1990 Was Frauen und Männer unterscheidet

Frauen und Männer sind grundverschieden. Doch wieviel der Unterschiedlichkeit - um in der Computersprache zu sprechen- ist in der "hardware" schon festgelegt? Ohne Zweifel unendlich weniger, als gemeinhin angenommen wird, denn fast alle Verschiedenheiten haben ihren Grund im antrainierten geschlechtsspezifischen Rollenverhalten. Die Realität zeigt, daß bei entsprechenden Rahmenbedingungen und Training die Frauen durchaus zu beinahe allen männlichen Dumm- und Gemeinheiten fähig sind. Auch das körperliche Leistungsvermögen unterscheidet Männer und Frauen nicht grundsätzlich, wie Leistungssportlerinnen überflüssigerweise immer noch zu beweisen suchen. Aber das wußte man auch so, denn in vielen Kulturen wird praktisch die ganze harte Arbeit von den Frauen geleistet. Wo gibt es also strukturelle Verschiedenheiten, die auch durch gleiche Rahmenbedingungen nicht zu nivellieren sind? Nach meinen persönlichen und meinen Erfahrungen mit anderen, gilt das nur bei der Sexualität. Selbst wenn Mädchen und Jungen in einem freien Klima aufwachsen und ihre Geschlechtlichkeit als die natürlichste Sache der Welt erfahren, wird ihr sexuelles Verlangen dennoch verschieden sein. Nicht so verschieden, wie unter sexualfeindlicher katholischer Erziehung zwar, aber immer noch verschieden genug. Dafür gibt es zahlreiche Erklärungen. Tiere kennen keine Sexualität im menschlichen Sinn, der Koitus dient ausschließlich der Fortpflanzung der Art, die auch nur zu festgelegten Zeiten erfolgt. Beim Menschen hat sich die Sexualität von diesen Festlegungen befreit, sowohl Männer wie Frauen können praktisch jederzeit sexuelle Lust erleben, was sich auch in der Organbildung niedergeschlagen hat, die weiblichen Klitoris z.B. hat keine andere Funktion, als die des Lustgewinns. Da die Natur solche Möglichkeiten nicht grundlos entwickelt, gibt es auch in diesem Falle Erklärungen dazu. Entweder mußte der Zeugungsakt so attraktiv gemacht werden, um die Arterhaltung zu sichern, oder die Möglichkeit zur sexuellen Lust entwickelte sich, um in den immer länger werdenden Kinderaufzuchtzeiten die Gatten beisammen zu halten, so daß sexuelles Lustempfinden quasi zum Kitt für die Arterhaltung wurde. In jedem Fall koppelte sich die menschliche Sexualität von der reinen Zeugung ab, denn sonst würde die weibliche Klitoris nicht etwas abseits von den bei der Paarung berührten Geschlechtsteilen liegen. Auch das Lustempfinden anderer Körperzonen, wie Lippen, Ohrläppchen, Nacken usw. spricht dafür.

Die Unterschiede von Mann und Frau liegen nicht in der Fähigkeit sexuelle Lust zu empfinden, aber sehr wohl in den notwendigen Auslösereizen dafür. Nirgendwo habe ich bislang einen Hinweis auf diese Unterschiedlichkeit gefunden, die schon unzählige Partnerschaften zerstört hat. Bei Männern genügen als Stimulus für Sex schon optische Signale - etwa der Anblick eines weiblichen Po, weiblicher Brüste und Schenkel, vom Anblick der weiblichen Geschlechtsteile gar nicht zu reden. Wieweit dieser Mechanismus Lernprozessen unterliegt wage ich nicht zu beurteilen, mir scheinen sich darin Reste männlichen Instinktes zu zeigen. Diese Erregbarkeit ist also mit optischen Schlüsselreizen verbunden und nicht personengebunden. Deswegen ist das christliche Gebot auch der psychischen Treue eine Unmöglichkeit, da jede Frau (mehr oder weniger) über dieselben Schlüsselreize verfügt, die die männliche Phantasie und in der Folge die Sexualorgane stimulieren. Bei Frauen scheint es diese optischen Auslöser nicht zu geben, zumindest nicht in der Ausprägung, weswegen die Pornoindustrie auch von den Männern lebt. Frauen brauchen, um sexuell stimmuliert zu werden, erst einmal ein gewisses Maß an psychischer Übereinstimmung mit dem Partner, ein gewisses Vertrauensverhältnis, müssen Sympathie für ihn empfinden, wollen von ihm anerkannt, liebkost und gestreichelt werden. (Vielleicht liegt auch deshalb die Klitoris außerhalb der Koituszone, des widerstandsfähigen, empfindungsarmen Geburtskanals, um, etwa bei erzwungener Paarung nichts für den Mann empfinden zu brauchen, außer vielleicht Abscheu).

Der größte Unterschied zwischen Mann und Frau ist aber der, daß ein Geschlechtsakt für eine Frau immer schwerwiegende Folgen haben kann, nämlich ein Kind, was neunmonatiges Austragen der Leibesfrucht bedeutet, Mühe, Beschwernis und Schmerz, von der Verantwortung und Sorge um das geborene Kind ganz zu schweigen. Für Männer dagegen bedeutet der Geschlechtsakt nur Lust. Kein Wunder also, daß die beiden Geschlechter verschiedene Einstellungen dazu entwickeln. Durch seine leichte Erregbarkeit und seinem in der Folge beinahe dauerndem Verlangen nach körperlicher Liebe hat es die Natur dennoch verstanden den Mann an Frauen (praktischerweise eine Frau!) zu binden und ihm so Verantwortung für die Kinder mitzutragen erleichtert. Und noch eins hat die Natur gleichzeitig entwickelt - ein Großhirn, das über sich selber nachdenken kann und Vernunft und Moral zur Verhaltenssteuerung einsetzt, wie wir wissen, leider mit bescheidenen Erfolg. Die Natur hat sich darauf nicht verlassen und die Kinderaufzucht deswegen auch noch mit der sexuellen Begierde abgesichert...