selbstmörder zu bezeichnen. Aber vielleicht wäre dann doch keine so lehrreiche Diskussion in Gang gekommen. Wenn ich aber höre, daß der Verteidigungsminster die "anständigen" Bürger auffordert, "vor Ort" gegen die Lästerer der Armee vorzugehen, dann ist das ein Aufruf zur Selbstjustiz und der Urheber sollte schleunigst seinen Hut nehmen.

Das einzige Mittel, damit Armeen an Wertschätzung gewinnen wäre, eine Aufrüstung anderer Art, nämlich gegen die wirklichen Bedrohungen dieser Welt: Gegen die Zerstörung der Biosphäre, gegen die Unterdrückung und den Hunger in der 3. Welt. Solange das nicht geschieht, bleiben Armeen nur ein bedrohliches Fossil aus barbarischen Zeiten.

 

 

20.10.89 Riskante Tiefflugübungen

Offener Brief an Verteidigungsminister Stoltenberg und LB

Sehr geehrter Herr Stoltenberg!

Heute, gegen 11.30 Uhr, wurde unser Internat von mehreren Militärmaschinen im Tiefstfflug überflogen, vermutlich in einer Höhe von unter hundert Metern. Nur Sekunden später kreuzten zwei weitere Maschinen keine 500 Meter nördlich von uns, ebenfalls im Tiefstfflug, die Flugbahn der ersten Maschinen. Nach den schrecklichen Unfällen von Tieffliegern ist der Vorfall eine Rücksichtslosigkeit und eine mutwillige Gefährdung von Leib und Leben.

Ich fühle mich durch diese rücksichtslosen Kriegsspiele aber nicht nur persönlich bedroht, ich möchte auch im Namen der hier lebenden 130 Jugendlichen gegen dieses wahnwitzige Treiben über unseren Köpfen schärfstens protestieren.

Der Kurort Bad Wörishofen liegt ja zudem in keinem Tieffluggebiet, wird aber dennoch laufend überflogen. Vor allem unser Internat, das vorgelagert zwischen zwei Ortsteilen liegt, scheint - wie vor Jahren ein Major bei der Beschwerdestelle in Köln mutmaßte - als Ziel oder Orientierungshilfe für Sichtflüge benützt zu werden. Sollte dies zutreffen, daß eine Schulanlage als Tiefflugziel mißbraucht wird, wäre dies eine unglaubliche Gewissenslosigkeit.

Da Sie als Verteidigungsminister für unseren Schutz zuständig sind, möchte ich Sie eindringlich bitten, uns vor diesen Luftrowdies zu beschützen. Im übrigen scheinen mir Verteidigungsübungen, die selbst in Friedenszeiten keine Rücksicht auf die Menschen nehmen, eine ethisch fragwürdige Sache zu sein.

 

 

27.1.87 Brauche keinen Deckmantel

LB an Bad Wörishofer Zeitung. Entgegnung auf einen LB zu meinem vorherigen.

Mein Lob für den gelungenen Ausbau der Fidel-Kreuzer-Straße war ehrlich gemeint. Ich pflege nicht zu loben, was mir nicht gefällt. In einem meiner Lieder habe ich schon vor Jahren von einer derartigen Straße geträumt.

Der Kontrapunkt in meinem Leserbrief, die an unglücklicher Stelle geplante Umgehungsstraße, bewegt mich wirklich seit nunmehr bald zehn Jahren. Damit niemand mehr Mutmaßungen über meine diesbezügliche Motivation anstellen muß, nochmals meine Gründe:

1. Als Bürger Wörishofens fühle ich mich für meinen Lebensraum mit verantwortlich; das "grüne Herz" Wörishofens mit einer Straße zu zerschneiden, wäre ein nicht gutzumachender Fehler.

2. Ich leite ein Internat, das nur 100 Meter von der geplanten Straße entfernt liegt, meine jährlich etwa 700 Schüler wären die Hauptbetroffenen.

Die Straße wurde zu einer Zeit geplant, da gab es weder die Gartenstadt in in ihrer derzeitigen Form, noch die Schulen und Internate am östlichen Rand der Kurstadt. In der Planungsphase war die Trasse ja wirklich eine Umgehung, heute ist sie es eben nicht mehr. Den Schlingener, die heute auch zu Wörishofen gehören, würde die Straße überhaupt keine Verkehrsentlastung bringen. Ich meine, daß die Lage einfach neu beurteilt werden muß.

