Übers Häuserbauen und über Gesetze
Die folgenden Kommentare wurden in BR-Online veröffentlicht.
Es ging um eine „Quer-Sendung“des Bayerischen Fernsehens, in der ein reicher Mann am Starnberger See (ich kenne ihn nicht, weiß also nichts über ihn) verschiedene Gebäude, u. a. einen mittelalterlich wirkenden Turm aus Natursteinen errichtet hat, in dem er eine seine Sammlung von Mörsern aus der ganzen Welt untergebracht hat, die er auch der Öffentlichkeit zugänglich macht. Er wurde als „Schwarzbauer“ angeprangert und gefordert, dass der Turm abgerissen würde. Nachdem ich die Kommentare dazu las und ein Teilnehmer names „skeptiker“ wiederholt ziemlich extrem für Recht und Ordnung plädierte, habe ich mich auch eingemischt… Der „skeptiker“ antwortete mir und anderen auf die immer gleiche Weise, die ganze Abfolge der Kommentare sind unter ( http://blog.br-online.de/quer/seltene-audienz-das-reich-des-schwarzbaukoenigs-von-berg-29062011.html#comments) nachzulesen. Hier habe ich nur meine Kommentare zusammengefasst.
Quer ist eine meiner Lieblingssendungen, dass darin nun aber Privatleute an den Pranger gestellt werden, finde ich abstossend. Wenn ich sehe, was mit öffentlichen Genehmigungen in Bayern an Baumaßnahmen so verbrochen wurde und wird, dann könnten alle zukünftigen Quer-Sendungen damit gefüllt werden. Ich rede nicht nur von den öffentlichen und Gewerbebauten, sondern auch von der unsagbaren Uniformität und Hässlichkeit der Wohnbauten, die durch amtliche Vorschriften verbrochen werden. Der “Mörserturm” ist dagegen direkt eine Augenweide. Im übrigen finde ich die Reglementierungen privaten Bauens bei uns völlig überzogen.
hgeiss sagt:
Nein, ich bin kein Denkmalschutzgeschädigter, da haben Sie
meine Zeilen völlig mißverstanden. Ich habe gegen die Uniformiertheit des
modernen Bauens, seine Kommerzialiserung, seine Gesichtslosigkeit seine
Austauschbarkeit geschrieben. Alte Häuser sind das Gegenteil davon, nicht nur
in Rothenburg- jedes ist einmalig, sie sind wie Individuen und es wäre mein
Wunsch, wenn auch die neuen Bauten ein wenig davon hätten. Die Baubehörden und
die teilweise haarsträubenden Vorgaben bis ins Detail haben die Bürger zwar
gegängelt, den Einheitsbrei an Bebauung haben sie damit aber nicht verhindert,
im Gegenteil, sie haben ihn noch befördert. Dass eine Freigabe des Bauens
Geschmacksverirrungen nicht automatisch beenden würden, weiß auch ich, denn die
Gewöhnung an den Kommerz ist eine schlechte Schule für eigenständigen
Geschmack.
Aber hier könnten Vorgaben, wie die obligatorische Verwendung von
Baumaterialien der jeweiligen Gegend schon die ärgsten Bausünden verhindern,
ebenso die verpflichtende Teilnahme von Bauwilligen an einschlägigen Kursen.
Aber – um zum eigentlichen Thema zu kommen – der öffentlichen Anprangerung
eines reichen „Schwarzbauers“: wer daraus eine Sache des Prinzipes und der
Gerechtigkeit macht, der bedient zwar damit Spießer und Neider, er betätigt
sich aber auf einem eher geschmäcklerischen Nebenkriegschauplatz, denn die
Verteilung von Reichtum und der gängige Ablasshandel bei Wirtschaftsverbrechen
hat in diesem Land extreme Dimensionen angenommen. Hier würde sich ein weites
Betätigungsfeld für kritischen Journalismus bieten.
10.7.11
Lieber Skeptiker,
deinem hohen Lied auf die Gesetze täte etwas Skepsis gut. Ich meine,
die Gesetze sind gut, wenn sie einem Schutz gewähren oder zum Recht verhelfen,
nicht aber, wenn sie aus Prinzip, Neid oder Gleichmacherei angewendet werden.
Beim Bauen sollte es nur eine Regel geben, dass damit niemandem Schaden
zugefüht wird, also, Baumaßnahmen müssen mit den betroffenen Nachbarn
abgestimmt werden. Ansonsten gilt, dass die Menschen verschieden sind und man
ihnen Unrecht tut, wenn man sie gleich behandelt. Ich glaube, dieser Satz ist
von mir und ist übrigens eine Erkenntnis von jahrzehntelanger pädagogischer
Arbeit, in der ich alle Stufen von Prinzipientreue und Pochen auf Regeln
durchlaufen habe. (---)
Am besten lässt sich leben, wo es Gesetze gibt, die aber nur im Notfall
angewendet werden. Ansonsten: Leben und leben lassen!
11.7.11
Punkt! Punkt! Basta! Lieber Skeptiker, - mit Verlaub – ich hoffe, dass
du nicht als mächtiger Bürokrat in einem Amt sitzt, denn dann hätten Bauwillige
nichts zu lachen…
Ich begreife nicht, wie ein offensichtlich moralischer Mensch im Juli
2011, in der gerade der Bundespräsident die widerrechtliche Genehmigung von
Panzern in ein Spannungsgebiet durch die Regierung verteidigt hat, - in der ein
Häftling keine Hilfe vom Verfassungsgericht bekam, obwohl er eine Woche nackt
in eine Einzelzelle gesperrt worden war und erst der Europäische
Menschengerichtshof das Ganze als Folter einstufte - und – und -, wie einer ein
so vergleichsweise unbedeutendes, geschmäcklerisches Gesetz, wie das Baugesetz
- das 99,99 Prozent der Menschheitsgeschichte nicht existiert hat – so vehement
durchsetzen will, noch dazu in einem Fall, wo niemand zu Schaden kam. Dazu
fällt mir nur noch Nietzsches Satz aus dem Zarathustra ein - vom Staat, als dem
kältesten aller kalten Ungeheuer… Schlimm, wenn sich von ihm auch noch
Journalisten einspannen lassen, Journalisten, die bislang immer wie ein
Lichtlein waren, in diesen verkommenen Zeiten…
PS: