freiGEISSt.de  

Blogs des bayerischen Barden Geiss-Haejm

 

 

Helmut Josef Geiss

Kontra Atomkraft

Referat anlässlich einer Pro- und Kontra-Diskussion zum Thema Atomkraft in Bad Wörishofen 1981

 

Ausgegraben und digitalisiert im September 2014 anlässlich unglaublicher Verharmlosungen der Atomkraft durch den Zwiesler Bürgermeister Steininger und einen Online-Diskutanten mit Namen „no green“, der sich allen Ernstes zu der unglaublichen Bemerkung verstieg, dass wenn radioaktive Strahlung gefährlich wäre, Ehepaare nicht mehr im Doppelbett schlafen dürften, weil jeder mit etwa 6000 Becarel strahle...

 

1. Einführung in die Problematik

2. Gesundheits- und Sicherheitsbedenken

3. Energieverschwendung bei Großkraftwerken

4. Alternativen und Ausblick

 

 

 Geiss Haejm „Tieffliegender Wolperdinger über Ohu“

 

Es wurden folgende Quellen benutzt:

Global 2000 (Verlag 2001)

Die Umwelt des Menschen (Meyer-Nachschlagewerk)

Dauerhafte Energiequellen (Rotarius-Verlag)

Energiemarkt in Bayern (Bayerisches Staatsministerium)

 

 


1. Einführung in die Problematik

 

Wer mich kennt, weiss um meine Bereitschaft Kompromissformeln zu suchen. Beim anstehenden Thema über die Nutzung der Atomkraft sehe ich mich dazu außerstande. 

Ich kann die Argumente drehen und wenden wie ich will, nach den heutigen Erkenntnissen ist ein weiterer Ausbau der Atomkraft unverantwortlich.

 

Um was geht es.

 

Politik und Wirtschaft in Ost und West behaupten in seltener Eintracht, dass ohne Atomstrom die Lichter ausgingen, Atomkraft sei umweltfreundlich, nur mit Atomkraft sei unsere technische Zukunft zu bewältigen.

 

Nun ist es tatsächlich so, die Energieversorgung ist heute weltweit ein brennendes Anliegen. Die reichen Länder stützen ihre Energieversorgung in der Hauptsache immer noch auf Erdöl, dessen Vorräte zur Neige gehen und das zum Verbrennen viel zu schade ist.

Die armen Länder, und das sind die Meisten, treiben immer mehr Raubbau an ihren Wäldern, da der Import von Öl und Gas aus Kostengründen nur recht beschränkt möglich ist.

 

Stellt sich die Frage, ob der Bau von Atomkraftwerken dieses Problem langfristig lösen könnte. Wie ist es mit der Uranversorgung? Gibt es genug davon für den Betrieb der Kraftwerke für alle Zukunft?

 

Diese Frage muss klar verneint werden. Der Energiegehalt der Uranvorräte entspricht etwa dem der Welterdölvorräte. Das bedeutet, auch die Uranvorkommen werden, erst recht bei forciertem Gebrauch, in wenigen Jahrzehnten erschöpft sein. Wie kommt dann die Atomlobby zu ihrem Versprechen von der zukunftssicheren Energie?

Die Atombefürworter behaupten, dieses Problem würde durch Wiederaufbereitungsanlagen und schnelle Brüter und in Zukunft durch Kernfusion geregelt.

 

Dabei verschweigen sie, dass Kernfusion reine Science-Fiction ist, schnelle Brüter und Wiederaufbereitungsanlagen, mit denen die Uranvorräte gestreckt werden können, noch größere und unüberschaubare Sicherheitsrisiken bergen.

 

Man kann also nach menschlichem Ermessen behaupten, dass die Atomkraft unsere Energieversorgung, wenn überhaupt, nur vorläufig lösen könnte.