Was mein Hobby als bayerischer Mundartautor und Komponist mit der Sache zu tun hat, habe ich nicht verstanden, offenbar versucht der Schreiber mich in ein schlechtes Licht zu rücken. Der Name "Geiss Haeim" ist mein umgangssprachlicher Rufname und kein "Deckmantel", doch darauf wurde in der MZ schon früher hingewiesen.

 

 

21.1.87 Vorfahrt für Menschen und Bäume

LB an die Bad Wörishofer Zeitung

Endlich findet sich Gelegenheit die Stadtväter und Planer uneingeschränkt zu loben: Der Umbau der Fidel Kreuzerstraße ist großartig gelungen!

Wie ich an einem sonnigen Dezembertag in die Straße kam, glaubte ich fast zu träumen: eine Straße, in der Bäume wachsen! Im Kleinen hat sich hier für mich ein alter Traum verwirklicht - eine Straße, für Menschen und Bäume!

Ich könnte mir gut vorstellen, daß dieses städtebauliche Meisterstück zum Vorbild der Wohnstraßen der Zukunft werden und Besucher aus Nah und Fern anziehen könnte.

Auch die Pflasterarbeiten fügen sich harmonisch in das Gesamtbild und hat - im Gegensatz zum reifengerechten Asphalt - ein menschliches Maß.

Was ich aber nicht begreife ist, daß dieselben Stadtväter immer noch die Grünfläche zwischen Kur- und Gartenstadt dem Straßenbau opfern wollen. Eine Grünfläche, die ja eigentlich mitten in der Stadt liegt und die für einen Kurort unbezahlbar ist. Was könnte man daraus nicht alles machen: einen Park mit Biotopen anlegen, mit eingestreuten Kleingärten, oder, beinahe noch schöner, ein durch Vogelschutzhecken und vereinzelte hohe Laubbäume kleingegliederter extensiv bewirtschafteter bäuerlicher Raum.

Wohlgemerkt, ich habe im vorliegenden fall nichts gegen eine Umgehungsstraße, wenn sie das tut, was sie im Namen vorgibt zu tun, nämlich einen Ort umgehen und nicht zerschneiden. (Obwohl um jeden Quadratmeter schade ist, der zugeteert wird!)

 

 

20.11.86 Trivialisieren durch Gitarren

LB an das "Natur"-Magazin zum Interview mit Günther Anders

Ich habe die "Antiqiertheit des Menschen" gelesen und schätze Günther Anders außerordentlich. Seiner pauschalen Geringschätzung von Liedern bei Demonstrationen möchte ich aber doch widersprechen. Auch ich mag kein vorwitziges Kulturprogramm am Bauzaun in Wackersdorf hören, kriege Gänsehaut bei vielem was sich "Kleinkunst" nennt, fluche, wenn mit Liedern Demonstranten unterhalten werden, wenn der Sinn des Zusammenrottens zersungen wird. Und doch gibt es Lieder, die mehr die Hirne und Herzen der Menschen bewegen, als zehn Philosophen in hundert Jahren zusammen. Ich glaube, das Günther Anders da über etwas urteilt, daß er nicht kennengelernt hat oder daß er als Denker nicht braucht. Doch in aller Regel bringen nicht Politiker und Wissenschaftler junge Leute zum Nachdenken, sondern die Künstler, die nicht nur die Botschaft, sondern auch den passenden Schlüssel für sie haben. Dies als "emotionalen Schwachsinn" zu bezeichnen, ist eine unerhörte Geringschätzung von Gefühlen. Mit dem Spott auf die "drei Akkorde" ist es gradso. Die genialsten Weisen sind einfach aufgebaut, die Zahl der Akkorde als Maßstab für gute Musik zu nehmen, nenne ich Schwachsinn. Alle gute Volksmusik aller Kulturen ist genial einfach, man denke dabei z. B. an den menschenergreifenden Blues.

