Unter Bäumen Farrad fahren

Opus 102/ 1977

 

Schon früh habe ich begriffen, dass beinah alles, was wirklich Wert hat und Spaß macht, nichts oder wenig kostet: Liebe, Natur, Denken, Lesen, Schöpferisch sein. Und doch verkaufte ich mich für Geld in der Fabrik und spür­te, dass mir in der Arbeit das Wertvollste gestohlen wurde, was ich besaß: meine Lebenszeit. Und so hatte mich, kaum dass das ersehnte Freitag da war, schon die Angst vor dem Montag am Wickel.

 

Unter Bäumen Farrad fahren

lieben wir seit Jahren,

treten im ersten Gang

am liebsten am Fluß entlang.

Sehen springende Fische

und Bisamratten,

genießen der Bäume kühlenden Schatten.

Erschlagen Bremsen und Mücken,

junge Entlein uns entzücken.

Wir laben uns an Beeren,

die wir fahrend gern verzehren.

 

Und Rast muß sein, auf alle Fälle!

Wir suchen uns ne schöne Stelle,

lagern uns auf eine Decke,

und dösen um die Wette!

Manchmal packt uns dann die Lust,

du drückst mich dann an deine Brust.

Wir vergessen ne Weile das Blätterrauschen

und wollen mit niemandem tauschen.

 

Wir essen Kekse, trinken Tee,

ach, wia is des Lebn schee!

Ich mag nicht an die Arbeit denken,

möchte immer nur mein Fahrrad lenken,

doch morgen muß ich wieder ran,

was bin ich für ein armer Mann!

Muß Dinge machen, nicht einsehbar,

und komm mir vor grad wie ein Narr.

Die Arbeit ist ne Plage,

sie stiehlt mir meine Tage.

 

Doch weg mit euch, ihr blöden Sorgen!

Was sorge ich mich heut um morgen?

Ich lausch den Vögeln über mir

und streich über die Haare dir.

Du lachst mich an, ich lach zurück,

wir haben uns, was für ein Glück!

Wir wollen nur das heute sehen.

Heute, das ist unser Leben!