 

Nun gelangen aber durch den Betrieb von Atommeilern sehr langlebige lebensfeindliche Stoffe in die Umwelt. Es ist unverantwortlich, meines Erachtens kriminell, unserer Nachwelt ein derartiges Erbe zu hinterlassen, nur um noch eine Weile so verschwenderisch weiterwursteln zu können wie gegenwärtig.

In „Global 2000“, also im Bericht an den amerikanischen Präsidenten, heißt es dazu (S. 86): „Im Übrigen haben die Nebenprodukte der Reaktoren Halbwertszeiten, die annähernd fünfmal so lang sind wie die Periode der überlieferten Geschichte.“

 

Wer von den Kraftwerksbetreibern, Aktionären, Experten und den verantwortlichen Politikern kann für einen solchen Zeitraum Verantwortung übernehmen? Wir wissen, sie können es nicht einmal für die Gegenwart.

 

Die Bevölkerung, zum überwiegenden Teil nur oberflächlichst über die Problematik informiert, lässt sich gerne in Sicherheit wiegen. Die meisten sind mit sich selber und der Gegenwart beschäftigt. Sie haben weder die Zeit noch die Motivation sich um ferne Zukunft zu kümmern.

 

Nun ist es aber nicht nur mangelndes Wissen, Egoismus oder Lethargie, die die Menschen so gleichgültig gegenüber einer so lebensbedrohenden Sache sein lässt, denn der Mensch ist gewohnt eine Gefahr sehen, hören, riechen, ertasten zu können, doch für Radioaktivität haben wir kein Wahrnehmungsorgan. Es ist schwer an eine unsichtbare, geruchlose Gefahr zu glauben.

 


2. Gesundheits- und Sicherheitsbedenken

 

Wie wirkt Radioaktivität auf Menschen?

Der Bauplan für den Aufbau der Lebewesen ist bekanntlich in langen Fadenmolekülen festgelegt. Trifft nun radioaktive Strahlung auf ein solche Molekül, können sich die Erbinformationen verändern, was sich in den Körperzellen als krebsartige Wucherung auswirken kann.

Bei der Enstehung eines neuen Lebewesens kann die Strahlung zu körperlichen Missbildungen, Totgeburten oder schweren Stoffwechselstörungen führen.

Hohe Strahlendosen führen zu Sofortschäden in Form von Fieber, Übelkeit, Haarausfall und schließlich zum Strahlentod.

Wie andere Stoffe können sich radioaktive Teilchen im Körper anreichern, beispielsweise das radioaktive Isotop Strontium 90, das bei der Kernspaltung entsteht. Auf Grund seiner Ähnlichkeit mit dem lebenswichtigen Mineralstoff Calcium wird auch Strontium in den Knochen eingebaut. Auf diese Weise entsteht eine innere Strahlenquelle, die das blutbildende Knochenmark bestrahlt, wodurch Leukämie entstehen kann.

 

In den USA wurde in der Umgebung von Atomkraftwerken eine erhöhte Rate von Krebs und Kindersterblichkeit festgestellt.

In der Umgebung des Kraftwerkes Shappingport stieg die Zahl der Krebsfälle um 39 Prozent, im Landesdurchschnitt nur um 9 Prozent.

In der Stadt Midland, die zwei Kilometer flussabwärts liegt und die ihr Trinkwasser aus dem Ohio gewinnt, wuchs die Krebssterblichkeit um 180 Prozent.

Im Reaktor „Big Rock Point“ am Michigansee liegt die Kindersterblichkeit um 50 Prozent, Leukämie um 400 Prozent und die Häufigkeit angeborener Missbildungen um 230 Prozent höher als im Landesdurchschnitt. Dies obwohl nach Behördenangaben die zugelassenen Grenzwerte für Radioaktivität nicht überschritten worden waren. (Meyer-Nachschlagewerk „Die Umwelt des Menschen“ 1975)

 

Übrigens geben Atomanlagen auch im Normalbetrieb über 100 verschiedene radioaktive Stoffe ab. (BN 81/1)

Nach dem Reaktorunglück in Harrisburg stieg die Neugeborenensterblichkeit um 600 Prozent. (Mai-Juli 1979), Natur und Umwelt 1980/3

 

Bei der Kernspaltung entsteht radioaktiver Abfall der tausende von Jahren strahlungsaktiv bleibt. Nach Angaben von „Global 2000“ hat bislang noch keine Nation ein zufriedenstellendes  Programm für die Endlagerung radioaktiver Abfälle.