 

 

10.5.86 Für Stopp aller Atomprojekte

LB an die Augsburger Allgemeine Zeitung

Wenn sich die ukrainische Atomwolke einmal gleichmäßig über den Erdball verteilt und die akute Bedrohung abgeklungen sein sollte, darf nichts mehr sein wie vor der Katastrophe. Anderenfalls wäre die Menschheit wirklich so unbelehrbar, wie von Pessimisten oft beschrieben. Die bisherigen Äußerungen der Atomminister in Ost und West lassen aber wenig Einsicht ahnen.

Als Vater von Kindern, für deren Zukunft ich mit verantwortlich bin, fordere ich den sofortigen Stopp aller zivilen und militärischen Atomprojekte und mittelfristig den Rückzug aus dieser teuflischen Technologie. Wir fühlen uns in unserem Grundrecht nach Artikel 2 des Grundgesetzes in unserem Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit bedroht. (Und ich kenne niemanden, der dies anders sieht!)

Es gibt tausend Gründe gegen diesen Wahnsinn. Einer davon genügt aber: Es ist durch nichts zu rechtfertigen, nachfolgenden Generationen ein tausende von Jahren strahlendes Erbe zu hinterlassen, nur um günstigstenfalls noch wenige Jahrzehnte so verschwenderisch weiterwursteln zu können wie heute. In Artikel 20 des Grundgesetzes heißt es, die Staatsgewalt wird vom Volk u.a. durch Abstimmungen ausgeübt. Eine Volksabstimmung über die Atomkraft ist längst überfällig. Alle wissen wie diese ausgehen würde, aus diesem Grunde haben die Regierenden daran auch kein Interesse...

Da von Deutschland der atomare Irrweg seinen Ausgang nahm, sollten wir mit als erste ein deutliches Umkehrsignal geben.

 

 

19.3.86 Unheilige Allianz der "Progressiven"

LB an MZ (nicht abgeschickt)

Wenn es um den sogenannten "Fortschritt" geht, verstehen sich rechte und linke Politiker (weltweit) vorzüglich. Sie bauen Atommeiler oder eine neues Parkhaus - immer aus Gründen des Umweltschutzes. Die Fällaktion der Lindenallee wird von SPD-Stadtrat Ibel damit gerechtfertigt, daß durch das Parkhaus andere Stadtbäume weiterleben können. Das heißt, mit Naturzerstörung soll Natur geschützt werden... Das verstehe wer will, ich nicht. Es wird in Wörishofen weitergehen wie bisher, immer wieder werden alte Bäume einem Bauprojekt im Wege stehen und immer wieder werden sich gute Gründe für ihre Fällung finden lassen sein.

 

 

8.3.86 Kein Respekt vor alten Bäumen

LB an Bad Wörishofer Zeitung/ MZ

Dieser Tage hat man beim Bahnhof 14 alte Laubbäume gefällt. Bäume, die viele Jahrzehnte gebraucht haben, bis zu dieser stattlichen Allee herangewachsen waren. Die Verantwortlichen sind sich doch hoffentlich im Klaren darüber, daß derartige Bäume in der Innenstadt eine unbezahlbare und nicht zu ersetzende Kostbarkeit darstellen, an denen Wörishofen nicht gerade reich ist.

Wer vor einigen jahren das Trauerspiel um die neugepflanzten Bäume an der Zugspitzstraße verfolgt hat, von denen keiner am Leben blieb, weiß, daß Bäume wenig Chancen haben erwachsen zu werden.

Es ist schon zum Verzweifeln! Selbst in einem Kurort, wo Bäume neben allen anderen Qualitäten, allein durch ihre Schönheit direkten kommerziellen Wert haben, sind sie immer im Weg. Hier stören alte Bäume, in der Kreisstadt stören die Saatkrähen...

Bei den alten Germanen waren übrigens beide heilig. Unsere neuen Götter sehen anders aus: sie haben Stoßstangen und Sitzkomfort...!

 

 

15.2.86 Bauerntag der Grünen in Vilshofen

LB an Augsburger Allgemeine Zeitung

In der AAZ vom 13.2 hieß es dazu nur: "allerdings verloren sich im Nieselregen bei 10 Grad unter Null gerade 200 Teilnehmer auf dem Kirchplatz.."

