31.5.03 Bayerische Musik

Leserbrief an die SZ zum Artikel vom 30.5. im Bayernteil, der darüber informierte, dass nächste Woche im Parlament bayerischer Musik mehr Platz eingeräumt werden soll.

 

„Würde ein Besucher aus einer fernen Galaxis nach Bayern kommen um ethnische Studien zu treiben, dann fiele ihm wohl bald auf, dass nur noch zwei von hundert Kindern in der bayerischen Landeshauptstadt die Landessprache sprechen, dass es in vielen populären Rundfunkprogrammen nur englisches Kommerzgesäusel gibt und so faktisch die Lieder der Sprache beraubt sind. (Der Besucher würde aber durchaus in manchen Kanälen volksdümmlichen Kommerz finden, mit dem sich Bayern selber verarschen. Schon Roider Jackl stellte fest, dass man als Bayer nur erfolgreich sein kann, wenn man sich als bayerischer Depp verkauft...)

Einfache bayerische Musik aber, in der sich zeitgenössisches Leben und Wirklichkeit spiegeln, die sich in der Form zwischen Tradition und Moderne bewegt- die findet in unseren Medien einfach nicht statt.

 

In den sechziger Jahren – in den Anfängen meiner Liedermacherzeit – habe ich Bänder an den bayerischen und den österreichischen Rundfunk gesandt. Vom BR habe ich nie Antwort erhalten und Frau Kaiser vom Ö3 schrieb mir freundlich zurück, in Österreich würden nur heimische Künstler gefördert... Aber immerhin eben das, nicht umsonst sind im Nachbarland soviele Liedermacher und Kabarettisten herangewachsen. Österreicher und Schweitzer haben aber zu ihrer Sprache sowieso ein selbstbewußtes und natürliches Verhältnis, anders hierzulande, wo man den Eindruck gewinnt, dass sich manche der eigenen Sprache zu schämen scheinen.

 

Gelegentlich wird heute darauf hingeweisen, dass die Kommerzkultur des Westens alle gewachsenen Kulturen zerstört und die Welt am Ende aussieht wie die gleichförmige Agrarsteppe überall. Doch man übersieht, dass Deutschland und Bayern zu den ersten Opfern dieser Globalisierung und Imperialisierung gehören, nie wurde in den Köpfen gründlicher aufgeräumt, nie hat sich ein Volk serviler verhalten und sich sogar seiner Sprache berauben lassen.

 

Dass man nun für bayerische Lieder per politischem Erlass Nischen einräumen will, kann sicher als erster Schritt zur Selbstbesinnung nicht schaden. Wir bayerischen Liedermacher und Poeten sind Nischen ja gewöhnt, wir bewegen uns seit Jahrzehnten darin.“