Bis zum Jahr 2000 werden voraussichtlich mehrere hundertausend Tonnen hochradioaktive, verbrauchte Brennelemente anfallen. Außerdem bringt die Kernenergieerzeugung Millionen von Kubikmetern schwach radioaktiver Abfälle und der Abbau und die Verarbeitung von Uran hunderte von Millionen Tonnen radioaktiver Rückstände, die meist auf Halden gelagert und vom Wind verweht werden.

 

Also wohin mit den gefährlichen Stoffen? Einige Nationen versenken ihn in skrupelloser Weise in den Weltmeeren, wo er, wenn die Fässer durchgerostet, sind die fischreichen Küstengebiete verseucht. Andere lagern sie in offenen „Abklingbecken“, die unübersehbar lange Zeit mit Strom gekühlt werden müssen. Fällt dieser aus kommt es zu Überhitzungen und Austritt von Radioaktivität in die Atmosphäre. Ich habe gelesen, dass es in den USA etwa 250 solcher potentieller Zeitbomben geben soll.

 

Alleine der Umstand, dass die „Entsorgung“ (was für ein schöner Ausdruck für ein schmutziges Geschäft) weltweit in keiner Weise gelöst ist, sollte als Argument gegen die Atomkraft ausreichen.

 

 

Nun ein paar Anmerkungen zur gebetsmühlenhaft beschworenen Sicherheit in Atomkraftwerken, ein Begriff übrigens, der die Betreiber wurmt, denn sie reden lieber von „Kernkraft“, das ein wenig nach Vollkornmüsli klingt...

 

Ich will mich gar nicht in der Aufzählung von Störfällen und Beinah-Katastrophen verlieren, die auch nur einen Bruchteil der Unfälle wiedergeben könnte, zumal die absichtliche Einbringung von Radioaktivität in die Atmosphäre und die Ozeane durch Atombombenexplosionen dabei gar nicht zu erfassen wären, ebensowenig die Unfälle daraus, die beinah immer verschwiegen wurden.

Aber auch bei der Aufzählung von zivilen Unglücken heißt es bei uns immer: In Deutschland würde sowas niemals passieren, nur die Ausländer seien alle Stümper und Schlamper. Diese Sprüche belegen die herrschende Einfalt und sind nachweislich falsch. Zudem macht Radioaktivität nicht Halt an Ländergrenzen.

 

Überhaupt, was helfen die gewissenhaftesten Sicherheitsvorkehrungen in den Kraftwerken, wenn sie notwendigerweise von Menschen bedient, kontrolliert und bewacht werden müssen? Wir Menschen sind einfach nicht sicher zu machen, deshalb gehen tatsächlich die meisten Störfälle auf menschliches Versagen zurück.

Wer will das verhindern? Wer will das vor allem über einen so langen Zeitraum von einigen zehntausend Jahren gewährleisten. Was wissen wir heute noch darüber, was vor tausend Jahren war? Jetzt erst die beschriebenen Zeiträume. Selbst wenn keine unvorhergesehenen Ereignisse unsere Zivilisation zerstören sollten und in dreihundert Generationen unsere Nachfahren verantwortlich über unsere strahlenden Hinterlassenschaften wachen würden, was gänzlich unmöglich ist, so ist es doch einfach nur schäbig unseren Nachfahren ein solches Erbe zu hinterlassen.