Daß es bei grimmigen Frost keinen ´Nieselregen geben kann und auf dem erwähnten Kirchplatz nicht viel mehr Besucher Platz gefunden hätten, sind zwar Falschmeldungen, wären aber noch keinen Leserbrief wert. Doch zu unterschlagen, daß die Kundgebung auf dem Kirchplatz nur der Auftakt des Bauerntages war, ist schon ein dicker Hund. An die Kundgebung, zu der trotz widrigsten Umständen viele Landwirt gekommen waren, schlossen sich ein denkwürdiger Gottesdienst und am Nachmittag total überfüllte Voträge an. Da hielten Landwirte Kurse zum Thema "Biologischer Landbau", "Existenzsicherungspro-gramme für kleine Betriebe", "Genossenschafts-gründungen", "Direktvermarktung" sowie die total überlaufenen Vorträge von Barbara Rütting über "Vollwertkost und gessunde Ernährung".

Abens endete der Bauerntag durch einen kulturellen Teil und einer Rede von Antje Vollmer. Über den Tag verteilt hatten wohl an die 2000 Besucher an den verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen. Die am Aschermittwoch übliche Phrasendrescherei wurde gänzlich von sachlicher Information verdrängt, eine Seltenheit im politischen Raum, die nicht unerwähnt bleiben darf.

Deswegen ist die Berichterstattung in den Medien daraüber ein Skandal. Eine Redakteuerin des BR antwortete auf meine Frage nach dem Zeitpunkt ihrer Sendung verlegen, es gäbe in ihrem Sender dafür keinen Platz, die Aufnahamen würden von anderen Sendern gewünscht. Auch das ARD-Fernsehteam, das den ganzen Tag drehte, durfte im "Bericht aus Bonn" nur wenige nichtssagende Bilder senden. Sollte dies alles Zufall sein? Oder sind die Grünen für die Medien nur dann interessant, wenn es von ihnen Negatives zu berichten gibt?

 

 

21.4.84 Persilschein für Weiße-Kragen-Kriminalität

LB an die Augsburger Allgemeine Zeitung/ nicht abgeschickt

Das hält man doch im Kopf nicht aus! Die Entscheidung des Bundesfinanzhofes betrieblich und beruflich verursachte Geldstrafen incl. Gerichts und Anwaltskosten steuerlich absetzbar machen zu wollen, klingt wie ein Faschingsscherz. Kein Kabarettist getraute sich derartiges auszudenken!

Die nicht bezifferbaren Folgekosten der Naturzerstörung und der Wirtschaftskriminalität hatte die allgemeinheit schon immer zu tragen. Für Umweltsünder war es schon immer billiger milde Strafgelder zu bezahlen statt z. B. Filteranlagen einzubauen. Doch nun sollen uns auch noch die Strafgelder aufgebrummt werden!

Falls dieser Persilschein des Finanzhofes Realität werden sollte, sind alle weiteren Umweltgesetze nur noch Makulatur.

 

 

29.11.83 Kopf aus dem Sand

LB an die Mindelheimer Zeitung zur Stadtratdiskussion über das Waldsterben

Nach jahrelangen Warnungen der Fachleute haben seit knapp einem Jahr auch die Vertreter der großen Parteien von der Existenz des Waldsterbens Kenntnis genommen. Einige Herren der NPD getrauen sich aber auch heute noch verniedlichende Sprüche darüber zu machen, so zu lesen in der MZ vom 24.11.83.

Wer heute diese Vorgänge mit flapsigem parteiengezänk behandelt, hat offensichtlich noch nicht begriffen, was da vor sich geht! Im letzten Jahr sind die Schäden in Bayern von 8 auf fast 50 Prozent gestiegen!

Wer dann abwiegelt, es habe bereits vor Christus Waldsterben gegeben, hat daraus aber nichts gelernt. Rund ums Mittelmeer sind einmal dichte Wälder gewachsen, bis sie der Mensch gedankenlos rodete. Heute gibt es dort Wüste und verkarstete Flächen. Soll es bei uns auch so werden?

Wer glaubt, wir könnten auch ohne Bäume weiterleben, irrt. Mit dem Wald sinkt der Grundwasserspiegel noch weiter, der Boden wird ausgewaschen und abgetragen, Klimaveränderungen sind möglich. Bereits heute kommt es nach Regenfällen immer öfter zu Überschwemmungen, weil die Wälder ihre "Schwammfunktion" immer weniger erfüllen können.