 

Wer will terroristische Anschläge verhindern? In einer Welt voller Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Korruption? Nebenbei ist selbst der Beton, der die Abfälle abschirmen soll, nichts Dauerhaftes. Wir brauchen uns nur alte Brückenbauwerke anschauen, der Zahn der Zeit frisst sie auf.

 

Eine persönliche Beobachtung, was von den ganzen Sicherheitsversprechen zu halten ist: Am 29.10.1981 um 14.20 Uhr konnte ich mit meiner Familie mit Entsetzen beobachten, wie – trotz striktem Überflugverbot – über die Atomkraftwerke in Ohu bei Landshut 2 Militärjets im Tiefflug rasten, übrigens schon zum wiederholten Mal, wie aus Zeitungsberichten zu entnehmen ist. Wer will verhindern, dass sich die Kraftewerke in hausgemachte Atombomben verwandeln, wenn sogar unsere eigenen Militärs so mit dem Feuer spielen. Herr Schmdt oder Herr Strauß oder einer der gekauften Experten?

 

In der Nähe der gerade erwähnten Atomkraftwerke in Ohu wird jetzt sogar ein neues NATO-Munitionsdepot errichtet, als potentielles Angriffsziel für jeden zu erkennen. Unverantwortlicher geht es kaum mehr, ein Beispiel für die Weitsicht und das Verantwortungsbewußtsein der Mächtigen in diesem Land.

 

Eine dauernde Gefahr geht auch durch die Atomtransporte aus. Durch unser Land wird kreuz und quer radioaktives Material transportiert, wer kann da Unfälle ausschließen?

Auch der militärische Aspekt wird gerne verschwiegen, denn wer Atomkraftwerke hat, kann auch Atombomben produzieren. Nicht umsonst sind alle diktatorischen Staaten so scharf auf derartige Kraftwerke. Auch Franz Josef Strauß sagt man diese Ambitionen nach. Dass z. B. Israel irakische Atomanlagen mit seinen Bombern zerstört hat, bevor sie in Betrieb gingen, zeigt die machtpolitischen Dimensionen, denn Israel will die einzige Atommacht im Nahen Osten bleiben.

 

Der weitere Ausbau der Atomkraft wird manchmal auch mit der größeren Unabhängigkeit von ausländischen Energieeinfuhren begründet, als ob wir nicht auch in der Uranversorgung und der Anreicherung vom Ausland abhängig wären.

 


3. Energieverschwendung bei Großkraftwerken

 

Es gibt auch ganz praktische Gründe, die gegen Atomkraftwerke sprechen. Bei der Stromerzeugung in Großkraftwerken gehen etwa zwei Drittel der eingesetzten Primärenergie als Wärmeabfall und durch Leitungsverluste verloren. Die riesigen Dampfwolken über den Kühltürmen sind weit sichtbares Zeichen für diesen Wahnsinn, ebenso das Aufheizen der Flüsse. Es ist kaum bekannt, dass die so ungenutzte Energiemenge etwa dem Heizungsbedarf aller Wohnungen entspricht.

 

Die Gründe für diese Verschwendung sind vielfältig, einmal wollen die Energiekonzerne Strom verkaufen und keine Heizwärme und die Gefährlichkeit der Anlagen verhindert auch, dass sie in der Nähe von Wohnsiedlungen gebaut werden können.

 

4. Alternativen und Ausblick

 

Langfristig kann die Lösung unseres Energieproblems nur in der Nutzung erneuerbarer Energien liegen und in mehr Effizienz und Einsparung. Sonnen, Wind und Wasserkraft, Erdwärme, Biogas und Biomasse sind hier die Schlüsselworte. Das sollte möglichst dezentral in kleinen Anlagen, möglichst verbrauchernah geschehen. Dass es gelingen sollte durch gezielte Forschung in diesem Bereich noch manches heute unbekanntes Verfahren zu entwickeln, vor allem auch die Speichertechnik zu verbessern, ist gewiss realistischer als die Hoffnung auf die Kernfusion. Doch solange die Forschungsmilliarden hauptsächlich in die Atomkraft fließen, bleibt für die Entwicklung regenerativer Energien nicht viel übrig. Gelegentlich wird auch der Verdacht geäußert, dass gezielte umweltfreundliche Erfindungen auch aufgekauft und die Patente vergraben werden, um das große Geschäft der Konzerne nicht zu gefährden. Unverständlich ist auch, dass heute kleine Erzeuger durch gesetzliche Vorgaben an der Stromeinspeisung behindert werden.