Auf den abgestorbenen Höhen des Erzgebirges versucht man seit Jahren wieder aufzuforsten - ohne Erfolg. Erst in diesem Sommer habe ich erschüttert die großflächig absterbenden Bergwälder meiner ostbayerischen Heimat gesehen. Wenn ich dann derartiges Geschwätz in der Zeitung lese, packt mich heiliger Zorn. Doch dieser hat sein Gutes, gibt er einem doch auch die Kraft zu kämpfen!

Zorn packt mich auch, wenn, wie gesehen, irgendwo im Landkreis für eine Straßenverbreiterung alte Alleebäume abgeholzt werden, geopfert dem "unentbehrllichen Instrument der Freiheit", wie ein bekannter Politiker kürzlich so geistreich formulierte.

Wenn wir nicht bald erkennen, daß wir ein Teil der Natur sind und nicht gegen sie leben können, wird sich die Natur bald unserer Gattung entledigen. Wie wir wissen, hat sie das sogar bei den Sauriern geschafft...!

 

 

5.11.83 Das Automobil ist ein unentbehrliches Instrument der Freiheit!"

LB an die Augsburger Allgemeine Zeitung zur Aussage von Strauß,

Da hat er wieder einmal bewiesen, welch Geistes Kind er ist! Er sagte nicht "unserer Freiheit", sondern "der Freiheit".

Wer behauptet, Freiheit gäbe es nicht ohne Autos, ist entweder ein Narr oder ein Agent der Autoindustrie.

Strauß, der leidenschaftliche Flieger müßte es eigentlich wissen, daaß es auf den Straßen längst keine Freiheit mehr gibt, zu viele quälen sich da mit ihren Blechkarrossen durch den Berufs-, Wochenend- und Urlaubsverkehr.

Hätte Strauß "unserer Freiheit" gesagt, würde ich zustimmen. Denn "unsere Freiheit" braucht offensichtlich diesen täglichen Wahnsinn, denn sie hat die gewachsenen Sozialstrukturen weitgehend zerstört, so daß alle ständig von A nach B hetzen müssen, daß die Bereiche Wohnen, Arbeiten und Erholen zertrennt wurden.

Was dieses verrückte System aber mit wirklicher Freiheit zu tun haben soll, soll mir mal einer erklären! Als Pendler empfinde ich diese Sprüche als Verhöhnung.

 

 

2.8.83 Angst um die alte Heimat

LB an BB

Es gibt Vorgänge, die auch einen Barden zwingen, die Versform gegen die klarere Prosa zu vertauschen. Dieser Tage bin ich bestürzt vor der Schneise gestanden, die derzeit Bagger in das Tal des Kleinen Regens fressen.

Nun haben sie also doch begonnen, diese unselige, sieben Kilometer lange Straße zu bauen, die den weitgehend unberührten süd- und südöstlichen Zwieseler Ortsrand bis zur Unkenntlichkeit verändern wird. Denn eines ist doch hoffentlich klar: die Straße wird im Gefolge nicht nur Lärm und Abgase bringen, sondern langfristig einen Rattenschwanz anderer Baumaßnahmen. Vielleicht muß man erst einige Jahre in der Fremde wohnen, um zu begreifen, was dieses unerhört reizvolle Zwieseler Tal mit seiner stellenweise noch bis zur Haustür reichenden Natur wert ist. Das ist unser Reichtum! Was uns Pendler stets wieder nach hause treibt und die erholungshungrigen Großstädter zu uns reisen läßt, ist nicht der maßlos gewachsene Asphalt in unserer Stadt. Was helfen uns Straßen, die letztlich das zerstören, was sie erschließen wollen? Es gibt doch soviele abschreckende Beispiele in den Fremdenverkehrsgebieten des Alpenraumes. Müssen wir tatsächlich deren Fehler nachmachen?

Unser "Woid" ist eben nur dann "autogerecht" hinzukriegen, wenn seine Substanz auf der Strecke bleibt. Lange habe ich geglaubt, die "Umgehungsstraße" sei zur Entlastung des Stadtplatzes halt notwendig. Heute bin ich sicher, daß unser Verkehrsproblem damit nur "umgangen" wird. Warum haben sich wohl viele unserer Geschäftsleute mit dem ehemals heftig bekämpften Straßenbau abgefunden? Etwa weil sie auf einen leeren Stadtplatz hoffen? Man braucht kein Prophet sein um zu erkennen, daß der Urlauberstrom auch in Zukunft zur Urlaubszeit die Innenstadt weiter verstopfen wird, schließlich sind wir das Einkaufs- und Freizeitzentrum in der ganzen Gegend. Oder glaubt jemand im Ernst, daß z. B. die Camper ihre Wohnwagen sieben Kilometer spazieren fahren werden, wenns durch die Stadt nur zwei Kilometer sind?

Was bringt das alles letztlich uns Zwieselern? Fortschritt? Wohin, muß man da wohl fragen. Wenn wir so weiterhausen (wie man hört sind noch die abenteuerlichsten Projekte zur "Modernisierung" Alt-Zwiesels im Busch)´, werden uns unsere Kinder einmal verfluchen für unsere Gleichgültigkeit. Wenn sich bei ihnen überhaupt noch ein Heimatgefühl entwickelt kann, denn mit jeder Begradigung, Verbreiterung, Asphaltierung wird Zwiesel ein Stück uniformer, austauschbarer...

Was habe ich gehofft, daß den Straßenbauern das Geld ausgeht! Mit mir (wie eine Unterschriftensammlung einmal ergeben hat) tausende von Zwieseler Mitbürgern. Aber so einfach scheint sich dieses Problem nicht zu lösen, wir alle sind aufgerufen, unseren Stadtvätern Zivilcourage abzuverlangen. Wer A gesagt hat, muß nicht immer auch B sagen! Was gestern richtig erschien, muß noch lange nicht auch in Zukunft richtig sein! Wer meint, daß uns die Straße nichts kostet irrt - sie kostet uns vielleicht unsere Heimat.

Ich bitte alle Zwieseler, einen der nächsten Sonntagsausflüge nicht irgendwo in der Ferne zu verbringen, sondern einmal die geplante Trasse abzuwandern. Vielleicht erklennen sie dann, daß es bei uns (noch) sehr schön ist. Man braucht heute nicht mehr viel Vorstellungskraft, die angefangene Schneise im Kopf weiterzugraben - durch den Flanitzer Woid, übers Lichtenthaler Bergal, um den Klotzer herum. Es wäre zu schön, wenn die heute entstehende Brücke einmal als Denkmal von einer Zeit künden würde, in der die Zwieseler die Nase voll hatten von diesem geteerten Fortschritt...!

 

 

15.7.80 Dank für Sand im Getriebe

LB an MZ

Nach meinem ersten Leserbrief vor zwei Jahren, in welchem ich mich im Hinblick auf unser Internat besorgt über den geplanten Bau der Ortsumgehung geäußert habe, möchte ich mir heute abermals einige Anmerkungen erlauben. Zuallererst möchte ich mich im Namen unser jährlich ca. 500 jugendlichen Heimschüler bei den bäuerlichen Landeigentümern sowie beim Bauernverband dafür bedanken, daß ihr geschlossener Widerstand den notwendigen Sand ins Getriebe der Straßenbauer brachte. Ebenfalls Dank an die Bürger und Stadtväter, die zumindest eine Tieferlegung der Trasse erkämpft haben.

Dennoch bleiben wir durch unsere vorgeschobene Lage die Hauptbetroffenen. Wenn seinerzeit Stadtrat Schneider in seinem Antwortleserbrief auch unüberhörbar zynisch gemeint hat, Jugendliche könnten Verkehrslärm quasi als Abhärtungsfaktor auffassen, so war das sicher nur Rhetorik. Im Gesetz für jugendwohlfahrt vom 20.6.66 § 78 wird in den entsprechenden Richtlinien zu diesem Thema aber Gottseidank eine klare Aussage gemacht: "Heime dürfen nicht an verkehrsreichen Straßen liegen".

Immer wieder wird uns von kompetenten Besuchern bestätigt, daß die bauliche Ausstattung und Lage unsere Schülerheims vorbildhaft sei. Beim Hinweis auf die geplante Umgehungsstraße schütteln dann immer alle ungläubig den Kopf. Es leuchtet einfach niemandem ein, daß ein öffentlicher Bau durch eine andere öffentliche Baumaßnahme dermaßen wertgemindert werden dürfe. Auch der Begriff "Schildbürgerstreich" ist schon des öfteren gefallen.