 

Durch Praktizierung der dezentralen Kraft-Wärmekopplung, eine schon sehr alte Technik, die auf dem Totem-Motor beruht, praktisch auf einem Diesel- oder Gasmotor der – je nach Größe - etwa für eine Siedlung oder einen Wohnblock Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt könnte und den Nutzungsgrad der eingesetzten Energie von den 30 Prozent in Großkraftwerken auf 85 Prozent erhöhen.

 

Auch bei der heutigen Energieverschwendung im Wohnbereich muss angesetzt werden. Im Gegensatz zu unseren Vorfahren pflegen wir heute vielfach einen Baustil, der sich nicht mehr an den geografischen Gegebenheiten orientiert. Früher wurden die Fenster zur Sonne ausgerichtet, an die kühlen Hausseiten baute man Scheune und Stall. Die passive Nutzung der Sonnenenenergie durch Zwischenklimaräume in Form von kalten Wintergärten bringt in den Übergangszeiten eine große Heizersparnis, ich experimentiere damit seit Jahren und habe die besten Erfahrungen damit gemacht. Im Winter geheizte Wintergärten dagegen sind reine Energieverschwendung. In jedem Fall erhöhen vorgeschaltete Glasräume die Lebensqualität und lassen mediteranes Flair entstehen, sie lassen sich auch als Gewächshäuser nutzen.

Also Glas an den Sonnenseiten, gute Isolierung oder ungeheizte Nebenräume an den Nordseiten.

Wer das Glück hat noch einen Küchenherd mit Brennholz betreiben zu können, der wird neben angenehmer Strahlungswärme auch mit großer Stromersparnis belohnt. Es gibt kaum eine vielseitigere Erfindung, man heizt, kocht und backt und kann über einen Wärmetauscher sogar noch die Heizung beschicken.

Die größte Energieverschwendung wird aber durch unnütze oder sogar schädliche Warenproduktion betrieben. Anstatt dauerhafte Qualitätsgüter zu erzeugen, wird heute oftmals der Verschleiß gleich mit eingebaut und durch immer neue Moden das Neukaufen angeregt. Gerade deutsche Autos sind oftmals auch recht unpraktisch gebaut, man legt hier vor allem Wert auf Angeberschlitten und hohe Geschwindigkeit. Der größte Wahnsinn geschieht aber in der Rüstungsproduktion, durch die weltweit soviel Menschen gemordet werden. Was hier an Energie und Rohstoffen eingespart werden könnte, ist beträchtlich.

 

Eine menschenfreundliche und energiesparende Politik würde auch die Bereiche Arbeiten und Wohnen wieder annähern, d.h. die Arbeitsplätze zu den Menschen zu bringen und nicht wie heute die Menschen ganzer Landstriche zum Pendeln zu zwingen. Güter über große Strecken gehören, wenn irgendwie machbar, wieder auf die Eisenbahn, der „Just-in-time“ Wahnsinn, der immer stärker um sich greift und die Autobahnen zu rollenden Warenlagern macht, ist ebenfalls Energieverschwendung.

 

Dann gibt es noch den zunehmenden energiefressenden Ferntourismus, der durch Steuerbefreiung, etwa des Flugbenzins, von der Politik massiv gefördert wird. Statt die eigene Wohnumgebung lebenswert zu gestalten, taugen unsere immer unwirtlicher werdenden Städte immer öfter nur zum Arbeiten und der Fernurlaub wird immer mehr Menschen zum erklärten Lebensziel.