 

 

26.6.78 Umgehungsstraße

LB an MZ

Bedingt durch meine Funktion als Internatsleiter habe ich die Pflicht der allgemeinen Debatte über die Trassenführung der geplanten Ortsumgehung einige, für unser Internat sehr entscheidende Aspekte hinzuzufügen.

Wie ich der MZ vom 7.6. entnahm, soll die eine der aufgeführten Strecken 108 Meter östlich an der Berufsschule vorbeiführen. In vordester Front liegt unser Schülerheim, in dem für 70 Heimschüler und die Bediensteten des Hauses die Schlafräume nach Osten hin ausgerichtet sind. Mit gutem Grund haben die Planer diese räumliche Aufteilung gewählt und den Schlaftrakt in die ruhigste Zone gelegt.

Naheliegend, daß durch die Realisierung der angeführten Trasse die Wohnqualität des Schülerhiems entscheident gemindert würde. Selbst kostspielige bauseitige Veränderungen, wie eine immerhin mögliche schalldichte Verriegelung der Fenster und der dadurch zwingend notwendige Einbau einer Klimaanlage würden, falls sie überhaupt erfolgen würden, die derzeitige Wohnqualität existenziell verändern.

Wie die jüngsten Erfahrungen an heißen Tagen gezeigt haben, staut sich auch bei tagsüber abgedunkelten Fenstern, bedingt durch den Sonnenkollektoreffekt der großen Glasflächen, die Hitze dermaßen in den Schlafräumen, daß nachts nur bei weit geöffneten Fenstern an Schlafen gedacht werden kann.

Die zu erwartende Lärmbelästigung von der Umgehungsstraße her, würde mit Sicherheit die Grenzen des Erträglichen weit überschreiten. Von gesundheitlichen Störungen der Schüler einmal abgesehen, hätte der Verkehrslärm auch störende Auswirkungen auf die Lernsituation der Schüler, die in ihren Schlafräumen zugleich auch ihre Studierzeit ableisten.

Pädagogische Probleme, wie Rechtfertigung der Zimmerverteilung, der mit einem Male unterschiedlichen Wohnwert aufweisenden Schlafräume, wird mit Sicherheit disziplinäre Konflikte geradezu entfachen. Dazu gehört auch die Durchsetzung der in der Heimordnung festgelegten Hausruhe ("Da kommts auf unseren Lärm auch nicht mehr an!")

Des weiteren möchte ich zu bedenken geben, daß unser Sportplatz nur durch eine relatib hohe Umzäunung bespielbar bleiben könnte, denn von unserem östlichen Fußballtor führt die Straße nur zirka zehn Meter vorbei. Der hohe Zaun wiederum wird wegen des freizuhaltenden Überholsichtswinkels evtl. gar nicht erstellt werden dürfen.

Abschließend möchte ich aber versichern, daß ich die Notwendigkeit einer Ortsumgehung durchaus einsehe. Da unser Schülerheim durch die Straße wohl am meisten betroffen wäre, muß ich dennoch gegen die bekannte Trassenführung protestieren. Auch ich finde es sehr schade, daß die andere mögliche Trasse zwischen der Gartenstadt und Stockheim gute Äcker zerschneidet und auch um vier Hektar mehr Land "fressen" würde. Aber der Schutz von heranwachsenden Menschen vor einem Hauptübel unserer Zeit, dem immer weiter anwachsenden, aggressiv machenden Lärm, scheint mir doch Vorrang zu haben. Die Möglichkeit durch einen entsprechenden Geländeeinschnitt auf Höhe des Schülerheims allzugroße Lärmbelästigung zu vermeiden, wäre die andere brauchbare Lösung.

Wenn ich als Neubürger Bad Wörishofens die Hintergründe der vorausgegangenen Planungen auch nicht kenne, so scheint mir die Vorsätzlichkeit, mit der das eine öffentlich finanzierte Straßenprojekt unser eben erst fertiggestelltes, wiederum mit Steuergelder Schulprojekt wertmindert, geradezu grotesk.