 

Spätestens bei den zuletzt erwähnten Punkten kommt das Arbeitsplatzargument, mit dem jeder Wahnwitz entschuldigt wird. Sollte es uns wirklich nur dann gutgehen können, wenn unnütze und schädliche Dinge produziert werden? Wenn dies die Voraussetzungen für unseren Wohlstand sind, müssen wir wirklich Atomkraftwerke bauen, denn es kommt dann nicht mehr darauf an, denn die Welt wird über kurz oder lang sowieso durch unsere Maßlosigkeit zerstört werden. Und dann spielt es auch keine Rolle, wenn wir wie Geisteskranke unsere Overkill-Kapazitäten immer weiter erhöhen, denn es genügt nicht die Erde einmal vernichten zu können, nein , man muss mit hundert- oder tausendfacher Zerstörung drohen können.

 

Aber Ironie ist vermutlich nicht angezeigt. Aber es gibt keine Universallösungen, auch ich habe nur Vorschläge zu machen. Die Lage, in der wir uns befinden ist neu in der Menschheitsgeschichte, es gibt keine Erfahrungswerte. Nur eins ist sicher, wir werden umdenken und wohl auch ein wenig kürzer treten müssen. Wenn wir so weiterwursteln kommt es nach den Studien „Grenzen des Wachstums“ und „Global 2000“ irgendwann zu einer Wachstumskatastrophe ungekannten Ausmaßes.

Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass weniger mehr sein kann und hirnlose Verschwenung unser Glück ganz sicher nicht erhöht. Eine lebenswerte Umwelt ist mehr wert ist als all der Glimmer und Plunder unserer Wegwerfgesellschaft.

 

Arbeitsplätze wird es genug geben, durch Recycling von Rohstoffen, dem Ausbau dezentraler Energiesysteme, Althaussanierungen und Dorferneuerung, Abwasser und Luftreinhaltung und im biologischen Landbau. Wir müssen auch wieder eine neue Reparatur- und Selfmade-Kultur schaffen, hier ist Know-How nötig, Kaufen und Wegwerfen kann jedes Kind.

 

Nur wir müssen die Weichen heute umstellen, je länger wir zögern, umso schwieriger wird es werden. Und wir, die reichen Länder, müssen mit gutem Beispiel vorangehen, denn wenn die bald sechs Milliarden Menschen auf diesem Planeten genauso verschwenderisch leben wollen, wie wir, - und mit welchen Argumenten sollten wir ihnen das verwehren? - dann gehen die Rohstoffe und Energiereserven noch schneller zu Ende und die damit einhergehende Luftverschmutzung und der Raubbau an fruchtbaren Land und die Vergiftung der Weltmeere, in ihnen entsteht beinah der ganze Sauerstoff unserer Atmosphäre.

Wir müssen auch die Bevölkerungsexplosion stoppen, denn selbst wenn, wie einige sagen, der Planet 12 Milliarden Menschen ernähren könnte, die Erde wird es nicht verkraften. Und wie stoppt man den Anstieg der Weltbevölkerung? Durch soziale Sicherungssysteme, die keine hohe Kinderzahl zur Versorgung der Eltern mehr nötig macht und Aufklärung in jeder Beziehung..

 

Wir müssen Aufklärungsarbeit leisten und uns selber um einen einfacheren Lebensstil bemühen, denn nur das erfolgreiche Beispiel wirkt nachahmenswert. Und wir müssen den Mund aufmachen, denn unsere Gleichgültigkeit wird von der Politik als Zustimmung ausgelegt. Lasst uns gemeinsam an die Arbeit gehen!

 

Mein „Manifest“ aus dem Jahr 1983, das ich als Postkarte bei Konzerten tausendfach verteilt habe und als kleine Hilfestellung gegen den Zeitgeist des "Immer-mehr-haben-Wollens" und der rücksichtslosen Atomnutzung verstand.